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Wolfgang Scheidtweiler @ Franz Jussen

Von un­ech­ten Klös­t­ern hal­te ich nichts

Wolf­gang Scheidt­wei­ler ist Un­ter­neh­mer mit Herz. Er kauft Braue­rei­en und Fir­men auf, um
sie vor der In­sol­venz zu ret­ten. Bis­her im­mer mit Er­folg. Nun hat er ei­ne neue Pas­si­on.
Zu­sam­men mit ei­nem Or­dens­mann ret­tet „Mis­ter Gott­ver­trau­en“ drei al­te Klos­ter­an­la­gen.

Was um Got­tes Wil­len bringt ei­nen Men­schen da­zu, al­te Klös­ter zu kau­fen?

Wir er­wer­ben sie nicht, wir über­neh­men sie in Erb­pacht. Das Klos­ter muss letzt­lich dem Or­den oder der Kir­che er­hal­ten blei­ben. Vi­el­leicht brau­chen sie die Klos­ter­an­la­ge ir­gend­wann wie­der zu­rück. In den Ver­trä­gen steht, dass wir je­der­zeit wie­der aus­s­tei­gen, wenn das ge­wünscht wird – na­tür­lich ge­gen Er­stat­tung des­sen, was wir sub­stan­zi­ell er­neu­ert ha­ben.

Wie kam es da­zu, dass Sie gleich drei Klös­ter ret­ten wol­len?

Ge­ra­de in der Ei­fel, die st­reng ka­tho­lisch war und noch ein bis­schen ist, sind die Klös­ter be­son­de­re Or­te. Ich stam­me aus ei­ner ka­tho­li­schen Fa­mi­lie in der Ei­fel. Gott­ver­trau­en war und ist mein Le­bens­mo­tor, mein Halt auch in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen im Le­ben. Mit die­sem Gott­ver­trau­en ha­be ich die Sal­va­to­ria­ner an­ge­steckt, als im Klos­ter Stein­feld En­de 2014 ei­ne In­sol­venz ih­rer Bio­gas­an­la­ge droh­te. Die Pa­t­res woll­ten da­mals so­gar das Klos­ter auf­ge­ben und ver­kau­fen. Bin­nen 14 Ta­gen ha­ben der Pro­vin­zö­ko­nom der Sal­va­to­ria­ner, Pa­ter Lam­ber­tus Schildt, und ich ei­ne Lö­sung ge­fun­den und die In­sol­venz zu­rück­ge­dreht. Heu­te ge­hört al­les dem Or­den.

Was er­war­ten Sie da­für im Ge­gen­zug von den Or­den?

Mei­ne Be­din­gung für die Erb­pacht war: Von un­ech­ten Klös­t­ern hal­te ich nichts. Ich will nur ech­te Klös­ter mit ech­ten Or­dens­leu­ten. So konn­te ich die Sal­va­to­ria­ner über­zeu­gen, in Stein­feld zu blei­ben. In ei­nem zwei­ten Schritt ha­ben wir den di­rekt be­nach­bar­ten Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen das Klos­ter ab­ge­kauft. Nach­dem die Schwes­tern das Haus ver­las­sen ha­ben, steht nun fest, dass in die­sem Jahr die Trap­pis­tin­nen der Ab­tei Ma­ria Frie­den in Dah­lem ins Stein­fel­der Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen- Klos­ter zie­hen wer­den. Sch­ließ­lich ist in die­sem Jahr auch das Klos­ter Ma­ria­wald hin­zu­ge­kom­men, nach­dem die Trap­pis­ten­ge­mein­schaft dort auf­ge­löst wur­de. Für die Ab­tei bin ich aber noch auf der Su­che nach ei­nem Or­den. Aber ich sa­ge gleich da­zu: Ich kann nicht al­le Klös­ter ret­ten.

Wel­chen Plan ha­ben Sie? Wird ne­ben je­dem Klos­ter ein Golf­platz ent­ste­hen?

