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Hexenjagd Mit Handy und Machete 2/2018. Bettina Flitner

He­xen­jagd – Mit Han­dy und Ma­che­te

In Pa­pua-Neu­gui­nea wer­den un­schul­di­ge Frau­en als He­xen an den Pran­ger ge­s­tellt und auf Dorf­plät­zen
öf­f­ent­lich ge­fol­tert. Zwei Or­dens­schwes­tern kämp­fen ge­gen die­se Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen.

Text: Jörg No­wak, Fo­to: Bet­ti­na Flit­ner

Als der sechs­jäh­ri­ge Jo­nat­han die vie­len Men­schen zum Dorf­platz strö­men sieht, glaubt er, ein gro­ßes Fest wer­de vor­be­rei­tet. Neu­gie­rig folgt er mit sei­ner Groß­mut­ter und Mut­ter Cris­ti­na Dio den an­de­ren Frau­en, Män­nern und Kin­dern. Ganz vor­ne in der Men­schen­men­ge er­zählt je­mand et­was von ge­fähr­li­chen San­gu­mas. Die bö­sen He­xen sei­en mit­ten un­ter ih­nen, ruft der Mann. Aus dem Mund ei­ner San­gu­ma wür­den Rat­ten und Schlan­gen krie­chen. Mit ih­ren Flüchen könn­ten sie tö­ten und Men­schen das Herz aus dem Lei­be rei­ßen. Ge­bannt schau­en die Dorf­be­woh­ner auf meh­re­re Män­ner, die ein Feu­er an­zün­den und al­te Au­to­rei­fen in die lo­dern­den Flam­men wer­fen. Sie ram­men me­ter­ho­he Holzpflö­cke in den Bo­den, neh­men Sei­le in die Hand und drän­gen sich durch die war­ten­de Men­schen­men­ge. Jo­nat­han sieht, wie die Män­ner auf sei­ne Mut­ter zu­steu­ern. „San­gu­ma, San­gu­ma, San­gu­ma“, ru­fen sie mit wü­ten­den Bli­cken. Dann grei­fen sie sei­ne Mut­ter Cris­ti­na an den Ar­men und zer­ren sie nach vor­ne zum Feu­er. Sie fes­seln die Frau an die Pfäh­le und ver­bin­den ihr die Au­gen mit ei­nem blau­en Tuch. Mit ge­s­p­reiz­ten Ar­men und Bei­nen sieht sie fast wie ei­ne Ge­k­reu­zig­te aus. Das gan­ze Dorf schaut zu, als die Fol­te­rer der wehr­lo­sen Mut­ter die Klei­der vom Lei­be rei­ßen. Be­son­ders die Män­ner un­ter den Schau­lus­ti­gen star­ren mit dump­fen und gie­ri­gen Bli­cken auf den ent­blöß­ten Frau­en­kör­per.

Mit glüh­en­den Ei­sen­stan­gen
Jo­nat­han und sei­ne Groß­mut­ter er­star­ren vor Angst. Mar­tha über­legt ver­zwei­felt, was sie tun kann. Sie will die Po­li­zei ru­fen. Dann ent­deckt sie un­ter den Hel­fers­hel­fern der He­xen­jä­ger drei Po­li­zis­ten. Die Groß­mut­ter ist ver­zwei­felt. Das gan­ze Dorf ist ge­gen Cris­ti­na. „Gib zu, du bist ei­ne He­xe!“, fau­chen die Män­ner sie an und hal­ten ih­re Bu­sch­mes­ser und Me­tall­stan­gen so­lan­ge ins Feu­er, bis das Ei­sen glüht. Als sie zu­s­te­chen, ren­nen meh­re­re Kin­der er­schro­cken vom Schei­ter­hau­fen weg. Sie lau­fen zur Mis­si­ons­sta­ti­on, wo Schwes­ter Gau­den­cia, Schwes­ter Lo­re­na und die an­de­ren Or­dens­frau­en woh­nen. Die Schwei­zer Mis­si­ons­schwes­tern sind hier in der Re­gi­on um die Stadt Men­di im Hoch­land von Pa­pua-Neu­gui­nea be­kannt. Völ­lig au­ßer Atem klop­fen die Kin­der an die Tür. „Schwes­ter Gau­den­cia, Schwes­ter Gau­den­cia, kom­men Sie sch­nell, ei­ne He­xe wird ver­brannt.“

