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Un­ter­wegs in … Is­ra­el

kon­­­­­­ti­­­­­­nen­­­­­­te-Che­f­re­dak­teur Jobst Rüthers ist ge­­­­­­mein­­­­­­sam mit der Fo­to­­­­­­gra­­­­­­fin Ka­th­rin Harms auf Re­cher­che­r­ei­­­­­­se. Von ih­­­­­­ren Er­­­­­­le­b­­­­­­nis­­­­­­sen vor Ort be­rich­­­­­­ten sie im kon­­­­­­ti­­­­­­nen­­­­­­te-Rei­­­­­­se­ta­­­­­­ge­buch.

Tex­te: Jobst Rüthers; Fo­tos: Ka­th­rin Harms

Foto: Harms

Ra­ed Mu­a­­lem.

18. April 2016

Aus­­­bil­­dung ist Vor­­aus­­set­zung für wir­t­­schaf­t­­li­che En­t­­wick­­lung

Ra­ed Mua­lem ist Bio­lo­ge. Er lei­tet in der is­rae­li­schen Stadt Na­za­reth ein aka­de­mi­sches In­sti­tut für neu­ro­bio­lo­gi­sche For­schung. Seit zwan­zig Jah­ren treibt ihn an, in sei­ner Re­gi­on, die über­wie­gend von christ­li­chen und mus­li­mi­schen Ar­a­bern be­wohnt wird, bes­se­re Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten für Ar­a­ber zu schaf­fen. Er kri­ti­siert, dass es in und um Na­za­reth sie­ben voll­fi­nan­zier­te jü­di­sche Col­le­ges gibt, aber nur ein teil-fi­nan­zier­tes Col­le­ge für Ar­a­ber. Mit Sor­ge sieht der Wis­sen­schaft­ler, dass die Ar­a­ber in der is­rae­li­schen Ge­sell­schaft sch­lech­te­re Bil­dung er­hal­ten und des­halb die Ab­wan­de­rung jun­ger Men­schen so stark und die Ar­beits­lo­sig­keit so hoch ist. Sein An­lie­gen: Mehr und bes­se­re aka­de­mi­sche Aus­bil­dung der Ar­a­ber, sei­en sie nun Chris­ten oder Mus­li­me. Nur da­mit sei ei­ne stär­ke­re In­te­g­ra­ti­on in die span­nungs­ge­la­de­ne is­rae­li­sche Ge­sell­schaft mög­lich. Und bes­se­re Aus­bil­dung sei Vor­aus­set­zung für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung, die Men­schen ver­an­las­se, im ei­ge­nen Land zu blei­ben und nicht als Wirt­schafts­flücht­ling nach Eu­ro­pa oder Ame­ri­ka auf­zu­b­re­chen. Be­son­ders ara­bi­sche Mäd­chen bräuch­ten Be­rufs­ab­schlüs­se, um ei­ne ak­ti­ve­re Rol­le in Is­ra­el und der Re­gi­on zu über­neh­men. Ra­ed Mua­lem ist über­zeugt, dass nur ei­ne Bil­dung­s­of­fen­si­ve im ge­sam­ten ara­bi­schen Raum den Wan­del zu Mo­derni­tät und weg von ge­sch­los­se­nen Ge­sell­schaf­ten ge­stal­ten kann. "So­wohl die jü­di­sche als auch mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rung den­ken zu sehr in re­li­giö­sen Ka­te­go­ri­en, wenn sie Po­li­tik ma­chen wol­len - wie kann ich für mei­ne Re­li­gi­on das Bes­te her­aus­ho­len?", fragt Ra­ed. Statt­des­sen soll­te die Fra­ge sein, wie die ver­schie­de­nen Grup­pen und Min­der­hei­ten ge­mein­sam an der "Ein­heit in der Viel­falt" ar­bei­ten, so der Bio­lo­ge.

