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Der irische Spiritanerpater John Skinnader mit Studenten. Foto: CSSP

Spi­ri­ta­ner­pa­ter John Skin­na­der mit Stu­den­ten.

Süd­s­u­dan

„Nie war ich in ei­nem Land,
das mich so sehr brauch­t“

Seit 2012 ar­bei­tet der iri­sche Spi­ri­ta­ner­pa­ter John Skin­na­der in der süd­s­u­da­ne­si­schen Diöze­se Rum­bek. Er ist ver­ant­wort­lich für das "klei­ne Se­mi­nar" in Ma­puor­dit, wo sich Schü­ler auf den Pries­ter­be­ruf vor­be­rei­ten. Das klei­ne Se­mi­nar in Ma­puor­dit be­su­chen et­wa 50 Stu­den­ten, von de­nen die bes­ten zum Wei­ter­stu­di­um nach Nai­ro­bi in Ke­nia ge­hen, um Pries­ter zu wer­den. Der Ort liegt in den Wäl­dern, in die die Men­schen wäh­rend des Krie­ges we­gen der Bom­bar­die­rung und der ara­bi­schen Sol­da­ten des Nor­dens ge­f­lo­hen sind. „Das Volk Is­ra­el wur­de aus der Knecht­schaft Ägyp­tens be­f­reit, muss­te je­doch noch 40 Jah­re durch die Wüs­te zie­hen, be­vor es in das ge­lob­te Land kam. Ähn­lich geht es auch den Men­schen in Süd­s­u­dan. Sie sind frei, be­fin­den sich jetzt je­doch wie in ei­ner Wüs­te, und der Weg in das ge­lob­te Land der Frei­heit ist noch weit. Aber sie sind gläu­bi­ge Men­schen, und es ist ein Pri­vi­leg, mit ih­nen ih­ren Weg ge­hen und sie un­ter­stüt­zen zu kön­nen,“ so der Iri­sche Spi­ri­ta­ner­pa­ter John Skin­na­der im In­ter­view.

Bist Du vom Ge­ne­ra­lat in Rom für Dei­ne Auf­ga­be be­stimmt wor­den oder hast Du sie Dir sel­ber aus­ge­wählt?
Skin­na­der: Wir Spi­ri­ta­ner im Süd­s­u­dan ha­ben al­le un­se­re Be­stim­mung vom Ge­ne­ra­lat in Rom er­hal­ten. Ich hat­te da­mals ge­ra­de mein Sab­bat­jahr, mein Frei­jahr in Ir­land nach ei­ner zehn­jäh­ri­gen har­ten Ar­beit in ei­ner schwie­ri­gen Mis­si­on in Äthio­pi­en be­en­det, als un­ser Ge­ne­ra­lat in Rom mich bat, die jun­ge Spi­ri­ta­n­er­grup­pe in der Auf­ga­be zu lei­ten, in Süd­s­u­dan ei­ne neue Prä­senz der Spi­ri­ta­ner auf­zu­bau­en. Das war wir­k­lich ei­ne schwie­ri­ge und her­aus­for­dern­de Auf­ga­be.

Was hat Dich ver­an­lasst, die­se Auf­ga­be an­zu­neh­men?
Skin­na­der: Für mich war die Tat­sa­che aus­schlag­ge­bend, dass der Süd­s­u­dan die jüngs­te Na­ti­on der Welt ist und sei­ne Be­woh­ner ihr Christ­sein aufs Neue fes­ti­gen wol­len. Im Ge­gen­satz zu den Mos­lems ha­ben sie ein kla­res Selbst­be­wusst­sein. Dar­um ha­be ich die­sen Auf­trag an­ge­nom­men. Ich sah ihm mu­tig ent­ge­gen, wenn ich manch­mal auch fürch­te­te, all dem nicht ge­wach­sen zu sein. Da ist zum Bei­spiel mein Al­ter. Ich war fast 60 Jah­re alt und soll­te noch ei­ne ganz frem­de Spra­che ler­nen! Doch es ging ganz gut und war für mich ei­ne wun­der­ba­re Er­fah­rung.

