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Un­ter­wegs in ... Myan­mar und Ban­g­la­desch

Für fast drei Wo­chen rei­sen kon­­ti­­nen­­te-Re­dakteu­rin Be­a­­trix Gram­­lich und Fo­to­­graf Har­t­­mut Schwar­z­­bach nach Myan­­mar und Ban­g­la­­desch. Was sie dort am Ran­­de er­­le­b­en, er­zäh­­len sie im Rei­­se­ta­­ge­buch.

Tex­te: Bea­trix Gram­lich; Fo­tos: Hart­mut Schwarz­bach

Der buddhistische Tempel in Bangladesch wurde bei Progromen von radikalen Moslems zerstoert. Foto: Hartmut Schwarzbach

Der buddhis­ti­sche Tem­pel in Ban­g­la­desch wur­de bei Pro­gro­men von ra­di­ka­len Mos­lems zer­stört.

23. Fe­bruar 2013

„Auch wir müs­sen vor­sich­tig sein“

Auch in Ban­g­la­desch sind ra­di­ka­le Mus­li­me auf dem Vor­marsch. Christ­li­che Kin­der wer­den in Kor­an­schu­len ge­lockt und dort zum Is­lam be­kehrt. Am 13. Sep­tem­ber, kurz vor Mit­ter­nacht, ha­ben Fun­da­men­ta­lis­ten al­lein in der Ge­gend von Ra­mu in den Hill Tracts ein Dut­zend buddhis­ti­scher Tem­pel nie­der­ge­brannt. Zwar fi­nan­ziert die Re­gie­rung – ver­mut­lich auf in­ter­na­tio­na­len Druck – de­ren Wie­der­auf­bau, an­ge­klagt je­doch wur­de bis heu­te nie­mand. „Die Po­li­zei ist am kor­rup­tes­ten“, kom­men­tiert Bi­schof Mo­ses Cos­ta das po­li­ti­sche Sys­tem sei­nes Lan­des. Vom Se­k­re­tär der buddhis­ti­schen Ge­mein­de in Ra­mu lässt er sich aus­führ­lich er­klä­ren, was pas­siert ist. Ei­gent­lich woll­te der Bi­schof so­fort nach den Brand­an­schlä­gen nach hier­her fah­ren. Aber die Si­tua­ti­on war so an­ge­spannt, dass er nur ein So­li­da­ri­täts­sch­rei­ben schi­cken konn­te. Nach dem Ge­spräch in Ra­mu über­legt er, wie er mit den Buddhis­ten en­ger zu­sam­men­ar­bei­ten kann. „Wir sind in der­sel­ben Si­tua­ti­on“, sagt er. „Auch wir müs­sen vor­sich­tig sein.“ An Weih­nach­ten hat er Po­li­zei­schutz für die Ka­the­dra­le von Chit­ta­gong be­an­tragt.

Besuch in der Bergregion von Bandarban, den Chittagong Hill Tracts, wo die Triburas leben, eine bedrohte ethnische Minderheit. Foto: Hartmut Schwarzbach

Be­such in der Ber­g­re­gi­on von Bandar­ban, den Chit­ta­gong Hill Tracts, wo die Tri­bu­ras le­ben, ei­ne be­droh­te eth­ni­sche Min­der­heit.

