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Der Erzbischof von Accra, Charles G. Palmer-Buckle. Foto: KNA

Erz­bi­schof Char­les Pal­mer-Buck­le. Fo­to: KNA

„Ein­wan­de­rern die Tü­re öff­nen“

In­ter­view mit Erz­bi­schof Char­les Pal­mer-Buck­le von Ac­c­ra

22.01.2014 - Für ge­mein­sa­me glo­ba­le An­st­ren­gun­gen ge­gen die be­schä­m­en­den Flücht­ling­s­tra­gö­d­i­en und ge­gen ei­ne „Glo­ba­li­sie­rung der Gleich­gül­tig­keit“ ruft der Erz­bi­schof von Ac­c­ra, Char­les G. Pal­mer-Buck­le, im kon­ti­nen­te-In­ter­view auf. Der Me­tro­po­lit aus Gha­na war ei­ni­ge Ta­ge Gast im In­sti­tut St. Do­mi­ni­kus in Spey­er.

Die Hoff­nun­gen vie­ler afri­ka­ni­scher Chris­ten, ein Afri­ka­ner kön­ne zum Papst ge­wählt wer­den, ha­ben sich beim jüngs­ten Kon­kla­ve nicht er­füllt. Hat sich Afri­kas Kir­che den­noch mit dem Latei­na­me­ri­ka­ner Fran­zis­kus an­f­reun­den kön­nen?


Es hat Sie vi­el­leicht über­rascht, dass die meis­ten, die beim letz­ten Kon­kla­ve auf ei­nen afri­ka­ni­schen Bi­schof ge­hofft hat­ten, kei­ne Afri­ka­ner wa­ren. Ich kann Ih­nen sa­gen, dass die meis­ten, die mit mir von ih­ren Er­war­tun­gen ge­spro­chen ha­ben, Eu­ro­päer wa­ren. Tat­säch­lich hat­ten das eu­ro­päi­sche und an­de­re aus­län­di­sche Me­di­en mit vie­len In­ter­views über Kar­di­nal Pe­ter Turk­son von Gha­na er­reicht. Das mag na­tür­lich auch in Afri­ka Hoff­nun­gen ge­weckt ha­ben. Aber ich kann ih­nen ver­si­chern, dass die meis­ten von uns in der Kir­che von Afri­ka für je­den, den Gott be­stim­men wür­de, be­reit wa­ren. Des­we­gen be­te­ten wir ge­mein­sam mit der Welt­kir­che um das Licht des Hei­li­gen Geis­tes, da­mit er das Kon­kla­ve bei sei­nen Über­le­gun­gen und Ent­schei­dun­gen füh­ren wür­de.
Als Papst Fran­zis­kus aus Ar­gen­ti­ni­en ge­wählt wur­de, freu­ten wir uns mit der Welt­kir­che und seit­dem ste­hen wir hin­ter ihm und un­ter­stüt­zen ihn nach Kräf­ten mit un­se­rer Lie­be und mit un­se­rem Ge­bet und wir wer­den sei­ner Lei­tung als Hir­ten und als Stell­ver­t­re­ter Chris­ti in De­mut fol­gen.

Papst Fran­zis­kus bringt nach un­se­rem ers­ten Ein­druck fri­schen Wind in die Kir­che. Wird das in Afri­ka eben­so emp­fun­den?

Papst Fran­zis­kus bläst be­stimmt wie ein fri­scher Wind durch die Kir­che und in die Welt hin­ein mit sei­ner vä­t­er­li­chen und pa­s­to­ra­len Hal­tung ge­gen­über sei­ner gro­ßen Auf­ga­be. Er fühlt sich be­ru­fen,„sei­ne Brü­der und Schwes­tern im Glau­ben zu stär­ken“. Wir in Afri­ka lie­ben ihn so, wie wir den eme­ri­tier­ten Papst Be­ne­dikt XVI. ge­liebt ha­ben, vor al­lem we­gen sei­ner Hal­tung ge­gen­über den Ar­men und Kran­ken, ge­gen­über den Al­ten, den Aus­ge­g­renz­ten und den Flücht­lin­gen und ge­gen­über al­len, die in der Ge­sell­schaft be­nach­tei­ligt wer­den, und sei­ner Sor­ge für sie. Das wird deut­lich durch sei­nen Be­such bei den Mi­gran­ten und den Flücht­lin­gen auf der In­sel Lam­pe­du­sa und in Ge­fäng­nis­sen und durch sei­nen un­auf­hör­li­chen Auf­ruf zu Frie­den und zu ge­walt­lo­sen Lö­sun­gen bei Kri­sen an Or­ten wie Sy­ri­en, Ägyp­ten etc.

