Sie sind hier: Aktuelles » Reisetagebuch 

Un­ter­wegs in ... Ko­lum­bi­en und Su­ri­na­me

kon­ti­nen­te-Re­dak­teur Franz Jus­sen ist ge­mein­sam mit dem Fo­to­gra­fen Fritz Stark in Ko­lum­bi­en und Su­ri­na­me auf Re­cher­che­r­ei­se. Von ih­ren Er­leb­nis­sen vor Ort be­rich­ten sie im kon­ti­nen­te-Rei­se­ta­ge­buch.

Tex­te: Franz Jus­sen; Fo­tos: Fritz Stark

Foto: Fritz Stark

11. Au­gust 2013

„Pa­ra­dies­vö­gel“ in Su­ri­na­me

Zum Ab­schluss un­se­rer Rei­se noch ein­mal ei­ne Be­geg­nung mit ei­ner sehr jun­gen Or­dens­ge­mein­schaft: Drei Schwes­tern, die dem 1988 in Ar­gen­ti­ni­en ge­grün­de­ten Or­den der „Die­ne­rin­nen des Herrn“ an­ge­hö­ren, ha­ben 2010 ih­ren Di­enst in Pa­ra­ma­ri­bo, der Haupt­stadt Su­ri­na­mes, auf­ge­nom­men – ei­ne Ar­gen­ti­nie­rin und zwei Ecua­do­ria­ne­rin­nen.
Für die Pfarr­ge­mein­den der Hei­li­gen Fa­mi­lie und von Fati­ma ha­ben sie im Sü­den der Stadt ei­nen Kin­der­club er­rich­tet, der den Mäd­chen und Jun­gen zwi­schen 5 und 15 ei­ne sinn­vol­le Frei­zeit­be­schäf­ti­gung au­ßer­halb der Schul­zeit bie­tet. Durch die Kin­der sind die Schwes­tern auf vie­le so­zia­le Pro­b­le­me in den Ge­mein­den auf­merk­sam ge­wor­den. Des­halb he­ben die Schwes­tern auch mit Haus­be­su­chen in den Ge­mein­den be­gon­nen, um mit den El­tern oder al­lein­ste­hen­den El­tern­tei­len in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen hel­fen zu kön­nen.
In ih­rem blau-grau­en Ha­bit gal­ten die Or­dens­frau­en an­fäng­lich als „Pa­ra­dies­vö­gel“, da den meis­ten Men­schen die Or­den­s­tracht völ­lig fremd war. Doch ha­be sich ge­ra­de dies als Vor­teil er­wie­sen, um den Kon­takt auf­neh­men und Ver­trau­en ge­win­nen zu kön­nen, sagt die Obe­rin der klei­nen Ge­mein­schaft in Pa­ra­ma­ri­bo, Schwes­ter Ma­ria Mad­re de la Es­pe­ran­za, 28. Denn die Kin­der hät­ten kei­ne Scheu, nach dem Sinn der Tracht zu fra­gen.
Un­ter den jun­gen Frau­en in Su­ri­na­me wa­ren die Schwes­tern eben­falls sch­nell be­kannt: Nach nur drei­jäh­ri­ger Prä­senz im Land ha­ben sich be­reits vier Frau­en der Ge­mein­schaft an­ge­sch­los­sen und le­ben als Aspi­ran­tin, Pos­tu­lan­tin oder No­vi­zin mit den Schwes­tern zu­sam­men.
Der nie­der­län­di­sche Bi­schof von Pa­ra­ma­ri­bo, Wil­hel­mus de Bek­ker, 74, hat­te die Ge­ne­ra­l­obe­rin der Die­ne­rin­nen des Herrn 2005 beim Welt­ju­gend­tag in Köln ken­nen­ge­lernt. Den Wunsch des Bi­schofs, ei­ne Nie­der­las­sung des Or­dens in Su­ri­na­me zu grün­den, konn­te die Ge­mein­schaft dann 2010 er­fül­len.

