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Missionarin auf Zeit Simone Buck © Fritz Stark

Be­geis­tert: Die Er­fah­rung als Mis­sio­na­rin auf Zeit in Afri­ka möch­te Si­mo­ne Buck nicht mehr mis­sen. © Fritz Stark

„Der Un­ter­schied ist nur die Far­be“

21.11.2012 - Sie ist mal eben weg. Für ein gan­zes Jahr. Nach San­si­bar, auf die In­sel der Sehn­süch­te. Zum ers­ten Mal ist Si­mo­ne Buck so lan­ge völ­lig auf sich al­lein ge­s­tellt – und dann gleich 6700 Ki­lo­me­ter Luft­li­nie von ih­rer Fa­mi­lie und der Hei­mat­stadt Stet­ten am kal­ten Markt ent­fernt. Auf ei­nen Kul­tur­schock war­te­te die Mis­sio­na­rin auf Zeit (MaZ) vor Afri­kas Ost­küs­te ver­geb­lich. Sie er­lei­det ihn den­noch: bei der Rück­kehr nach Deut­sch­land.

Seit we­ni­gen Wo­chen ist Si­mo­ne Buck wie­der zu­rück in Deut­sch­land. Wo­bei „zu­rück“ zu­viel ge­sagt ist: „Ich hän­ge in Ge­dan­ken Tan­sa­nia noch sehr nach“, be­kennt sie frei­mü­tig. Über­haupt klin­gen die Wor­te der jun­gen Frau aus Stet­ten am kal­ten Markt weh­mü­ti­ger als bei un­se­rer letz­ten Be­geg­nung auf San­si­bar. Es ist deut­lich spür­bar: Die 20-Jäh­ri­ge wird noch ei­ni­ge Zeit be­nö­t­i­gen, bis sie nicht nur mit dem Kör­per, son­dern auch mit dem Her­zen wie­der zu Hau­se an­ge­kom­men ist.
„Ich ha­be Glück ge­habt, es ist die per­fek­te Stel­le für mi­ch“, be­rich­tet Si­mo­ne ge­ra­de­zu eu­pho­risch, als wir uns im Au­gust in ei­ner klei­nen Ge­mein­de auf dem Ar­chi­pel vor der ost­afri­ka­ni­schen Küs­te be­geg­nen. An die­sem Tag, ei­nem der letz­ten ih­res ein­jäh­ri­gen Ein­sat­zes als Mis­sio­na­rin auf Zeit im Aus­bil­dungs­zen­trum für Hand­wer­ker und Ho­tel­fach­leu­te in Ma­chui, spielt sie mit der Idee, den Au­f­ent­halt zu ver­län­gern. „Ich möch­te nicht da­ran den­ken, wie­der nach Hau­se zu ge­hen. Aber ir­gend­wie ruft mich wohl die Pf­licht, mein Stu­di­um zu be­gin­nen“, sagt sie.

Das Le­ben mit den Men­schen tei­len

So wi­der­wil­lig sie den Heim­weg an­tritt, so un­si­cher ist sie ein Jahr zu­vor, als die frisch ge­ba­cke­ne Mis­sio­na­rin auf Zeit in Rich­tung Afri­ka star­tet. Das Stutt­gar­ter MaZ-Pro­gramm der Spi­ri­ta­ner, der Spi­ri­ta­ne­rin­nen und der Mis­si­ons­schwes­tern vom Kost­ba­ren Blut hat sie dar­auf neun Mo­na­te lang in­ten­siv vor­be­rei­tet. „Mit­le­ben, mit­be­ten, mit­ar­bei­ten“ – nach die­sem Drei­satz des Pro­jekts will Si­mo­ne jetzt das ein­fa­che Le­ben mit den Men­schen auf San­si­bar tei­len und sich für sie en­ga­gie­ren. Trotz gu­ter Vor­be­rei­tung reist ei­ne or­dent­li­che Por­ti­on Angst mit im Ge­päck: Si­mo­ne be­fürch­tet, sich auf ein Le­ben in gro­ßer Ar­mut und frem­der Kul­tur nicht ein­s­tel­len zu kön­nen.