Gha­na ist – zu­min­dest aus eu­ro­päi­scher Sicht – ein afri­ka­ni­sches Mus­ter­land mit de­mo­k­ra­ti­scher Vor­bild­funk­ti­on. Die „Gold­küs­te“ ist zu­dem ein rei­ches Land. Wie kommt es, dass den­noch die Sche­re zwi­schen Arm und Reich so weit au­s­ein­an­der­klafft?

Ja, Gha­na war in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten sie­ben­mal an den Wahl­ur­nen und hat je­des Mal fried­lich ei­ne de­mo­k­ra­ti­sche Re­gie­rung ge­wählt. Selbst wenn die Er­geb­nis­se strit­tig wa­ren, hat Gha­na doch im­mer der Herr­schaft von Ge­setz und Recht den Vor­zug ge­ge­ben und hat die Ent­schei­dun­gen des Obers­ten Ge­richts­ho­fes ak­zep­tiert. Das zeigt, dass die Kul­tur von De­mo­k­ra­tie und gu­ter Re­gie­rungs­ge­walt all­mäh­lich zur Nor­ma­li­tät wird. Da­für dan­ken wir Gott. Na­tür­lich hof­fen wir, dass die Struk­tu­ren ei­ner gu­ten Re­gie­rungs­ge­walt und die po­li­ti­schen und de­mo­k­ra­ti­schen In­sti­tu­tio­nen im­mer stär­ker wer­den, so dass das Wohl al­ler in Gha­na ge­si­chert ist, vor al­lem das Los der Ar­men. Sie lei­den durch skru­pel­lo­se Men­schen, die die Schlupflöcher in den Ge­set­zen und die Schwäche der so­zia­len und wirt­schaft­li­chen In­sti­tu­tio­nen auf Kos­ten der Ar­men aus­nüt­zen. Der Kampf ge­gen die Kor­rup­ti­on wird im jet­zi­gen de­mo­k­ra­ti­schen Sys­tem im­mer schwie­ri­ger. Aber wir kön­nen den Weg zur De­mo­k­ra­tie und zu ei­ner gu­ten Re­gie­rungs­ge­walt nicht ver­las­sen. Nur so kön­nen wir si­cher­s­tel­len, dass der gro­ße Reich­tum, den Gott Gha­na ge­schenkt hat, ge­recht ver­teilt wird.

2010 ha­ben Sie in ei­nem kon­ti­nen­te-In­ter­view be­klagt, dass Eu­ro­pa sich iso­lie­ren will und sei­ne Gren­zen dicht macht. Sie ha­ben die Men­schen in Eu­ro­pa so­gar an­ge­f­leht, „sich nicht ein­zu­sch­lie­ßen und uns aus­zu­sch­lie­ßen!“ Füh­len Sie sich durch die tra­gi­schen Er­eig­nis­se vor Lam­pe­du­sa auf trau­ri­ge Wei­se in Ih­ren Be­fürch­tun­gen be­stä­tigt?