Moschee und Synagoge direkt nebeneinander in Paramaribo, Suriname. Foto: Fritz Stark

9. Au­gust 2013

Heim­li­che Haupt­stadt der Welt­re­li­gio­nen

Das his­to­ri­sche Zen­trum Pa­ra­ma­ri­bos zählt seit elf Jah­ren zum UNES­CO-Welt­kul­tur­er­be. Die Haupt­stadt des kleins­ten süda­me­ri­ka­ni­schen Lan­des hät­te aber ei­nen wei­te­ren eh­ren­vol­len Ti­tel ver­di­ent: (Heim­li­che) Haupt­stadt der Welt­re­li­gio­nen. Wohl in kei­ner an­de­ren Stadt der Welt ste­hen die gro­ßen Bet­häu­ser der vier Welt­re­li­gio­nen des Hin­du­is­mus, des Is­lam, des Ju­den­tums und des Chris­ten­tums so eng bei­ein­an­der wie hier. Un­ge­wöhn­lich ist vor al­lem die di­rek­te (und ab­so­lut fried­li­che) Nach­bar­schaft von Mo­schee und Sy­na­go­ge. Nur je­weils we­ni­ge hun­dert Me­ter ent­fernt fin­den sich die ka­tho­li­sche Ka­the­dra­le Pe­ter und Paul und der Hin­du-Tem­pel Arya De­wa­ker, der 2008 fer­tig­ge­s­tellt wur­de.

Der Grund­stein für die zu­nächst höl­zer­ne Mo­schee in Pa­ra­ma­ri­bo wur­de 1929 ge­legt. Mehr als 60 Jah­re spä­ter wur­de die ak­tu­el­le Mo­schee ge­baut. Ei­ne mehr als 350-jäh­ri­ge Tra­di­ti­on hat das Ju­den­tum in Su­ri­na­me: Ei­ne 1720 ein­ge­weih­te Holz-Syn­an­go­ge wur­de durch die heu­ti­ge, aus Stein 1842 fer­tig­ge­s­tell­te Sy­na­go­ge er­setzt. Die Be­son­der­heit der 126 Jah­re al­ten ka­tho­li­schen Ka­the­dra­le be­steht da­rin, dass sie ne­ben der Ge­orgs-Ka­the­dra­le in Geor­ge­town zu den größ­ten aus Holz kon­stru­ier­ten Kir­chen Süda­me­ri­kas ge­hört.

Foto: Fritz Stark

8. Au­gust 2013

Zei­tungs-An­zei­gen zum Fas­ten­b­re­chen

Es ist das ers­te, was uns beim Stöb­ern in den Zei­tun­gen des Lan­des auf­fällt: Je­des grö­ße­re Un­ter­neh­men, das et­was auf sich hält, schal­tet groß­flächi­ge An­zei­gen zum En­de der is­la­mi­schen Fas­ten­zeit, des Ra­mad­ans. Mit dem Gruß „Eid Mu­ba­rak“ gra­tu­lie­ren die Fir­men den is­la­mi­schen Gläu­bi­gen des Lan­des zum „Eil ul-Fi­tr“, dem Zu­cker-Fest zum En­de des Fas­ten­mo­nats. Of­fen­bar ge­hört dies hier ein­fach zum gu­ten Ton.
Da­bei ist Su­ri­na­me gar kein mehr­heit­lich mos­le­mi­sches Land. Wie kaum in ei­nem an­de­ren Land der Welt le­ben Chris­ten, Hin­dus, Mos­lems und Ju­den in dem klei­nen süda­me­ri­ka­ni­schen Land fried­lich zu­sam­men.


Foto: Fritz Stark

7. Au­gust 2013

Be­wach­te Mes­se im Ur­wald

Es ist schon ein sehr un­ge­wöhn­li­cher An­blick: mit Ma­schi­n­en­ge­weh­ren be­waff­ne­te Na­tio­nal­po­li­zei wäh­rend des Got­tes­di­ens­tes in der Kir­che. „Er­le­ben“ durf­ten wir dies am letz­ten Tag un­se­rer Ko­lum­bi­en­rei­se im tie­fen Ur­wald des Cho­co im Nord­wes­ten des Lan­des. Mit Bi­schof Ju­lio Her­n­an­do Gar­cía Peláez sind wir um 6 Uhr mor­gens mit dem vier­rad­ge­trie­be­nen Ge­län­de­wa­gen in Ist­mi­na ge­star­tet – zwei Stun­den über Stock und Stein über ei­ne „höchst an­spruchs­vol­le“ Pis­te. In Pu­er­to Me­luk en­de­te sie am Rio Bau­do. Al­so um­s­tei­gen ins Boot, das uns drei Stun­den spä­ter ans Ziel nach Pie de Pa­tó brach­te.

