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Pio­nie­re der Hoff­nung

Der Ni­ger liegt in der Sa­hel­zo­ne, ist das ärms­te Land der Welt und von Is­la­mis­ten be­droht.
In­mit­ten ei­ner mus­li­mi­schen Ge­sell­schaft set­zen sich hier Or­dens­schwes­tern für Dia­log und
Ent­wick­lung ein – und brin­gen Dorf­chefs und Ima­me zum Nach­den­ken.

Fo­to: Hart­mut Schwarz­bach
Text: Bea­trix Gram­lich


Kein Fußb­reit passt mehr zwi­schen die War­ten­den in den Pa­vil­lons. Klein­kin­der wer­den durch die Rei­hen zu ih­ren Müt­tern ge­reicht, Be­grüß­un­gen laut­stark über die Köp­fe der Nach­barn hin­weg aus­ge­tauscht. Wäh­rend aus den Laut­sp­re­chern Afro­pop dröhnt, strö­men noch im­mer Men­schen auf das Ge­län­de. 350 wer­den es am En­de sein – so vie­le wie nie zu­vor: Ima­me, Dorf­vor­ste­her, die Gar­de des Sul­t­ans in ih­ren leuch­tend ro­ten Ge­wän­dern, bunt ver­sch­lei­er­te Frau­en.
Ei­ne Frau mit wei­ßem Sch­lei­er sticht aus der Men­ge her­vor. Ih­ret­we­gen sind sie hier: Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne King­bo, Obe­rin der „Die­ne­rin­nen Chris­ti“, hat Ver­t­re­ter aus zwölf Dör­fern in ihr Klos­ter in Ti­bi­ri, ei­nem Vo­r­ort von Ni­gers dritt­größ­ter Stadt Ma­ra­di, ein­ge­la­den. Die 66-Jäh­ri­ge sitzt an dem ein­zi­gen Tisch im Pa­vil­lon und re­gi­s­triert auf­merk­sam, wer ge­kom­men ist. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen hat sie im Um­kreis von Ki­lo­me­tern Hand­zet­tel ver­tei­len las­sen und um die Teil­nah­me an der Ver­an­stal­tung ge­wor­ben. „Es­sen und Trans­port­kos­ten wer­den über­nom­men“, heißt es da und: „Nous comp­tons sur vot­re pré­sen­ce“ – wir rech­nen mit Ih­rem Er­schei­nen.
Ein­mal im Jahr or­ga­ni­siert die Or­dens­frau mit ih­ren Mit­schwes­tern die­se Ver­samm­lun­gen. Die heu­te ist ih­re sechs­te. Sie ha­ben da­bei über Fa­mi­li­en­le­ben ge­spro­chen, über Hy­gie­ne und Ge­sund­heit oder den Frau­en ganz prak­ti­sche Din­ge wie die Her­stel­lung von Sei­fe oder Fär­be­mit­teln bei­ge­bracht. Zu Ma­riä Him­mel­fahrt 2018 hat Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne mit den Dorf­be­woh­nern die Be­deu­tung von Ma­ria in Chris­ten­tum und Is­lam er­ar­bei­tet. An die­sem Sams­tag geht es um Be­schnei­dung, Zwangs­hei­rat, Po­ly­ga­mie – heik­le The­men in ei­ner pa­tri­ar­cha­lisch-mus­li­mi­schen Ge­sell­schaft, in der die Zahl der Ehe­frau­en nicht un­er­heb­lich zum An­se­hen ei­nes Man­nes bei­trägt. Die Män­ner be­trach­ten die Vie­le­he als Teil ih­rer Tra­di­ti­on, die sie aus dem Ko­ran ab­lei­ten, die Or­dens­frau sieht da­rin Brem­sen der Ent­wick­lung, die der Ni­ger so drin­gend braucht.