Ja, Sie wer­den sich da­ran er­in­nern, es war trau­rig, dass Eu­ro­pa all­mäh­lich zur Fes­tung wur­de und sich ge­gen­über den Ar­men und Aus­ge­sto­ße­nen der Mensch­heit, vie­len da­von aus Afri­ka, ver­sch­loss. Die Tra­gö­d­i­en, die sich wei­ter­hin im Mit­tel­meer ab­spie­len, vor al­lem kürz­lich die Er­eig­nis­se vor der In­sel Lam­pe­du­sa, ha­ben lei­der be­stä­tigt, was ich 2010 ge­sagt ha­be. Lö­sun­gen für die­se Tra­gö­d­i­en kön­nen heu­te nur auf glo­ba­ler Ebe­ne ge­fun­den wer­den, nicht al­lein von Eu­ro­pa und auch nicht von afri­ka­ni­schen Län­dern oder Län­dern des Mitt­le­ren Os­tens. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben die afri­ka­ni­schen Bi­sc­hö­fe durch SE­CAM (die Bi­schofs­kon­fe­ren­zen von Afri­ka und Ma­da­gas­kar), mit den Wor­ten von Papst Fran­zis­kus, ei­nen Auf­ruf ge­gen „die Glo­ba­li­sie­rung der Gleich­gül­tig­keit“ an die gan­ze Welt ge­rich­tet. Die Pres­se macht die afri­ka­ni­schen Re­gie­run­gen, die sol­che un­er­träg­li­chen po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Be­din­gun­gen her­ge­s­tellt ha­ben, da­für ver­ant­wort­lich, dass man­che Mi­gran­ten und Flücht­lin­ge da­vor flo­hen und so in die Tra­gö­d­i­en auf See ge­rie­ten. Ge­mein­sa­me glo­ba­le An­st­ren­gun­gen sind not­wen­dig, um nach nach­hal­ti­gen Lö­sun­gen für die­se be­schä­m­en­den Tra­gö­d­i­en zu su­chen. Zu­erst ist die afri­ka­ni­sche Uni­on (AU) auf­ge­ru­fen, „die po­li­ti­schen Füh­rer der Län­der in Afri­ka auf­zu­for­dern, sich für De­mo­k­ra­tie und gu­te Re­gie­run­gen ein­zu­set­zen, und vor al­lem das Le­ben und die In­ter­es­sen ih­rer Bür­ger zu schüt­zen.“ Dann wird im be­son­de­ren Eu­ro­pa auf­ge­ru­fen, „sei­ne Ein­wan­de­rungs­ge­set­ze zu über­den­ken und die­se Ein­wan­de­rer mit mehr Mit­ge­fühl zu be­han­deln“, weil es nö­t­ig ist, „den Ein­wan­de­rern die Tür zu öff­nen, da­mit sie sich auf le­ga­le Wei­se nie­der­las­sen kön­nen.“

Da­mals äu­ßer­ten Sie auch ho­he Er­war­tun­gen an die Zwei­te Afri­ka-Syno­de, die 2009 in Rom statt­ge­fun­den hat. Ha­ben sich Ih­re Er­war­tun­gen in­zwi­schen er­füllt?

Die Zwei­te Son­der­sit­zung für Afri­ka der Bi­schofs­syno­de, die 2009 in Rom statt­fand, be­schäf­tig­te sich mit den Übeln und dem Leid, das Afri­ka durch sch­lech­te und un­de­mo­k­ra­ti­sche Re­gie­run­gen und eben­so durch rei­che In­du­s­trie­län­der, in still­schwei­gen­der Dul­dung mit mul­ti­na­tio­na­len und über­na­tio­na­len In­sti­tu­tio­nen und Agen­tu­ren, zu­ge­fügt wur­de. Un­ser Hei­li­ger Va­ter, der eme­ri­tier­te Papst Be­ne­dikt XVI., sch­loss sich den Sor­gen der afri­ka­ni­schen Kir­chen­vä­ter an und schlug nach der Syno­de in der Apo­s­to­li­schen Er­mah­nung „Af­ri­cae Mu­nus“ vor, wie die Kir­che von Afri­ka „das Salz der Er­de und das Licht für die Wel­t“ wer­den könn­te und wer­den soll­te, im Kon­text der Neu­en Evan­ge­li­sa­ti­on, da­mit in Afri­ka ei­ne bes­se­re Welt für al­le ent­ste­hen wür­de. Jetzt liegt es an uns, be­son­ders an den Lei­tern der Kir­che in Afri­ka, den Auf­ruf des Hei­li­gen Va­ters auf­zu­neh­men und aus der Kir­che in Afri­ka wir­k­lich ei­ne Got­tes­fa­mi­lie zu ma­chen. Nicht nur das, son­dern wir­k­lich „ei­ne der geist­li­chen Lun­gen der Mensch­heit“ zu wer­den, wie Be­ne­dikt XVI. in der oben ge­nann­ten Er­mah­nung sagt. In Afri­ka sind wir nun da­bei, die­se Er­mah­nung „Af­ri­cae Mu­nus“ ge­nau zu stu­die­ren und die pa­s­to­ra­len Bil­dung­s­pro­gram­me um­zu­set­zen, die nö­t­ig sind, da­mit die pro­phe­ti­sche Vi­si­on des Pon­tifex für die Kir­che in Afri­ka, und na­tür­lich zum Wohl der gan­zen Welt, sich er­fül­len kann.