22. Fe­bruar 2013

Stun­den­län­ge Fuß­m­är­sche

„Wir kön­nen nicht ei­nen Schritt ma­chen, oh­ne dass sie uns be­o­b­ach­ten“, sagt Pa­ter Ka­chol. Im­mer wie­der tau­chen Ar­mee oder Po­li­zei bei ihm auf, fra­gen, wie vie­le Men­schen er zum Chris­ten­tum be­kehrt ha­be und ver­su­chen, ihn ein­zu­schüch­t­ern. Der Obla­ten­pa­ter ist Pfar­rer von Ali­ka­dam, ei­nem klei­nen Ort in den Hill Tracts, und oft un­ter­wegs in die Dör­fer. Vie­le kann er nur nach stun­den­lan­gen Fuß­m­är­schen er­rei­chen. Be­son­ders jetzt in der Fas­ten­zeit bit­ten die Men­schen dar­um, dass der Pries­ter sie be­sucht. Pa­ter Ka­chol kommt nie al­lei­ne, son­dern im­mer mit ei­nem Team: Ka­te­chist, Ge­sund­heits­ar­bei­ter und zwei Or­dens­schwes­tern be­g­lei­ten ihn. Die „Litt­le Hand­maids of the Church“ le­ben zu Zweit oder Dritt in den zen­tra­len Ort­schaf­ten der Hill Tracts. Sie un­ter­hal­ten Wohn­hei­me für Kin­der, die nur so ei­ne Chan­ce ha­ben, die Schu­le zu be­su­chen, küm­mern sich um die Ar­men, Al­ten und Kran­ken. Vor al­lem aber tei­len die Frau­en in den wei­ßen Sa­ris das ein­fa­che Le­ben der Men­schen. Oft sit­zen sie in den Hüt­ten mit ih­nen zu­sam­men, be­ten mit ih­nen, hö­ren zu, ver­su­chen zu hel­fen, wo es Pro­b­le­me gibt. Wenn sie mit dem Pries­ter un­ter­wegs sind, über­nach­ten al­le beim Dorf­chef: in ei­nem ein­zi­gen Raum auf dem Fuß­bo­den. Denn mehr Platz gibt es in den Hüt­ten nicht.

Eine Anhängerin der Triburas, eine bedrohte ethnischen Minderheit in Bangladesch. Viele von ihnen sind Katholiken.Foto: Hartmut Schwarzbach

Bei den Tri­pu­ra sch­mü­cken sich die Frau­en mit schwe­ren Sil­be­rohr­rin­gen.

21. Fe­bruar 2013

Mi­li­tär macht kirch­li­ches Le­ben schwer

Theo­lo­gi­sche Ge­spräche: st­rengs­tens ver­bo­ten. Je­de Form kirch­li­cher „pu­b­li­ci­ty“: ver­bo­ten. Der Au­f­ent­halt in an­de­ren Häu­s­ern als Ho­tels und Her­ber­gen: ver­bo­ten. Und das sind längst nicht al­le Aufla­gen für Aus­län­der, die in die „Hill Tracts“ im Südos­ten Ban­g­la­deschs wol­len. Ein­zel­ne Volks­grup­pen, die so ge­nann­ten „Tri­bals“, kämp­fen hier um Un­ab­hän­gig­keit. Po­li­zei, Mi­li­tär und Ge­heim­di­enst des vor­wie­gend mus­li­mi­schen Ban­g­la­desch sind all­ge­gen­wär­tig und ma­chen auch kirch­li­ches Le­ben schwer. Be­vor sich der Schlag­baum öff­net, wer­den wir von Grenz­po­li­zei und Mi­li­tär kon­trol­liert. Dann geht es wei­ter in je­nes un­weg­sa­me Ge­biet, das in der Däm­me­rung manch­mal in­di­sche Ele­fan­ten durch­que­ren und in dem die Nacht­bus­se nur mit Po­li­zei­schutz fah­ren. Mit Mo­ses Cos­ta, dem Bi­schof von Chit­ta­gong, sind wir zwei Ta­ge in den Hill Tracts un­ter­wegs. „Mei­ne Ar­beit ist hier drau­ßen“, sagt der 62-Jäh­ri­ge, der die Bam­bus­hüt­ten wie al­le bar­fuß be­tritt und sich Zeit nimmt, mit Män­nern, Frau­en und Kin­dern zu plau­dern. Wir er­le­ben ei­ne wun­der­sc­hö­ne Ber­g­land­schaft, Dör­fer und Men­schen, die ih­re kul­tu­rel­le Ei­gen­art be­wahrt ha­ben. Je­de der 13 „Tri­bals“ spricht sei­ne ei­ge­ne Spra­che. Bei den Tri­pu­ra sch­mü­cken sich die Frau­en mit di­cken Gla­s­per­len­ket­ten und schwe­ren Sil­be­rohr­rin­gen, die ih­re Ohr­läpp­chen auf ei­ne be­ängs­ti­gen­de Grö­ße aus­wei­ten.

