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Aufmacherseite aus dem kontinente-Heft, schreiender Mann mit Trommel unter dem Arm auf einem Berggipfel

REPORTAGE

Schrei der Erde

Überall auf der Welt erheben die Ältesten indigener Kulturen ihre Stimme. Und ihre Botschaft findet Gehör: Die Welt ist aus dem Gleichgewicht. Es ist Zeit, die Heiligkeit der Erde zu achten.
 

Text: Christoph Quarch
Fotos: Sven Nieder

„Eines Tages, wenn die Welt in großer Not ist, wird das Heilige Feuer zurückkehren“ — zurück nach Grönland. So sagt es eine uralte Prophezeiung der Eskimos; eine Prophezeiung, die Jahrtausende lang ganz absurd klingen musste, weil niemand der Ureinwohner jener vereisten Rieseninsel ahnen konnte, dass die kniehohen Sträucher Grönlands eines Tages zu Bäumen wachsen würden, mit deren Holz sich ein Feuer entzünden ließe. Nun ist diese Zeit gekommen. Die Klimaerwärmung macht es möglich. Die Bäume haben sich aufgerichtet. Und nun brennt das Heilige Feuer vor der überwältigenden Kulisse des Russels-Gletschers in Westgrönland..

Angaangaq Angakkorsuaq, Schamane, Ältester und Heiler der Kalaallit-Eskimos, Grönland, mit einem Bündel Holz auf dem Rücken und einem Stück Eis in den Händen.

Gut hundert Menschen haben sich aus diesem Anlass unter der grönländischen Mitternachtssonne versammelt, eingeladen von Angaangaq Angakkorsuaq, dem Ältesten und Schamanen der Kalaallit-Eskimos. Seine Vision war es, die Prophezeiung seiner Vorfahren zu erfüllen — und damit der Welt, die in Not geraten ist, einen Dienst zu erweisen. Denn das fröhliche Feuer, das er dort im hohen Norden entzündet hat, ist nicht irgendein Feuer — es ist ein Heiliges Feuer: ein Feuer, das die Energie des Großen Geistes auf die Erde bringen und die Not der Erde wenden soll, das angetan ist, das Eis in den Herzen der Menschen zu schmelzen und so den Wandel auf Erden zum Guten zu wenden...

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