Was hat die jet­zi­ge Au­s­ein­an­der­set­zung im Süd­s­u­dan ver­ur­sacht?
Skin­na­der: Der ei­gent­li­che Grund für den der­zei­ti­gen Krieg im Süd­s­u­dan ist in Stam­mes­ri­va­li­tä­ten zu se­hen, vor al­lem zwi­schen den bei­den gro­ßen Volks­stäm­men der Din­ka und der Nu­er. Sie ha­ben die glei­che Re­li­gi­on. Sie sind Chris­ten. Hier geht es um die Fra­ge, wer die Bo­den­schät­ze des Lan­des kon­trol­lie­ren soll. Die Nu­er ver­fü­gen über die Öl­qu­el­len. Die Din­ka, die größ­te Grup­pe in der Be­völ­ke­rung, sit­zen da­ge­gen in der Re­gie­rung und nut­zen al­le Bo­den­schät­ze da­zu, ihr Ge­biet zu ent­wi­ckeln, oh­ne et­was für die Men­schen zu tun, in de­ren Ge­biet die Öl­qu­el­len lie­gen. Zu den Din­ka ge­hö­ren ent­sp­re­chend der Volks­zäh­lung von 2008 rund 4.5 Mil­lio­nen zu der Be­völ­ke­rung des Süd­s­u­dan. Sie sind mit et­wa 18 % An­teil an der Ge­samt­be­völ­ke­rung der größ­te Volks­stamm. Sie ha­ben seit der Un­ab­hän­gig­keit des Süd­s­ud­ans vor drei Jah­ren die Re­gie­rungs­ge­walt. Der Vi­ze­prä­si­dent, ein Nu­er, hat im­mer wie­der die For­de­rung auf­ge­s­tellt, dass er der Prä­si­dent sein müs­se. Er wur­de vor ei­ni­gen Mo­na­ten zu­sam­men mit an­de­ren Mi­nis­tern we­gen ei­nes Be­s­te­chungsskan­dals aus der Re­gie­rung ent­las­sen. Geld­be­trä­ge in Mil­lio­nen­höhe wa­ren aus der Staats­kas­se ver­schwun­den. Der au­gen­blick­li­che Krieg in Süd­s­u­dan ist al­so kein Re­li­gi­ons­krieg, son­dern ein Stam­mes­krieg.

Gottesdienst im Südsudan. Foto: CSSP

Wie steht es mit der Re­gie­rung? Sit­zen Män­ner in der Re­gie­rung, weil sie Fach­kom­pe­tenz ha­ben oder weil sie ei­ner be­stimm­ten Stam­mes­grup­pe an­ge­hö­ren?
Skin­na­der: Als der Süd­s­u­dan vor drei Jah­ren die Un­ab­hän­gig­keit er­lang­te, wur­de ent­schie­den, dass der Prä­si­dent ein Din­ka sein sol­le und der Vi­ze­prä­si­dent ein Nu­er. Doch Riek Machar, der Vi­ze­prä­si­dent, lös­te an Weih­nach­ten 2013 den Auf­stand ge­gen den Prä­si­den­ten aus. Kurz und gut: Die Leu­te, die heu­te in der Re­gie­rung sit­zen, wa­ren Sol­da­ten und Re­bel­len, die ihr Land zu be­f­rei­en ver­such­ten. Heu­te möch­ten sie die Früch­te ih­res Ein­sat­zes ge­nie­ßen. So kommt es zur Kor­rup­ti­on.

Wie ist die La­ge im Au­gen­blick?
Skin­na­der: Nicht gut. Riek Machar, der Vi­ze­prä­si­dent, hat­te den Auf­stand ge­gen die SPLM (Su­dan Prop­le´s Li­be­ra­ti­on Mo­ve­ment - Volks­be­f­rei­ungs­be­we­gung des Sud­ans) im Kampf ge­gen den Nord­su­dan ge­lei­tet. Dann schlug er sich auf die Sei­te von Khar­tum und kämpf­te ge­gen die Re­gie­rung des Süd­s­ud­ans. Es ist al­so nicht das ers­te Mal, dass er die Fron­ten wech­sel­te.

