Was ist die zentrale Erkenntnis Ihrer 378 Seiten starken Studie zum Missbrauch an Ordensfrauen?

Sexuellen Missbrauch an Ordensfrauen gibt es auch in Deutschland, nicht nur in Asien und Afrika. Er geschieht dort, wo Frauen abhängig sind, von Oberen oder in der geistlichen Begleitung.

Sind die Täter immer Männer?

Nein. Mir haben mehrere Frauen von Missbrauch durch Mitschwestern berichtet – in einem Ausmaß, mit dem ich nicht gerechnet habe. Ein markanter Unterschied zu den männlichen Tätern ist, dass Täterinnen das Geschehen weniger stark spirituell deuten.

Ein männlicher Begleiter sagt etwa: „Was ich mit dir tue, soll dir zeigen, wie sehr Gott dich liebt.“ Was mich besonders erschreckt hat: Einige Frauen hatten schon als Kind sexuellen Missbrauch erlebt und brachten das in der geistlichen Begleitung zur Sprache.

Manche testen Grenzen aus

Ist geistliche Begleitung per se ein Risiko?

Nein. Aber die Art und Weise der Begleitung kann benutzt werden. Begleiter sind oft Personen, die in der Gemeinschaft beliebt sind und eine starke charismatische Ausstrahlung haben. Manche testen in kleinen Schritten die Grenzen aus. Die missbrauchten Frauen fühlten sich emotional an die Täter gebunden, sie fingen an, nicht nur für sie zu putzen und zu kochen, sondern auch die Predigt zu verfassen.

kna/emw