Als die Or­dens­frau den Dorf­platz er­reicht, ruft sie er­schro­cken: „Um Him­mels Wil­len, hört auf.“ Da stür­men die Fol­te­rer auf die Non­ne zu und prü­geln mit glüh­en­den Holz­stan­gen auf die 72-jäh­ri­ge Frau ein. Sie ret­tet sich, will Hil­fe ho­len. Doch sie be­g­reift, selbst mit den männ­li­chen Mit­ar­bei­tern der Kran­ken­sta­ti­on und dem Pries­ter hat sie kei­ne Chan­ce ge­gen die wü­ten­de Meu­te. Mit hass­er­füll­ten Bli­cken ru­fen die Men­schen im­mer wie­der: „Ku­kim em!“ – Ver­b­rennt sie! „Ki­lim em!“ Tö­tet sie! Es hilft nur noch be­ten. Schwes­ter Gau­den­cia greift zum Ro­sen­kranz. In si­che­rem Ab­stand zum Schei­ter­hau­fen fleht sie Gott um Hil­fe. Meh­re­re Ka­tho­li­ken, die die Or­dens­frau gut ken­nen, kom­men hin­zu und be­ten mit ihr. Wäh­rend sie im­mer wie­der den Ro­sen­kranz be­ten, zie­hen dunk­le Wol­ken auf. Schwes­ter Gau­den­cia blickt zum Him­mel. Hef­ti­ger Re­gen pras­selt plötz­lich auf den Dorf­platz nie­der. Ei­ni­ge der Schau­lus­ti­gen span­nen ih­re bun­ten Re­gen­schir­me auf und star­ren wei­ter auf Chris­ti­na, die sich vor Sch­mer­zen in der Hit­ze des Schei­ter­hau­fens win­det. Der Re­gen wird im­mer stär­ker, der Dorf­platz wird vom Was­ser auf­ge­weicht, die Flam­men des Feu­ers wer­den klei­ner. Die Fol­te­rer ent­schei­den, ei­ne Pau­se ein­zu­le­gen. Cris­ti­na blickt in die Men­schen­men­ge. Rund 600 Dorf­be­woh­ner ste­hen ihr ge­gen­über. Sie sieht ih­re Nach­barn, Män­ner, Frau­en, Kin­der. Meh­re­re Män­ner rich­ten ih­re Han­dys auf sie und schie­ßen Fo­tos.

Der Trick mit dem Stein
Weil der Re­gen nicht auf­hört, sch­lep­pen die Fol­te­rer Cris­ti­na in ei­ne Hüt­te und le­gen sie auf den nack­ten Lehm­bo­den. „Ich muss über­le­ben“, sagt sie zu sich. „Für Jo­nat­han und mei­ne Mut­ter muss ich über­le­ben.“ Sie ent­deckt ei­nen klei­nen Stein in der Hüt­te. Trotz ih­rer hef­ti­gen Sch­mer­zen ist ihr Über­le­bens­wil­le un­ge­bro­chen. Sie denkt sich ei­ne ge­wag­te Ge­schich­te aus, um die Fol­te­rer zu über­lis­ten. In ei­nem un­be­o­b­ach­te­ten Mo­ment schiebt sie sich den Stein zwi­schen die Bei­ne. Dann ruft sie: „Sch­nell, kommt her. Die He­xe, sie ist in mir. Be­f­reit mich. Holt sie raus.“ Die Män­ner be­tas­ten und be­gr­ab­schen Cris­ti­nas Kör­per und fin­gern sch­ließ­lich ei­nen von Lehm und Blut ver­sch­mier­ten Stein her­vor. Wie ei­ne Trophäe hal­ten die Män­ner den Stein in die Höhe. „San­gu­ma“, ru­fen sie. Der Zau­ber scheint ge­fun­den. Die Sze­ne ret­tet Cris­ti­na das Le­ben. Ei­ni­ge Zeit spä­ter liegt sie im Kran­ken­bett der Mis­si­ons­sta­ti­on. Schwes­ter Gau­den­cia setzt ihr Ka­nü­len für den Tropf mit Sch­merz­mit­teln und be­han­delt ih­re Wun­den. Doch selbst in der Mis­si­ons­sta­ti­on ist die Schwer­ver­letz­te nicht si­cher. Von Wei­tem er­k­lin­gen die San­gu­ma-Ru­fe er­neut. Ei­ni­ge der Fol­te­rer zwei­feln an dem He­xen­stein. Sie näh­ern sich dem weit­läu­fi­gen Ge­län­de der Mis­si­ons­schwes­tern, Stei­ne flie­gen auf das Dach der Mis­si­ons­sta­ti­on. „Wir müs­sen Cris­ti­na in Si­cher­heit brin­gen“, sagt Schwes­ter Gau­den­cia.