Schwester Imelda Magway © Fritz Stark

Be­geis­tert: Schwes­ter Imel­da von Si­mo­nes Ar­beit. © Fritz Stark

Ih­re Sor­ge er­weist sich als un­be­grün­det. „Von An­fang an bin ich mit den Men­schen wun­der­bar zu­recht ge­kom­men. Ob­wohl sie so we­nig be­sit­zen, ha­ben sie al­les mit mir ge­teilt. Un­wahr­schein­lich, un­glaub­li­ch“, schwärmt sie. Aber dann fal­len ihr doch noch zwei Pro­b­le­me aus der Start­pha­se ein, die ihr spür­bar zu­ge­setzt ha­ben: An das an­ders­ar­ti­ge Es­sen ha­be sich ihr Ma­gen erst ei­ni­ge Zeit ge­wöh­nen müs­sen, er­in­nert sie sich. Ei­ne noch grö­ße­re Hür­de sei die Spra­che ge­we­sen: Die Hoff­nung, sich mit Eng­lisch durch­schla­gen zu kön­nen, er­weist sich näm­lich sehr bald als trü­ge­risch, da nur we­ni­ge Schü­ler des Aus­bil­dungs­zen­trums die Ko­lo­nial­spra­che be­herr­schen. Kur­z­ent­sch­los­sen dreht Si­mo­ne den Spieß um und lernt bin­nen drei Mo­na­ten Ki­sua­he­li.
In den All­tag von Ma­chui fin­det sie sich sch­nell ein: In der ers­ten Pha­se ih­res Ein­sat­zes auf San­si­bar un­ter­rich­tet sie die an­ge­hen­den Au­to­me­cha­ni­ker, Dach­de­cker und Ti­sch­ler in Deutsch, Eng­lisch und Ma­the­ma­tik. Ab Ja­nuar kon­zen­triert sie sich auf den Deutsch­un­ter­richt für die neu­en Ho­tel­fach­schü­ler. „Das ler­nen sie so­gar lie­ber als Eng­li­sch“, er­klärt Si­mo­ne, wo­bei of­fen bleibt, ob dies mit der Spra­chen­vor­lie­be der Schü­ler oder mit ih­rer Per­son zu tun hat. Ihr Lehr­s­til spricht sich je­den­falls sch­nell rund, so dass sich zu­sätz­lich ein Deutsch-Abend­kurs für 15 aus­wär­ti­ge In­ter­es­sen­ten bil­det. Hei­misch fühlt sie sich in Ma­chui auch des­halb sehr bald, weil sie pri­vat sch­nell An­schluss fin­det. Mit zwei an­de­ren Frau­en teilt sie sich ei­ne der sechs Ar­bei­ter­woh­nun­gen des Zen­trums, die au­ßer­halb des Schul­ge­län­des lie­gen. Da­mit lebt Si­mo­ne fast mit­ten im Dorf Ma­chui. Di­rek­ter Nach­bar ist die Fa­mi­lie Wam­bu­gu, die Si­mo­ne in ihr Herz sch­ließt. Va­ter Amos Wam­bu­gu, 41, ist zu­g­leich Aus­bil­dungs­lei­ter der der­zeit 51 Be­rufs­schü­ler im Zen­trum. Er ist be­geis­tert von Si­mo­nes Un­ter­richt: „Die Chan­cen un­se­rer Ho­tel­fach­schü­ler, nach der Aus­bil­dung ei­ne Stel­le zu fin­den, stei­gen durch die Sprach­kennt­nis­se, die Si­mo­ne ver­mit­telt, enor­m“, um­sch­reibt er den „ver­bes­ser­ten Markt­wer­t“, den sei­ne Schü­ler dank der Mis­sio­na­rin auf Zeit er­zie­len. „Hof­f­ent­lich krie­gen wir noch ein­mal ei­ne wie sie“, drückt er die Hoff­nung aus, dass das MaZ-Pro­jekt in Ma­chui durch ei­ne Nach­fol­ge­rin fort­ge­setzt wer­den kann.

Land und Leu­te Tan­sa­nias ken­nen­ler­nen

„Das be­son­de­re an der Auf­ga­be ist, dass ich viel mit den Ein­hei­mi­schen zu­sam­men ma­che“, be­sch­reibt Si­mo­ne ih­re Si­tua­ti­on in Ma­chui. Sie meint da­mit viel mehr als den Kon­takt mit den zu­meist gleichal­t­ri­gen Be­rufs­schü­l­ern des Zen­trums. Auf San­si­bar sch­ließt sie vie­le Freund­schaf­ten, die auch noch nach ih­rer Rück­kehr nach Deut­sch­land be­ste­hen blei­ben wer­den, ist Si­mo­ne über­zeugt. Zu­sam­men mit die­sen Freun­den ent­deckt sie in der schul­f­rei­en Zeit Land und Leu­te – sie be­reist nicht nur die In­sel, son­dern auch aus­gie­big das Fest­land Tan­sa­nias.