Nein, wir ha­ben mehr als 30 Jah­re Ho­tel und Ga­s­tro­no­mie­er­fah­rung. Un­ser Kon­zept für Stein­feld und Ma­ria­wald sind Gä­st­e­häu­ser. Die Men­schen su­chen heu­te sol­che Or­te mit be­son­de­rer Ge­schich­te und Aus­strah­lung. Die An­la­gen sind ein­fach ein Traum. Die­se Klös­ter nicht zu er­hal­ten, wä­re ei­ne Sün­de. In Stein­feld ha­ben wir bis heu­te be­reits meh­re­re Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert, und al­les hat sich bes­tens ge­fügt. Wir hat­ten bis zum Aus­bruch der Pan­de­mie phä­no­me­na­le Zah­len. Es ka­men Tau­sen­de Gäs­te als Wan­de­rer auf dem Ei­fel­s­teig, als Teil­neh­mer der Aka­de­mie-Ver­an­stal­tun­gen oder als Ta­gungs­gäs­te.

Al­so wol­len Sie viel Geld mit den Klös­t­ern ver­die­nen?

Ich bin kein In­ves­tor, der nur in­ves­tiert, um Geld zu ver­die­nen. Ich bin aber auch kein Mä­z­en, der das Geld, das er an an­de­rer Stel­le ver­di­ent, großz­ü­g­ig in al­tes Kul­tur­gut steckt. Ich bin Un­ter­neh­mer. Mein Ziel ist Nach­hal­tig­keit, ich will et­was er­hal­ten. Mir geht es dar­um, al­tes Kul­tur­gut über ei­nen Zei­traum hin­über­zu­ret­ten, in dem es ver­meint­lich nicht ge­braucht wird. Mir geht es um den Er­halt von Brau­kunst, Bur­gen, Schlös­sern oder jetzt erst recht auch Klös­t­ern. Zum Bei­spiel beim Bier: Bier braucht Hei­mat. Es muss da ge­braut wer­den, wo es her­kommt. Des­halb ret­te ich klei­ne und mitt­le­re Braue­rei­en. Mit der Be­wah­rung sol­cher Kul­tur­gü­ter kannst du kein sch­nel­les Geld ma­chen. Wir sind da­mit aber sehr er­folg­reich. „Geht nicht, gibt’s nich­t“, ist un­ser Mot­to. So wer­den wir auch die al­te Klos­ter­braue­rei in Stein­feld wie­der zum Le­ben er­we­cken.

Wie ge­hen Sie da­bei vor? Sie kön­nen nicht gleich­zei­tig in al­len Be­trie­ben sein.

Wir küm­mern uns um je­de Klei­nig­keit. Wir sind kei­ne Wir­te, wir sind Brau­er. Wir fra­gen uns: Wie hät­te ich es ger­ne als Gast, wenn ich hier sit­ze und es­se und trin­ke? Oder im Ho­tel: Wir tes­ten selbst die Ma­t­rat­zen und Bett­de­cken in un­se­ren Gäs­t­e­zim­mern. Wir fra­gen uns als Ver­brau­cher, wie er es gern hät­te. Das ist un­se­re Phi­lo­so­phie. Ich schie­le nie auf Ge­winn­mar­gen. Wir in­ves­tie­ren so viel wie nö­t­ig, da­mit es ein tol­les Haus wird. Dann läuft’s auch. Das geht, weil wir ein Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men sind, zu dem auch Toch­ter, Schwie­ger­sohn und Pa­ten­sohn ge­hö­ren. Es geht nur mit Fa­mi­lie und mit un­se­ren großar­ti­gen Mit­ar­bei­tern. Das trägt.

Gibt es auch ei­ne Art mis­sio­na­ri­sche Mo­ti­va­ti­on für Ihr En­ga­ge­ment?