Jahr für Jahr 200 He­xen­mor­de
Wie ein Flächen­brand brei­ten sich die He­xen­ver­fol­gun­gen in Pa­pua-Neu­gui­nea aus. 1443 Fäl­le so­ge­nann­ter He­xen­pro­zes­se in dem ozea­ni­schen Land hat die aus­tra­li­sche Pro­fes­so­rin Mi­ran­da For­syth in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren do­ku­men­tiert. An­de­re Qu­el­len wie die Ve­r­ein­ten Na­tio­nen schät­zen so­gar, dass jähr­lich rund 200 Men­schen als He­xen in Pa­pua-Neu­gui­nea ge­tö­tet wer­den. Weil sie un­mög­lich in ih­rem Hei­mat­dorf blei­ben kann, brin­gen die Or­dens­schwes­tern Cris­ti­na weit weg. Rund fünf Stun­den mit dem Au­to flüch­ten sie durch die ber­gi­ge Land­schaft, bis end­lich der Mo­unt Wil­helm mit sei­nen mehr als 4500 Me­tern sicht­bar wird. Der höchs­te Berg des Lan­des wur­de 1888 von der deut­schen Ko­lo­nial­macht nach Wil­helm von Bis­marck be­nannt, dem Sohn des deut­schen Reichs­kanz­lers.

Hier liegt die Stadt Kun­dia­wa, in der Cris­ti­na mit ih­rem Sohn und der Groß­mut­ter ein neu­es Le­ben auf­bau­en muss. Wäh­rend Schwes­ter Gau­den­cia sich um die kör­per­li­chen Wun­den von Cris­ti­na küm­mert, ist ih­re Mit­schwes­ter Lo­re­na Je­nal jetzt als Seel­sor­ge­rin ge­for­dert. Die 67-jäh­ri­ge führt vie­le Ge­spräche mit Cris­ti­na und küm­mert sich um die see­li­schen Wun­den. Schwes­ter Lo­re­na be­rührt die Men­schen mit ih­rem lie­ben­den Blick und ih­ren war­men Um­ar­mun­gen. Cris­ti­na spürt die heil­sa­me Wir­kung der An­teil­nah­me und Nähe. Und sie ist dank­bar, dass sich die Or­dens­frau Zeit für Jo­nat­han nimmt. „Wie geht es dir?“, fragt sie den Jun­gen. „Gu­t“, lau­tet die kur­ze Ant­wort. Schwes­ter Lo­re­na lässt nicht lo­cker. „Hast du Freun­de, mit de­nen du spie­len kannst? Schläfst du nachts gut?“ Da blickt Jo­nat­han auf Schwes­ter Lo­re­na und kann sei­ne Trä­nen nicht zu­rück­hal­ten. Im­mer wie­der wür­den die Alpträu­me kom­men, sagt er. „Das Feu­er. Mei­ne Mut­ter“, weint er. Schwes­ter Lo­re­na spürt, wie­viel Ver­zweif­lung, Angst und Wut in dem Jun­gen ste­cken und ihn von in­nen auf­zu­fres­sen dro­hen.

„Komm mit, Jo­nat­han“, sagt Schwes­ter Lo­re­na. „Ich ha­be ei­ne Idee.“ Sie führt den Jun­gen zu ei­nem gro­ßen Baum mit ei­nem fes­ten Stamm. Er darf jetzt al­le sei­ne Ge­füh­le an dem Baum aus­las­sen. Jo­nat­han trom­melt mit den Fäus­ten auf den Stamm, tritt mit den Fü­ß­en ge­gen all das Bö­se, sch­reit und weint sich das Leid von der See­le. Dann wird er ganz ru­hig und setzt sich auf die Wie­se. „Jetzt geht es mir bes­ser.“ Schwes­ter Lo­re­na ist er­leich­tert und wirft noch ei­nen prü­fen­den Blick auf den Baum­stamm, der un­ver­sehrt ge­b­lie­ben ist. Für Cris­ti­na und ih­re klei­ne Fa­mi­lie ist der Hei­lung­s­pro­zess ein lan­ger Weg. „Du hast mir ge­hol­fen, mei­nen in­ne­ren Frie­den zu ge­win­nen“, sagt Cris­ti­na spä­ter zu Schwes­ter Lo­re­na.

