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Franz Jussen, Redakteur

Franz Jus­sen

Was mei­nen Sie?

Sind wir wehr­lo­se Ma­rio­net­ten
des Kon­s­um­zwangs?

Er lebt, was er pro­pa­giert. Da­her wird nie­mand Ni­ko Paech die Glaub­wür­dig­keit ab­sp­re­chen kön­nen: Er be­s­teigt kein Flug­zeug, be­sitzt we­der Han­dy noch Au­to, er­nährt sich ve­ge­ta­risch und ach­tet auf sei­ne per­sön­li­che Koh­len­di­oxid-Bi­lanz. Die Be­grün­dung des Ol­den­bur­ger Volks­wir­tes für die­ses Ver­hal­ten klingt plau­si­bel: Nur kon­se­qu­en­ter Kon­sum­ver­zicht kann die Aus­beu­tung der Na­tur ver­hin­dern.

Deut­sch­lands ra­di­kals­ter Wachs­tums­kri­ti­ker plä­d­iert für Wachs­tums­rück­gang und ei­ne grund­le­gen­de Ve­r­än­de­rung un­se­res Le­bens­s­tils. „Kon­sum­ver­stop­fung“ scha­de dem Men­schen, Ge­nüg­sam­keit ma­che ihn glück­lich, lau­tet das Cre­do des Pro­fes­sors für Pro­duk­ti­on und Um­welt, das er in der Welt der Wis­sen­schaft und in kon­ti­nen­te-Aus­ga­be 3/2015 ver­b­rei­tet. Er wird wis­sen, dass er sich mit sei­ner We­ni­ger-ist-mehr-Bot­schaft we­nig Freun­de macht. Un­ter Ko­sum­jun­kies gilt er oh­ne­hin als Mie­se­pe­ter der Na­ti­on, wenn er die In­stand­set­zung und das Tei­len von Ge­brauchs­gü­tern, den Rück­bau von Au­to­bah­nen oder den Selb­st­an­bau von Obst und Ge­mü­se vor­schlägt.

Die Zahl der glüh­en­den Paech-An­hän­ger wird auch des­halb über­sicht­lich blei­ben, weil er sich mit sei­nen The­o­ri­en von je­nen Po­li­ti­kern, Un­ter­neh­mern, Kir­chen­leu­ten oder Ei­ne-Welt-Ak­ti­vis­ten ab­g­renzt, die für ein nach­hal­ti­ges Wachs­tum ein­t­re­ten. Selbst mit die­ser „mil­den“ Wachs­tums­va­ri­an­te wirt­schaf­ten wir uns zu To­de, glaubt Paech. Nicht nur Chris­ten stellt er da­mit ei­ni­ge sehr un­be­que­me Fra­gen: Ge­fähr­den wir mit un­se­rem all­täg­li­chen Ver­brau­cher­ver­hal­ten die Sc­höp­fung? Sind wir gar zu wil­len- und wehr­lo­sen Ma­rio­net­ten des Kon­s­um­zwangs ge­wor­den?

