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Bischof Bahlmann mit dem Foto des Missionsbischofs und Ordensgründers Amandus Bahlmann († 1939). Foto: SMIC

Bi­schof Bahl­mann mit dem Fo­to des Mis­si­ons­bi­schofs und Or­dens­grün­ders Aman­dus Bahl­mann († 1939). Fo­to: SMIC

„Ich brau­che ei­nen lan­gen Atem“

Ber­nar­do Jo­han­nes Bahl­mann, Bi­schof der bra­si­lia­ni­schen Diöze­se Óbi­dos

Ei­ne hoff­nungs­vol­le Zwi­schen­bi­lanz sei­ner knapp vier­jäh­ri­gen Amts­zeit als Bi­schof der nord­bra­si­lia­ni­schen Diöze­se Óbi­dos und ei­ne be­geis­ter­tes Fa­zit des Welt­ju­gend­ta­ges kann der Fran­zis­ka­ner Ber­nar­do Jo­han­nes Bahl­mann (53) im kon­ti­nen­te-In­ter­view zie­hen.

Hat der Welt­ju­gend­tag (WJT) in Rio Ih­re Hoff­nun­gen und Er­war­tun­gen er­füllt?
Der WJT war ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Gro­ßer­eig­nis für die Ju­gend­li­chen in Bra­si­li­en und der gan­zen Welt. Un­se­re Er­war­tun­gen sind so­gar über­trof­fen wor­den. Der Fun­ke der Freu­de und Be­geis­te­rung ist über die Me­di­en auf ganz Bra­si­li­en über­ge­sprun­gen. We­sent­lich da­zu bei­ge­tra­gen hat­ten auch die Ta­ge der Be­geg­nung im Vor­feld des WJT, an de­nen jun­ge Men­schen aus al­ler Welt in fast al­len 274 Diöze­sen Bra­si­li­ens zu Gast wa­ren. Wir hier in der Diöze­se Óbi­dos hat­ten Grup­pen aus vier Kon­ti­nen­ten zu Be­such, die wir über un­se­re Pfar­rei­en ver­teilt hat­ten. Es wa­ren wun­der­ba­re Ta­ge, in de­nen wir uns als welt­wei­te Glau­bens­ge­mein­schaft er­le­ben konn­ten.

Wel­che Rol­le hat da­bei Papst Fran­zis­kus ge­spielt?
Er hat die Hauptrol­le ge­spielt. Bra­si­li­en hat­te das gro­ße Glück, dass wir den ers­ten Papst aus Latei­na­me­ri­ka bei sei­ner ers­ten Aus­land­rei­se zu Gast ha­ben durf­ten. Der Hei­li­ge Va­ter hat durch sei­ne ein­fa­chen men­sch­li­chen Ges­ten da­zu bei­ge­tra­gen, dass die­ser WJT zu et­was Au­ßer­ge­wöhn­li­chem wur­de. Er hat den Teil­neh­mern im­mer wie­der das Ge­fühl ge­ge­ben: „Ich bin euch na­he.“ Ge­ra­de durch die­se Ak­zent­set­zung der Ein­fach­heit oder durch die­sen fran­zis­ka­ni­schen Stil – ob­wohl er ja Je­suit ist – hat er ei­ne ge­wal­ti­ge Wel­le der Be­geis­te­rung aus­ge­löst.

Hat der WJT auch Aus­wir­kun­gen auf Ih­re Diöze­se im Nor­den Bra­si­li­ens?
Ja, zum ei­nen durch die Ta­ge der Be­geg­nung. Zum an­de­ren über­le­gen wir jetzt, wie wir den Geist des WJT in der Diöze­se von Óbi­dos und in der Part­ner­diöze­se von Würz­burg auf­recht er­hal­ten kön­nen. Ei­ne Mög­lich­keit wä­re, in je­dem Jahr ein Ju­gend­camp zu ver­an­stal­ten, dass den Aus­tausch zwi­schen den bei­den Diöze­sen dau­er­haft und vor al­lem für jun­ge Men­schen för­dert. Dies könn­te auch ein wert­vol­ler Bei­trag für die Glau­ben­ser­neue­rung inn­er­halb der Kir­che, der Pfar­rei­en und der Ju­gend­grup­pen sein.