Der Be­such in der dor­ti­gen Ur­wald-Ge­mein­de des hei­li­gen Mar­tin war dem Bi­schof ein Her­zens­an­lie­gen, denn seit Wo­chen spiel­ten sich hier dra­ma­ti­sche Sze­nen ab: 25 Ju­gend­li­che woll­ten sich das Le­ben neh­men, weil sie un­ter Hal­lu­zi­na­tio­nen lit­ten. In ei­ner Art Grup­pen­wahn hat­ten sie be­sch­los­sen, in den Fluss zu ge­hen, um zu ster­ben. Das Dorf hat­te sie nur mit Mühe da­von ab­hal­ten kön­nen. Weil ei­ne überteu­er­te Be­hand­lung durch ei­nen in­dia­ni­schen Scha­ma­nen er­folg­los blieb, hat­ten die El­tern der Ju­gend­li­chen den Bi­schof um Hil­fe ge­be­ten. Oh­ne Zö­gern eil­te der Bi­schof nach Pie de Pa­tó, um dem Dorf bei­zu­ste­hen. In sei­ner Pre­digt bat er um Got­tes Bei­stand und ver­sprach den Ju­gend­li­chen die Hil­fe der Kir­che. In we­ni­gen Wo­chen will der Bi­schof mit pro­fes­sio­nel­len Psy­cho­lo­gen in den Ort zu­rück­keh­ren, um die Ju­gend­li­chen be­han­deln zu las­sen. Aber schon sein spon­ta­nes Er­schei­nen in dem ab­ge­le­ge­nen Ort wer­te­ten El­tern und Ju­gend­li­che als gro­ße mo­ra­li­sche Un­ter­stüt­zung.

Der Got­tes­di­enst in der Ge­mein­de wur­de von zahl­rei­chen Na­tio­nal­po­li­zis­ten be­wacht, weil Pie de Pa­tó in ei­nem von den Gue­ril­le­ros und Pa­ra­mi­li­tärs heiß um­kämpf­ten Ge­biet liegt. Zwi­schen­fäl­le gab es wäh­rend des bi­sc­höf­li­chen Be­su­ches zum Glück kei­ne. Aber die bis auf die Zäh­ne be­waff­ne­ten Po­li­zis­ten im Got­tes­di­enst er­zeug­ten zu­min­dest bei den an­we­sen­den Gäs­ten aus Eu­ro­pa ein sehr mul­mi­ges Ge­fühl.

Foto: Fritz Stark

5. Au­gust 2013

Süh­ne­or­den ge­gen Skan­da­le der Kir­che

Sie nen­nen sich „Sier­vas de re­pa­ra­do­ras“, frei über­setzt „Die­ne­rin­nen der Wie­der­gut­ma­chung“. Die drei Or­dens­schwes­tern, de­nen wir im Bi­schofs­haus von Ju­lio Her­n­an­do Gar­cía Peláez in Ist­mi­na be­geg­nen, ge­hö­ren die­sem kon­tem­pla­ti­ven Or­den an, der erst vor drei Jah­ren „ad ex­pe­ri­men­tum“, al­so ver­suchs­wei­se, im Erz­bis­tum Ma­ni­za­les ge­grün­det wur­de. An­lass der Or­dens­grün­dung wa­ren die Skan­da­le der Kir­che, vor al­lem die Ver­feh­lun­gen der Pries­ter­schaft, die die ka­tho­li­sche Kir­che welt­weit in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­schüt­tert ha­ben.
Als be­schau­li­che Ge­mein­schaft wol­len die Schwes­tern ihr Le­ben vor al­lem dem Ge­bet für ei­ne Er­neue­rung der Pries­ter­schaft wid­men. Die drei Schwes­tern in Ist­mi­na tei­len die­ses An­lie­gen mit ei­ner klei­nen Grup­pe von Lai­en aus der Stadt, die sich ein­mal wöchent­lich zum Ge­bet tref­fen. Das Mut­ter­haus der Die­ne­rin­nen der Wie­der­gut­ma­chung steht in San­ta Ro­sa de Osos im De­par­te­men­to An­ti­o­quia. Dort le­ben die üb­ri­gen 24 Schwes­tern, die dem Or­den be­reits bei­ge­t­re­ten sind. Vie­le der 27 Schwes­tern ha­ben schon die 1. Pro­fess, die zeit­li­chen Gelüb­de, ab­ge­legt. Ein männ­li­cher Zweig des Süh­ne­or­dens be­fin­det sich eben­falls im Auf­bau.