Hat er An­hän­ger?
Skin­na­der: Na­tür­lich! Die jun­gen Leu­te ste­hen hin­ter ihm. Riek Machar ge­hört zu den Nu­er. Ich möch­te das so er­klä­ren: Leu­te, die ihr Land ge­gen an­de­re ver­tei­di­gen, von de­nen sie glau­ben, dass sie sich ihr Land ein­ver­lei­ben wol­len, sch­lie­ßen sich na­tür­lich zu­sam­men; sie über­le­gen Schrit­te, wie sie ihr Land und sich selbst ge­gen die Ein­dring­lin­ge schüt­zen kön­nen. Ge­nau das ge­schieht in Süd­s­u­dan. Die Nu­er den­ken, die Din­ka wür­den sie un­ter­drü­cken. Die Leu­te se­hen in dem Re­bel­len­füh­rer Riek Machar den Mo­se, der sie aus der Un­ter­drü­ckung und Un­ge­rech­tig­keit der Din­ka in die Frei­heit führt. Im Au­gen­blick gibt es in Äthio­pi­en zwar Ge­spräche zwi­schen den bei­den Grup­pen. Doch sieht al­les nicht gut aus.

Wenn die jun­gen Leu­te hin­ter dem Re­bel­len­füh­rer ste­hen, wä­re es da rich­tig zu sa­gen, dass sie vor­her ei­ner „Ge­hirn­wä­sche“ un­ter­zo­gen wur­den?
Skin­na­der: Das wür­de ich so nicht sa­gen. Die Men­schen in Süd­s­u­dan sind vol­ler Hoff­nung und be­ten, dass die­se bei­den Volks­grup­pen zu­ein­an­der fin­den. Sie sind glück­lich, un­ab­hän­gig zu sein; aber sie sind nicht glück­lich, dass we­der die Re­gie­rung noch Re­bel­len ir­gendet­was tun, um die La­ge im Land zu ver­bes­sern.

Wel­che pa­s­to­ra­le Ar­beit leis­ten die Spi­ri­ta­ner in Süd­s­u­dan?
Skin­na­der: Da gibt es so vie­le Auf­ga­ben: Be­t­reu­ung de­rer, die durch den Krieg ge­schä­d­igt sind, För­de­rung der Schul­bil­dung für jun­ge Men­schen, Pro­gram­me, die Frau­en för­dern, Er­zie­hung zur Ver­bes­se­rung der Ge­sund­heit. We­gen der lan­gen Kriegs­si­tua­ti­on ha­ben vie­le ver­lernt, wie das Land zu be­ar­bei­ten ist, um Feld­früch­te zu er­hal­ten. Das ist ei­ne der Auf­ga­ben, die an­ge­gan­gen wer­den muss.
In Wu­lu gibt es nur ei­ne stroh­ge­deck­te Kir­che. Ei­ne fes­te, so­li­de Kir­che muss ge­baut wer­den.
Pa­ter Jo­seph baut ei­ne an­de­re Kir­che in ei­ner Au­ßen­sta­ti­on. Er baut auch ei­ne Schu­le, da es dort noch kei­ne Schu­le gibt. Pa­ter Sos­pe­ter hat ein Pro­gramm zur För­de­rung der Frau­en ent­wi­ckelt, das Frau­en­för­de­rung­s­pro­jekt.

Wie fi­nan­ziert Ihr all die­se Pro­jek­te?
Skin­na­der: Das ist ge­nau der Grund, warum ich nach Deut­sch­land ge­kom­men bin. Das „Kin­der­mis­si­ons­wer­k“ in Aa­chen hat dem Klei­nen Se­mi­nar sehr ge­hol­fen, das ich lei­te. Für die Mis­si­on in Wu­lu ver­su­che ich sel­ber, noch Gel­der zu be­kom­men. Ich wer­de be­reits von Men­schen in Bel­gi­en un­ter­stützt und von un­se­rem Ge­ne­ra­lat in Rom.

Wie siehst Du dei­ne jet­zi­ge Er­zie­hungs­auf­ga­be?
Skin­na­der: Ich hat­te noch nie so sehr das Ge­fühl, in ei­nem Land zu sein, das so sehr auf mei­ne Hil­fe war­tet. Die Men­schen war­ten auf Hil­fe. Sie sind stolz; er­ken­nen aber, dass sie in ih­rer ge­gen­wär­ti­gen La­ge nicht im Stan­de sind, sich sel­ber zu hel­fen. Die meis­ten Leh­rer stam­men aus Ke­nia und Ugan­da. Es gibt kei­ne ein­hei­mi­schen Leh­rer, kei­ne Me­cha­ni­ker, kei­ne Elek­tri­ker. Al­le Be­ru­fe sind rar. Die Men­schen hän­gen von Hil­fe von au­ßen ab. Auch das, was sie es­sen, ist im­por­tiert aus Tan­sa­nia, Ke­nia und Ugan­da. Erst jetzt be­gin­nen sie, et­was für den ei­ge­nen Be­darf zu pflan­zen.