Uns geht es bes­ser als 90 Pro­zent al­ler Men­schen. Un­se­re Ta­len­te zum Woh­le an­de­rer ein­zu­set­zen, das ist doch un­se­re Auf­ga­be. Wir un­ter­stüt­zen auf den Phi­l­ip­pi­nen das Fati­ma-Cen­ter mit ei­nem Kin­der­heim au­gus­ti­ni­scher Schwes­tern. Ich bin ein pas­sio­nier­ter Ro­ta­ri­er. Was übe­rall zählt, ist die Nächs­ten­lie­be. Mein Bru­der hat üb­ri­gens aus Dank­bar­keit für sein lan­ges Le­ben die Bru­der-Klaus-Ka­pel­le in Wa­chen­dorf von dem Schwei­zer Ar­chi­tek­ten Pe­ter Zumt­hor er­bau­en las­sen. Die Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung hat einst über die­ses Kunst­werk ge­schrie­ben, es sei der spi­ri­tu­ells­te Ort, der nach dem Zwei­ten Welt­krieg er­schaf­fen wur­de. Mit den Ein­nah­men aus den Füh­run­gen zur Ka­pel­le un­ter­stützt die Fa­mi­lie die In­di­en-Hil­fe.

Be­rei­tet Ih­nen die Co­ro­na-Pan­de­mie gro­ße Sor­gen?

Exis­tenz­angst ha­be ich nicht, ob­wohl ich sie vi­el­leicht ha­ben müss­te. Wir ha­ben durch Co­ro­na die Ar­beit von zwei bis drei Jah­ren ver­lo­ren. Aber die Welt dreht sich wei­ter. Ich ma­che mir vie­le Ge­dan­ken, was ich nach Co­ro­na als Un­ter­neh­mer an­ders ma­chen muss. Wir ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen ho­hen Mil­lio­nen­be­trag we­ni­ger Um­satz ge­macht. Das ist viel Geld. Wir ha­ben zwar staat­li­che Hil­fen be­an­tragt und er­hal­ten, le­ben aber von der Sub­stanz. Wir muss­ten bis­her kei­nen un­se­rer 700 Mit­ar­bei­ter ent­las­sen. Die Pl­an­lo­sig­keit der Po­li­tik ver­un­si­chert die Leu­te. Jetzt kommt noch der Wahl­kampf da­zu … Aber ir­gend­wie geht es wei­ter. Es ist wie bei den Vö­geln des Him­mels: Sie säen nicht, sie ern­ten nicht, aber der Va­ter er­nährt sie trotz­dem (vgl. Mt 10,29).

In­ter­view und Fo­tos: Franz Jus­sen

Wolfgang Scheidtweiler und Ehefrau Andrea @ Franz Jussen

Zur Per­son

Wolf­gang Scheidt­wei­ler, 74, ist Bier­brau­er, Di­p­lom-Brau­meis­ter und Di­p­lom-In­ge­nieur. Die Scheidt­wei­ler-Grup­pe sei­ner Fa­mi­lie be­t­reibt zwi­schen Kon­stanz und der Ei­fel meh­re­re Braue­rei­en und Ho­tels so­wie ei­nen his­to­ri­schen Ga­so­me­ter mit ei­nem 360-Grad-Pan­ora­ma. Der in Go­des­berg ge­bo­re­ne Scheidt­wei­ler ist im Ei­fe­l­ort Wa­chen­dorf auf­ge­wach­sen und lebt mit sei­ner Frau And­rea, die er wäh­rend des Stu­di­ums in Wei­hen­ste­phan ken­nen­lern­te, in Pforz­heim. Sie ist die gu­te See­le an sei­ner Sei­te: „Oh­ne sie wä­re ich das al­les nich­t“, sagt Wolf­gang Scheidt­wei­ler.

Zu­rück zur Nach­rich­ten­über­sicht Ju­li/Au­gust 2021

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