Ärms­tes Land der Welt
Der Sa­hel­staat bil­det das Schluss­licht auf dem In­dex für men­sch­li­che Ent­wick­lung. Neun der rund 22 Mil­lio­nen Ein­woh­ner le­ben in ex­t­re­mer Ar­mut, knapp die Hälf­te der Be­völ­ke­rung hat we­ni­ger als 1,70 Eu­ro am Tag zur Ver­fü­gung. Und Bes­se­rung ist nicht in Sicht. Seit der Re­gen, den der we­st­afri­ka­ni­sche Mon­sun früh­er zu­ver­läs­sig von Mai bis Ok­tober brach­te, im­mer häu­fi­ger aus­b­leibt, lei­den die Men­schen zu­neh­mend un­ter Dür­ren und Hun­gers­nö­ten. Vie­le Ge­t­rei­de­spei­cher sind schon Mo­na­te vor der nächs­ten Ern­te leer.
Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne tippt prü­fend ans Mi­kro­phon und wirft ei­nen letz­ten Blick auf ihr Lap­top. „Heu­te wol­len wir auf das schau­en, was den Ni­ger da­von ab­hält, sich zu ent­wi­ckeln“, er­klärt sie und be­ginnt, über Skla­ve­rei und Mo­no­kul­tu­ren zu sp­re­chen, die die fran­zö­si­schen Ko­lo­nial­her­ren den Ein­woh­nern auf­ge­zwun­gen ha­ben. Das Pu­b­li­kum quit­tiert ih­re Aus­füh­run­gen mit Kopf­ni­cken. Al­le sind sich ei­nig, dass ihr Land noch im­mer un­ter den Fol­gen der Fremd­herr­schaft lei­det. Ei­ni­ge Män­ner mel­den sich zu Wort und be­kräf­ti­gen, wie sehr Fran­k­reich den Ni­ger in sei­ner Ent­wick­lung ge­b­remst ha­be.

Ta­bus in der Män­ner­welt
Ge­schickt nutzt die Or­dens­frau die po­si­ti­ve Stim­mung, um das ers­te hei­ße Ei­sen an­zu­pa­cken: die Be­schnei­dung von Mäd­chen – ei­ne jahr­hun­der­teal­te, grau­sa­me Tra­di­ti­on, die in den länd­li­chen Re­gio­nen bis heu­te ver­b­rei­tet ist und bei den Be­trof­fe­nen oft ein Le­ben lang ge­sund­heit­li­che Pro­b­le­me ver­ur­sacht. Vor zwei Ta­gen, am in­ter­na­tio­na­len Tag ge­gen weib­li­che Geni­tal­ver­s­tüm­me­lung, be­rich­tet Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne, hät­ten Mäd­chen im Ra­dio Zeug­nis von ih­rem Leid ge­ge­ben. In der Ecke, in der die Frau­en sit­zen, wird es un­ru­hig. Die meis­ten sind selbst Op­fer von Zwangs­be­schnei­dung und ha­ben auch ih­re Töch­ter da­zu ge­drängt. Die Män­ner ver­fol­gen das Ge­sche­hen mit reg­lo­sen Mie­nen. Man­che las­sen Ge­bets­ket­ten durch ih­re Fin­ger glei­ten.
Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne wech­selt der­weil un­be­irrt zum nächs­ten Punkt: Zwang­se­he. Im Ni­ger be­deu­tet das häu­fig nicht nur ei­ne un­f­rei­wil­li­ge Ver­bin­dung, son­dern auch, dass schon zehn-, zwölf­jäh­ri­ge Mäd­chen mit Män­nern ver­hei­ra­tet wer­den, die ih­re Großvä­ter sein könn­ten. „Wir kämp­fen seit Jah­ren da­ge­gen und ge­gen die frühen Schwan­ger­schaf­ten“, ruft die Or­dens­frau in die Men­ge. „Hat sich et­was ve­r­än­dert?“ „Ja“, ant­wor­ten die Män­ner. „Wir schi­cken die Mäd­chen jetzt in die Schu­le“, sa­gen die Frau­en. Der Ver­t­re­ter des Sul­t­ans spricht so­gar von ei­nem Be­wusst­s­eins­wan­del.