Missionarin auf Zeit Simone Buck © Fritz Stark

Be­liebt: Den Ho­tel­fach­schü­l­ern in Ma­chui ist Si­mo­ne eben­so Leh­re­rin wie Freun­din. © Fritz Stark

Die klei­ne Ge­mein­schaft der Mis­si­ons­schwes­tern vom Kost­ba­ren Blut in Ma­chui er­lebt Si­mo­ne hin­ge­gen kaum. Der Kon­takt zu den Schwes­tern, auf de­ren In­i­tia­ti­ve hin das Aus­bil­dungs­zen­trum vor 15 Jah­ren er­rich­tet wur­de, be­schränkt sich dar­auf, dass Si­mo­ne re­gel­mä­ß­ig am sonn­täg­li­chen Mit­ta­ges­sen im klei­nen Klos­ter teil­nimmt. Der Wert­schät­zung der Schwes­tern kann sie sich den­noch si­cher sein. „Un­se­re Er­fah­run­gen mit Mis­sio­na­rin­nen auf Zeit wie Si­mo­ne sind wun­der­bar und großar­tig. Ich hof­fe, es wer­den noch vie­le nach ihr kom­men!“, sagt Schwes­ter Imel­da Mag­way, 53.

Von der Herz­lich­keit be­rührt

Ei­ne wert­vol­le Er­kennt­nis, die Si­mo­ne aus San­si­bar mit­neh­men kann, ist ih­re neue Ein­stel­lung zum Is­lam. Hat­te sie zu­vor eher ein sch­lech­tes Bild von Mus­li­men, ge­hö­ren sie jetzt zu ih­ren bes­ten Freun­den. Ih­ren Sin­nes­wan­del in die­ser Fra­ge führt sie zu­rück „auf die Un­kennt­nis über den Is­lam, die wir in Eu­ro­pa ha­ben“. Ha­ben die Ru­fe des Mu­ez­zins sie an­fäng­lich noch ir­ri­tiert – „Mein Gott, was geht denn hier ab?“–, weiß sie in­zwi­schen, was die­se Ru­fe be­deu­ten. Mit ih­ren mus­li­mi­schen Freun­den hat sie viel über den Ko­ran ge­re­det und ist zu dem Schluss ge­kom­men, dass er sich gar nicht so sehr von der Bi­bel un­ter­schei­det. Nicht ein­mal die Brand­an­schlä­ge auf meh­re­re Kir­chen, die im Mai die In­sel er­schüt­ter­ten, konn­ten Si­mo­ne ein­schüch­t­ern: „Mei­ne mus­li­mi­schen Freun­de ha­ben mir die Hin­ter­grün­de er­klärt und ver­si­chert, dass es sich bei den Tä­t­ern um ei­ne klei­ne Min­der­heit von Fun­da­men­ta­lis­ten han­delt. Das hat mir die Angst ge­nom­men.“
Dem sch­lech­ten Bild von Afri­ka, das in Eu­ro­pa in den Me­di­en trans­por­tiert wer­de, will sie nach ih­rer Rück­kehr mit ih­ren Er­fah­run­gen „vom wir­k­li­chen Le­ben dor­t“ be­geg­nen. Vor al­lem die Herz­lich­keit und Of­fen­heit der Afri­ka­ner hat sie be­rührt: „Was ich ger­ne ver­mit­teln wür­de, ist ganz ein­fach: Der Un­ter­schied ist wir­k­lich nur die Far­be.“ Ei­ne Kon­se­qu­enz für ih­re Zu­kunft hat Si­mo­ne nach ih­rem Afri­ka-Au­f­ent­halt schon ge­zo­gen: Die Idee, Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten zu stu­die­ren und Beam­tin zu wer­den, hat sie ver­wor­fen. Statt­des­sen be­sucht sie ih­re ers­ten Vor­le­sun­gen an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth. Der Stu­di­en­gang heißt: Kul­tur und Ge­sell­schaft Afri­kas.

Von Franz Jus­sen

Zum Vi­deo: Si­mo­ne Buck - Ein Jahr auf San­si­bar

Wei­te­re In­fos zu MaZ:

www.dkmr.de/maz

www.mis­sio­na­rin-auf-zeit.de

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