Von Franz Jus­sen

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Michael Leicht aus Heilbronn: Die Visionen von Herrn Professor Niko Paech erinnern mich deutlich an meine Kindheit und Jugend ab etwa 1960. Im Jahr 1960 haben meine Eltern in einer schwäbischen Kleinstadt ein altes Haus gekauft und in der Folgezeit bekamen mein jüngerer Bruder und ich immer wieder zu hören: „Wir müssen sparen!“ Am Lebensnotwendigen hat es uns nie gefehlt. Unsere Eltern ermöglichten uns beiden Kindern den Besuch des Gymnasiums und richtig hungern und frieren mussten wir auch nie. In unserem Haushalt gab es allerdings kein Fahrrad, keinen Fernseher, kein Auto, kein Telefon, keinen Kühlschrank. Der PC, der Taschenrechner und das Handy waren ohnehin noch nicht erfunden. Allerdings schafften meine Eltern beim Einzug in das „neue“ Haus auch gleich eine der ersten vollautomatischen Waschmaschinen an, die auf dem Markt waren. Die war aber störungsanfällig und sehr oft hatten wir anfangs einen Monteur im Haus, wenn gewaschen wurde. Zur Schule, die etwa einen Kilometer von zu Hause entfernt war, mussten wir Buben selbstverständlich zu Fuss gehen und waren dabei noch gut dran, denn es gab ABC-Schützen, die jeden Morgen drei Kilometer zur Schule zu gehen hatten und mittags wieder zurück nach Hause. Das „Mama-TAXI“ oder eine Busverbindung gab es überhaupt nicht. Wenn wir nach der Theorie der „Postwachstumsökonomie“ leben wollen, werden wir auf viele Selbstverständlichkeiten verzichten müssen – oder sehr teuer dafür bezahlen! Der grosse Haken besteht darin, dass alle zurück zur Natur wollen, aber keiner zu Fuss! (Die Quelle dieses Zitats ist mir nicht bekannt.) Im Folgenden werde ich auf die einzelnen Punkte von Professor Paech eingehen. Wenn Ackerflächen versiegelt wurden, um darauf neue Siedlungen, Gewerbebetriebe oder Strassen zu bauen, war mir das zuwider, schon lange bevor es die GRÜNEN gab. Diese Flächen fehlen sowohl der Natur als auch zur Erzeugung von Lebensmitteln und sie können nicht ersetzt werden, denn die Oberfläche der Erde lässt sich nicht vermehren und die unseres Landes schon gar nicht. Wenn wir Rückbauprogramme umsetzen wollen, müssen wir solche jetzt erarbeiten, wenn wir bis 2050 Erfolge sehen wollen. Denn 35 Jahre sind für ein Vorhaben dieser Art nur eine kurze Zeit. Schätzungsweise sind mindestens fünf Jahre alleine nötig, um auf dem Papier ein bundesweites Rückbauprogramm und die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen. Erst dann kann die eigentliche Arbeit beginnen. In den Sechziger Jahren gab es in meiner Heimatstadt vergleichsweise wenig Autos, aber Parkmöglichkeiten im Überfluss. Autobesitzer waren hauptsächlich Gewerbetreibende und Berufspendler, die auswärts wesentlich mehr verdienten als bei den Handwerkern in unserer Stadt. Im Endeffekt hatten die Pendler aber auch kaum mehr Geld zur Verfügung als diejenigen, die am Ort ihrer Erwerbstätigkeit nach gingen. Für weniger Kraftverkehr benötigen wir folgerichtig weniger Verkehrsfläche und auf den Bau neuer Radwege könnten wir verzichten, denn bis in die Siebzigerjahre hinein konnte ich mit dem Rad bedenkenlos Landstrassen benutzen; vom Kraftverkehr fühlte ich mich kaum gefährdet. Auf Bundesstrassen und auf den Durchgangsstrassen der Grosstadt (25 km vom damaligen Wohnort entfernt) lebte ein Radler leider schon damals gefährlich. Ohne eigenes Auto auszukommen haben wir vor ein paar Jahren versucht und haben dies zwei Jahre lang konsequent durchgehalten. Dann waren uns die Einschränkungen zu viel, denn geliehene oder gemietete Fahrzeuge sollte man ja besonders schonend behandeln und ausserdem sind sie nicht immer sofort verfügbar. Was aber nicht mit dem Auto gefahren werden muss, erledigen wir mit dem Rad, an das bei Bedarf ein Anhänger gekuppelt wird, oder mit Bus und Bahn. Wenn wir die Fahrleistungen unseres Autos in reinen Zahlen betrachten, rechnet es sich keinesfalls; bei Nichtgebrauch steht es allerdings nicht auf der Strasse herum, sondern auf dem eigenen Grundstück. Die meisten Handwerksbetriebe aus der Zeit meiner Kindheit sind verschwunden, obwohl sie oft seit Generationen von der gleichen Familie betrieben wurden. Die Bäckereien, bei denen wir Kinder im Sommer durch das offene Fenster in die Backstube schauen konnten, liessen die Öfen ausgehen. Darauf schlossen die Läden oder wurden Teil einer Unternehmenskette. Die Metzger mit eigener Schlachtung hielten sich etwas länger. Schuhmacher, denen wir unsere Schuhe mit schief gelaufenen Absätzen brachten, schlossen, weil Schuhe so billig zu haben waren, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Ähnliches gilt für elektrische Haushaltsgeräte, ja selbst für Fahrräder. Unsere Räder gehören zur mittleren Preisklasse, bei denen sich eine Reparatur rechnet, so lange der Rahmen in Ordnung ist. Nach 25 000 km ist eine Neuanschaffung unumgänglich. Bei einer jährlichen Fahrleistung von über 3 000 km muss ich jedes Jahr so viel Geld für Ersatzteile ausgeben, wie für ein „preisgünstiges“ Rad vom Baumarkt, bei dem sich allenfalls noch das Flicken eines platten Reifens rechnet. Durchlöcherte Hosen und Hemden flickte damals meine Mutter. Die selbst gestrickten Socken wurden bei Bedarf angestrickt. Reparieren anstatt neu kaufen macht Sinn, weil das die Entsorgungskosten senkt und Rohstoffe spart. Um jedoch das Reparieren wieder wirtschaftlich zu gestalten, müssen nicht etwa die Arbeitslöhne gesenkt werden, sondern unsere Gebrauchsgegenstände müssen in Zukunft reparaturfreundlich und hochwertig konstruiert und angefertigt werden. Billigimporte darf es nicht mehr geben. Waschmaschinen, Staubsauger, Kühlgeräte und andere Maschinen, die aus einem Haushalt nicht mehr weg zu denken sind, werden dadurch wesentlich teurer, halten dafür aber ein Leben lang. Das gleiche gilt für unsere Möbel. Gute Möbel erkenne ich nicht an ihrem Aussehen, sondern daran, dass man mit ihnen mindestens einmal umziehen kann, ohne dass sie Schaden nehmen. Kratzer und angeschlagene Kanten erkenne ich nicht als Schaden an; das sind Gebrauchsspuren, über die man wegschauen kann. Langlebige Erzeugnisse sind aber wesentlich teurer als unsere Wegwerfartikel! Das Sparpotential ist deshalb wesentlich geringer als die Behauptung von Herrn Professor Paech glauben macht. Eine durchschnittliche Arbeitszeit von etwa 20 Stunden haben wir eigentlich heute schon. Nehmen wir einmal die Summe aller erwerbsmässig geleisteten Arbeitsstunden eines Jahres und teilen diese durch die Anzahl der erwerbsfähigen Personen, dann werden wir staunen. Zu den erwerbsfähigen Personen zähle ich alle, die arbeiten können, also auch Hausfrauen (Hausmänner), die in keiner Statistik erscheinen, aber dennoch mindestens so viel arbeiten wie ein vollbeschäftigter Arbeitnehmer, sodann Asylbewerber, die keine Arbeitserlaubnis erhalten und Arbeitslose. Zählen wir die Arbeitszeit, die unentgeltlich für die Haushaltsführung aufgewendet wird, zu den erwerbsmässig geleisteten Stunden dazu, werden wir sehen, dass 20 Stunden in der Woche eine Utopie sind. Hausfrau oder Hausmann in einem Vierpersonenhaushalt bedeutet Vollzeitjob mit mehr als 40 Wochenstunden, das kann man rechnen, wie man will. Gemeinschaftsgärten sind keine Erfindung von Herrn Paech (was er aber auch nicht behauptet!). Dr. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808 bis 1861) fiel bereits auf, dass Leute vom Land gesünder und kräftiger waren als diejenigen, die in Bergwerken und Fabriken arbeiteten. Er schlug deshalb seinem Dienstherren, dem König von Sachsen, vor, diesen Leuten ein Stück Land zur Verfügung zu stellen, das diese bewirtschaften sollten. Das schafft Ausgleich zur ungesunden Arbeit, denn frische Luft tut gut. Frisches Obst und Gemüse fördern die Gesundheit ebenfalls und die Kosten für diese Gesundheitsvorsorge sind verhältnismässig gering. Daher der Name „Schrebergarten“. Ein weiterer Gesichtspunkt aus heutiger Sicht: wer selber Lebensmittel erzeugt, hat einen engen Bezug zu ihnen und wirft nicht so schnell Geniessbares zum Abfall (alle KONTINENTE-Leser sind sicherlich für diesen Aspekt sensibilisiert). Importe können dadurch vermindert werden und somit auch der Verbrauch an Kraftstoffen. Auch im Dritten Reich wurde das Selbst Erzeugen gefördert, weil dadurch die Versorgungssicherheit verbessert wurde. Niemand darf aber ausser Acht lassen, dass ein Klein- oder Gemeinschaftsgarten Arbeit bedeutet! Flugreisen können noch so billig sein: mit meiner Arbeit als Hobby-Landwirt habe ich keine Zeit, um in den Sommerferien auf Grosse Fahrt zu gehen. Einen Ski-Urlaub im Winter brauchen wir auch nicht, denn da muss unter anderem Brennholz für den Kachelofen besorgt werden. Über die ökologische Bewertung dieser Art von Heizung wird in Fachkreisen heftig gestritten. Aber solange gestritten wird, ist nichts entschieden, und wir werden weiter mit dem nachwachsenden „Heizöl“ aus der nahen Umgebung feuern. Eine Regionalwährung wie von Herrn Paech vorgeschlagen, lehne ich rundherum ab. Lieber wäre es mir, wenn wir eine einzige Weltwährung schaffen könnten. Dann würde überall auf dem Globus für eine bestimmte Arbeit ein ähnlicher Lohn bezahlt (gleichen Lohn zu fordern erscheint mir dann doch zu idealistisch), gleiche Güter hätten weltweit einen ähnlichen Preis. Damit wäre es vorbei, billig in Indien zu erzeugen, und teuer in Deutschland zu verkaufen. Weltweiter Handel braucht nicht zum Erliegen zu kommen, aber vermindert muss er werden. Vor allem weltweite Lebensmitteltransporte halte ich für unnötig, weil in den meisten Länder dieser Erde das erzeugt werden kann, was lokal benötigt wird. Hilfslieferungen müssen selbstverständlich immer möglich sein. Exotische Lebensmittel dürfen nach meiner Auffassung auch in Zukunft bei uns angeboten werden, aber zu Preisen, die die Kosten für Erzeugung und Transport widerspiegeln! Bei ähnlichen Löhnen weltweit werden uns die Augen aufgehen. Einwegverpackungen müssen nicht ganz verschwinden, aber die Milchkanne aus den Fünfziger Jahren darf ruhig ihr „come back“ erleben; auch Hygiene kann man übertreiben. Obst und Gemüse kann man im bewährten Einkaufsnetz nach Hause bringen, und zwar erntefrisch. In den Zeiten ausserhalb der Ernte werden wir wieder auf Eingedünstetes und ähnlich Konserviertes zurück greifen. Bleistift, Radiergummi, Briefumschläge werden wir nicht mehr in Blistern, sondern lose einkaufen oder in Grosspackungen. Das Arbeitsleben wird sich ändern müssen, wenn wir in Zukunft ohne Wirtschaftswachstum und ökologisch sinnvoll leben wollen. Viele Erfindungen, die uns derzeit das Leben bequem machen, Mobilität und Kommunikation ermöglichen, werden wir nicht mehr nutzen. Wir werden körperlich aktiver sein, sagt Herr Paech. Das ist nach meiner Ansicht untertrieben. Vielmehr wird es wieder viel mehr „Knochenjobs“ geben, damit alle an der Erwerbstätigkeit teilhaben können, denn viele Rationalisierungsmassnahmen der letzten Jahrzehnte müssten zurück gefahren werden. Industrieroboter werden zwar nie Rückenschmerzen haben, fressen aber ordentlich elektrische Energie. So sympathisch mir die Visionen von Herrn Paech sind, selbst wenn alle Bürger – auch die der folgenden Generation - guten Willens wären und sich anstrengen würden, sind diese Vorstellungen keinesfalls auch nur im Ansatz bis 2050 umzusetzen. Dennoch lohnt es sich, daran zu arbeiten.