Foto: Harms

Ra­ed Mua­lem ist christ­li­cher Pa­triot, will hei­ßen, dass er von den christ­li­chen Kir­chen ei­nen ver­stärk­ten Ein­satz in der Grün­dungs­re­gi­on des Chris­ten­tums er­war­tet. Die Chris­ten ver­las­sen den Le­bens­raum ih­res Re­li­gi­ons­grün­ders, weil sie in Ar­mut und Un­si­chert­heit le­ben. Da­bei sei­en die Chris­ten Vor­rei­ter des all­ge­mei­nen Bil­dungs­we­sens. Chris­ten welt­weit schau­en dem Exo­dus zu, an­statt mit sinn­vol­len Pro­jek­ten für wirt­schaft­li­chen Auf­schwung und po­li­ti­sche Sta­bi­li­tät zu sor­gen, da­mit die Men­schen in Na­za­reth und in Is­ra­el blei­ben. In vie­len Ar­ti­keln, Brie­fen und stun­den­lan­gen Ge­sprächen, auch mit Bi­sc­hö­fen bis hin zum Va­ti­kan, hat Ra­ed Mua­lem an die ka­tho­li­sche Kir­che ap­pel­liert, sich stär­ker in Is­ra­el zu en­ga­gie­ren, für mehr aka­de­mi­sche Bil­dung und wirt­schaft­li­che Im­pul­se. Ob­wohl vie­le von der Rich­tig­keit sei­ner Ide­en über­zeugt sind, ist letz­lich nichts pas­siert. Al­so hat er ei­ne en­ga­gier­te Au­s­ein­an­der­set­zung mit staat­li­chen Stel­len im Land auf­ge­nom­men; sein Ziel: glei­che För­de­rung ara­bi­scher wie jü­di­scher Bil­dung. Auch hier brei­te Zu­stim­mung, aber wie­der pas­siert nichts. Er sucht Ko­ope­ra­ti­on­s­part­ner im Aus­land und ge­winnt in Te­xas / USA ei­ne Part­ner­u­ni­ver­si­tät, die be­reit ist, 75 Mil­lio­nen Dol­lar in ei­nen Stand­ort Na­za­reth und Hai­fa zu in­ves­tie­ren. Nach der Wahl und den po­li­ti­schen Ve­r­än­de­run­gen in Is­ra­el wer­den die Plä­ne be­gr­a­ben, das Geld wird nun an­dern­orts in­ves­tiert und schafft wo­an­ders Ar­beits­plät­ze, Bil­dung und Wohl­stand.
Drei hef­ti­ge Rück­schlä­ge für den Ehe­mann und Va­ter von zwei Kin­dern. "Mein Sohn ab­sol­viert ge­ra­de ein her­vor­ra­gen­des Stu­di­um, ich ver­mu­te, er wird dann ins Aus­land ge­hen, um dort zu ar­bei­ten", sagt Ra­ed. "Da­bei wer­den gut aus­ge­bil­de­te jun­ge Leu­te doch be­son­ders hier ge­braucht, wenn die Ge­sell­schaft sich ent­wi­ckeln soll." Der 55-Jäh­ri­ge sieht in den christ­li­chen Wur­zeln des ara­bi­schen Rau­mes ein be­son­de­res Po­ten­tial: "Je­sus hat mit sei­nem Le­ben ein Vor­bild für Men­sch­lich­keit ge­ge­ben, das uns heu­te Bei­spiel für den mo­der­nen of­fe­nen Staat sein kann, der nicht nur ei­ne be­stimm­te Grup­pe, son­dern all sei­ne Be­woh­ner im Blick hat."

