Am 9. Juli bekam Schwester Josefa Thusbaß (Dominikanerinnen Schlehdorf) vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder im prunkvollen Antiquarium der Münchner Residenz den Bayerischen Verdienstorden. Für die 79-Jährige war es ein bewegender Moment – nicht nur wegen der Ehrung, sondern auch, weil sie sich immer gewünscht hatte, diesen historischen Raum einmal zu betreten. „Ich hätte nie gedacht, dass ich je hier stehen würde“, sagte sie. „Diese Auszeichnung gilt nicht nur mir. Sie ehrt uns alle – als Gemeinschaft.“
Klug und beherzt
Die Auszeichnung würdigt Schwester Josefas vielfältiges Wirken als inspirierende Persönlichkeit und ihre Verdienste um ihre Gemeinschaft und ihre Heimat. Seit Jahrzehnten gestaltet sie als Ökonomin den tiefgreifenden Wandel der Missions-Dominikanerinnen in Schlehdorf mit – klug, beherzt und gemeinschaftsorientiert. Dabei hat sie ihre Erfahrungen weit über das eigene Kloster hinaus eingebracht und an andere Ordensgemeinschaften weitergegeben.
Das Kleine und Feine nicht übersehen
Als frühere Schulleiterin der klostereigenen Mädchenrealschule war sie vielen als motivierende Pädagogin bekannt, die Schülerinnen naturwissenschaftliches Denken ebenso wie Achtsamkeit für die Schöpfung nahebrachte. Ihre Leidenschaft für Naturfotografie begleitet sie bis heute – als geistliche Übung und Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit der Welt. „Wir Menschen übersehen oft das Kleine und Feine“, sagt Schwester Josefa. Mit ihrer Kamera will sie das Unsichtbare sichtbar machen und damit auch Gottes Gegenwart.
Verdienstorden als Zeichen der Wertschätzung
Auch in der Neugestaltung des Klosterstandorts hat sie mitgewirkt: Das alte Klostergebäude ging an eine Genossenschaft über und erfüllt nun einen neuen Zweck als soziales Wohnprojekt mit Co-Working-Flächen – ein mutiger Schritt in die Zukunft. Die Gemeinschaft selbst zog in ein neues Haus, das später einmal als Seniorenheim genutzt werden kann. Das Modellprojekt „Zukunft Kulturraum Kloster“, das diese Entwicklungen dokumentiert, schließt Buch, Podcast und bald auch einen Audioguide ein – alles mitgetragen von Schwester Josefa.
Dass sie für dieses Engagement nun mit den Bayerischen Verdienstorden erhielt, erfüllt nicht nur Schwester Josefa mit Freude. Es ist auch ein Zeichen der Wertschätzung für das Leben in Gemeinschaft, für den Mut zur Veränderung. Und für ein Ordensleben, das in der Gegenwart ankommt, ohne seine Wurzeln zu verlieren.
Text: Schwester Francesca Hannen