In den Fän­gen der Fol­te­rer
In den ver­gan­ge­nen 14 Mo­na­ten hat sich die Schwei­zer Or­dens­frau um 18 Fäl­le von He­xen­ver­fol­gung ge­küm­mert. Wann im­mer sie hört, dass je­mand in Ge­fahr ist, wird sie ak­tiv. So gibt es Hin­wei­se, dass es in ei­nem Dorf in der Nähe von Men­di ei­nen He­xen­pro­zess ge­ge­ben hat. Schwes­ter Lo­re­na fährt mit dem klei­nen Ge­län­de­wa­gen los und fragt am We­ges­rand drei Feld­ar­bei­ter, ob sie et­was ge­hört hät­ten. „Ja, ges­tern Abend hat­ten wir ei­nen He­xen­pro­zess in un­se­rem Dor­f“, ant­wor­ten sie. „Was ist da pas­siert?“, will Schwes­ter Lo­re­na wis­sen. „War­te, wir zei­gen es dir“, sa­gen die bei­den Frau­en und der Mann. Er nimmt sein Bu­sch­mes­ser, wäh­rend sich ei­ne der Frau­en mit ge­s­p­reiz­ten Ar­men und Bei­nen auf­s­tellt, um die Rol­le der He­xe zu spie­len. „Das Bu­sch­mes­ser war vom Feu­er glüh­end ro­t“, er­zählt er mit leuch­ten­den Au­gen.

„Lebt die Frau noch? Wo ist sie?“, fragt Schwes­ter Lo­re­na vol­ler Ver­zweif­lung. Ei­ne der Frau­en weist in Rich­tung des Dor­fes. Als die Or­dens­frau dort an­kommt, stellt sich ihr der Dorf­füh­rer in den Weg. „Wir ha­ben sie ein­ge­sperrt. Sie kriegt kein Was­ser und kei­ne Me­di­ka­men­te. Sie soll kre­pie­ren, die He­xe“, wü­tet er. Schwes­ter Lo­re­na weiß, es geht jetzt um Le­ben oder Tod. Die Frau muss nach stun­den­lan­ger Fol­ter schwer ver­letzt sein. „Ich will zu der Frau“, sagt die Schwei­ze­rin mit ein­dring­li­chem Blick. „Ma­chen sie das Sch­loss auf.“ Der Dorf­füh­rer gibt nach und öff­net die Tür. Te­no heißt die Frau, die mit schwers­ten Ver­let­zun­gen und Ver­b­ren­nun­gen auf dem Bo­den liegt. „Ich brin­ge dich in un­se­re Kran­ken­sta­ti­on“, sagt sie und um­armt Te­no. Als Schwes­ter Lo­re­na mit dem Wa­gen an­kommt, wird sie schon von Schwes­ter Gau­den­cia er­war­tet. Sie un­ter­sucht die Schwer­ver­letz­te, rei­nigt die Wun­den, gibt ihr Sch­merz­mit­tel. Am spä­ten Abend kommt Gau­den­cia zu Lo­re­na und sagt lei­se: „Te­no ist tot. Sie hat es nicht ge­schafft.“

Wie in der Stein­zeit
Schwes­ter Lo­re­na sucht nach Er­klär­un­gen für die sa­dis­ti­sche Ge­walt. „Als ich 1979 nach Pa­pua-Neu­gui­nea kam, war ich fas­zi­niert von der Sc­hön­heit des Lan­des. Al­les schi­en mir sehr fried­lich und har­mo­ni­sch“, er­in­nert sie sich. Gleich­zei­tig „leb­ten die Men­schen wie in der Stein­zeit“. Als in­ter­na­tio­na­le Kon­zer­ne Öl, Gas und an­de­re wert­vol­le Roh­stof­fe ent­deck­ten, sei die Mo­der­ne mit vol­ler Wucht her­ein­ge­bro­chen. Plötz­lich gab es sch­nel­les Geld, Fern­se­her, Han­dys und Au­tos. Die Män­ner sind tra­di­tio­nell Krie­ger, die im­mer mit Pfeil und Bo­gen oder Stei­n­axt un­ter­wegs wa­ren. „Heu­te tau­schen sie das wild­wach­sen­de Ma­ri­hua­na ge­gen Schuss­waf­fen“, be­rich­tet die Schwes­ter. Die ra­di­ka­len Ve­r­än­de­run­gen ver­un­si­cher­ten die Men­schen, mit al­ler Macht wol­len sie zu den Ge­win­nern ge­hö­ren. Der He­xen­glau­be wird auch be­nutzt, wenn Men­schen vol­ler Hab­gier sind. So hält Schwes­ter Lo­re­na Kon­takt zu der selbst­si­che­ren Stel­la, die seit ei­nem Jahr mit ih­rer Toch­ter auf der Flucht ist. Die ei­ge­nen Brü­der war­fen Stel­la vor, ei­ne He­xe zu sein. In Wir­k­lich­keit woll­ten sie ein Stück Land zu­rück, das sie der ei­ge­nen Schwes­ter nicht gönn­ten. Der Fa­mi­li­en­st­reit spitz­te sich zu, Stel­la wur­de ver­teu­felt und ist seit­dem ih­res Le­bens nicht mehr si­cher. Der He­xen­wahn ver­gif­tet die Ge­sell­schaft in Pa­pua-Neu­gui­nea. Es gibt die An­s­tif­ter und ih­re zahl­rei­chen Mo­ti­ve, je­man­den an den Pran­ger zu stel­len. Es gibt die ge­walt­be­rei­ten Tä­ter, die als Fol­te­rer ih­re sa­dis­ti­schen Phan­ta­si­en aus­le­ben. „Das ist Ge­waltpor­no­gra­phie, was sich da ab­spiel­t“, kri­ti­siert Schwes­ter Lo­re­na. Sch­ließ­lich folgt die gro­ße Grup­pe der Schau­lus­ti­gen, die zu den He­xen­pro­zes­sen ei­len, de­ren Mit­ge­fühl ab­ge­s­tumpft ist und die nach Sch­re­ckens­bil­dern gie­ren.