Pater Nikodemus Schnabel. Foto: Harms

15. April 2016

Wie­der­se­hen in Is­ra­el

Für Pa­ter Ni­ko­de­mus ist es ei­ne er­eig­nis­rei­che Zeit, trotz­dem nimmt er sich Zeit für uns. Ge­ra­de hat er ei­nen Dreh­tag für das ZDF ab­sol­viert, es ent­steht ei­ne 45-Mi­nu­ten-Sen­dung zu Pfings­ten, in der der re­de­ge­wand­te Mönch das Pfingst­ge­heim­nis und die Vor­stel­lung vom Hei­li­gen Geist er­läu­tert. Da­für ist der Sen­der ex­t­ra nach Je­ru­sa­lem ge­kom­men - der Welt­stadt der Re­li­gio­nen und so­mit auch des Chris­ten­tums, in der Je­sus ge­s­tor­ben ist und in der Stadt, in der sich das Pfingst­wun­der er­eig­net hat.
Wie gut für das ZDF (und für uns), dass Pa­ter Ni­ko­de­mus Schna­bel in Je­ru­sa­lem lebt. Er ist Be­ne­dik­ti­ner und vor knapp 13 Jah­ren in die Dor­mi­tio Ab­tei auf dem Berg Zi­on ein­ge­t­re­ten, ein deut­sches Be­ne­dik­ti­n­er­k­los­ter im so­ge­nann­ten Nie­mands­land am Ran­de der Je­ru­sa­le­mer Alt­stadt. Nie­mands­land, weil die­ses Ge­biet der­zeit ei­nen völ­ker­recht­lich un­ge­klär­ten Sta­tus hat und we­der von den Is­rae­lis noch Pa­läs­ti­nen­ser be­an­sprucht wer­den kann. Die Klos­ter­kir­che ist ein Ort der Ver­eh­rung der Got­tes­mut­ter Ma­ria, dem Klos­ter ge­gen­über liegt der Saal, in dem Je­sus mit sei­nen Jün­gern das letz­te Abend­mahl ge­fei­ert hat.
Für kon­ti­nen­te ist es ein Wie­der­se­hen mit Pa­ter Ni­ko­de­mus, un­ser In­ter­view mit dem Pries­ter, Ost­kir­chen­ex­per­ten und Buch­au­to­ren fin­den Sie in der Aus­ga­be 2/2016 und auf die­ser Ho­me­pa­ge. Wie im kon­ti­nen­te-In­ter­view ist Pa­ter Ni­ko­de­mus uns erst­ma­li­gen Is­ra­el-Rei­sen­den ein kun­di­ger und be­geis­tern­der Er­zäh­ler. Ge­schich­ten­reich und mit viel Sym­pa­thie für bei­de Sei­ten er­zählt er von den Kon­f­lik­ten zwi­schen Ju­den und Pa­läs­ti­nen­sern, den ver­schie­de­nen po­li­ti­schen Strö­mun­gen in bei­den Län­dern, all den Pro­b­le­men, die die Grün­dung des Staa­tes Is­ra­el bis heu­te nach sich zie­hen. Vom Kir­chen­dach aus zeigt er uns die fas­zi­nie­ren­de Stadt Je­ru­sa­lem, in der P. Ni­ko­de­mus so ger­ne lebt. Wir be­sch­lie­ßen den Be­such mit der Ve­s­per am Abend des Kirch­weih­fes­tes, hier gibt der Be­ne­dik­ti­ner mit wun­der­ba­rem Ge­sang den Ton an.


Lesen Sie auch das Interview mit Pater Nikodemus

Raffoul Rofa ist der Direktor von St. Yves. Foto: Harms

Raf­foul Ro­fa ist der Di­rek­tor von St. Yves.

13. April 2016

Ge­mein­sa­mes Le­ben wird un­mög­lich ge­macht

Wir be­su­chen in der Alt­stadt von Je­ru­sa­lem die "So­cie­ty of St. Yves". Es ist ei­ne ka­tho­li­sche Men­schen­recht­s­or­ga­ni­sa­ti­on, die es sich zur Auf­ga­be ge­macht hat, Men­schen Rechts­hil­fe zu ge­ben, die als Ar­a­ber in Is­ra­el oder als Pa­läs­ti­nen­ser Pro­b­le­me mit dem is­rae­li­schen Staat ha­ben. Und es gibt ge­nü­gend Men­schen, die auf Hil­fe an­ge­wie­sen sind. Ehe­paa­re kön­nen nicht zu­sam­men­le­ben, weil ein Part­ner in Je­ru­sa­lem und der an­de­re im be­nach­bar­ten Pa­läs­t­i­na lebt. Seit dem Jahr 2002 hat der Staat Zehn­tau­sen­de von An­trä­gen auf Fa­mi­li­en­zu­sam­men­füh­run­gen ab­ge­lehnt und so­mit das ge­mein­sa­me Le­ben un­mög­lich ge­macht.
In Je­ru­sa­lem le­ben zehn­tau­sen­de Kin­der oh­ne staat­li­che Re­gi­s­trie­rung. Is­ra­el ver­wei­gert ih­nen die An­er­ken­nung, weil die El­tern nicht bei­de die is­rae­li­sche Staats­bür­ger­schaft ha­ben oder sie zu­min­dest dau­er­haft im Land le­ben. Für die Kin­der hat die feh­len­de An­er­ken­nung dras­ti­sche Fol­gen: Sie ha­ben kei­nen An­spruch auf das staat­li­che Ge­sund­heits­we­sen und auf den Be­such ei­ner staat­li­chen Schu­le.