Gu­ter Draht zum Sul­tan
Sein Chef, der Sul­tan von Ti­bi­ri, Ab­dou Bal­la Ma­ra­fa, ist ein gro­ßer Be­für­wor­ter von Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­nes Ar­beit. Er re­si­diert in ei­nem rie­si­gen, aber ärm­li­chen Pa­last und ist das Ober­haupt der Gou­bur: ein Volk aus dem mitt­le­ren Os­ten, das die Flucht vor krie­ge­ri­schen Au­s­ein­an­der­set­zun­gen im Lauf sei­ner mehr als tau­send­jäh­ri­gen Ge­schich­te bis in den Ni­ger ge­führt hat. Mit Sor­ge be­o­b­ach­tet Ab­dou Bal­la Ma­ra­fa die wach­sen­den Pro­b­le­me im Land: die un­si­che­re Er­näh­rungs­la­ge, den Aus­bruch der Cho­le­ra wäh­rend der letz­ten Re­gen­zeit, die Be­dro­hung durch is­la­mis­ti­sche Fun­da­men­ta­lis­ten. „Mitt­ler­wei­le gibt es hier gro­ße Span­nungs­her­de“, sagt er. Aus dem be­nach­bar­ten Ma­li und Tschad drin­gen Bo­ko Ha­ram-Kämp­fer in die Grenz­ge­bie­te ein, plün­dern Häu­ser, ent­füh­ren Kin­der und er­pres­sen Lö­se­geld. Nach den An­schlä­gen auf die fran­zö­si­sche Sa­ti­re­zeit­schrift Char­ly Heb­do im Ja­nuar 2015 wur­de die Mis­si­ons­sta­ti­on der Weis­sen Vä­ter im 230 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Zin­der von ei­nem Mob wü­ten­der Mus­li­me ver­wüs­tet. Ei­ne Ein­heit der Po­li­zei schütz­te da­mals ei­ne Wo­che lang das Klos­ter der Schwes­tern in Ti­bi­ri, seit­dem sind stän­dig zwei Wach­pos­ten dort sta­tio­niert. Weil es im­mer wie­der An­grif­fe auf Gläu­bi­ge gab, ließ die ka­tho­li­sche Ge­mein­de in Ma­ra­di ei­ne Mau­er um das Ge­län­de der Ka­the­dra­le zie­hen.
Die feh­len­de Si­cher­heit brin­ge den ge­sam­ten Ni­ger aus dem Gleich­ge­wicht, be­fürch­tet der Sul­tan. Was, wenn die Stim­mung kippt und sich der bis­her li­be­ra­le Is­lam in dem Sa­hel­staat ra­di­ka­li­siert? „Ge­gen­sei­ti­ge An­nähe­rung, Re­spekt, den an­de­ren ken­nen und ver­ste­hen ler­nen“: Das sind für Ab­dou Bal­la die bes­ten Waf­fen im Kampf ge­gen Ex­t­re­mis­mus – und ge­nau die Mit­tel, die Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne ein­setzt. Des­halb hat er auch da­für ge­sorgt, dass Ra­dio und Fern­se­hen lan­des­weit über ih­re in­ter­re­li­giö­sen Ver­an­stal­tun­gen be­rich­ten.
Bei ih­ren Tref­fen ver­sucht die Or­dens­frau, bei Chris­ten wie Mus­li­men Ver­ständ­nis fü­r­e­in­an­der zu we­cken. Doch Vor­ur­tei­le, ein­ge­f­leisch­te Ver­hal­tens­wei­sen und Tra­di­tio­nen auf­zu­b­re­chen, die seit Ge­ne­ra­tio­nen in den Köp­fen ver­an­kert sind, er­for­dert Ge­duld, Ein­füh­lungs­ver­mö­gen, oft auch Zu­rück­hal­tung. De­mut ist für Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne ein wich­ti­ger Be­stand­teil ih­rer Spi­ri­tua­li­tät und ge­hört zu ih­rem Di­enst an den Ar­men.
Die ge­bür­ti­ge Se­ne­ga­le­sin hat­te als jun­ge Frau in ih­rer Hei­mat ei­nen gu­ten Job, ein Haus, ein Au­to. „Ich ha­be nie da­ran ge­dacht, ein ge­weih­tes Le­ben zu füh­r­en“, sagt sie. „Als ich den Ruf des Herrn ver­nahm, ha­be ich da­ge­gen an­ge­kämpft.“ Doch ih­re Ge­gen­wehr hielt nicht lan­ge. Im Al­ter von 22 Jah­ren trat sie den „Töch­tern des Hei­li­gen Her­zens Ma­ri­en­s“ bei und war spä­ter vie­le Jah­re de­ren Ge­ne­ra­l­obe­rin. Wäh­rend ei­nes Sab­bat­jahrs in Pa­ris reif­te ih­re Ent­schei­dung, den Men­schen in ei­nem mus­li­mi­schen Land Chris­ti Lie­be zu zei­gen. 2006 grün­de­te sie in Ma­ra­di die Ge­mein­schaft der Die­ne­rin­nen Chris­ti und be­gann mit der Ar­beit in den Dör­fern. „Als ich die Ar­mut dort sah, ha­be ich näch­te­lang ge­wein­t“, er­in­nert sie sich.