Mit Sor­ge be­trach­ten vie­le Be­o­b­ach­ter das Vor­drin­gen ei­nes fun­da­men­ta­lis­ti­schen Is­lams in We­st­afri­ka. Wie stark ist Gha­na da­von be­trof­fen?

Das Pro­b­lem und die Ge­fah­ren ei­nes re­li­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­mus in We­st­afri­ka rüh­ren nicht nur vom Is­lam her. Die Sa­che ist kom­ple­xer. Lei­der steht in den Me­di­en oft mehr über be­stimm­te Ele­men­te, die be­haup­ten, dass sie is­la­misch sind, in Ni­ge­ria und in Ma­li und seit kur­zem in Ke­nia. Man­che die­ser fun­da­men­ta­lis­ti­schen Ver­hal­tens­wei­sen ha­ben his­to­ri­sche Wur­zeln. Es sind Re­ak­tio­nen auf wirt­schaft­li­che und so­zia­le Her­aus­for­de­run­gen, auf in­ter­kul­tu­rel­le Tren­nun­gen, auf das Feh­len ei­nes Dia­logs und ei­ner Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den Re­li­gio­nen. Sch­lech­te Re­gie­run­gen, kor­rup­te po­li­ti­sche Sys­te­me und die of­fe­ne Aus­beu­tung durch rei­che und mäch­ti­ge Lob­bys, oft still­schwei­gend un­ter­stützt durch west­li­che Wirt­schaft­be­din­gun­gen, spie­len auch ei­ne sehr gro­ße Rol­le beim Ent­ste­hen die­ser ex­t­re­mis­ti­schen Ten­den­zen, vor al­lem bei den vie­len afri­ka­ni­schen Ju­gend­li­chen, die trotz gu­ter aka­de­mi­scher und be­ruf­li­cher Qua­li­fi­ka­tio­nen kei­ne Ar­beit fin­den. Von die­sen hört man in Gha­na nichts, aber das Land lei­det mit un­se­ren Nach­barn in Ni­ge­ria, Ma­li, im Süd­s­u­dan et c. mit. Aber wer hät­te sich vor­s­tel­len kön­nen, was in Nai­ro­bi, in Ke­nia pas­siert ist, wo ein ho­her Re­gie­rungs­beam­ter aus Gha­na un­ter den Op­fern war! Gha­na muss in Alarm­be­reit­schaft sein, be­son­ders im Hin­blick auf die Ju­gend.

Die Schwes­tern des Speye­rer In­sti­tuts St. Do­mi­ni­kus ha­ben 2012 Gha­na nach mehr als 50 Jah­ren ver­las­sen und ih­re Kran­ken­häu­ser, Ba­sis­ge­sund­heits­di­ens­te so­wie Schu­len in an­de­re kirch­li­che Hän­de über­ge­ben. Ist dies auch ein In­diz für die Ein­hei­misch-Wer­dung der Kir­che?