Die Nach­bar­län­der hel­fen al­so?
Skin­na­der: Ja, aber das schafft vie­le Span­nun­gen im Land. Die Din­ka sind der Mei­nung, dass es zu vie­le Ke­nia­ner und Ugan­der im Land gibt, die sich ge­gen sie stel­len könn­ten. Da wur­de vor kur­zem ein Bank­di­rek­tor in­haf­tiert, weil er Re­gie­rungs­mit­g­lie­dern nicht das gab, was sie von ihm ver­lang­ten. Da wur­de von der Re­gie­rung vor ei­ner Wo­che die ka­tho­li­sche Ra­dio­sta­ti­on in Ju­ba ge­sch­los­sen. Das Ra­dio hat­te über die Kriegs­si­tua­ti­on be­rich­tet, und die Re­gie­rung ver­t­rat die Mei­nung, da­zu hät­te die Ra­dio­sta­ti­on kein Recht ge­habt.

Der irische Spiritanerpater John Skinnader feiert im Südsudan Gottesdienst. Foto: CSSP

Wie siehst Du die Zu­kunft für Dich und Dei­ne Auf­ga­be?
Skin­na­der: Mei­ne Ar­beit ist die Her­an­bil­dung von Füh­rungs­kräf­ten für mor­gen. Ich ver­su­che, ih­nen Wer­te zu ver­mit­teln, die ih­nen hel­fen sol­len, ei­ne Ge­sell­schaft auf­zu­bau­en, in der der Frie­de und die Wür­de ei­ner je­den Per­son ga­ran­tiert sind, ganz gleich ob jung oder alt, Mann oder Frau, Din­ka oder Nu­er, Christ oder Mos­lem. Das se­he ich an als mei­ne Auf­ga­be im klei­nen Se­mi­nar. Zu uns wer­den die bes­ten Stu­den­ten aus den Pfarr­ge­mein­den der Diöze­se ge­schickt, weil sie hier an ei­nem si­che­ren Ort sind und wir ih­nen die bes­te Aus­bil­dung ge­ben. Un­ser So­lar­sys­tem, ei­ne Fo­to­vol­ta­ik­an­la­ge, gibt den Stu­den­ten Licht, auch in Nacht.
Sie le­ben im Se­mi­nar und be­su­chen das Com­bo­ni-Gym­na­si­um, das von aus­tra­li­schen Schwes­tern ge­lei­tet wird. Wenn man in Eu­ro­pa oder sonst wo in Afri­ka von ei­nem klei­nen Se­mi­nar spricht, denkt man an Schü­ler, die zwi­schen 12 und 16 oder so­gar 18 Jah­re alt sind. Bei uns sind die meis­ten äl­ter als 25 Jah­re. Sie wer­den die füh­r­en­den Leu­te von mor­gen sein, auf na­tio­na­ler, re­gio­na­ler oder lo­ka­ler Ebe­ne. Ei­ni­ge wer­den auch in der Kir­che lei­ten­de Funk­tio­nen über­neh­men.

Warum sind die Stu­den­ten schon so alt?
Skin­na­der: We­gen der vie­len Kriegs­jah­re hat sich ih­re Aus­bil­dung ver­zö­gert oder wur­de so­gar un­ter­bro­chen. Dar­um sind sie so alt. Doch das schafft Pro­b­le­me. Vor ei­nem Mo­nat ha­be ich ei­nen Stu­den­ten ent­las­sen und ges­tern be­kam ich per E-Mail die In­for­ma­ti­on, dass die­ser Stu­dent mit ei­nem Ge­wehr in der Hand in das Se­mi­nar zu­rück­kam, um den Mit­stu­den­ten zu tö­ten, von dem er an­nahm, dass er sei­ne Ent­las­sung ver­an­lasst ha­be. Ein gro­ßes Pro­b­lem sind Ra­che und Ver­gel­tung; es gilt das Prin­zip: „Au­ge um Au­ge und Zahn um Zahn“. Wir ver­su­chen, den Stu­den­ten das Ver­ständ­nis der Bot­schaft Je­su zu ver­mit­teln. Im Au­gen­blick ist nicht der Bür­ger­krieg zwi­schen Din­ka und Nu­er be­son­ders ge­fähr­lich. Ge­fähr­li­cher sind Au­s­ein­an­der­set­zun­gen un­ter den Din­ka vor Ort. Die Din­ka er­le­ben zur­zeit ei­nen Macht­kon­f­likt.