Sa­b­i­ro, 30 Ki­lo­me­ter von Ma­ra­di ent­fernt, ist ei­nes die­ser Dör­fer, wie es Tau­sen­de im Ni­ger gibt. In der hei­ßen, stau­bi­gen Luft, die der Wüs­ten­wind Har-mat­tan vor sich her­t­reibt, zeich­nen sich die ge­duck­ten Lehm­bau­ten kaum vom Him­mel ab. Der Hof von Ha­li­lou dan Mai­mai ist der größ­te: ein um­frie­de­tes Ge­viert, an des­sen Mau­ern ein paar nie­d­ri­ge Räu­me kle­ben: je ein Schlaf­zim­mer für sei­ne Frau­en und ihn, ein klei­ner La­den, in dem er Nu­deln, Reis und Zu­cker vom Markt ge­gen ge­rin­gen Auf­preis wei­ter­ver­kauft. Drau­ßen ja­gen Kin­der mit auf­ge­bläh­ten Bäu­chen hin­ter zer­fetz­ten Plas­tik­tü­ten her. Ei­ni­ge kau­en die wil­den Früch­te des Kos­s­o­ré-Baums. Die höl­zer­nen Hir­se­mör­ser lie­gen auf der Sei­te – ein Zei­chen da­für, dass die Vor­rä­te auf­ge­braucht sind.
Ha­li­lou ist Dorf­chef von Sa­b­i­ro. Er trägt die Ja­la­ba, das tra­di­tio­nel­le Hemd der Mus­li­me, auf dem Kopf die schiff­chen­för­mi­ge Houal­la Kou­be. Ha­li­lou ist ein an­ge­se­he­ner Mann mit zwei Frau­en und 20 Kin­dern. Von An­fang an hat der 41-Jäh­ri­ge die Ver­an­stal­tun­gen der Schwes­tern be­sucht. In sei­nem Dorf ha­be sich da­durch viel ve­r­än­dert, meint er. Mit Hil­fe ei­nes Mi­kro­k­re­dits hät­ten sie ei­ne Zie­gen­zucht auf­bau­en kön­nen, die Frau­en sei­en bes­ser ge­k­lei­det als früh­er, es ge­be kei­nen Hun­ger mehr – und kei­ne Zwangs­hei­ra­ten. Ha­li­lou hat nie ei­ne Schu­le be­sucht. Auch sei­ne Kin­der ge­hen nicht zum Un­ter­richt. Die nächs­te Schu­le ist 17 Ki­lo­me­ter ent­fernt und nicht mehr als ei­ne lan­ge Lehm­hüt­te, in der es we­der Ti­sche noch Bän­ke gibt. Die Kin­der sit­zen auf dem nack­ten, san­di­gen Bo­den. „Im Som­mer, wenn es heiß ist“, er­zählt Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne, „krie­chen die Schlan­gen aus der Er­de.“

Vor Ha­li­lous Hof sit­zen die Al­ten auf Plas­tik­stüh­len und schla­gen die Zeit tot. Frau­en, die an der Mau­er leh­nen, bit­ten Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne um Es­sen für ih­re Fa­mi­li­en. Ei­ne Grup­pe jun­ger Män­ner be­rich­tet, dass die Aus­saat auf den Fel­dern nicht wächst. „Selbst wenn es reg­net, gedei­hen die Pflan­zen nicht, weil der Bo­den sch­lecht ist“, kla­gen sie. Sie bräuch­ten drin­gend Dün­ger, aber da­für fehlt ih­nen das Geld.
Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne und ih­re Mit­schwes­tern ken­nen die Ar­mut, den Hun­ger, die Hoff­nungs­lo­sig­keit und ver­su­chen, den Men­schen Aus­we­ge zu er­öff­nen. In Dan Ba­ku ha­ben sie ei­ne zwei­te Ge­mein­schaft ge­grün­det und tei­len das ein­fa­che Le­ben der Dorf­be­woh­ner. Sie ver­ge­ben Mi­kro­k­re­di­te und zei­gen ih­nen, wie sie sich mit der Her­stel­lung von Sei­fen und Fär­be­mit­teln oder der Zucht von Hüh­nern und Zie­gen ein klei­nes Ein­kom­men er­wirt­schaf­ten kön­nen. Hier ha­ben sie auch ein Zen­trum für un­te­r­er­nähr­te Kin­der auf­ge­baut, in Ti­bi­ri ei­ne Schu­le mit Kin­der­gar­ten; 90 Pro­zent der Jun­gen und Mäd­chen stam­men aus ar­men Fa­mi­li­en. Vor ei­nem hal­ben Jahr sind zwei Schwes­tern in die zer­stör­te Mis­si­ons­sta­ti­on der Weis­sen Vä­ter in Zin­der ge­zo­gen und hel­fen, die Ar­beit dort wie­der auf­zu­bau­en.