Rudolf Thoma aus Pforzheim: Ich habe das Interview mit Herrn Paech gelesen, und mich dabei regelrecht gewundert über die theoretischen Lebensweisheiten von Herrn Paech. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die meisten Menschen in der Europa und anderswo bereit wären so zu leben, wie Herr Paech sich das vorstellt. Solange das Lebensniveau so hoch ist wie in der heutigen Zeit, werden die Menschen auch auf diesem Niveau leben wollen. Alles andere ist Wunschdenken einiger weniger Menschen, die auch in der Regel nicht bereit sind, ihre Theorien allzu offen einer breiten Öffentlichkeit dazulegen, weil sie die Reaktionen der Menschen fürchten. Funktionieren kann dies alles nur in Weltgegenden, wo heute, erst recht in der Zukunft, der Lebensstandard sehr niedrig ist, und bleiben wird.


Peter Brinnel aus Deutschland: Wachstumskritik sollte auch dort ansetzen, wo das grenzenlose Wachstum als solches leider in unser globales Wirtschaftssystem eingebaut wurde. Daher habe ich folgende Meinung zu den Aussagen von Herrn Paech: Wer das Wachstum kritisiert und eine Wirtschaft ohne Wachstum will, sollte auch das Element kritisieren, das in unserem derzeitigen globalen Wirtschafts- und Finanzsystem für einen grenzenlosen Wachstumszwang verantwortlich ist. Leider hat Herr Paech dieses Element im Interview mit keinem Wort erwähnt: Es ist das Schuldgeldsystem, in dem Geld nur durch Kredite, also durch Schulden entsteht und in dem der Zinseszins auf jede Tätigkeit, die in irgendeiner Weise finanziert werden muss, immer wieder ein Wachstum fordert – es muss mit den Zinsen ja immer eine ständig anwachsende Menge Geld zurückgezahlt werden! Vielleicht könnte hier auch anstelle des Schuldgeldsystems das möglicherweise in Island und in der Schweiz angedachte Vollgeldsystem dafür sorgen, dass Wachstum ohne den systemimmanenten und unternehmerisch stark empfundenen Zwang zum Wachstum zunächst ein wenig eingedämmt werden könnte. In einem zweiten Schritt könnte dann auch der Umgang mit dem Zinseszinssystem geprüft und eventuell auch in eine Art einmalige Kreditgebühr geändert werden – doch dies ist derzeit noch „Finance-fiction“. Natürlich müssen wir Menschen inzwischen aufgrund unserer Menge stark darauf achten, dass wir noch gut für unsere Erde sind. Wir können nicht mehr "aus dem Vollen" schöpfen. Vor allem müssen wir daher auch darauf achten, dass ein Verbrauch einerseits sinnvoll und andererseits nachhaltig ist. Daher sehe ich auch eine Notwendigkeit in einer Industrie für die Produktion nachhaltiger Produkte. Dazu gehören vor allem nachhaltig erzeugte Energie und auch die Technik, nachhaltige mobile Energie nutzen zu können. Bei allen durch Motoren bewegten Maschinen bedeutet dies, dass die Wasserstofftechnik vorangetrieben wird, bei den Autos, bei LKW, bei Schiffen, bei Zügen. Beim Fliegen wird dies nicht funktionieren, da dort die Energie nicht ausreicht. Dort wäre es aber möglich, Biokerosin ohne fossilen Kohlenstoff aus gezüchteten Algen zu erzeugen und dann zu tanken. Das Erzeugen könnte jeweils unter den An- oder den Abflugkorridoren geschehen. Dann würden dort auch keine Wohngebiete durch Lärm geschädigt werden können. Dies alles sind nur einzelne Beispiele dafür, dass durch ein Umdenken auch vieles zum Vorteil für die Menschen geändert werden könnte. Dazu ist aber Leider auch eine geänderte Verteilung der Güter in den Gemeinschaften erforderlich. Dies wiederum würde auch eine andere juristische Betrachtung von Eigentum und von den Pflichten durch Eigentum erfordern. Ich glaube daher, dass diese Prozesse noch geologisch lange Zeiträume benötigen – vorausgesetzt das System Erde hält diesen Zeitraum für uns Menschen noch offen. Vielleicht ist dies die Schwachstelle des Homo sapiens, an der die Evolution eingreift und entscheidet, dass der Mensch sich selbst aus dem Kreislauf der Natur aussortiert. Ich hoffe dass diese Kurzanalyse nicht als nur negativ gesehen wird, denn wir Menschen haben ja noch die Möglichkeit einzugreifen und Veränderungen zu bewirken. Ich will damit nur ansprechen, dass die Aufgabe viel größer und weitreichender ist. Immerhin haben wir Katholiken ja jetzt in unserem Papst auch einen Vertreter, der bereit ist diese Themen anzusprechen.


Renate Roesch aus Deutschland: Die Phantasie von Herrn Professor Niko Paech ist prämierenswert und ich wollte, er könne seine Ideen auch verwirklichen. Er trifft in allem auch meine Vorstellungen und Wünsche für ein anderes, besseres Leben. Doch fürchte ich, dass sich das alles so wegen der Trägheit der Menschen nicht verwirklichen lässt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man gegen Wände redet, wenn man auf Sparen in jeder Hinsicht zu sprechen kommt. Im Gegenteil, man wird noch als verrückt angesehen. Das fängt doch schon damit an, mal auf Verzicht auf das Auto hinzuweisen und die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, das Licht auszuschalten, wenn es nicht unbedingt gebraucht wird, das Wasser abzudrehen, vielleicht auch, wenn es machbar ist, Obst und Gemüse selbst anzubauen und, und, und. Das begegnet mir fast jeden Tag bei Nachbarn und Verwandten. Und wenn ich mir vorstelle, wie viele Menschen ihr Leben umstellen müssten, damit das Ziel erreicht werden kann, sehe ich nur düster. Und mit der Zeit ist es doch genau dasselbe. Leben wir eigentlich oder werden wir gelebt? Ein Termin nach dem anderen. Ich bin nun nicht mehr so taufrisch und lebe schon seit einiger Zeit im "Ruhestand". Den habe ich mir auch anders vorgestellt, wirklich in Ruhe leben zu können. Und mit dem Rad kann ich leider auch nicht mehr fahren. Da ist dann wieder die Hektik mit dem Bus-Fahrplan, wenn ich das Auto stehen lasse. Und das tue ich so oft wie möglich wegen meiner Überzeugung. Wir haben nur EINE Welt zur Verfügung. Und für deren Erhalt müssen wir alles tun. Aber auch andere Termine engen unsere Zeit ein wie Arzt-Termine, Öffnungszeiten, nicht sonntags sondern an ganz normalen Werktagen, wie z. B. Post oder Sparkasse. Um diese Termine kommen wir eben nicht herum und werden dadurch gezwungen, es so hinzunehmen. Mich interessiert, ob und wie Herr Prof. Niko Paech seine Idee unter das Volk zu bringen gedenkt. Denn nur der Entwurf auf dem Papier bringt ja wohl noch nichts. Vielleicht kann er mir auch einen Rat geben, wie ich erfolgreich werden könnte. Das würde ich ja gerne mal ausprobieren. Allerdings sind auch meine Möglichkeiten mehr als begrenzt. Denn ich wohne in einem Senioren-Zentrum, in dem es nicht mal möglich ist, Biomüll und Plastik zu trennen, sehr zu meinem Ärger. Ich bin überzeugt davon, wie auch Herr Prof. Paech, dass die Menschen durch "organisierte Sparsamkeit" ausreichen Geld zum Leben hätten. Dazu kommt auch, gerade Lebensmittel nur in der unbedingt benötigten Menge zu kaufen, damit nichts verdirbt, und sich bei allen anderen Dingen des alltäglichen Lebens, z. B. Kleidung, immer zu fragen, ob man es wirklich braucht, oder immer mit der Mode mitgehen will. Aber das ist vielleicht auch eine Frage des Alters und bei jungen Menschen verständlich. Aber trotzdem, wenn sich alle zurückhalten im Erwerb neuer Kleidung etc. würde das gar nicht mehr auffallen, und die Welt wäre in Ordnung. Aber das beinhaltet eben auch kein Neid oder Missgunst, wenn andere Besseres, Neueres oder Schöneres besitzen oder angeschafft haben. Aber wie soll man das den Menschen klar und schmackhaft machen! Ich muss eben das größere Auto haben, die vornehmste Villa, die teuerste Kleidung, die weiteste Urlaubsreise und was weiß ich noch alles. Darin sehe ich die großen Klippen für die Verwirklichung so hochtrabender Pläne, die Menschen und die Welt zum Guten verbessern zu wollen und zu können. Im übrigen ärgert es mich auch immer mächtig, dass kein Gerät repariert wird. Z. B. hatte ich einen kaputten Drucker, von meinem Rechner ganz zu schweigen. Bei Nachfrage hörte ich nur:"Wegwerfen und neu kaufen. Das ist billiger!" Das mag ja sein. Aber abgesehen davon dass ich eine Kriegsgeneration bin, die ohnehin keine einseitig bedruckten Reklamebögen wegwerfen kann, ohne sie als Schmierpapier oder Notiz-Zettel zu verwenden, verstehe ich diese Mentalität nicht. Ich halte dieses Verhalten des Wegwerfens für überaus verschwenderisch und sinnlos. Wie viele Arbeitsplätze würden durch Änderungs-Schneidereien, Reparaturwerkstätten für Fahrräder, Kühlschränke, Waschmaschinen etc. entstehen. Ist dieser Gedanke nicht schon mal verlockend? Auf jeden Fall wünsche ich Herrn Professor Niko Paech eine Menge Erfolg bei seinen Bemühungen und würde mich ihm gerne anschließen. Aber ich weiß nicht wie, weil eben meine Versuche bisher ohne Erfolg waren. Sehr deprimierend, nicht wahr?