Maristenbruder César Henriquez leistet sozialpastorale Arbeit in den Dörfern der Teeplantagen-Arbeiter in Bangladesch. Foto: Hartmut Schwarzbach

Ma­ris­ten­bru­der Cé­sar Hen­ri­qu­ez setzt al­les da­ran, um 2015 ei­ne Schu­le für die Kin­der der Tee­ar­bei­ter er­öff­nen zu kön­nen.

20. Fe­bruar 2013

"Mo­der­ne Skla­ve­rei"

„Das ist mo­der­ne Skla­ve­r­ei“, sagt Bru­der Cé­sar Hen­ri­qu­ez, der uns in die Tee­plan­ta­gen be­g­lei­tet. Die Ar­bei­ter schuf­ten für 55 Cent am Tag. Jetzt im Win­ter be­schnei­den sie die Tee­sträu­cher und säu­bern den Bo­den von Un­kraut und Ge­strüpp. Wenn mit dem ers­ten Re­gen En­de März das fri­sche Grün au­s­t­reibt und die Ern­te be­ginnt, be­kom­men sie ih­ren Lohn nur, wenn sie das täg­li­che Soll er­fül­len und min­des­tens 20 Ki­lo Tee­blät­ter pflü­cken. Das be­deu­tet Schuf­te­rei von Son­nen­auf­gang bis Son­nen­un­ter­gang. Die Fir­ma kö­d­ert die Ar­bei­ter mit den Hüt­ten, in de­nen sie mit ih­ren Fa­mi­li­en kos­ten­los woh­nen dür­fen – und mit ei­ner Es­sens­ra­tio­nen von drei Ki­lo Reis wöchent­lich. Ei­ne Fa­mi­lie je­doch braucht min­des­tens dop­pelt so viel. Die ein­zi­ge Chan­ce für die Kin­der ist Bil­dung. Die meis­ten El­tern sind An­al­pha­be­ten und be­herr­schen noch nicht ein­mal die Lan­des­spra­che Ben­ga­li. Sie stam­men aus dem in­di­schen West­ben­ga­len und wur­den dort vor Jahr­zehn­ten von den Tee­fir­men an­ge­wor­ben. In Ban­g­la­desch sind sie bis heu­te Frem­de. Der Ma­ris­ten­bru­der Cé­sar will das än­dern und den Kin­dern ech­te Teil­ha­be an der Ge­sell­schaft er­mög­li­chen. In zwei Mo­na­ten wird er mit ei­nem Mit­bru­der nach Sri­man­gal zie­hen und, wenn al­les nach Plan läuft, im Ja­nuar 2015 ei­ne Schu­le für die Kin­der der Tee­ar­bei­ter er­öff­nen.

Teeplantagen in Bangladesch. Foto: Hartmut Schwarzbach

Tee­plan­ta­gen, so weit das Au­ge reicht.

19. Fe­bruar 2013

Von den Ko­lo­nial­her­ren ver­ges­sen?

Tee­plan­ta­gen, so weit das Au­ge reicht. Ki­lo­me­ter­lang zie­hen sich die hol­zi­gen, dun­kel­grü­nen Sträu­cher die Hü­gel hin­auf, un­ter­bro­chen nur hin und wie­der von schlan­ken, ho­hen Bäu­men, die Schat­ten spen­den. Ei­ne Teepflan­ze kann bis zu 100 Jah­re alt wer­den, die meis­ten Sträu­cher hier ha­ben noch die Bri­ten gepflanzt. Am Ein­gang der 90 Hektar, die die ört­li­che Fir­ma Fin­lay be­wirt­schaf­tet, kon­trol­liert uns ein Wach­mann, der mit sei­nem rau­schen­den Voll­bart, der ta­del­lo­sen Uni­form und dem ro­ten Bar­rett auf dem Kopf aus­sieht, als hät­ten die Ko­lo­nial­her­ren ihn beim Ab­zug ver­ges­sen. In­mit­ten der Plan­ta­gen lie­gen die Dör­fer der Tee­ar­bei­ter – weit­ab vom nächs­ten Ort, oh­ne Strom, oh­ne flie­ßen­des Was­ser und je­g­li­che In­fra­struk­tur. Ge­nau das ist ge­wollt. So be­hält die Tee­fir­ma, die den Ar­bei­tern die Häu­ser miet­f­rei zur Ver­fü­gung stellt, al­les un­ter Kon­trol­le und kann sie wei­ter zu Dum­pinglöh­nen be­schäf­ti­gen.