Tä­ter oh­ne Schuld­ein­sicht
Wü­tend macht Schwes­ter Lo­re­na die­ser Hass in der Ge­sell­schaft, aber nicht ohn­mäch­tig. Ganz im Ge­gen­teil: Sie will in die Of­fen­si­ve ge­hen und sich Tä­ter und Fol­te­rer vor­neh­men. An­ge­regt hat sie der Fall von Marg­ret, die den He­xen­pro­zess über­lebt hat. Die bei­den füh­ren lan­ge Ge­spräche, um das Trau­ma der Fol­te­run­gen zu be­wäl­ti­gen. Doch ein nor­ma­les Le­ben ist für Marg­ret un­denk­bar. Die Tä­ter le­ben oh­ne Reue und Süh­ne in ih­rem Hei­mat­dorf. Schwes­ter Lo­re­na wagt die ge­fähr­li­che Mis­si­on und will mit dem An­s­tif­ter und den Fol­te­rern sp­re­chen. Als Eu­ro­päe­rin und Or­dens­schwes­ter ge­nießt sie ei­ne ge­wis­se Au­to­ri­tät. „Da­ni­el, es tut mir sehr leid, dass dei­ne Frau ge­s­tor­ben ist. Sag mir doch, woran ist sie ge­s­tor­ben?“ Da­ni­el, der sich selbst als got­tes­fürch­ti­gen Mann be­zeich­net, ent­geg­net: „Sie wur­de von Marg­ret ver­hext und ge­tö­tet.“ Schwes­ter Lo­re­na hakt nach: „Stimmt es, dass dei­ne Frau zum elf­ten Mal schwan­ger war und im Kran­ken­haus ge­s­tor­ben ist?“ Da­ni­el nickt und blickt auf den Bo­den. Über sechs Wo­chen hin­weg fin­den meh­re­re Tref­fen statt. Schwes­ter Lo­re­na spricht über die zehn Ge­bo­te und die Nächs­ten­lie­be. Marg­ret sei Un­recht ge­tan wor­den, Da­ni­el müs­se um Ver­ge­bung bit­ten und Sch­mer­zens­geld zah­len. An­sons­ten wür­de sie ihn an­zei­gen und ins Ge­fäng­nis brin­gen.

Schwes­ter Lo­re­na schaut ihn an. Sie ahnt, dass er als Mann in die­ser pa­tri­ar­cha­len Ge­sell­schaft nicht sei­ne Schuld ein­ge­ste­hen kann. Sie weiß, er schämt sich und fürch­tet, die­se Eu­ro­päe­rin kön­ne ihn wir­k­lich ins Ge­fäng­nis brin­gen. Die Droh­bot­schaft ver­fehlt ih­re Wir­kung nicht. Er stimmt zu, Sch­mer­zens­geld zu zah­len. Für Schwes­ter Lo­re­na ist dies ein Mei­len­stein. Gleich­zei­tig fürch­tet sie, dass beim nächs­ten To­des­fall in Marg­rets Dorf der He­xen­wahn wie­der auf­flam­men könn­te. Des­halb will die Or­dens­frau mit Spen­den aus Deut­sch­land ihr Hilf­s­pro­jekt im Kampf ge­gen die­se Ge­walt aus­wei­ten und auf­klä­ren. Wenn sie in die Dör­fer und Schu­len geht und mit den jun­gen Men­schen spricht, dann kann – so hofft sie in­stän­dig – ei­ne Ge­ne­ra­ti­on her­an­wach­sen, für die der He­xen­glau­be nur noch ein bö­ses Mär­chen aus ver­gan­ge­nen Zei­ten ist.

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