Sie ken­nen die Ver­hält­nis­se in Bra­si­li­en wie in Deut­sch­land gut: Wo­durch un­ter­schei­den sich die Per­spek­ti­ven für jun­ge Men­schen in die­sen bei­den Län­dern vor al­lem?
Um ei­ne Aus­bil­dung ma­chen zu kön­nen, müs­sen die Ju­gend­li­chen in der Re­gel in die Städ­te zie­hen, wo sie auf sich selbst ge­s­tellt sind. Um ein Stu­di­um fi­nan­zie­ren zu kön­nen, müs­sen sie Geld ver­die­nen, wor­un­ter oft dann wie­der das Stu­di­um lei­det. Die Aus­bil­dung­s­chan­cen sind al­so nicht mit den Ver­hält­nis­sen in Deut­sch­land ver­g­leich­bar. Es ist auch nicht ein­fach, nach dem Stu­di­um ei­nen gu­ten Ar­beits­platz zu be­kom­men. Wir ha­ben ge­ra­de in un­se­rer Re­gi­on ei­ne sehr ho­he Zahl an Ar­beits­lo­sen. Vie­le sind ge­zwun­gen, sich als Ta­ge­löh­ner durch­zu­schla­gen. Die Per­spek­ti­ven für die Ju­gend­li­chen un­ter­schei­den sich da­her sehr zu de­nen in Deut­sch­land. Wir ha­ben des­halb auch ver­schie­de­ne Pro­jek­te ge­star­tet, die Ju­gend­li­chen zu un­ter­stüt­zen.

Zu uns drin­gen Nach­rich­ten über Un­ru­hen im Vor­feld der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft und der Olym­pia­de. Hal­ten Sie die An­lie­gen der De­mon­s­tran­ten für be­rech­tigt?
Die hal­te ich auf al­le Fäl­le für be­rech­tigt. Die­se Un­ru­hen sind vor al­lem ei­ne Kri­tik an der Kor­rup­ti­on im Zu­sam­men­hang mit dem Bau der Sport­stät­ten, die ei­nen Mil­li­ar­den­scha­den ver­ur­sacht. Das Schul- und das Ge­sund­heits­we­sen blei­ben hin­ge­gen auf der St­re­cke. Wirt­schaft­lich und po­li­tisch muss sich ei­ni­ges än­dern, denn wir ste­cken in ei­ner gro­ßen so­zia­len Kri­se. Üb­ri­gens: Vie­le Ju­gend­li­che, die sich den Pro­test­zü­gen an­sch­lie­ßen, ha­ben auch am WJT teil­ge­nom­men.

Für wel­che Mann­schaft wird Ihr Herz bei der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft schla­gen?
Das ist ei­ne schwie­ri­ge Fra­ge. Am ein­fachs­ten wä­re es zu sa­gen, der Bes­te soll ge­win­nen. Ich wür­de mir wün­schen, dass ent­we­der Deut­sch­land oder Bra­si­li­en Welt­meis­ter wird. Für die­se bei­den Mann­schaf­ten schlägt mein Herz. Wenn sie bei­de das Fi­na­le er­rei­chen soll­ten, wün­sche ich mir, dass der Bes­se­re ge­winnt und der ei­ne ein gu­ter Sie­ger und der an­de­re ein gu­ter Ver­lie­rer sein wird.

Zu den Schwer­punk­ten ih­rer Ar­beit als Bi­schof ge­hört es, die Wür­de der Men­schen zu be­wah­ren und den Re­gen­wald zu er­hal­ten. Kön­nen Sie auf die­sen Ge­bie­ten Er­fol­ge ver­zeich­nen?
Für die Er­hal­tung des Re­gen­wal­des brau­che ich ei­nen lan­gen Atem. In ei­ni­gen klei­nen Dör­fern kön­nen wir wahr­schein­lich im nächs­ten Jahr mit der Wie­der­auf­for­s­tung von Re­gen­wald-Ge­bie­ten be­gin­nen. Sol­che Pro­jek­te be­nö­t­i­gen ei­nen sehr lan­gen Vor­lauf. Die Be­wah­rung der Wür­de des Men­schen ist ein The­ma, mit dem sich in­zwi­schen al­le über 600 Ba­sis­ge­mein­den in un­se­rer Diöze­se be­schäf­ti­gen. Zu­dem lau­fen ei­ni­ge klei­ne­re Pro­jek­te un­ter dem Ti­tel „So­li­dar-Öko­no­mie“, in de­nen Frau­en in die La­ge ver­setzt wer­den, durch Hand­ar­bei­ten ein ei­ge­nes Ein­kom­men zu er­wirt­schaf­ten. Im Ju­gend­pro­jekt un­se­rer Diöze­se wer­den rund 220 Ju­gend­li­che be­t­reut, die oft­mals den gan­zen Tag bei uns ver­brin­gen, um ver­schie­de­ne Fer­tig­kei­ten zu er­ler­nen. Das er­öff­net ih­nen neue Per­spek­ti­ven und hält sie fern von Dro­gen, Kri­mi­na­li­tät und Prosti­tu­ti­on. Au­ßer­dem er­ler­nen sie so, sich un­te­r­ein­an­der zu or­ga­ni­sie­ren. Fer­ner ha­ben wir den Bau­ern­hof der Hoff­nung ge­grün­det. Das ist ein The­ra­pie­zen­trum für Dro­gen- und Al­ko­hol­süch­ti­ge Men­schen. So sind wir stets da­bei, Pro­jek­te zur För­de­rung der Men­schen­wür­de wei­ter zu ent­wi­ckeln. Das nächs­te Pro­jekt wird ei­ne klei­ne Land­wirt­schaft­schu­le sein, die auch da­zu die­nen soll, den Men­schen die Fähig­keit zu ver­mit­teln, den Re­gen­wald wie­der auf­zu­fors­ten. Rück­schlä­ge muss­te ich auf die­sem Ge­biet bis­her nicht hin­neh­men – es braucht al­ler­dings al­les sei­ne Zeit.