Foto: Hartmut Schwarzbach

Ver­kehrs­cha­os in Dha­ka.

18. Fe­bruar 2013

Rechts- oder Links­ver­kehr?

Schrott­rei­fe Bus­se, über­la­de­ne Lkw, mo­to­ri­sier­te Drei­rä­der und Rik­schas im Nah­kampf: Es ist halb sie­ben Uhr mor­gens und die Zeit vor der Rush Hour in Dha­ka. Aber das be­deu­tet nur, dass man über­haupt noch ir­gend­wie vor­an­kommt. Für uns ver­kehrs­be­ru­hig­te Deut­sche ist kaum zu er­ken­nen, ob hier Rechts- oder Links­ver­kehr herrscht. Die Stra­ße hat so vie­le Spu­ren, wie Fahr­zeu­ge ne­ben­ein­an­der pas­sen, über­holt wird, wo sich die nächs­te Lü­cke auf­tut. Über Ab­ga­sen, Lärm und ei­nem oh­ren­be­täu­ben­den Ge­hu­pe hängt der Smog der 15-Mil­lio­nen-Stadt. Wir sind un­ter­wegs Rich­tung Nor­den auf die Tee­plan­ta­gen von Sri­man­gal. Die Fahrt soll vier bis fünf Stun­den dau­ern – vor­aus­ge­setzt, man schafft es vor dem gro­ßen Ver­kehrs­cha­os her­aus aus Dha­ka.

Foto: Googlemaps

17. Fe­bruar 2013

Be­zie­hungs­los

Wei­ter nach Ban­g­la­desch! An­fangs hat­ten wir noch ge­glaubt, man kön­ne vi­el­leicht auf dem Land­weg in Myan­mars Nach­bar­land rei­sen. Die Idee war of­fen­bar so ver­we­gen, dass kein Pro­jekt­part­ner es für nö­t­ig hielt, über­haupt auf mei­ne Fra­gen da­zu zu rea­gie­ren. Tat­säch­lich ist es reich­lich kom­p­li­ziert, von Myan­mar nach Ban­g­la­desch zu kom­men. Wir flie­gen über Ma­lay­sias Haupt­stadt Kua­la Lum­pur und sind den gan­zen Tag un­ter­wegs. Die Al­ter­na­ti­ve über Bang­kok hät­te noch län­ger ge­dau­ert.

Laienmissionare im Bergdorf Shwenikone. Foto: Hartmut Schwarzbach

Die Lai­en­mis­sio­na­rin­nen Ma­ry und Lu­cia un­ter­rich­ten die Kin­der.