Gerlinde Allmendinger aus Deutschland: Der Bericht von Professor Niko Paech über die Postwachstumsgesellschaft spricht mir total aus dem Herz. Ich freue mich, dass es noch mehr Menschen gibt, die so denken. Ich versuche seit Jahren im Ansatz danach zu leben. Es ist aber in unserer Gesellschaft sehr schwer sich auszugrenzen. Konsum, Hab und Gut im Überfluss macht uns Menschen nicht glücklich ,die innere Zufriedenheit im Einklang mit Gott und der Natur sind die anstrebenswerten Ziele von mir und den Christen auf dieser Welt.


Merle Pushover aus Bonn: Das Gespräch mit Herrn Paech ist thematisch intellektuell anregend. Ohne Frage ist die globale Wirtschaftsordnung in ihrer jetzigen Art und Form ein fragwürdiges Konstrukt. Können sich aber die Personen Samuelsen, Friedmann, Stieglitz und Krugmann als Kaynes so irren? Lassen wir Schumpeter, Krelle und Euken außen vor. Was vorrangig zu bewerten ist, dass eine Gerechtigkeitslücke vorhanden ist. Meine These lautet: Die Gerechtigkeitslücke ist nur zu verkleinern, wenn eine Massenkaufkraft vorhanden ist. Massenkaufkraft sichert Arbeitsplätze und Wohlstand, es finanziert das Sozialsystem in unserem System. Was Herr Paech nicht anspricht ist die Frage der Löhne. Löhne - Nettolöhne - sind Kaufkraft. Wenn wir uns über das heutige Wirtschaftsmodell unterhalten, dann müssen wir auch über die Rolle der Banken in diesem System sprechen. Die Aussage von Herrn Paech "...wir leben über unsere Verhältnisse...", kann man nicht nachvollziehen. Die Armutsquote in dieser Republik, besonders im Ruhrgebiet, ist sehr hoch. Der Armutsatlas für das Revier spricht eine klare eindeutige Sprache. Meine Antwort zusammengefasst zum Thema: "Die katholische Soziallehre wieder im Bewusstsein der Menschen verankern!"


Alois Macht aus Oppenheim: Die von Professor Paech vorgestellten Überlegungen zu einem grundsätzlichen Wandel im Denken und Verhalten mögen viele Menschen utopisch, realitätsfern und märchenhaft vorkommen. Mir sprechen solche geradezu prophetischen Denkansätze aus der Seele. Wie zahlreiche andere kritische Zeitgenossen erlebe ich die Politik und Wirtschaft mantrahaft insinuierten Heilsversprechen zu Wachstum, Konsum und Wohlstand wie Fetische, die das Wählervolk bei der Stange halten sollen. Dabei sollte doch jedem zukunftsorientierten Bürger klar sein, dass es so nicht weitergehen kann. Die ungebremste Ausbeutung der natürlichen Ressourcen aufgrund einer unsäglichen Profitgier hat schon heute Gottes Schöpfung an den Rand eines Desasters gebracht. Das "Weiter so" wird diese Tendenz noch verstärken. Deshalb halte ich Denkansätze wie die von Prof. Paech und ungezählten anderen Alternativen für ganz und gar fruchtbar und zukunftsfähig, um den Planet Erde vor seiner eigenen Zerstörung zu retten.


Hans-Georg Rammert aus Oelde: Wir haben nur eine Mutter Erde, ihre Ressourcen sind endlich, wir leben auf Kosten der Erde und anderen Menschen. Unser Wirtschaftssystem kennt nur Wachstum (Bäume wachsen nicht in den Himmel). Wem nützt dieses System, was auf der einen Seite eine unheimliche Macht und Kapitalmenge anhäuft und auf der anderen Seite Not und Elend in der Welt hervorruft? Ein Teil der Flüchtlingsströme sind ein Resultat dieser Entwicklung. Wenn wir nur augenblicklich umsteuern und bewusst und gerecht mit den Gaben der Erde umgehen, werden "Sie" uns das Brot aus den Händen reißen. Für mich ist es klar, mein Fleischkonsum ist zu hoch und bis heute habe ich es nicht geschafft, ihn einzuschränken. Auf anderen Gebieten - Kleidung, Reparatur und Erhaltung, Autonutzung und Reisen - fällt es mir leichter. Deshalb ist die alte christliche Aufforderung "Kehr um" so aktuell wie nie.


Rudi Schuster aus Eggstätt: Die Thesen von Niko Paech sind absolut zukunftsweisend und machbar, wenn es die meisten mittragen würden. Dies wäre auch eine Grundlage für viel mehr Lebensfreude und Zufriedenheit in unserer Gesellschaft. Hier stimmt der Satz: "Weniger ist mehr". Warum sind so viele Menschen in den "Entwicklungsländern" laut vielen Studien viel glücklicher? Weil sich nicht alles um den überflüssigen Konsum dreht. Somit tritt der Mensch mehr in den Mittelpunkt. Einer hilft dem anderen, wie es im Szenario 2050 beschrieben wurde. Wo uns jetzt hochaktuell ein großer Strich in die Rechnung gemacht wird, bitte ich sehr, dies in allen Ebenen zu verbreiten: TTIP - das von der Bundesregierung befürwortete Freihandelsabkommen EU-USA, das unwiederbringlich den Konzernen mit geheimen Schiedsgerichten Macht verleiht, dass sie damit unsere demokratischen Grundsätze aushebeln können. ich würde mir sehr wünschen, dass vor allem die Kirche(n) alle Menschen informieren und zum Widerstand aufrufen, um schlimmstes zu verhindern. Merkel möchte möglichst schnell, also noch in 2015, das Abkommen unter Dach und Fach bekommen. Gerade wir Christen sollten uns gegen dieses anbahnende Unrecht zusammentun. Viele Organisationen, wie Greenpeace, Campac, Umweltinsitut, ÖDP, etc. sind schon seit Monaten mit Hochdruck beschäftigt, sich mit mittlerweile über 2 Millionen Unterzeichnern dagegenzusetzen. Das wäre für die Kirche eine gute Chance, sich hier populär dazuzustellen. Gerade die Kirche(n) hätten die medienmächtigen Möglichkeiten, noch sehr viel mehr Gegenstimmen zu gewinnen. Ich hoffe sehr um wirksame Unterstützung.