Foto: Fritz Stark

4. Au­gust 2013

Was­ser für die na­men­lo­sen To­ten

Der Brauch er­klärt sich nicht auf den ers­ten Blick: Am Zaun des Fried­ho­fes für die na­men­lo­sen To­ten im Stadt­teil Ma­ta­ti­g­res der ko­lum­bia­ni­schen Haupt­stadt Bo­go­ta hän­gen hun­der­te durch­sich­ti­ge Plas­tik­beu­tel­chen, die mit Was­ser ge­füllt sind. Die Rei­hen der Was­ser­tüt­chen wer­den ab und zu durch ein Ma­ri­en­bild oder ei­nen Blu­men­str­äußchen un­ter­bro­chen. Vor al­lem an Mon­ta­gen wächst die Zahl der ge­füll­ten Plas­tik­beu­tel­chen im­mer wie­der schla­g­ar­tig an.

Die To­ten­ver­eh­rung hat in der ko­lum­bia­ni­schen Volks­fröm­mig­keit ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on. Stirbt ein Mensch, wird er meist im Fa­mi­li­en­kreis auf­ge­bahrt. Un­ter sei­nen Sarg stel­len die An­ge­hö­ri­gen ein Glas Was­ser für die See­le des To­ten, die den lan­gen Weg in die Ewig­keit oh­ne Durst an­t­re­ten soll. Da sich für die­sen Brauch bei den an­ony­men To­ten zu­nächst kei­ner zu­stän­dig füllt, wird das Was­ser für die See­le so­zu­sa­gen am Fried­hofs­zaun nach­ge­reicht. Es ist er­staun­lich, wie vie­le Le­ben­de sich auf die­se Wei­se um das See­len­heil der na­men­lo­sen To­ten, die in Ma­ta­ti­g­res ru­hen, je­den Mon­tag küm­mern.

Foto: Fritz Stark

2. Au­gust 2013

Au­to­kor­so zu Eh­ren der Mut­ter Got­tes

Ein Au­to­kor­so, als hät­te Ko­lum­bi­en die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft ge­won­nen: Tau­sen­de Ta­xis und Bus­se fah­ren mit schal­len­der Mu­sik und Hup­kon­zer­ten durch die Stadt, als gä­be es kein grö­ße­res Fest. Die Sze­nen spie­len sich je­des Jahr En­de Ju­li in Bo­go­ta ab. Aber der An­lass ist kein ge­won­ne­nes Fi­na­le in ir­gend­ei­ner Sport­art, son­dern die Mut­ter Got­tes vom Ber­ge Kar­mel. Sie ist für die Be­rufs­kraft­fah­rer in Ko­lum­bi­en die Schutz­pa­tronin. Ihr al­lein gilt so­mit das bun­te Spek­ta­kel, das den Ver­kehr in der Stadt st­re­cken­wei­se zum Er­lie­gen bringt.
So­weit das Au­ge reicht rei­hen sich Ta­xi an Ta­xi, je­des ein­zel­ne blau-weiß ver­ziert, man­che so­gar mit ei­ner Mut­ter-Got­tes-Sta­tue auf dem Dach. Statt Fahr­gäs­te neh­men die Ta­xi­fah­rer Fa­mi­lie, Freun­de oder Ver­wand­te mit. Ein sol­ches Au­to­kor­so brin­gen in Eu­ro­pa nicht ein­mal die Sie­ger­städ­te der Fuß­ball-Cham­pi­ons-Lea­gue auf die Bei­ne…

Foto: Fritz Stark

1. Au­gust 2013

Die Stra­ßen­künst­ler von Bo­go­ta

Wir ent­de­cken sie an ei­ner Kreu­zung der Car­re­ra 30: John, 19, Au­to­wä­scher, und Die­go, 19, Bio­lo­gie-Stu­dent. Als hät­ten sie in ih­rem jun­gen Le­ben bis­her nichts an­de­res ge­macht, wer­fen sie sich in ei­nem atem­be­rau­ben­den Tem­po ih­re sie­ben Keu­len ge­gen­sei­tig zu. Et­wa 90 Se­kun­den dau­ert die Show der bei­den Stra­ßen­künst­ler auf dem Ze­bra­st­rei­fen, dann müs­sen sie ei­ligst den Weg frei ma­chen, denn die Am­pel der vor ih­nen ste­hen­den Au­tos springt auf grün. Im Vor­bei­fah­ren rei­chen zwei, drei oder vier Fah­rer ih­nen et­was Münz­geld, für das sie sich freund­lichst be­dan­ken.