Blick auf die Altstadt von Jerusalem. Foto: Harms

Über­blick über die Alt­stadt von Je­ru­sa­lem

Be­son­ders hef­ti­ge Kon­f­lik­te ent­ste­hen, wenn jü­di­sche Sied­ler Land von Ar­a­bern zu­ge­wie­sen be­kom­men, um dort ihr Haus zu er­rich­ten. In gro­ßer An­zahl wer­den Ar­a­ber in Ost-Je­ru­sa­lem und Pa­läs­t­i­na en­t­eig­net, da­mit jü­di­sche Sied­ler ex­pan­die­ren kön­nen. Ein stän­di­ges Är­ger­nis ist, dass Pa­läs­ti­nen­ser auf ih­rem Weg nach Is­ra­el in ihr er Be­we­gungs­f­rei­heit ein­ge­schränkt wer­den. Sie müs­sen Pass­kon­trol­len und Check­po­ints über sich er­ge­hen las­sen und ih­re Er­laub­nis zur Ein­rei­se nach­wei­sen. Die­se wird be­fris­tet aus­ge­s­tellt, oder eben oft ge­nug auch nicht.
In all die­sen Pro­b­le­men ver­su­chen die 25 Mit­ar­bei­ter von St. Yves, Rechts­be­ra­tung und Un­ter­stüt­zung zu ge­ben, im ver­gan­ge­nen Jahr im­mer­hin 2500 mal.
Die Or­ga­ni­sa­ti­on nennt sich nach dem Pa­tron der An­wäl­te, dem Hei­li­gen Yves. Und sie folgt der Idee, die der süd­a­fri­ka­ni­sche Bi­schof Des­mond Tu­tu so for­mu­lier­te: "Wenn du neu­tral bist in ei­ner Si­tua­ti­on von Un­ge­rech­tig­keit, hast du dich auf die Sei­te der Un­ter­drü­cker ge­schla­gen."

Foto: Harms

Von Ibra­hims Ter­ras­se hat man ei­nen wei­tern Blick über Beth­le­hem.

11. April 2016

Hö­ren auf die Frie­dens­bot­schaft

Ibra­him holt uns mit dem Ta­xi ab, wir wol­len mit ihm rund um Beth­le­hem fah­ren, ent­lang der Sperr­mau­er, die Is­ra­el und Pa­läs­t­i­na, zwölf Me­ter ho­her Be­ton, der die Men­schen trennt. Ibra­him ist Pa­läs­ti­nen­ser, er lebt in die­ser ge­schicht­s­träch­ti­gen Stadt. Er ist Ar­a­ber und er ist Mus­lim. Mit Ibra­him ge­hen wir be­wusst nicht auf die tou­ris­ti­sche Spu­ren­su­che, ge­hen dies­mal auch nicht zur Ge­burts­kir­che, die an Je­su Ge­burt an die­sem Ort er­in­nert. Statt­des­sen wol­len wir im Wort­sinn er-fah­ren, wie das Le­ben der Pa­läs­ti­nen­ser hier un­weit Je­ru­sa­lem ist.
Un­ser Fah­rer ist 39 Jah­re alt, sei­ne deut­lich jün­ge­re Frau ist 24, sie ha­ben zwei klei­ne Kin­der. Beth­le­hem be­steht aus vie­len Stadt­tei­len, die in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten er­rich­tet wur­den, um pa­läs­ti­nen­si­sche Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men. Un­ter der Lei­tung der UN wur­den Grund­stü­cke ver­ge­ben, ver­kauft oder ver­pach­tet. Mus­li­mi­sche Ar­a­ber, die we­gen der is­rae­li­schen Sied­lungs­po­li­tik ver­trie­ben wur­den, konn­ten hier ih­re Woh­nun­gen er­rich­ten. Ibra­him kri­ti­siert, dass je­der Fa­mi­lie nur 100 qm zu­ge­stan­den wur­den, un­ab­hän­gig von der Fa­mi­li­en­grö­ße. Ibra­him ent­stammt ei­ner Fa­mi­lie mit 10 Brü­dern und 5 Schwes­tern, sei­ne El­tern hät­ten al­so durch­aus mehr Platz ge­brau­chen kön­nen. Der Va­ter war Bä­cker, er ver­lor sei­ne Frau bei der Ge­burt ei­nes der Kin­der. Spä­ter hei­ra­te­te der Va­ter ein zwei­tes Mal, wei­te­re Kin­der folg­ten. Vor we­ni­gen Wo­chen ist der Va­ter ge­s­tor­ben.