Heinz Pitz aus Emmerich: Das Interview von Eva-Maria Werner hat mich sehr beeindruckt. Die Ideen von Prof. Paech gefallen mir. Viele angesprochene Gedanken kommen mir bekannt vor: - “Simplify your life” ; T.Küstenmacher - “Entschleunige dein Leben!”; Friedhelm Hengsbach SJ - “ Anders leben, damit andere überleben”; Misereor Aufruf vor Jahren Viele Dinge möchte ich übernehmen. Leider gibt es Zwänge, die das verhindern. Was aber kann ich tun? Womit fange ich an? Müll vermeiden! –auch Wort- Werbe- und Fernsehmüll. Die Dinge des Lebens richtig gebrauchen und verbrauchen - auch die Zeit. Nach Möglichkeit keine Lebensmittel verderben lassen. Kleidung und Schuhwerk zu Ende tragen. Bücher, die ich gut finde, reiche ich weiter. Ich muss auch nicht alles gelesen haben. Nicht alles gelingt mir. Aber ich arbeite daran. Noch sind wir Exoten. Aber wie lange noch? Wir müssen lernen, anders zu leben, damit andere und wir selbst überleben.


Annegret Schurrock aus Wadersloh: Niko Peach trifft bei mir einen wunden Punkt. So habe ich gestern den CO2-Rechner genutzt, um mir vor Augen führen zu lassen, was ich ohnehin ahnte: Auch ich verbrauche mehr als dreimal so viel, wie mir zusteht. Und das, wo ich doch meinen Konsum schon lange einschränke und wenigstens bewusste Entscheidungen treffe. Ich fahre ein altes Auto, aber nur, wenn es sich nicht umgehen lässt, habe mit über 60 Jahren erst drei Flugreisen hinter mir, heize sehr sparsam, werfe kein Essen weg, gehe achtsam mit meinen Sachen um, bin Mitglied unserer örtlichen Eine-Welt-Gruppe usw... Fazit: Ja, ich habe viel mehr als ich brauche, liebe meinen Besitz und weiß mein angenehmes Leben sehr zu schätzen. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, mit weniger auszukommen! Doch bin ich oft hin und her gerissen zwischen den modernen Lebensgewohnheiten einerseits und meinem Anspruch andererseits, nicht in diesem Übermaß auf Kosten anderer leben zu wollen. Ganz wehrlos bin ich nicht, aber nicht wehrhaft genug!


Veit Stößel aus Nürnberg: Die Gedanken von Niko Paech aus Ihrem Interview mit ihm in der Mai/Juni 2015-Ausgabe Ihres Magazin haben mich angesprochen und berührt, dass ich das Interview sofort etwa 40 mal per Mail im Verwandten- und Freundeskreis weiter "gestreut" habe. Den bisherigen 5 Rückmeldungungen entnehme ich einerseits Zustimmung zur Notwendigkeit einer Verhaltensänderung, die auch in Bereichen wie Energiesparen, Nutzung öffentlicher Verkahrsmittel und umweltbewusster Einkauf bereits gelebt wird, anderseits aber auch Skepsis gegenüber einer allgemeinen gesellschaftlichen Einsicht und Bereitschaft freiwilliger Ein- und Beschränkungen. So wird der Begriff Utopie verwendet, aber auch die Formulierung, dass erfahrungsgemäß erst die Not zur Änderung bzw. "Notwendung" zwinge. Ich meine, Skepsis ist durchaus angebracht, doch sie sollte nicht zur Resignation, sondern zum Festhalten und Weiterverbreiten dieser Botschaften im Sinne mahnender Vorausschau führen. Insofern ist es nützlich und notwendig, immer wieder die Stimme für diese gute Sache zu erheben und dafür zu sorgen, dass sie überall gehört wird.


Alex Lefrank aus Deutschland: Mir ist schon lange klar, dass unser Gesellschaftsmodell des Wirtschafts-Wachstums keine Zukunft hat. Ich habe aber noch nie so knapp und klar die Alternative dazu formuliert gefunden. Und dazu bietet Professor Paech nicht nur eine Vision an, sondern kann aus Erfahrung berichten, dass sie realistisch ist und was sie an Gewinn für die Menschen bringt. Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie den Mut haben, so etwas zu veröffentlichen. Gleichzeitig möchte ich Sie ermutigen, ja bitten, mit Prof. Paech - vielleicht im Kontakt mit den christlichen Hilfswerken Misereor, Brot für die Welt etc. - zu überlegen, wie für dieses realistische Gegenmodell zu unserem gängigen, die Politik und die Medien beherrschenden Modell geworben werden kann. Ich glaube, dass es nicht wenige Menschen in unserer Gesellschaft gibt, welche die Problematik des gängigen Modells erkannt haben und offen und bereit sind, sich für ein besseres und gesünderes Leben einzusetzen. Auf kommunaler Ebene ist ja jetzt schon vieles möglich.


Dagmar Krämer aus Deutschland: Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel mit dem Interview mit Prof. Niko Paech aus Oldenburg gelesen. Was für eine großartige Idee und wie viel Enthusiasmus aus seinem Vorhaben spricht! Ich mag mir den Zusammenbruch unseres Systems gar nicht vorstellen und finde es sehr mutig, sich damit gedanklich so konkret auseinanderzusetzen. Leider muss ich zugeben, dass ich mir den von ihm vorgeschlagenen neuen Lebensstil für die große Menge der Menschen nicht vorstellen kann. Wie kann der Verzicht einer großen Mehrheit schmackhaft gemacht werden? Den vielen Menschen, die mehr oder weniger bewusst ihr Leben in Pflichterfüllung und Konsum erleben? Sie werden weiterhin nach "mehr" verlangen, mehr Geld, mehr Spaß, mehr Ablenkung, mehr Reisen, mehr Ansehen, mehr Jugend. Wie es so treffend gesagt wurde, leben wir im Moment in einer Gesellschaft, die sich zu Tode amüsiert und deren Menschen dieses Recht für sich vehement einfordern werden. Ansätze der von Prof. Paech beschriebenen Lebensweise kann ich einige entdecken, es gibt mittlerweile in Städten wie Frankfurt zahlreiche "Bücherschränke", in die jeder ausgelesene Bücher für andere stellen kann. Es gibt immer mehr Second-Hand Läden und Oxfam Geschäfte. Viele kaufen ihre Lebensmittel auf Märkten bewusst aus der Region. Hier wird schon ein neues Bewusstsein sichtbar. Ob sich das dann allerdings irgendwann zu einer Wirtschaft ohne Wachstum weiterentwickeln wird, bezweifle ich im Moment, dazu müsste die neue Denkweise noch viel mehr Menschen erreichen. Und solange das nicht geschieht, bleibt es dann doch leider nur eine Vision, ohne die die Menschheit allerdings ärmer dastehen würde.


Dr. med. Landolin aus Andernach: Ich lebe so ähnlich wie Herr Prof. Paech, nur dass mich mein begrenztes Einkommen dazu zwingt. Ich hab ein 25 Jahre altes Auto, das ich nur selten nutze, besitze kein Haus, lebe in einem kleinen Holzhaus, fahre überwiegend Fahrrad. Nutze die Natur nachhaltig und lebe vegetarisch. Aber es gibt ein Problem: Wenn ich mich oute stosse ich nur auf Ablehnung und Unverstaendnis, man gibt mir zu verstehen, dass man mit so einem Typ Mensch nichts zu tun haben will. Das Resultat ist soziale Isolation und Ablehnung. Der wo so lebt ist ein schräger Vogel oder komischer Typ. Da nuetzt mir auch ein akademischer Titel und Uniabschluss recht wenig, ja macht die Sache eher noch schlimmer. Ich glaube Herr Paech hat es da einfacher schon aufgrund seiner sozialen Stellung als Professor mit Lehrstuhl. So sehe ich sein Lebensmotto als rein wissenschaftliches Experiment mit gewecktem Oeffentlichkeitsinteresse. Wir sollten realistisch bleiben, der Natur mag diese Einstellung gefallen, nur der Gesellschaft nicht, wo nur Geld Anerkennung verschafft!