16. Fe­bruar 2013

Ver­steckt in ab­ge­rie­gel­te Dör­fer

All­mäh­lich ver­ste­hen wir, was un­se­re Part­ner mei­nen, wenn sie von „re­mo­te vil­la­ges“, ab­ge­le­ge­nen Dör­fern, sp­re­chen: Fünf Stun­den sind wir auf stau­bi­gen Pis­ten und abenteu­er­li­chen Pass­stra­ßen un­ter­wegs, und wis­sen nicht ein­mal, ob wir un­ser Ziel über­haupt er­rei­chen. Sch­ließ­lich wol­len wir in ei­ne Ge­gend, die für Aus­län­der ver­bo­ten ist. An der Stra­ße in die neue Haupt­stadt der Mi­li­tär­re­gie­rung, Nay­py­i­daw, müs­sen wir meh­re­re Kon­troll­pos­ten pas­sie­ren. Kurz da­vor zie­hen wir auf Ge­heiß von Schwes­ter Bi­bia­nas Son­nen­hut und Base­cap tief ins Ge­sicht und stel­len uns schla­fend. Wir ha­ben Glück, wer­den durch­ge­wun­ken und er­rei­chen end­lich Shwe­ni­ko­ne: ein trost­lo­ser Wei­ler aus ei­nem Dut­zend Bam­bus­hüt­ten. Es gibt kei­nen Strom, kei­ne Schu­le, das Was­ser fließt dürf­tig aus ei­nem dün­nen Schlauch an der Zapf­s­tel­le – und das längst nicht zu je­der Jah­res­zeit. Hier ar­bei­ten die Lai­en­mis­sio­na­rin­nen Ma­ry, 21, und Lu­cia, 23. Die Dorf­be­woh­ner ha­ben ei­ne Hüt­te für sie ge­baut und ver­sor­gen die Mäd­chen mit Le­bens­mit­teln. Wenn Pfar­rer Eli­zeo oder Schwes­ter Bi­bia­na al­le drei Mo­na­te zu Be­such kom­men, brin­gen sie ih­nen ein Ta­schen­geld mit – nicht viel für das, was die jun­gen Frau­en hier leis­ten. „Am meis­ten Spaß macht es uns, die Kin­der zu un­ter­rich­ten“, sa­gen sie. Am An­fang, ja, da sei­en sie un­glück­lich ge­we­sen, so weit weg von zu Hau­se und oh­ne Licht. „Aber jetz­t“, beteu­ern bei­de in­brüns­tig, „sind wir ger­ne hier“. Pfar­rer Eli­zeo be­zwei­felt das. Die Nacht ver­brin­gen wir ver­steckt in sei­nem Pfarr­haus. Der Kom­fort ist ort­s­ty­pisch: Holz­prit­schen oh­ne Ma­t­rat­ze, Hock­toi­let­ten und zum Wa­schen ei­nen Bottich voll Was­ser.

kontinente-Redakteurin Beatrix Gramlich und Fotograf Hartmut Schwarzbach besuchen Laienmissionare im Bergdorf Shwenikone. Foto: Hartmut Schwarzbach

kon­ti­nen­te-Re­dakteu­rin Bea­trix Gram­lich und Fo­to­graf Hart­mut Schwarz­bach be­su­chen Lai­en­mis­sio­na­re im Berg­dorf Shwe­ni­ko­ne.

15. Fe­bruar 2013

Lai­en­mis­sio­nar und Ent­wick­lungs­hel­fer

Un­ser Flug hat Ver­spä­t­ung. Schwes­ter Schwes­ter Bi­bia­na und Schwes­ter Do­mi­nic war­ten schon seit ei­ner Stun­de in He­ho. Sie ge­hö­ren zu den Zeta­man-Schwes­tern, ei­nem jun­gen Or­den, der in den ent­le­gens­ten Dör­fern ar­bei­tet und die Men­schen dort mit Klei­dung, Me­di­ka­men­ten und Le­bens­mit­teln ver­sorgt. In vie­len Pfar­rei­en un­ter­hal­ten die Or­dens­frau­en au­ßer­dem Kin­der­gär­ten, Wai­sen­häu­ser und In­ter­na­te. Vor al­lem aber un­ter­stüt­zen die Zeta­man-Schwes­tern Lai­en­mis­sio­na­re, jun­ge Leu­te zwi­schen im Al­ter von 17 bis 25, die drei Jah­re lang das Le­ben der Bau­ern auf dem Land tei­len. Sie un­ter­rich­ten die Kin­der, die in den Dör­fern kei­ne Chan­ce ha­ben, zur Schu­le zu ge­hen, un­ter­wei­sen sie im Glau­ben und brin­gen ih­nen Grund­kennt­nis­se in Hy­gie­ne bei. Die Zeta­män­ner, was über­setzt so viel wie „Apo­s­tel“ be­deu­tet, sind al­so nicht nur Lai­en­mis­sio­na­re, son­dern auch Ent­wick­lungs­hel­fer. Das wol­len wir se­hen.

Fluechtlingslager in Myityina der Kachin, der verfolgten christlichen Minderheit im Norden Myanmars. Foto: Hartmut Schwarzbach

Bea­trix Gram­lich und Schwes­­ter Mar­­ga­­ret sp­re­chen mit Flücht­lin­gen.