Was ist der Grund da­für?
Skin­na­der: Es sind die Kühe. Sie sind von größ­t­em Wert. Um zum Bei­spiel hei­ra­ten zu kön­nen, musst Du der Braut­fa­mi­lie 60, 100 oder so­gar 150 Kühe als Braut­ga­be ge­ben, und vie­le be­sit­zen nicht so vie­le Kühe. Dar­um steh­len sie die Kühe von de­nen, die sie ha­ben, und das bringt Zank und St­reit. In mei­ner Ge­gend wur­den 20, 30 Per­so­nen aus die­sen Grün­den er­mor­det.

Ist es un­mög­lich, die­se Pro­b­le­me zu lö­sen?
Die Re­gie­rung tut nichts da­ran, und die Kir­che be­tet und lei­tet die Men­schen an zu be­ten.

Du hast ge­ra­de von dem Geist der Ra­che und der Ver­gel­tung ge­spro­chen. Kann das nicht zu ei­nem Kon­f­likt füh­ren, wie wir ihn zwi­schen den Tut­si und den Hu­tus aus Ugan­da und Rwan­da ken­nen?
Skin­na­der: Wir ha­ben in Süd­s­u­dan die­sen Kon­f­likt schon. Ich ken­ne Rwan­da. Ich mach­te dort ei­ni­ge Stu­di­en und un­ter­rich­te­te in Bu­run­di. In Süd­s­u­dan be­steht ein un­na­tür­li­cher Hass zwi­schen den Stam­mes­grup­pen und inn­er­halb der Din­ka zwi­schen ver­schie­de­nen Grup­pen die­ses Volks­stam­mes, Ge­walt zwi­schen Volks­stäm­men und inn­er­halb der Volks­stäm­me. Eth­ni­sche Span­nun­gen inn­er­halb ei­ner Ge­sell­schaft, die reich an Öl aber auch reich an Kor­rup­ti­on ist, es­ka­lie­ren und füh­ren zu Massa­kern an Tau­sen­den Men­schen in je­dem Jahr. Die­se Span­nun­gen ha­ben viel­fa­che Ur­sa­chen, die durch Jahr­hun­der­te an­ge­wach­sen sind. Die Men­schen ge­hö­ren un­ter­schied­li­chen Volks­stäm­men an mit je ei­ge­nen Spra­chen. In Rum­bek spricht man ei­ne an­de­re Spra­che als in Ma­puor­dit, und bei­de Or­te sind nur zwei Au­to­stun­den von­ein­an­der ent­fernt.

Was tut die Kir­che, um die­ses Pro­b­lem zu lö­sen?
Skin­na­der: Die Kir­che ist sehr schwach. Un­se­re Diöze­se hat kei­nen Bi­schof. Sein Nach­fol­ger, nur Ad­mi­ni­s­t­ra­tor, wur­de krank. Der Pries­ter, der jetzt die Diöze­se ver­wal­tet, ist erst seit vier Jah­ren Pries­ter. Es gibt kei­ne all­ge­mei­ne Leit­li­nie. Al­le of­fi­zi­el­len Bür­os be­fin­den sich in Nai­ro­bi in Ke­nia. Sie sind weit ent­fernt von dem, was hier ge­schieht. Es gibt nur sechs Diözes­an­pries­ter und et­wa 40 Mis­sio­na­re, die die 150.000 Ka­tho­li­ken un­ter der Ge­samt­be­völ­ke­rung von rund 1.5 Mil­lio­nen Ein­woh­nern be­t­reu­en. Es gibt ins­ge­s­amt elf Pfarr­ge­mein­den mit Un­ter­ge­mein­den und rund 150 Ka­pel­len und Ge­bet­s­or­te. Da­bei ist un­se­re Diöze­se so groß wie die Schweiz. Im­mer­hin - in je­dem Jahr füh­ren al­le Diöze­sen die jun­gen Leu­te zu­sam­men und ver­su­chen, sie dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sie al­le Schwes­tern und Brü­der sind. Das ist ein Weg, um die Ju­gend zu­sam­men­zu­füh­ren und um ihr zu ver­mit­teln, dass al­le trotz al­ler Ver­schie­den­heit gleich sind. Für die Ju­gend ist das die Mög­lich­keit, Gren­zen der Clans und Volks­stäm­me zu über­sch­rei­ten, Al­ters­ge­nos­sen aus an­de­ren Lan­des­tei­len ken­nen­zu­ler­nen und zu er­le­ben, wie der Glau­be Gren­zen über­s­teigt. Das ist ein mo­der­ner Weg der Evan­ge­li­sa­ti­on, ver­bun­den mit li­tur­gi­schen Ver­an­stal­tun­gen und Dis­kus­sio­nen und Ge­sprächen über bren­nen­de Pro­b­le­me, mit Sport, Mu­sik und Er­ho­lung und das al­les sicht­bar und er­fahr­bar auch für die an­de­ren Men­schen.
Sehr vie­le jun­ge Men­schen ge­hen zur Kir­che; et­was, was ganz an­ders ist als in Eu­ro­pa. Die jun­gen Leu­te se­hen sich als Teil der Kir­che und er­war­ten von der Kir­che Er­zie­hung, Aus­bil­dung und Kon­takt­mög­lich­kei­ten mit der wei­te­ren Welt.