Erwin Hasselbach aus Königstein: Ich kann Herrn Prof. Paech nur beglückwünschen, wenn er als Mann der Wissenschaft dieses Modell lehrt und selbst praktiziert. Ob es schon als Leitlinie für eine in die Zukunft gerichtete Wirtschaftspolitik gesehen werden könnte, vermag ich mit meinem begrenzen Einblick in die komplizierten Strukturen einer globalisierten Weltwirtschaft nicht zu beurteilen. Doch weg vom Überfluss in der westlichen Welt, kann nur richtig sein als Beitrag für weniger Verbrauch von Ressourcen, Erhaltung und Verbesserung von Klima und Natur und damit für die schon so oft beschworene Nachhaltigkeit unseres Handelns. Schon allein der Versuch, auch auf der Ebene der Wirtschaftswissenschaft über radikal andere Modelle zu forschen und zu lehren, ist wichtig und könnte endlich dazu führen, dass die reine Wachstumsideologie der Regierungen, befeuert durch die so genannten Weisen und selbsternannten Sachverständigen, nachlässt und auch in diesen Kreisen eine neue Nachdenklichkeit Einzug halten würde. Dass ständiges Wachstum für die Lösung von Zukunftsproblemen wichtig, ja Voraussetzung sei, ist doch längst durch die empirischen Erfahrungen in der Realität widerlegt. Unser über Jahrzehnte produziertes Wachstum hat die Probleme nicht gelöst, sondern darüber hinaus riesige Schuldenberge angehäuft, und zwar weil die Politik und Gesellschaftssysteme, von Allmachtsfantasien geleitet, nicht akzeptieren wollen, dass unsere Mutter Natur mit Begrenzungen ausgestattet ist, die wir mit noch so viel Wachstumswahn nicht brechen oder gar überwinden können. Solange wir auch in Deutschland im politischen Raum, der Wirtschaft und auch der Verbraucher als Konsumenten, immer weiter nach "Mehr" rufen und verlangen, kann der Weg, selbst ohne neue drohende Kriegsgefahren, nur in die falsche Richtung führen. Offen ist nur, wann das ganze System dann kollabiert. PS.Ich würde mir wünschen, von der Lehrtätigkeit des Prof. Paech und seiner persönlichen Lebensweise in kontinente noch öfter zu erfahren!


Felix Schikorski aus Hattingen: Zu dem Interview mit Herrn Prof. Paech möchte ich folgendes anmerken: Ich stimme Herrn Prof. Paech insbes. darin zu, daß auch durch Einsatz alternativer Energieträger unser derzeitiger Lebensstil, der auf Kosten anderer geht, sich nicht aufrechterhalten läßt. Was sind die Gründe? Liegen diese nicht in unserer Gesellschaft? Wir leben nach Normen, die (alle wissen das) nicht gut für uns sind, aber unser Leben dominieren: Wer will (oder kann) schon auf das Autofahren verzichten? Der Einzelne mag sich dem widersetzen, wird dann aber oft belächelt. Viele schaffen das auch nicht. Letztlich geht es um Herrschaftsinteressen, deren Durchsetzung weltweite Zerstörungen anrichtet und abweichendes Verhalten nur begrenzt gestattet. Es ginge doch darum, die Imperative, nach denen wir alle leben, von Grund auf infrage zu stellen.


Georg Fels aus Oldenburg: Paechs Vision: Postwachstumsökonomie in Oldenburg 2050: Keine Flächenversiegelung, sondern Rückbauprogramme – also auch für die großen Areale der Uni Oldenburg am Uhlhornsweg und in Wechloy – Handwerklicher Reparaturbetrieb - mit 40/50 € Stundenlohn? Lange Nutzung der Textilien und Schrottmöbel in der Wohnung – wie in Krieges- und Nachkriegsjahren bei Vertriebenen und Ausgebombten und betr. Textilien allgemein. Gemeinsame Waschmaschine - Vorschlag: auf das Industrieprodukt Waschmaschine verzichten, zurück zur gemeinsamen Waschküche mit Waschkessel und Rubbelbrett. Nahrungsmittel aus eigenem oder Gemeinschaftsgarten – zu fast jedem Haus außerhalb des Stadtkerns gehörte früher ein intensiv genutzter großer Garten. Auch erforderlich, wenn kein Abwasserkanal vorhanden war. (Das Kanalnetz wurde erst allmählich ausgebaut). Also zurück in die „Gute Alte Zeit!" (Gartenflächen und landwirtschaftlich genutzte Stadtrandgebiete wurden Bauland (OL 1939 78.967, 2013 159.610 Einwohner) Eine „Regionalwährung“ – wer garantiert ihren Wert? Reduzierte „ökologische“ Industrie – Oldenburg hat wenige Industriebetriebe – ergänzt durch „Selbstversorger“ – bei 1550 Einwohnern pro km2 sicherlich mit der Quadratur des Kreises vergleichbar – etc. Nico Peach, Professor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt der Uni Oldenburg - lt. Grundgesetz sind Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre frei - kann seine Visionen darstellen und lehren. Ob und wie sich seine Ideen in der Realität bewähren, muss er nicht nachweisen. In seinem Bereich wird kein Nachweis analog Maß und Zahl gefordert.


Hildegard Zürn-Müller aus Stuttgart: ich habe zuerst das Interview mit Niko Paech gelesen und erst später entdeckt, dass sich auch die Umfrage in diesem Heft auf diesen Themenkreis bezieht. Zum Interview: Ich finde es sehr gut, dass kontinente dieses Thema in den Diskurs bringt. Tatsächlich können wir so, wie bisher, nicht weitermachen, wenn wir Menschen auf unserem Planeten überleben wollen. Ich bin oft fast verzweifelt, wenn ich die zahlreichen Nachrichten darüber lese, wie unser Wirtschaftssystem unsere schöne Erde in Windeseile ausplündert und zerstört. Ich nenne nur ein paar Beispiele: Atomwaffen, sogenannte friedliche Nutzung der Atomenergie, trotz drohender Klimakatastrophe Abbau und Nutzung von Stein- und sogar Braunkohle, Fracking, wachsender Kfz- Verkehr, sinnlose Großprojekte, Betäubung durch überflüssigen Konsum, wachsende Abfallberge, Plastikinseln und Erdölverseuchung in den Ozeanen, gentechnisch veränderte Lebensmittel, und nicht zu vergessen, die maßlose Ausbeutung von Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern, nicht selten mit Todesfolge der betroffenen Menschen - unsere Firmen entwickeln oft nicht, sondern sind nur auf Profit ausgerichtet. Da machen mir Artikel über Initiativen, die einen alternativen Lebensstil proben, wie sie Niko Paech erwähnt, wieder Mut, auch und gerade in der "Dritten Welt", wie Ihr Artikel über die Initiative von Debjeet Sarangi. Dafür möchte ich Ihnen danken. Es ist wichtig, dass solches Gedankengut auch in christlichen Kreisen Raum gewinnt. Zu Ihrer Umfrage: Nein, wehrlos sind wir nicht, und es existiert auch kein Zwang zum Konsum. Es ist jedoch eine Bewusstseinsänderung nötig, durch die uns klar wird, dass wir am Rande des Abgrunds "tanzen". Wissenschaftler der USA haben die Weltuntergangsuhr wegen einer drohenden Klimakatastrophe und der fortbestehenden Gefahr eines Atomkrieges auf 3 Minuten vor Zwölf gestellt. Mir scheint, als stürzten sich viele Menschen deshalb in solch einen blinden Konsumrausch, weil sie die Angst vor der drohenden Katastrophe betäuben wollen. Ich selbst kaufe seit vielen Jahren nur noch das, was ich wirklich brauche, habe kein Auto, kein Fernsehen, mache keine großen Reisen - es bedeutet für mich nicht "Verzicht", sondern es ist mir ein Bedürfnis, mich von unnötigem Ballast zu befreien und keinen weiteren anzusammeln.