14. Fe­bruar 2013

Der Über­wa­chungs­staat

Noch ein­mal ma­chen wir uns auf den Weg ins Flücht­lings­la­ger. Dies­mal be­g­lei­tet uns Schwes­ter Mar­ga­ret. Als wir an­kom­men, ist das Tor ver­sch­los­sen. Da­vor stoppt uns ein Ar­mee­an­ge­hö­ri­ger und ver­langt un­se­re Päs­se. Wir ha­ben den Kon­troll­pos­ten auf der Brü­cke über den Ir­ra­w­ad­dy pas­siert, oh­ne an­zu­hal­ten. So­fort ist der Mann uns ge­folgt und will wis­sen, was wir hier zu su­chen ha­ben. Doch nach ei­ni­gen Ver­hand­lun­gen mit Schwes­ter Ma­ry gibt er sich zu­frie­den. Das Tor öff­net sich und wir dür­fen ins Camp. Dies­mal tref­fen wir den Ka­te­chis­ten Nga Brang Awing. Die Bom­ben schlu­gen scho rings um sein Haus auf dem Kir­chen­ge­län­de ein, als er mit Frau und Kin­dern ge­f­lo­hen ist. Aber Nga Brang Awing woll­te war­ten, bis al­le an­de­ren sich in Si­cher­heit ge­bracht hat­ten, und sein Dorf als Letz­ter ver­las­sen. „Ich bin be­reit, übe­rall hin­zu­ge­hen“, sagt er, „weil ich ein Die­ner Got­tes bin.“ Jetzt küm­mert er sich um die Ko­ope­ra­ti­on mit den Hilf­s­or­ga­ni­sa­tio­nen, hilft, dass das Zu­sam­men­le­ben im Camp ge­lingt, und ist An­sp­rech­part­ner für al­le Pro­b­le­me.

Fluechtlingslager in Myityina der Kachin, der verfolgten christlichen Minderheit im Norden Myanmars. Foto: Hartmut Schwarzbach

Flücht­lings­la­ger in My­it­ky­i­na der Ka­chin, der ver­folg­ten christ­li­chen Min­der­heit im Nor­den Myan­mars.

13. Fe­bruar 2013

Krieg um Roh­stof­fe, Sch­mugg­l­er­rou­ten – und ge­gen Chris­ten

Mit Ca­ri­tas­di­rek­tor Fa­ther No­el fah­ren wir auf die an­de­re Fluss­sei­te ins Flücht­lings­la­ger. Zu­vor hat er sch­nell noch Ko­pi­en von un­se­ren Päs­sen ge­macht. Das Mi­li­tär kon­trol­liert bei­de Brü­cken­köp­fe, und man weiß nie, wen sie her­aus­win­ken. Im La­ger le­ben rund 1000 Flücht­lin­ge. Auf den ers­ten Blick wirkt es wie ein Dorf: Das UNH­CR hat Bam­bus­hüt­ten bau­en las­sen, in de­nen je­de Fa­mi­lie ei­nen Raum von et­wa zwölf Quad­r­at­me­tern be­wohnt. Die Ca­ri­tas ver­sorgt die Men­schen mit Le­bens­mit­teln, De­cken, Klei­dung, Hy­gie­ne­ar­ti­keln. Pries­ter, Schwes­tern und Ka­te­chis­ten leis­ten ih­nen see­li­schen Bei­stand, hö­ren zu, ma­chen Mut, be­ten mit ih­nen. Die Not of­fen­bart sich erst auf den zwei­ten Blick: Als die Bom­ben im­mer näh­er bei ih­rem Dorf ein­schlu­gen, sind die Men­schen mit nichts als ih­ren Klei­dern auf dem Leib ge­f­lo­hen. Im Nor­den des Lan­des führt Myan­mars Mi­li­tär­re­gie­rung ei­nen bru­ta­len Krieg ge­gen die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung. Es ist ein Kampf um die Gold-, Kup­fer und Edel­stein­mi­nen in der Re­gi­on, um die Kon­trol­le der Sch­mugg­lerpfa­de und ein Krieg der buddhis­ti­schen Mehr­heit ge­gen die christ­li­che Min­der­heit. „Die Re­gie­rung will die Ka­chin ver­nich­ten“, sagt der Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­te John Je Yaw Wu, den wir am Abend im Bi­schofs­haus tref­fen. Er be­rich­tet von Fol­ter, Mas­sen­ver­ge­wal­ti­gun­gen und wie Ge­fan­ge­ne als men­sch­li­che Schutz­schil­de miss­braucht wer­den. „Nur wenn die Welt da­von er­fährt, ha­ben wir ei­ne Chan­ce auf Frie­den.“ Das In­ter­view mit John Je Yaw Wu und ei­ne Re­por­ta­ge über die Ka­chin-Flücht­lin­ge le­sen Sie in ei­ner der nächs­ten „kon­ti­nen­te“-Aus­ga­ben.