Was tut die Re­gie­rung, da­mit die so un­ter­schied­li­chen Men­schen ein­an­der an­er­ken­nen und sich mit­ein­an­der ver­söh­nen?
Skin­na­der: Auf ört­li­cher Ebe­ne hat die Re­gie­rung das schon ver­sucht und ei­nen Pro­zess der Ver­söh­nung ein­ge­lei­tet. Doch es wird noch Jah­re dau­ern, bis ers­te Re­sul­ta­te zu er­ken­nen sein wer­den.

Was ist Dei­ner Mei­nung nach ei­ne wir­k­li­che Lö­sung all die­ser Pro­b­le­me?
Skin­na­der: Ich se­he Er­zie­hung als den Weg in die Zu­kunft. Pe­ter Broug­ham sagt: „Durch Er­zie­hung las­sen sich die Men­schen bes­ser lei­ten und re­gie­ren, aber sie las­sen sich nicht mehr vers­kla­ven.“ Es ist wir­k­lich er­mu­ti­gend zu se­hen, wie ernst­haft un­se­re Stu­den­ten ler­nen. Nur ha­ben wir kei­ne gu­ten Schu­l­ein­rich­tun­gen. Al­le Ein­rich­tun­gen wur­den im Krieg zer­stört. Wir Spi­ri­ta­ner in­ves­tie­ren viel in Schu­len. Das tut auch die Re­gie­rung. Sie hat Nach­bar­län­der um Hil­fe bei dem Auf­bau des Schul­sys­tems ge­be­ten und um Sti­pen­di­en für in­ter­es­sier­te Stu­den­ten. Stu­den­ten wer­den mit sol­chen Sti­pen­di­en zu ih­rer Aus­bil­dung ins Aus­land ge­schickt, da­mit sie nach ih­rer Rück­kehr mit ge­nü­gen­dem Wis­sen und ent­sp­re­chen­dem „Hand­werk­zeu­g“ aus­ge­rüs­tet sind, um zur Ent­wick­lung ih­res Lan­des bei­tra­gen zu kön­nen.
Be­fähi­gung für Füh­rungs­auf­ga­ben ist ein Feld, das größ­te Auf­merk­sam­keit er­for­dert. Die meis­ten jun­gen Men­schen ha­ben Füh­rung nur in Kriegs­si­tua­tio­nen er­lebt. Seit ih­rer Ge­burt muss­ten sie um das Über­le­ben kämp­fen. Dar­um ist es not­wen­dig, ih­nen gu­te Füh­rungs­qua­li­tä­ten bei­zu­brin­gen, wie zum Bei­spiel die Wer­te, für die je­der Bür­ger ein­ste­hen soll­te: To­le­ranz, Re­spekt vo­r­ein­an­der, gu­te Ar­beit, Ehr­lich­keit, Re­spekt vor den Ge­set­zen und an­de­res mehr.
Die Er­zie­hung und Aus­bil­dung von jun­gen Mäd­chen hat eben­falls ei­ne gro­ße Be­deu­tung. In Süd­s­u­dan wird der Wert ei­nes Mäd­chens der Kul­tur ent­sp­re­chend nur nach der Zahl der Kühe be­mes­sen, die bei der Hoch­zeit als Braut­ga­be ge­ge­ben wur­den. In un­se­rer heu­ti­gen Ge­sell­schaft ist das sehr er­nie­d­ri­gend. In un­se­rer Pfarr­ge­mein­de le­gen wir viel Wert auf die Aus­bil­dung jun­ger Mäd­chen. Wir ver­su­chen, ih­nen na­he zu brin­gen, dass ihr Wert nicht von der Zahl der Kühe ih­rer Braut­ga­be ab­hängt, son­dern dass auch sie nach Got­tes Bild er­schaf­fen und mit so vie­len Ta­len­ten aus­ge­stat­tet sind. So ver­su­chen wir, ih­nen ei­ne bes­se­re Zu­kunft zu er­öff­nen.
Bes­se­re Aus­bil­dung in der Land­wirt­schaft ist ein wei­te­res Haupt­an­lie­gen. We­gen des Krie­ges und der un­si­che­ren La­ge hat­ten die Men­schen kei­ne Ge­le­gen­heit, ihr frucht­ba­res Land und die an­de­ren Bo­den­schät­ze aus­zu­nut­zen. Un­ser Mit­bru­der, Pa­ter Sos­pe­ter, hat in sei­ner Pfarr­ge­mein­de ein land­wirt­schaft­li­ches Pro­jekt be­gon­nen. Er kul­ti­viert ört­li­che Pflan­zen und un­ter­weist die Men­schen, rich­tig da­mit um­zu­ge­hen. Auch im Klei­nen Se­mi­nar ha­ben wir Land­wirt­schaft. Oh­ne sie wä­re es nur mit den Spen­den, die wir er­hal­ten, sehr schwer, un­se­re Stu­den­ten durch­zu­brin­gen. Wir er­hal­ten nicht die Sum­me, die wir für ein aka­de­mi­sches Jahr brau­chen. Wir ver­bes­sern mit un­se­rer Land­wirt­schaft un­se­re fi­nan­zi­el­len Mit­tel und lei­ten gleich­zei­tig un­se­re Stu­den­ten an, in der Land­wirt­schaft zu ar­bei­ten