Ich per­sön­lich muss den Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen aus Spey­er dan­ken und ih­ren vie­len Wohl­tä­t­ern, die ih­nen wäh­rend der 50 Jah­re, die sie in den Mis­sio­nen in Ak­wa­tia und in Bat­tor in Gha­na ar­bei­te­ten, ge­hol­fen ha­ben, un­ter der Schirm­herr­schaft der Ka­tho­li­schen Bi­s­tü­mer von Ac­c­ra und Ko­fo­ri­dua. Wir ste­hen tief in der Schuld der Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen von Spey­er, des Bis­tums Spey­er und der Kir­che in Deut­sch­land we­gen die­ser 50 op­fer­rei­chen Jah­re. Nach mehr als 50 Jah­ren der mis­sio­na­ri­schen Ar­beit ha­ben sie zwei gut aus­ge­stat­te­te Kran­ken­häu­ser, ei­ne erst­klas­si­ge Ober­schu­le für Mäd­chen und ei­ne Men­ge an­de­rer Hilf­s­ein­rich­tun­gen, wie die Kran­ken­ver­sor­gung in der Re­gi­on und wei­te­re pa­s­to­ra­le Ein­rich­tun­gen zu­rück­ge­las­sen. Wir sind da­für wir­k­lich sehr dank­bar.

Die Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen hat­ten sich be­wusst ent­schie­den, kei­nen „Nach­wuchs“ in Afri­ka für ih­re ei­ge­ne Ge­mein­schaft zu su­chen. Statt­des­sen ha­ben sie den Auf­bau ei­ner diöze­sa­nen Schwes­tern-Kon­g­re­ga­ti­on un­ter­stützt. War das im Nach­hin­ein ge­se­hen ei­ne rich­ti­ge Ent­schei­dung?

Es ist mir be­wusst, dass es ein Wunsch­traum des da­ma­li­gen Bi­schofs von Ac­c­ra, Jo­seph Oli­ver SVD, war, der die Schwes­tern aus Spey­er ein­lud, und dass die Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen von Spey­er ihm hel­fen soll­ten, Kran­ken­häu­ser und Schu­len auf­zu­bau­en, die von der Kir­che am Ort über­nom­men wer­den soll­ten. Und ge­nau das voll­brach­ten die Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen aus Spey­er wäh­rend der 50 Jah­re ih­rer Mis­si­on in Gha­na. Sie nutz­ten nicht die Mög­lich­keit aus, Be­ru­fun­gen für sich selbst an­zu­wer­ben, ob­wohl vie­le jun­ge Mäd­chen dar­um ba­ten, sich ih­rer Kon­g­re­ga­ti­on und ih­rem Apo­s­to­lat an­sch­lie­ßen zu dür­fen. Das St. Do­mi­nic Ho­spi­tal und die St. Ro­se’s Ober­schu­le in Ak­wa­tia sind nun in der Ver­ant­wor­tung der Ka­tho­li­schen Diöze­se von Ko­fo­ri­dua, und das Ca­tho­lic Ho­spi­tal in Bat­tor un­ter­steht der Erz­diöze­se von Ac­c­ra. In bei­den Diöze­sen ha­ben nun die „Hand­maids of the Di­vi­ne Re­dee­mer“ (Die­ne­rin­nen des Gött­li­chen Er­lö­sers), ei­ne ört­li­che Kon­g­re­ga­ti­on von Or­dens­schwes­tern, die 1957 von Bi­schof Bo­wers ge­grün­det wur­de, die Rol­le der Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen in die­sen bei­den Kran­ken­häu­s­ern und in den Ein­rich­tun­gen über­nom­men und sie tun ihr Bes­tes, un­ter der Auf­sicht der Bi­sc­hö­fe, für die Kran­ken­ver­sor­gung und für die Aus­bil­dung jun­ger Mäd­chen in die­sen In­sti­tu­tio­nen.
Das ist der rich­ti­ge mis­sio­na­ri­sche Geist: Die Mis­sio­na­re ge­hen an ei­nen Ort, bie­ten sich für den not­wen­di­gen Di­enst an, bau­en Struk­tu­ren auf, bil­den die ört­li­che Kir­che auf, da­mit die­se die Ar­beit ein­mal über­neh­men kann, und über­ge­ben dann die Lei­tung an die lo­ka­le Be­völ­ke­rung, die da­für aus­ge­bil­det wor­den ist. Aber die Er­in­ne­rung an die Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen wird im­mer er­hal­ten blei­ben. Ihr Op­fer ist sicht­bar ein­gra­viert in die bei­den gro­ßen und wich­ti­gen Kran­ken­häu­ser und in ei­ne Mäd­chen­schu­le, die sie der Kir­che von Gha­na hin­ter­las­sen ha­ben. Die Großz­ü­g­ig­keit der deut­schen Kir­che und ih­rer Wohl­tä­ter, die die Vi­si­on von Bi­schof Bo­wers (der im ver­gan­ge­nen No­vem­ber ge­s­tor­ben ist) ver­wir­k­licht ha­ben, kann nie­mals aus­ge­merzt wer­den.
Ich weiß, dass die Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen, die Do­mi­ni­ka­ni­sche Kon­g­re­ga­ti­on und die Diöze­se von Spey­er sich auch jetzt noch wei­ter en­ga­gie­ren und al­les tun, um die Diöze­sen von Ac­c­ra und Ko­fo­ri­dua und be­son­ders die Hand­maids of the Di­vi­ne Re­dee­mer zu un­ter­stüt­zen, da­mit sie die gu­te mis­sio­na­ri­sche Ar­beit fort­set­zen kön­nen. Ich kann nur ver­sp­re­chen, dass sie das ho­he Ni­veau, den rei­nen Op­fer­geist und Op­fer­di­enst, den die Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen von Spey­er uns ge­lehrt ha­ben, bei­be­hal­ten wer­den.