Jan Hinz aus Timmendorfer Strand: Gerade habe ich den Artikel vom Niko Paech “Weg mit dem Überfluss” gelesen und finde ihn super! Ich bin 46 Jahre jung, ein Unternehmer und ärgere mich schon lange, dass man zu so vielen Sachen von der Politik aufgezwungen bekommt, wie z.B. elektronische Datenermittlung. Als Unternehmer ist man gezwungen, einen PC und Internet zu besitzen, was meiner Meinung nach die Krankheit der heutigen Zeit ist. Ja klar, jeder von uns hat seine Schwächen, wir sind leider nur Menschen, aber dass man zu Sachen durch die Gesetze gezwungen wird, das geht mir zu weit. Dass wir als Entwicklungsland immer brutaler über unsere Verhältnisse leben, zeigt uns auch, dass genug Nahrung für alle produziert wird und wieder durch unsere Gesetze nicht weiter gegeben wird, sondern weggeschmissen. Da kann ich nur sagen: liebe Frau Merkel, Sie gehören einer Christlich Demokratischen Partei an, toll! So viel von mir, danke an Herrn Niko Paech.


Marlene Soltau aus Kusterdingen: Ich finde es sehr wichtig, dass Sie diesen Beitrag in kontinente bringen, schließlich ist es eine zentrale Aufgabe der kath. Kirche, die Schöpfung zu bewahren. Die Ansichten von Herrn Paech überzeugen mich voll und ganz. Mein Mann und ich leben in vielen Bereichen nach dieser Idee. Wir vermissen nichts, sondern schätzen einfaches Leben und genießen dafür die Natur und die Begegnungen mit ähnlich gesinnten Menschen.


Mechthild Hellmann aus Deutschland: Der Artikel ist sehr interessant und vieles ist umsetzbar. Ich bin auch auf Ihrer Linie. Weniger arbeiten und dafür vieles selbst machen. Aber betr. Naturalien kann man ja nur was selbst ziehen, wenn man einen Garten hat. Gut, wenn man weniger Geld hat, kann man sich einschraenken, aber man darf auch nicht vergessen, dass man später auch weniger Rente hat. Ich weiss, wovon ich rede. Ich habe 48 1/2 Jahre Vollzeit gearbeitet und habe gerade noch soviel Rente, dass ich gerade hinkomme, zumahl ich viele Gesundheitskosten monatlich habe. Wenn ich nicht etwas an Ruecklagen haette, koennte ich so manche Gesundheitskosten mit meiner Rente nicht aufbringen. Wenn man aelter ist, braucht man betr. Hilfe auch mehr als wenn man gesund ist. Die Renten werden auch immer geringer in Zukunft, so dass die wenig arbeitenden Leute der Allgemeinheit zur Last fallen, also denen, die mehr gearbeitet haben. Oder man fällt aus dem Raster. Die Idee ist gut, aber man muss auch die späteren Folgen bedenken. Ich bin froh, dass ich noch Ruecklagen habe, sonst ging es mir gesundheitlich viel schlechter. Vielleicht ist das eine kleine Erhellung.


Michael Müller aus Aachen: Jedesmal wenn ich in einem Laden stehe und einkaufen soll, muß.... dann überkommt mich der Gedanke, wer soll all das kaufen und wohin mit den Waren, die geöffnet da liegen, z.B. bei einem Discounter. Nächste Woche wieder ein Angebot, obwohl das Teil, die Waren ich schon habe. Vielleicht auch schon mehrere Male! Auf einem Strassenstück von gut 500 m finden sich 3 Optiker , 3 Schuhläden, 3 Bekleidungsgeschäfte.............Das hat mit Kaufffreiheit nichts zu tun. Was werfen wir alles weg, weit, sehr weit weg, dahin wo die Rohmitel herkommen. Auch sollten wir uns bewußter Mobilität nutzbar machen. Jeder möchte von seinem augenblicklichen Ort allles machen können. Wir kommen auch mit 2 Sorten Orangen z. B. aus, warum........ Ein Norwegenbesucht zeigt das, man kann auch mit weniger gut leben.....Und erstmal in dem Wohnkomfort, der wie ein Spiegel an der Wand vorgehalten wird. Fortschritt muß sein, auch im Wohnen, arbeiten und freien Zeit, aber nicht auf Kosten der anderen, wo sie auch sein mögen... SZ Artikel, Seite 48: Abfall für alle, SZ Artikel vom 04.Mai, Dörfli..... So hart die Nuss der Rückbesinnung auch ist, wir sollten alles daran tun, den Thesen von Herrn Paech einen Zuschlag zugeben. 1968 haben wir in Ansätzen schon darüber diskutiert. Muss ich das und das neuhaben, weil der Markt es anbietet und ein paar tausend Kilometer finde ich "mein" Teil, bei mir Abfall.....wieder.


Peter Kronast aus Deutschland: Habe gestern ihren Artikel von Herrn Paech gelesen. Ich bin beeindruckt von ihrem Artikel, ich kann ihm nur zustimmen. Leider gibt es nur wenige, die danach leben. Ich selbst muss mich immer wieder fragen, brauche ich dies oder jenes zum Leben, macht es mich glücklicher oder ist es unnützer Luxus? Nachdem ich jetzt im Ruhestand bin, habe ich nur noch die Hälfte meines früheren Einkommens. Trotzdem reicht es aus, für das tägliche Leben. In meinem Alter braucht man keine neuen Kleider mehr, auch das alte Auto tuts noch einige Jahre. Trotzdem vermisse ich nichts. Sind die Millionäre glücklicher als der Normalbürger? Warum geht die Schere Reich - Arm immer weiter auseinander? Ist die die Sucht nach immer mehr Geld eine Sucht, wie jede andere auch? Somit ist es eine Krankheit, die behandelt werden muss. Hoffentlich lesen ihren Artikel recht viele Leser. Ich finde Ihre Lektüre einfach klasse.


Rolf-Rainer Geist aus Raunheim: Ich habe den Artikel "Weg mit dem Überfluss" mehrmals gelesen. Nach dem 2. Weltkrieg wollten die Siegermächte aus Deutschland einen Kartoffelacker machen. Dieser hätte aber nur ca 20 Mill. Einwohner ernähren können, d.h. man hätte erst mit Gewalt die Bevölkerung reduzieren müssen. Dieses Bsp. zeigt bereits auf, wie unrealistisch die Überlegungen von Herrn Paech sind. Weltweit stellt sich die Situation genau so dar. Probleme gibt es dort, wo die Geburtenrate über der Wachstumsrate liegt. Wir brauchen eine moderne leistungsfähige Landwirtschaft und Industrie, die der Menschheit eine gute Zukunft bietet. Freuen wir uns doch, daß wir unseren Kindern, Enkeln und Mitbürgern eine gute Zukunft bieten können. Die Menschheit hat mit Erfindungsgeist in ihrer Geschichte immer neue Wege gefunden, um Probleme positiv zu lösen, dies wird auch weiter so sein. Die Vorschläge von Herrn Paech sind weltfremd und passen nicht zum Mensch. Dieser hat immer das Bestreben nach einem besseren Leben und bleibt somit der Motor für einen blühende Wirtschaft mit Wachstum.