Flug von Yangon nach Myityina im Norden Myanmars. Foto: Hartmut Schwarzbach

Flug von Yan­gon nach My­it­ky­i­na im Nor­den Myan­mars.

12. Fe­bruar 2013

Aus­län­der plötz­lich doch wie­der er­laubt

Ges­tern ha­ben wir er­fah­ren, dass der Weg für Aus­län­der in den Ka­chin Sta­te rei­sen wie­der frei ist. Wir ha­ben un­se­re Plä­ne um­ge­wor­fen und sind auf dem Weg nach My­it­ky­i­na. Schwes­ter Ma­ry be­g­lei­tet uns – Gott sei Dank, denn der Check-In am Flug­ha­fen ist chao­tisch: kei­ne An­zei­ge­ta­feln, kei­ne Hin­wei­se, wo und wann wir uns ein­zu­fin­den ha­ben; zum Wie­gen der Kof­fer di­ent ei­ne al­te me­cha­ni­sche Waa­ge. Nur Schwes­ter Ma­rys Ge­päck wird be­an­stan­det. Sie hat Tro­cken­fisch für ih­ren Con­vent in My­it­ky­i­na ein­ge­packt. Zu­ge­ge­ben, aus den Tü­ten steigt ein st­ren­ger Ge­ruch. Das fin­det auch die Air­li­ne und wei­gert sich, ihn zu trans­por­tie­ren. Doch den bur­me­si­schen Gau­men­sch­maus ein­fach der Flug­ge­sell­schaft zu über­las­sen, kommt für die Or­dens­frau nicht in Fra­ge. Kur­zer­hand ruft sie per Han­dy ei­ne Mit­schwes­ter an, die die wert­vol­le Fracht ret­ten und am Flug­ha­fen ab­ho­len wird.