Foto: Harms

Fast an je­des Haus sind po­li­ti­sche Graf­fi­ti ge­sprüht.

Ibra­him wohnt mit sei­ner vier­köp­fi­gen Fa­mi­lie auf ei­ner Eta­ge, zwei sei­ner Brü­der be­woh­nen im sel­ben Haus an­de­re Stock­wer­ke. Für vie­le Men­schen ist es ein Le­ben in Ar­mut. Vie­le Häu­ser sind hal­be Rui­nen, ei­ni­ge an­ge­fan­gen und nicht fer­tig­ge­s­tellt, an­de­re ver­fal­len, weil das Geld zur In­stand­hal­tung fehlt. Recht oft fällt der Strom aus, weil die Net­ze über­las­tet sind. Vier Stun­den fah­ren wir mit un­se­rem Chauf­feur durch und rund um Beth­le­hem. Wir hö­ren Ge­schich­ten von Men­schen, die wir nie ken­nen­ler­nen wer­den, de­ren Lei­den an der is­rae­li­schen Po­li­tik sich ins Ge­dächt­nis der Pa­läs­ti­nen­ser ein­ge­brannt hat. Wir se­hen zahl­lo­se Wand­bil­der an der Sperr­mau­er, die an bru­ta­le Au­s­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Is­rae­lis und Pa­läs­ti­nen­ser er­in­nern. Wir hö­ren Ge­schich­ten von Un­ge­rech­tig­keit und Will­kür, von un­schul­di­gen Op­fern. Ibra­him er­zählt von stän­di­ger Angst vor Über­grif­fen und ei­ner nicht en­den wol­len­den Fol­ge von klei­nen und gro­ßen Kon­f­lik­ten. Je­de Kri­se ist bei­den Par­tei­en, Is­rae­lis und Pa­läs­ti­nen­sern, Mus­li­men und Ju­den, neue Be­stä­ti­gung der Vor­ur­tei­le. So for­dert je­des Op­fer ein neu­es. Von der Ge­burts­kir­che Je­su kann ei­ne an­de­re, ei­ne Frie­dens­bot­schaft aus­ge­hen. Wir Men­schen soll­ten zu­hö­ren.

Foto: Harms

9. April 2016

Das Le­ben vor Gott fei­ern

Noch schläft Tel Aviv. Es ist mor­gens halb acht am Sams­tag, die Ju­den be­ge­hen den Sab­bat und das Le­ben in der sonst qui­ir­li­gen Stadt ruht. Kei­ne Bus­se, kein Ge­schäfts­le­ben, statt­des­sen Mu­ße und re­li­giö­se Be­sin­nung. Auch in den christ­li­chen Kir­chen wird am Sams­tag Got­tes­di­enst ge­fei­ert. Wie hier in der St. Ant­h­o­ny Kir­che, für 8 Uhr ist die Hei­li­ge Mes­se für die erit­rei­sche ka­tho­li­sche Ge­mein­de an­ge­kün­digt. Vor­ab seit we­ni­gen Mi­nu­ten ei­ne Dop­pel-Tau­fe: zwei Ehe­paa­re, Flücht­lin­ge aus Eri­t­rea, las­sen die Toch­ter und den Sohn tau­fen. Fei­er­lich ge­k­lei­det die El­tern, An­ge­hö­ri­ge und rund 30 Ge­mein­de­mit­g­lie­der, vor ih­nen der Pries­ter Jo­han­nes Med­hin, auch er aus Eri­t­rea, der den jun­gen Er­den­bür­gern die Tau­fe spen­det und sie in die Ge­mein­de auf­nimmt.