Kannst Du, bit­te, Dei­ne Er­fah­run­gen der letz­ten zwei Jah­re zu­sam­men­fas­sen?
Skin­na­der: Ich ha­be im Au­gen­blick die schwie­rigs­te Mis­si­ons­ar­beit, die ich je­mals hat­te. Das ist ei­ne har­te, aber be­frie­di­gen­de Her­aus­for­de­rung an­ge­sichts der Men­schen, die wir­k­lich großar­tig sind. Be­frie­di­gend, weil Du da­bei das Ge­fühl ha­ben kannst, wir­k­lich et­was für die Men­schen zu tun, die sich ei­ne bes­se­re Zu­kunft wün­schen, aber nicht wis­sen, wie sie die­ses Ziel er­rei­chen kön­nen. Bei uns gibt so vie­le be­gab­te jun­ge Men­schen, die die Schu­le be­su­chen möch­ten, um ih­re Zu­kunft ge­stal­ten zu kön­nen. Sie set­zen sich sehr da­für ein und sind froh über uns, die wir von au­ßen kom­men; auch wenn wir gar nicht viel tun kön­nen. Doch wir sind da und hel­fen, so gut wir es kön­nen.

Hast Du Plä­ne für die Zu­kunft?
Skin­na­der: Ich wün­sche mir, dass jun­ge afri­ka­ni­sche Spi­ri­ta­ner aus Ugan­da, Ke­nia und Tan­sa­nia hin­zu­kom­men, um die Kir­che in Süd­s­u­dan mit auf­zu­bau­en und die Zu­kunft der Men­schen zu
ver­bes­sern.

Was möch­test Du der Kir­che in Deut­sch­land und über­haupt in Eu­ro­pa und den Re­gie­run­gen der West­li­chen Welt sa­gen?
Skin­na­der: Ver­gesst die Men­schen in Süd­s­u­dan nicht!