Die Wahr­heit hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand

Auf dem Flug er­zählt Schwes­ter Ma­ry hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand von der Angst der Men­schen in My­it­ky­i­na. Vor ei­ni­gen Wo­chen, als sie und ih­re Mit­schwes­tern auf dem Weg zur Kir­che wa­ren, ex­p­lo­dier­te hin­ter ih­nen ei­ne Bom­be. Die Or­dens­frau­en ver­dan­ken ihr Le­ben ei­nem Re­gie­rungs­sol­da­ten, der sie zur Ei­le an­trieb. Vom 24. De­zem­ber bis An­fang Fe­bruar war die gan­ze Stadt oh­ne Strom. Al­le sind si­cher, dass die Ar­mee das Netz zer­stört hat. Warum sonst wä­re das Licht aus­ge­rech­net an Weih­nach­ten aus­ge­gan­gen? Es war ei­ne wei­te­re Macht­de­mon­s­t­ra­ti­on der bur­me­sisch-buddhis­ti­schen Re­gie­rung ge­gen­über den christ­li­chen Ka­chin, die in Myan­mar in der Min­der­heit sind. Bei der An­kunft am Flug­ha­fen be­kom­men wir ei­ne Vor­stel­lung da­von, was Über­wa­chung be­deu­tet. Ob­wohl wir be­reits vor zwei Ta­gen in Myan­mar ein­ge­reist sind, müs­sen wir uns wie­der in die Schlan­ge am Im­mi­g­ra­ti­on-Schal­ter ein­rei­hen – ei­nem ab­ge­wetz­ten Holz­tisch mit ris­si­ger Wachs­tuch-Aufla­ge. Da­hin­ter ein Beam­ter mit ein­drucks­vol­len Schul­ter­klap­pen, der al­le Aus­län­der pein­lich ge­nau be­fragt, warum sie sie hier sind, wie lan­ge sie blei­ben und wo sie über­nach­ten. Schwes­ter Ma­ry ruft un­auf­fäl­lig un­se­re Part­ner bei der Ca­ri­tas an, um zu er­fah­ren, wel­ches Ho­tel wir an­ge­ben sol­len. Sch­ließ­lich sind wir of­fi­zi­ell als Tou­ris­ten un­ter­wegs. Als Be­ruf ge­ben wir „An­ge­s­tell­te“ an. Das ist un­ver­fäng­lich – aber be­rei­tet dem Beam­ten Pro­b­le­me. Die­se Vo­ka­bel kennt er nicht und hat kei­ne Ah­nung, wie er sie sch­rei­ben soll. Gut für uns, denn dar­über ver­gisst er, nach dem Grund für un­se­ren Be­such zu fra­gen. Wir wol­len in die Flücht­lings­la­ger der Ka­chin – aber das dür­fen wir na­tür­lich mit kei­nem Wort er­wäh­nen.

Buddhistische Pagode in Pin Laung. Foto: Hartmut Schwarzbach

Post­kar­ten-Mo­tiv: So wun­der­sc­hön prä­sen­tiert die Mil­tär­re­gie­rung Myan­mars ihr Land ger­ne dem Aus­land, hier die buddhis­ti­sche Pa­go­de in Pin Laung. Un­se­re kon­ti­nen­te-Mit­ar­bei­ter ma­chen vor Ort an­de­re Er­fah­run­gen.

10. Fe­bruar 2013

Rei­se in ein ver­bo­te­nes Land

Die­ses Ta­ge­buch be­ginnt ei­gent­lich schon vor un­se­rer Rei­se: mit all dem, was wir st­rei­chen muss­ten, weil Myan­mars Mi­li­tär­re­gie­rung es ver­bie­tet. Sitt­we, wo­hin die Ro­hin­gyas, ei­ne mus­li­mi­sche Min­der­heit, nach Ter­r­or­wel­len ge­f­lo­hen sind: ge­sperrt. Die Dör­fer rings um Taung­gyi, wo wir ei­ne Ge­schich­te über Lai­en­mis­sio­na­re ge­plant hat­ten: ab­ge­rie­gelt. Ka­chin Sta­te: für Aus­län­der ver­bo­ten. Ei­ne Wo­che vor Ab­flug er­reich­te uns die Nach­richt, die Ge­ne­rä­le hät­ten den ge­sam­ten Bun­des­staat für Frem­de ge­sperrt. Nach 17 Jah­ren Waf­fen­s­till­stand sind im Ju­ni 2011 die Kämp­fe zwi­schen der Ka­chin In­de­pen­den­ce Ar­my (KIA), die mehr Au­to­no­mie für den über­wie­gend christ­li­chen Lan­des­teil for­dert, und Re­gie­rungs­trup­pen wie­der aus­ge­bro­chen. Nach An­ga­ben von Hilf­s­or­ga­ni­sa­tio­nen sind rund 100 000 Men­schen auf der Flucht. Al­le Welt re­det da­von, dass sich Myan­mar seit dem Amt­s­an­tritt von Prä­si­dent Thein Sein 2011 öff­net. Wir er­le­ben das Ge­gen­teil: Myan­mar macht dicht – übe­rall dort, wo das Mi­li­tär sein häss­li­ches Ge­sicht vor der Welt nicht ver­ste­cken kann.


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Der Film zeigt Eindrücke aus Agadez, der Wüstenstadt im Niger, in der viele junge Afrikaner darauf warten, den gefährlichen Fluchtweg durch die Sahara anzutreten.

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