Foto: Harms

Rund 35.000 Eri­t­re­er sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aus ih­rer ost­afri­ka­ni­schen Hei­mat nach Is­ra­el ge­f­lo­hen. Nach ei­nem Le­ben in der Dik­ta­tur und bit­te­ren Ar­mut su­chen sie hier De­mo­k­ra­tie, Si­cher­heit und et­was Wohl­stand. Weil sie aber in Is­ra­el nicht ger­ne ge­se­hen sind und kein Vi­sa er­hal­ten, blei­ben sie wei­ter Flücht­lin­ge und le­ben in gro­ßer Un­si­cher­heit. Wie sc­hön, dass sie trotz der schwie­ri­gen Um­stän­de Ja sa­gen zum Le­ben, Kin­dern ei­ne Zu­kunft schen­ken und die­ses Le­ben ge­mein­sam vor Gott fei­ern. Für uns ist der Got­tes­di­enst ei­ne be­son­de­re Er­fah­rung. Die Er­wach­se­nen sin­gen mit un­glaub­li­cher Stimm­ge­walt, die Kin­der ren­nen und spie­len mit gro­ßer Laut­stär­ke, die Men­schen kom­men rein oder ge­hen aus der Kir­che raus, stän­dig ist Be­we­gung und Un­ru­he. Und trotz­dem sind wir be­ein­druckt von der star­ken In­ten­si­tät, mit der die­se Men­schen die Mes­se fei­ern.

Journalistin Agnes Fazekas. Foto: Harms

Die Jour­na­lis­tin Ag­­nes Fa­ze­­kas

7. April 2016

In­sel oh­ne Was­ser, Vö­gel oh­ne Flü­gel

Wir tref­fen Ag­nes Fa­ze­kas in ei­nem Stra­ßen­re­stau­rant in Tel Aviv.. Um uns her­um le­ben­di­ger Groß­stadt­lärm, un­zäh­l­i­ge Men­schen, lau­te Mu­sik aus Laut­sp­re­chern, hu­pen­de Au­tos und Mo­peds. Die deut­sche Jour­na­lis­tin lebt seit zwei Jah­ren in die­ser is­rae­li­schen Stadt am Mit­tel­meer - der be­ruf­li­chen Neu­gier und der Lie­be we­gen. Der Freund ist Is­rae­li und das Land bie­tet der stu­dier­ten Eth­no­lo­gin vie­le The­men. Is­ra­el ist Hei­mat von (heu­te we­ni­gen ) Chris­ten, Ju­den und Mos­lems, hier zeigt der Na­he Os­ten ei­ne span­nungs­ge­la­de­ne Mi­schung un­ge­lös­ter Kon­f­lik­te, die im­mer wie­der neu in den Welt­nach­rich­ten auf­tau­chen.

Sperrmauer in Bethlehem. Foto: Harms

Die Sperr­mau­er in Beth­le­hem.

Die 35-Jäh­ri­ge will wis­sen, wie es sich für die Men­schen an­fühlt in­mit­ten der ste­ten Ge­walt, des re­li­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­mus, der wie­der­keh­ren­den Ent­täu­schung bei Frie­dens­in­i­tia­ti­ven. Ag­nes lernt He­bräisch, setzt sich in Bus­se und reist durch das Land. Sie quar­tiert sich bei den Men­schen ein und führt Ge­spräche. Ihr be­son­de­res In­ter­es­se gilt den Be­woh­nern des West­jord­an­lands, Pa­läs­t­i­na. Wie geht All­tag hin­ter Sperr­mau­ern und Sta­cheldraht? Wie lebt es sich mit dem Ge­fühl der stän­di­gen Be­dro­hung? Wie ve­r­än­dert ein stets an­ge­spann­tes po­li­ti­sches Kli­ma die Men­schen? Ag­nes Fa­ze­kas ver­ar­bei­tet be­drü­cken­de und be­rüh­r­en­de Ein­drü­cke in ei­nem Buch: "In­sel oh­ne Was­ser, Vö­gel oh­ne Flü­gel" heißt es und ist im Du­mont Ver­lag er­schie­nen. "Es scheint mir ein pas­sen­des Bild für das West­jord­an­land. Die Men­schen le­ben iso­liert wie auf ei­ner In­sel, aber ih­nen fehlt das Was­ser des Le­bens. Und sie sind stark wie ein Vo­gel, dem man aber die Flü­gel ge­s­tutzt hat." Ein warm­her­zi­ger Blick auf ein Land, das wir Deut­schen so oft so di­s­tan­ziert in den Abend­nach­rich­ten wahr­neh­men.