John und Die­go ge­hö­ren der Gil­de der Ma­la­ba­ri­s­tas in Bo­go­ta an, der Stra­ßen­künst­ler, die an hun­der­ten Kreu­zun­gen der Stadt die kur­zen Rot­pha­sen nut­zen, ih­re Jon­g­lier­fer­tig­kei­ten zu prä­sen­tie­ren. Für ge­wöhn­lich zei­gen sie ih­re akro­ba­ti­schen Fähig­kei­ten mit Keu­len oder Bäl­len, in den Abend­stun­den ver­wan­deln sie sich auch ger­ne in Feu­er­s­pu­cker. „Wir ma­chen das in ers­ter Li­nie aus Spaß und um den Men­schen ei­ne Freu­de zu be­rei­ten“, ver­si­chert Die­go. Le­ben könn­ten sie von ih­rer Kunst nicht, den­noch sei es will­kom­me­ner Ne­ben­ver­di­enst, der ih­nen an gu­ten Ta­gen bis zu 10.000 Pe­sos (rund fünf Eu­ro) pro Stun­de ein­bräch­te. Aber mehr als drei Stun­den am Stück schaf­fe kaum je­mand, dann las­se die Kon­zen­t­ra­ti­on nach und die Sa­che wer­de ge­fähr­lich.
Die Zahl der Ma­la­ba­ri­s­tas in Bo­go­ta wird auf 1.500 bis 2.000 ge­schätzt. Meist sind sie in klei­nen Grup­pen or­ga­ni­siert und trai­nie­ren in Turn­hal­len oder Ge­mein­de­s­äa­len. Auf die al­ler­meis­ten Au­to­fah­rern ha­ben sie un­ver­kenn­bar ei­ne ent­span­nen­de Wir­kung mit­ten im ner­ven­auf­rei­ben­den Ver­kehrs­ge­wühl der Acht-Mil­lio­nen-Me­tro­po­le. Vi­el­leicht wer­den sie auch des­halb von den Ord­nungs­kräf­ten der Stadt bei der Aus­übung ih­rer Küns­te nicht be­hel­ligt.
„Ge­biets­an­sprüche“ ge­be es un­ter den Ma­la­ba­ri­s­tas nicht, ver­si­chert John. Kei­ner der Stra­ßen­künst­ler be­an­spru­che be­stimm­te Kreu­zun­gen für sich al­lein. Nach­ah­mern emp­fiehlt er, an den Am­peln der klei­ne­ren Ne­ben­stra­ßen zu jon­g­lie­ren: Hier dau­ern die Rot­pha­sen ein­fach län­ger. Das bringt mehr Zeit für die Vor­füh­rung und das Ein­sam­meln des Honorars.

Die deutsche Schwester und Ärztin Johann Baptist Umberg. Foto: Fritz Stark

Die deut­sche Schwes­ter und Ärz­tin Jo­hann Bap­tist Um­berg küm­mert sich um Kin­der.