Frau­en ge­hö­ren ins Haus
Doch auch die Or­dens­frau­en sto­ßen an Gren­zen. Bei der Ver­samm­lung be­har­ren die Män­ner dar­auf, dass die Frau sich um Haus und Fa­mi­lie zu küm­mern und kei­nen Platz in der Ge­sell­schaft ha­be. Ein Imam be­tont, der Is­lam wei­se ihr die­se Rol­le zu, weil sie un­ge­bil­det sei. Ein Dorf­chef will so­gar ei­ne Su­re im Ko­ran ken­nen, die das be­stä­tigt. Mit dem Wi­der­spruch von Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne hat er nicht ge­rech­net. „Ich ha­be vie­le Stu­di­en zum Is­lam ge­mach­t“, kon­tert sie, „aber ei­ne Su­re, die der Frau ver­bie­tet, das Haus zu ver­las­sen, ist mir nie be­geg­net.“ Jetzt mel­det sich ei­ne gepf­leg­te, jun­ge Frau zu Wort. Auf­ge­bracht be­rich­tet sie von Män­nern, die sich nicht um ih­re Frau­en küm­mern, wie der Ko­ran es ver­lan­ge. Ei­ne an­de­re fragt: „Wie soll die Frau in ei­nem Haus blei­ben, in dem es we­der zu es­sen noch zu trin­ken gibt?“ Wäh­rend sie laut­star­ken Bei­fall ern­tet, häm­mert Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne die Bei­trä­ge in ih­ren Lap­top. Die Tref­fen sei­en ei­ne gro­ße Chan­ce für die Frau­en, er­klärt sie. „Hier sa­gen sie, was sie den­ken, zu Hau­se trau­en sie sich das nicht. Da ist al­les Zwang für sie.“
Am En­de fragt Schwes­ter Ma­rie Ca­the­ri­ne ih­re Zu­hö­rer, was hel­fen wür­de, den Ni­ger vor­an­zu­brin­gen. Die Frau­en wün­schen sich Fa­bri­ken, in de­nen die jun­gen Leu­te Ar­beit fin­den, da­mit sie in ih­rer Hei­mat blei­ben und das Land nicht ver­las­sen. Die Män­ner bit­ten die Or­dens­frau um Dün­ger für ih­re Fel­der. Akri­bisch no­tiert sie, wie­viel Ki­lo je­des Dorf braucht und ver­spricht, Un­ter­stüt­zung zu su­chen.

Ver­kehr­te Welt
Ha­li­lou ist ins Gr­übeln ge­kom­men. Als die Ver­an­stal­tung vor­bei ist, fragt er, ab wel­chem Al­ter Mäd­chen ei­gent­lich hei­ra­ten dürf­ten. Und ein Imam er­zählt: „Früh­er ha­ben wir nur sch­lecht über die Chris­ten ge­re­det. Sie ha­ben uns als Skla­ven ge­nom­men und ihr Fran­zö­sisch auf­ge­zwun­gen. Erst jetzt fan­gen wir Mus­li­me an, die Chris­ten zu ver­ste­hen.“ Der 80-jäh­ri­ge Ibra­him Mous­sa, der zum ers­ten Mal zu ei­nem Tref­fen ge­kom­men ist, sagt: „Ich fin­de es gut, dass Chris­ten und Mus­li­me hier un­ter ei­nem Dach sit­zen. Wir tei­len die­sel­ben Wer­te, weil wir den­sel­ben Gott ha­ben.“ In sei­nem Dorf wird er von der klei­nen, re­so­lu­ten Schwes­ter er­zäh­len, die die Ver­hält­nis­se auf den Kopf stellt. Die als Frau und oben­d­r­ein Chris­tin vor den Män­nern sitzt, sie zum Nach­den­ken bringt und ih­nen Pa­ro­li bie­tet. Doch schon nach der ers­ten Ver­samm­lung, zu der sie ein­ge­la­den hat­te, sag­ten die Män­ner zu ihr: „Ma­chen sie wei­ter! Wenn es mehr Frau­en wie sie gä­be, sähe es im Ni­ger an­ders aus.“

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