Sr. Alma Pia aus Schaan, Luxemburg: Ich habe den Artikel „Weg mit dem Überfluss“ mit Begeisterung gelesen. Als Bauernkind habe ich den „einfachen Lebensstil“ glücklich erlebt. Vor 70 Jahren habe ich mich für das Ordensleben entschieden und setzte zuerst in Bosnien, dann in Liechtenstein den sehr einfachen Lebensstil fort – und war glücklich. Als langjährige Lehrerin der Weltwirtschaftsgeographie verfolgte ich wach die Entwicklung im Leben und in der Wirtschaft auf der Nordhalbkugel. Schon in den 60er Jahren erklärte ich den „Grossen“, wie man den Boden, das Wasser und die Luft „schonend“ geniessen kann und soll: lokale Produkte kaufen, nichts Brauchbares wegwerfen, zu Fuss Wanderlieder singen… Beim Einwand, dann würden die ausländischen Produkte in den Läden verderben, folgerte ich: Die Händler werden sie nicht mehr oder weniger kaufen, die Produzenten weniger anbauen, abbauen oder herstellen… Die Kettenreaktion wirkt sich in beiden Richtungen aus. Mit einer Klasse „dichteten“ wir sogar ein Theaterstück: „Die Erde ist schön“. Die Mädchen waren so begeistert, dass sie sich über die „Grossen“ ärgerten, wenn diese auf dem Moped in die Schule kamen; sie verzichteten sogar auf das heiss geliebte Fussballspiel, um die Blumen auf der Wiese „nicht zu zertreten“… In den 70er Jahren lernte ich auf Besuchen unserer Schwestern in Afrika und Südamerika das Elend der Armgemachten kennen, während die „ausufernde Wirtschaft" und „Wegwerfgesellschaft“ des Nordens ihre kostbaren Bodenschätze um Spottpreise kaufte und dabei die Schwerarbeiter um Hungerlohn schuften liess; die giftigen Industrieabfälle tonnenweise auf afrikanischem Boden „gratis entsorgte“, weil die armen Länder noch keine Umweltschutzgesetze kannten; weil die in Europa oder USA ausgebildeten Herrscher die Entwicklungsgelder für ihren Luxus verbrauchten… Ich liebe unser heute noch relativ armes Leben im Kloster – denn im reichen Land arm leben, ist fast unmöglich! Seit Jahrzehnten „erben“ wir gern gebrauchte Kleider und Schuhe, kaufen viele Produkte kurz vor dem Ablaufsdatum billig ein, werfen keine Speisereste weg… und mit dem so ersparten Geld können wir die Werke unserer Mitschwestern und anderer Organisationen unterstützen, die sich persönlich gratis für die Armen einsetzen und sie befähigen, sich selber zu helfen. Danke für Ihre meist ausgezeichneten Tatsachenberichte. Sie dienen sicher als heilsame Wecker zur persönlichen Gewissenserforschung und wecken hoffentlich nicht nur Schuldgefühle sondern kreative Gestaltung des eigenen Lebens wie Professor Niko Paech.


Stefan Ernst aus Ilsede: Keine Generation vor uns hat so auf Kosten künftiger Generationen die Schöpfung geschädigt, wie wir es besonders in den letzten 50 Jahren getan haben. Nur wenige werden sich so konsequent gegen den Konsumzwang wehren, wie Profesor Niko Paech. Aber wehrlos ist der Einzelne im Kleinen nicht, wenn er eben im Janaur keine frischen Erdbeeren aus Marokko, im Februar keinen frischen Spargel aus Peru und im März keine Frühkartoffeln aus Ägypten kauft. Ebenso sollten wir nicht darauf bestehen, dass bis zum Ladenschluß noch das volle Brot- und Backwarensortiment vorhanden ist und wer einen eigenen Garten hat kann gut einen Nadelbaum durch einen Laubbaum ersetzten, der eine bessere Co² Bilanz hat. Wir müssen uns nur Gedanken darüber machen und uns der Verantwortung für die Schöpfung (neu) bewußt werden.


Susanne Batz aus Bamberg: Vielen Dank für den Beitrag über Nico Paech und seine Gedanken zu einer Postwachstumsökonomie. Ich habe bereits mehrere seiner Vorträge gehört und auch sein Buch "Befreiung vom Überfluss" gelesen. Ich halte seine Gedanken für die besten und gleichzeitig radikalsten, die zu diesem Problemkreis geäußert werden. Durch Herrn Paechs persönlich sehr überzeugendes Vorbild gewinnen seine Ideen noch an Attraktivität (Nachmachen!!). Außerdem erscheint mir der von ihm propagierte einfache Lebensstil (Gut leben heißt nicht viel haben sondern wenig brauchen) gerade für uns Christen der einzig Richtige zu sein, vor allem wenn wir an Verteilungsgerechtigkeit und an die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen denken. Hieß es nicht schon vor vielen Jahren bei einer Misereoraktion "Anders leben,damit andere überleben können". Mein Wunsch ist, dass sich bald viele Menschen von diesem nachhaltigen, menschengerechten, sozialen, gesunden und zukunftsfähigen Lebensstil ansprechen lassen, ihn selbst erproben und feststellen, dass ein besseres Leben dadurch möglich wird. Dank an Nico Paech für sein Vordenken und -handeln.


Thomas Wempe aus Deutschland: Es wäre schön, wenn dieses Modell auch nur zu 60 bis 80 % erfüllt werden könnte. Eine deutliche Reduzierung der Arbeitszeit wird sich auch die Industrialisierung 4.0 mit sich bringen. Wenn dann eine einigermaßen gleichmäßige Verteilung der noch notwendigen menschlichen Arbeit in der Industrie stattfindet, sind wir sicherlich in der Nähe von 20 Stunden je Woche. Ein Beispiel, dass das heute noch angestrebte stetige Wachstum nicht machbar ist, stellt für mich China dar. Ich war einmal vor ca 25 Jahren beruflich in Peking. Gegen 8 Uhr konnte man das Hotel kaum verlassen, da eine derartig grosse Anzahl der Bevölkerung mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit war. Ich war begeistert, da ich selbst ca. 10 bis max. 15 tkm im Jahr mit dem Rad unterwegs bin. Heute (wie auch in Ihrer Ausgabe Mai - Juni 2015 aufgeführt) ist der Smog in den Straßen so stark, dass man den Schadstoff von 21 Zigaretten täglich "gratis" erhält. Hier zeigt sich deutlich, dass Überfluss und Industrialisierung auch viele Probleme mit sich bringen.


"Hoffnung für Alle" aus Baden-Württemberg: Die theologische Fragestellung mit der "S c h ö p f u n g": "Nicht nur Chris­ten stellt er da­mit ei­ni­ge sehr un­be­que­me Fra­gen: Ge­fähr­ den wir mit un­se­rem all­täg­li­chen Ver­brau­cher­ver­hal­ten die S c ­ h ö p ­ f u n g? Sind wir gar zu wil­len- und wehr­lo­sen Ma­rio­net­ten des Kon­s­um­zwangs ge­wor­den? ist gut gestellt. Wir Christen/innen auf dieser Erde sind in der Nachfolge unseres Herrn JESUS CHRISTUS für den guten Umgang mit der "Sch ö p f u n g" verantwortlich. Theologischer Exkurs: Die Welt ist eine Schöpfung Gottes. Dieses Bekenntnis steht am Anfang der Bibel: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag." (Bibeltext: Buch 1. Mose, Kapitel 1, Verse 1–2,4a) "Krempeln" wir also im "Miteinander" weiterhin die "Ärmel" "hoch" und "packen" es mit einem gutem Umgang mit der "Sch ö p f u n g" an! Es gibt noch viel zu "tun"! Viel SEGEN auf allen WEGEN!


Liliane aus Bonn: Wir stehen den teilweise verlockenden Konsumgütern eigentlich nicht wehrlos gegenüber. Dennoch sieht man jeden dritten mit dem neuesten Handymodell rumlaufen. Muss das sein? Denn ja, dieses modische Verbraucherverhalten gefährdet die Umwelt, da es sehr viel Müll produziert. Im diesem Fall, noch schlimmer, gefährdet es Menschenleben. Allerdings überwiegend nur in Ländern wo die breite Masse der westeuropäischen Bevölkerung das Endproblem des Konsums nicht mitbekommt. Wirtschaftlich ist fast alles global verknüpft und wir sollten mehr Rücksicht auf andere Menschen und auf die Natur nehmen, die wir nur einmal haben und die nicht austauschbar ist.




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