31. Ju­li 2013

Die Luft in Bo­go­ta wird dünn…

2600 Me­ter Höhe. Das At­men ist spür­bar schwe­rer, bei An­st­ren­gung wird ei­nem schwin­de­lig. Wäh­rend in Deut­sch­land Re­kord­tem­pe­ra­tu­ren herr­schen, ist hier Pull­o­ver-Wet­ter. Wir sind in Bo­go­ta, der Haupt­stadt Ko­lum­bi­ens, der ers­ten Sta­ti­on un­se­rer Zwei-Län­der-Tour in Süda­me­ri­ka.
Wes­halb Bo­go­ta zu den am sch­nells­ten wach­sen­den Städ­ten Süda­me­ri­kas ge­hört, ist nir­gend­wo bes­ser spür­bar als au­ßer­halb der ko­lum­bia­ni­schen Haupt­stadt. Weil inn­er­halb der Acht-Mil­lio­nen-Me­tro­po­le der Platz knapp und teu­er ist, las­sen sich im­mer mehr Zu­zie­hen­de am Ran­de der Stadt nie­der. Der Über­gang in die süd­lich ge­le­ge­ne Stadt Soacha ist naht­los: Wo die Stadt­g­ren­zen ver­lau­fen, wis­sen nur noch Ein­ge­weih­te. Op­tisch sind sie je­den­falls nicht mehr er­kenn­bar. Al­lein der Stadt­teil Ca­zu­ca ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf 40.000 Ein­woh­ner an­ge­wach­sen. Men­schen vom Land, die vor den Gue­ril­las und den Pa­ra­mi­li­tärs flüch­ten, lan­den hier eben­so wie Ju­gend­li­che, die auf ei­ne Per­spek­ti­ve in der Stadt hof­fen. Der Mo­loch Bo­go­ta lockt sie mit der Il­lu­si­on, hier ei­ne si­che­re Exis­tenz auf­bau­en zu kön­nen, die Rea­li­tät in den Bar­ri­os (Stadt­vier­tel) aber zer­stört die­se Hoff­nung für die al­ler­meis­ten sehr sch­nell.
Mit­ten in Ca­zu­ca, im Vier­tel El Oa­sis, ha­ben die Schwes­tern vom ar­men Kin­de Je­su vor acht Jah­ren da­mit be­gon­nen, we­nigs­tens den Kin­dern ei­ne Chan­ce zu ge­ben. Mit dem Kin­der­gar­ten und ei­ner päda­go­gi­schen Werk­statt für Sie­ben- bis Zwölf­jäh­ri­ge steu­ern sie der Ver­wahr­lo­sung hun­der­ter Kin­der im Bar­rio ent­ge­gen. Die deut­sche Schwes­ter und Ärz­tin Jo­hann Bap­tist Um­berg, 72, die seit mehr als 40 Jah­ren in Ko­lum­bi­en lebt, zeigt uns gleich am ers­ten Tag, was mit­ten in El Oa­sis von ih­ren ko­lum­bia­ni­schen Mit­schwes­tern ge­leis­tet wird: In der Werk­statt kön­nen die Kin­der Tanz- und Krea­tiv­kur­sen fol­gen, Nach­hil­fe­un­ter­richt neh­men oder Mu­sik ma­chen. Da­bei ha­ben die Schwes­tern nicht nur an die Kin­der selbst ge­dacht: Die au­ßer­ge­wöhn­lich ho­he Zahl an al­lein­er­zie­hen­den Müt­tern in El Oa­sis hat­te die Schwes­tern auf die Idee ge­bracht, sich um die Kin­der zu küm­mern. So kön­nen die Müt­ter ganz­tags ei­ner Be­schäf­ti­gung nach­ge­hen, mit der sie sich und ih­ren Kin­dern ein re­gel­mä­ß­i­ges Ein­kom­men si­chern.

30. Ju­li 2013



Mehr­mals täg­lich legt Wil­mar Bor­qu­e­ro frei­schwe­bend die knapp 500 Me­ter lan­ge St­re­cke am Stahl­seil über den Rio Ne­gro zu­rück. Die Mut­pro­be er­setzt ihm ei­nen drei­stün­di­gen Fuß­marsch auf die an­de­re Tal­sei­te sei­nes Hei­ma­t­or­tes Guaya­be­tal in den ko­lum­bia­ni­schen Kor­dil­le­ren.

Re­dak­ti­on: Franz Jus­sen
Ka­me­ra: Franz Jus­sen und Fried­rich Stark




SUCHE

PROBEHEFT GRATIS BESTELLEN
Eine Welt.
Ein Magazin.

Entdecken Sie kontinente
und bestellen Sie hier Ihr kostenloses Probeheft.

WORTWECHSEL
Was meinen Sie?
Die Kirche verspielt ihre Glaubwürdigkeit

DIE KONTINENTE-HERAUSGEBER
missio

missio - Internationales
Katholisches Missionswerk e. V.