Das Ge­spräch führt P. Sa­mu­el Mg­be­che­ta CSSp.
Über­set­zung aus dem Eng­li­schen von P. Jo­han­nes Hen­schel CSSp.

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Afrikamissionare – Weisse Väter

Afrikamissionare – Weisse Väter
Ludwigsburger Str. 21
D-50739 Köln
www.afrikamissionare.de

Anbeterinnen des Blutes Christi

Anbeterinnen des Blutes Christi
Kloster St. Elisabeth
FL–9494 Schaan
www.kloster.li

Arenberger Dominikanerinnen

Arenberger Dominikanerinnen
Cherubine-Willimann-Weg 1
D-56077 Koblenz
www.arenberger-dominikanerinnen.de

Comboni-Missionare

Comboni-Missionare
Scharrerstraße 32
90478 Nürnberg
www.comboni.de

Franziskanerinnen Salzkotten

Franziskanerinnen Salzkotten
Paderborner Str. 7
D-33154 Salzkotten
www.franziskanerinnen-salzkotten.de

Franziskanerinnen von Reute

Franziskanerinnen von Reute
Kloster Reute
D-88339 Bad Waldsee
www.kloster-reute.de

Herz-Jesu-Missionare

Herz-Jesu-Missionare
Schönleitenstraße 1
A-5020 Salzburg
www.msc-salzburg.at

Institut St. Dominikus

Institut St. Dominikus
Vincentiusstr. 4
D-67346 Speyer
www.institut-st-dominikus.de

Kapuziner

Deutsche Kapuzinerprovinz
Kapuzinerstr. 34
D-80469 München
www.kapuziner.org

Maristenbrüder

Maristenbrüder
FMS Sektor Deutschland

Klosterstraße 4
D-84095 Furth bei Landshut
www.maristen.org

Maristenpatres

Maristenpatres
Am Zwinger 1
D-94032 Passau

www.maristenpatres.de

Missio Nederland

Missio Nederland
Postbus 93140
NL-2509 AC Den Haag
www.missio.nl

Missionare vom Kostbaren Blut

Missionare vom Kostbaren Blut
Gyllenstormstr. 8
A-5026 Salzburg-Aigen
www.missionare-vom-kostbaren-blut.org

Missionarinnen Christi

Missionarinnen Christi
Linderhofstr.10
D-81377 München
www.missionarinnen-christi.de

Missions-Benediktinerinnen

Missions-Benediktinerinnen
Bahnhofstr. 3
D-82327 Tutzing
www.missions-benediktinerinnen.de

Missions-Dominikanerinnen Neustadt a.M.

Missions-Dominikanerinnen
Neustadt am Main

Klosterhof 3
D-97845 Neustadt a.M.
www.kloster-neustadt.net

Missions-Dominikanerinnen Schlehdorf

Missions-Dominikanerinnen Schlehdorf
Provinz St. Immaculata
Kirchstr. 9
D-82444 Schlehdorf
www.schlehdorf.org

Missionsärztliche Schwestern

Missionsärztliche Schwestern
Scharnhölzstr. 37
D-46236 Bottrop
www.missionsaerztliche-schwestern.org

Missionsdominikanerinnen Strahlfeld

Missionsdominikanerinnen Strahlfeld
Am Jägerberg 2
D-93426 Roding-Strahlfeld
www.kloster-strahlfeld.de

Missionsschwestern v. d. Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes

Missionsschwestern v. d. Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes
Bäckergasse 14
D-48143 Münster
www.missionsschwestern-muenster.de

Missionsschwestern vom Hlst. Herzen Jesu

Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu
Hohe Geest 73
D-48165 Münster-Hiltrup
www.msc-hiltrup.de

Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel

Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel
Friedensplatz 6
D-37308 Heilbad Heiligenstadt
www.smmp.de

Spiritaner

Spiritaner
Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist
Missionshaus Knechtsteden
D-41540 Dormagen
www.spiritaner.de


VIDEO
Der Film zeigt Eindrücke aus Agadez, der Wüstenstadt im Niger, in der viele junge Afrikaner darauf warten, den gefährlichen Fluchtweg durch die Sahara anzutreten.

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Ab ins Kloster. Auf Familie und Karriere verzichten: Vier junge Menschen aus vier verschiedenen Erdteilen verraten, was sie an einem Gott geweihten Leben reizt. Verfolgen Sie ihren Aufbruch ins Ordensleben hier.

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