Foto: Harms

5. April 2016

Oh­ne Vor­spei­se kein Haupt­ge­richt

Tok, tok, tok ...zwan­zig Mal knal­len klei­ne Schäl­chen mit Spei­sen auf un­se­ren Tisch. Die Ge­schwin­dig­keit, mit der un­ser Kell­ner die Vor­spei­sen ser­viert - bes­ser: auf den Tisch haut, ist atem­be­rau­bend. Wir sit­zen in ei­nem gro­ßen Fi­sch­re­stau­rant im al­ten Ha­fen von Tel Aviv-Ja­fa. Sein Na­me soll die Sehn­sucht we­cken: Der al­te Mann und das Meer. Und die Men­schen strö­men - ei­ni­ge hun­dert Men­schen sit­zen an lan­gen Ti­schen, kein Platz bleibt frei und es geht so rum­me­lig zu wie in Münch­ner Brau­häu­s­ern. Das Be­son­de­re die­ses Gast­hau­ses ist sein üp­pi­ges Vor­spei­sen­pro­gramm. Die zwan­zig Scha­len sind Pf­licht, oh­ne Vor­spei­se kein Haupt­ge­richt. Vor uns ste­hen jetzt ge­b­ra­te­ner Blu­men­kohl und Fa­la­fel, Möh­ren mit ro­ten Zwie­beln, Ro­te Bee­te, di­ver­se Sa­lat­va­ria­tio­nen in grün und bunt. Da­zu meh­re­re Dips und Hu­mus. Dass es ein ara­bi­sches Haus ist mer­ken wir an die­ser Viel­falt (die wir nicht auf­zu­es­sen schaf­fen) und am Ver­zicht auf al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke. Um uns her­um vor al­lem Fa­mi­li­en mit Kin­dern, es ist laut und le­ben­dig. Die Men­schen ge­nie­ßen Es­sen, Ge­spräche und Ge­sel­lig­keit. Auch wir wer­den sch­nell an­ge­spro­chen und ein­be­zo­gen in die ara­bi­sche Gast­f­reund­schaft.



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NL-2509 AC Den Haag
www.missio.nl

Missionare vom Kostbaren Blut

Missionare vom Kostbaren Blut
Gyllenstormstr. 8
A-5026 Salzburg-Aigen
www.missionare-vom-kostbaren-blut.org

Missionarinnen Christi

Missionarinnen Christi
Linderhofstr.10
D-81377 München
www.missionarinnen-christi.de

Missions-Benediktinerinnen

Missions-Benediktinerinnen
Bahnhofstr. 3
D-82327 Tutzing
www.missions-benediktinerinnen.de

Missions-Dominikanerinnen Neustadt a.M.

Missions-Dominikanerinnen
Neustadt am Main

Klosterhof 3
D-97845 Neustadt a.M.
www.kloster-neustadt.net

Missions-Dominikanerinnen Schlehdorf

Missions-Dominikanerinnen Schlehdorf
Provinz St. Immaculata
Kirchstr. 9
D-82444 Schlehdorf
www.schlehdorf.org

Missionsärztliche Schwestern

Missionsärztliche Schwestern
Scharnhölzstr. 37
D-46236 Bottrop
www.missionsaerztliche-schwestern.org

Missionsdominikanerinnen Strahlfeld

Missionsdominikanerinnen Strahlfeld
Am Jägerberg 2
D-93426 Roding-Strahlfeld
www.kloster-strahlfeld.de

Missionsschwestern v. d. Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes

Missionsschwestern v. d. Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes
Bäckergasse 14
D-48143 Münster
www.missionsschwestern-muenster.de

Missionsschwestern vom Hlst. Herzen Jesu

Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu
Hohe Geest 73
D-48165 Münster-Hiltrup
www.msc-hiltrup.de

Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel

Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel
Friedensplatz 6
D-37308 Heilbad Heiligenstadt
www.smmp.de

Spiritaner

Spiritaner
Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist
Missionshaus Knechtsteden
D-41540 Dormagen
www.spiritaner.de


VIDEO
Der Film zeigt Eindrücke aus Agadez, der Wüstenstadt im Niger, in der viele junge Afrikaner darauf warten, den gefährlichen Fluchtweg durch die Sahara anzutreten.

Unterwegs in ...
Das kontinente-
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UM GOTTES WILLEN
Die Internetdoku von kontinente
Ab ins Kloster. Auf Familie und Karriere verzichten: Vier junge Menschen aus vier verschiedenen Erdteilen verraten, was sie an einem Gott geweihten Leben reizt. Verfolgen Sie ihren Aufbruch ins Ordensleben hier.

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