Wie steht es um die Or­dens­be­ru­fun­gen in Ih­rer Diöze­se?
Zwar ist die Zahl der Or­dens- und Pries­ter­be­ru­fun­gen noch eher be­schei­den, aber es ist ein stän­di­ges Wachs­tum. Oh­ne die Or­dens­män­ner, vor al­lem oh­ne die Fran­zis­ka­ner, Stey­ler Pa­t­res und Obla­ten­pa­t­res, könn­ten wir die Seel­sor­ge nicht ga­ran­tie­ren. Die Ar­beit der Or­dens­frau­en in un­se­rer Diöze­se ist fun­da­men­tal, denn sie set­zen im­mer wie­der spi­ri­tu­el­le Im­pul­se. Die Mis­si­ons­schwes­tern von der Un­be­f­leck­ten Emp­fäng­nis der Mut­ter Got­tes et­wa wir­ken sehr se­gens­reich durch ihr Ho­spi­tal in Alen­qu­er. Un­ser Ziel ist, dass in al­len acht Pfar­rei­en und al­len fünf Mis­si­ons­ge­bie­ten un­se­rer Diöze­se min­des­tens ei­ne Or­dens­ge­mein­schaft prä­sent ist. Da­für lie­gen mir be­reits Zu­sa­gen ver­schie­de­ner Ge­mein­schaf­ten vor. Die Or­dens­frau­en sol­len in der Pa­s­to­ral mit­ar­bei­ten, denn sie kom­men oft­mals da­hin, wo Pries­ter nicht hin­kom­men.

Für das Ama­zo­nas­ge­biet ist die Grün­dung ei­ner ka­tho­li­schen Uni­ver­si­tät ge­plant. Was kön­nen Sie zum Stand der Din­ge sa­gen?
Wir möch­ten in Ama­zo­ni­en die ka­tho­li­sche Uni­ver­si­tät mit Sitz in Belém grün­den, die meh­re­re Cam­pus­se ha­ben wird – auch hier in Óbi­dos. Die Mis­si­ons­schwes­tern ha­ben hier ei­ne Schu­le, die zur Zeit noch vom Bun­des­staat Pará ge­nutzt, die aber im kom­men­den Jahr frei­ge­ge­ben wird. Wir möch­ten in die­sem Ge­bäu­de die Uni­ver­si­tät ein­rich­ten. Wir sind im Ge­spräch mit der Re­gie­rung, zu­nächst zwei oder drei Fach­hoch­schul-Kur­se ein­zu­rich­ten, die dann auch vom Staat an­er­kannt wer­den. Gleich­zei­tig hof­fen wir, mit Hil­fe der ita­lie­ni­schen Bi­schofs­kon­fe­renz die Fi­nan­zie­rung der Uni­ver­si­tät si­cher­s­tel­len zu kön­nen. Das Gan­ze wird wahr­schein­lich im kom­men­den Jahr star­ten kön­nen.

Sie le­ben seit 30 Jah­ren in Bra­si­li­en, vor fünf Jah­ren ha­ben Sie die bra­si­lia­ni­sche Staats­bür­ger­schaft an­ge­nom­men. Wie stark sind Ih­re Kon­tak­te noch in Ih­re Hei­mat Deut­sch­land?
Mei­ne Kon­tak­te nach Deut­sch­land sind sehr stark. Mei­ne Mut­ter, mei­ne Fa­mi­lie und sehr vie­le Freun­de le­ben ja dort. Die Kon­tak­te wer­den so­gar im­mer in­ten­si­ver, weil vie­le Men­schen in Deut­sch­land an un­se­rer Diöze­se in­ter­es­siert sind. Vor al­lem durch die Part­ner­schaft mit der Diöze­se Würz­burg kön­nen wir die Kon­tak­te mehr und mehr aus­bau­en.

Das In­ter­view führ­te Franz Jus­sen

Dieser Artikel stammt aus dem kontinente-Eigenteil von den Mis­si­ons­schwes­tern von der Un­be­f­leck­ten Emp­fäng­nis. Mehr dazu finden Sie hier.


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