Goethestr. 43
D-52064 Aachen
www.missio-hilft.de

Africanum

Africanum
Route de la Vignettaz 57-59
CH-1700 Fribourg
www.africanum.ch

Afrikamissionare – Weisse Väter

Afrikamissionare – Weisse Väter
Ludwigsburger Str. 21
D-50739 Köln
www.afrikamissionare.de

Anbeterinnen des Blutes Christi

Anbeterinnen des Blutes Christi
Kloster St. Elisabeth
FL–9494 Schaan
www.kloster.li

Arenberger Dominikanerinnen

Arenberger Dominikanerinnen
Cherubine-Willimann-Weg 1
D-56077 Koblenz
www.arenberger-dominikanerinnen.de

Comboni-Missionare

Comboni-Missionare
Scharrerstraße 32
90478 Nürnberg
www.comboni.de

Franziskanerinnen Salzkotten

Franziskanerinnen Salzkotten
Paderborner Str. 7
D-33154 Salzkotten
www.franziskanerinnen-salzkotten.de

Franziskanerinnen von Reute

Franziskanerinnen von Reute
Kloster Reute
D-88339 Bad Waldsee
www.kloster-reute.de

Herz-Jesu-Missionare

Herz-Jesu-Missionare
Schönleitenstraße 1
A-5020 Salzburg
www.msc-salzburg.at

Institut St. Dominikus

Institut St. Dominikus
Vincentiusstr. 4
D-67346 Speyer
www.institut-st-dominikus.de

Kapuziner

Deutsche Kapuzinerprovinz
Kapuzinerstr. 34
D-80469 München
www.kapuziner.org

Maristenbrüder

Maristenbrüder
FMS Sektor Deutschland

Klosterstraße 4
D-84095 Furth bei Landshut
www.maristen.org

Maristenpatres

Maristenpatres
Am Zwinger 1
D-94032 Passau

www.maristenpatres.de

Missio Nederland

Missio Nederland
Postbus 93140
NL-2509 AC Den Haag
www.missio.nl

Missionare vom Kostbaren Blut

Missionare vom Kostbaren Blut
Gyllenstormstr. 8
A-5026 Salzburg-Aigen
www.missionare-vom-kostbaren-blut.org

Missionarinnen Christi

Missionarinnen Christi
Linderhofstr.10
D-81377 München
www.missionarinnen-christi.de

Missions-Benediktinerinnen

Missions-Benediktinerinnen
Bahnhofstr. 3
D-82327 Tutzing
www.missions-benediktinerinnen.de

Missions-Dominikanerinnen Neustadt a.M.

Missions-Dominikanerinnen
Neustadt am Main

Klosterhof 3
D-97845 Neustadt a.M.
www.kloster-neustadt.net

Missions-Dominikanerinnen Schlehdorf

Missions-Dominikanerinnen Schlehdorf
Provinz St. Immaculata
Kirchstr. 9
D-82444 Schlehdorf
www.schlehdorf.org

Missionsärztliche Schwestern

Missionsärztliche Schwestern
Scharnhölzstr. 37
D-46236 Bottrop
www.missionsaerztliche-schwestern.org

Missionsdominikanerinnen Strahlfeld

Missionsdominikanerinnen Strahlfeld
Am Jägerberg 2
D-93426 Roding-Strahlfeld
www.kloster-strahlfeld.de

Missionsschwestern v. d. Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes

Missionsschwestern v. d. Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes
Bäckergasse 14
D-48143 Münster
www.missionsschwestern-muenster.de

Missionsschwestern vom Hlst. Herzen Jesu

Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu
Hohe Geest 73
D-48165 Münster-Hiltrup
www.msc-hiltrup.de

Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel

Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel
Friedensplatz 6
D-37308 Heilbad Heiligenstadt
www.smmp.de

Spiritaner

Spiritaner
Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist
Missionshaus Knechtsteden
D-41540 Dormagen
www.spiritaner.de


VIDEO
Janete ist 21, sie träumt davon, zur weiterführenden Schule zu gehen. Doch in Leme, einer Stadt bei Sao Paulo in Brasilien, hat sie kaum Perspektiven.

Unterwegs in ...
Das kontinente-
Reisetagebuch

UM GOTTES WILLEN
Die Internetdoku von kontinente
Ab ins Kloster. Auf Familie und Karriere verzichten: Vier junge Menschen aus vier verschiedenen Erdteilen verraten, was sie an einem Gott geweihten Leben reizt. Verfolgen Sie ihren Aufbruch ins Ordensleben hier.

Facebook  YouTubeKontakt  |  FAQ  |  Sitemap  |  Datenschutz  |  Impressum