Wie steht es um die Zahl der Be­ru­fun­gen in Ih­rem Land? Ist vor al­lem auch das Or­dens­le­ben ei­ne Op­ti­on für jun­ge Afri­ka­ner und Afri­ka­ne­rin­nen?

Wir ha­ben vie­le Be­ru­fun­gen für das Pries­ter­amt und für das Or­dens­le­ben. Das zei­ge ich gern an Zah­len auf: Am 17. Au­gust 2013 durf­te ich 23 jun­gen Män­nern die Pries­ter­wei­he spen­den, 22 da­von ge­hö­ren Or­dens­kon­g­re­ga­tio­nen an. Die meis­ten von ih­nen sind be­stimmt für die Mis­sio­nen in Asi­en, Eu­ro­pa, Latei­na­me­ri­ka, USA und für ei­ni­ge an­de­re afri­ka­ni­sche Län­der. Im sel­ben Mo­nat leg­ten drei jun­ge Frau­en in der Kon­g­re­ga­ti­on der Hand­maids of the Di­vi­ne Re­dee­mer (HDR) ih­re Ewi­gen Gelüb­de ab, von de­nen ei­ni­ge nun in USA ar­bei­ten. Zwei an­de­re jun­ge Frau­en leg­ten ih­re Ewi­gen Gelüb­de in der Kon­g­re­ga­ti­on der „Sis­ters of the Ho­ly Spi­rit“ (Schwes­tern des Hei­li­gen Geis­tes) ab, eben­falls in mei­ner Erz­diöze­se. Sie sol­len auch in die Mis­si­on ge­schickt wer­den. Ich weiß, dass ei­ni­ge ih­rer Or­dens­schwes­tern im Süd­s­u­dan, in Ja­mai­ka et c. ar­bei­ten.
Wir müs­sen Gott wir­k­lich da­für dan­ken, dass es in Gha­na so vie­le jun­ge Frau­en und Män­ner gibt, die Ja zu Chris­tus und zur Kir­che sa­gen und die in Mis­si­ons­or­den und Or­dens­kon­g­re­ga­tio­nen ein­t­re­ten. Un­ser größ­tes Pro­b­lem be­steht da­rin, ge­nü­gend Aus­bil­dung­s­ein­rich­tun­gen und Pro­gram­me ein­zu­rich­ten, um die Kan­di­da­ten für das Pries­ter­tum, für das Or­dens­le­ben, für Ge­weih­tes Le­ben und auch für die Mis­si­ons­ar­beit im Geis­te der Neu­en Evan­ge­li­sie­rung vor­zu­be­rei­ten, wo auch im­mer die uni­ver­sa­le Kir­che ih­ren Di­enst braucht. Wir müs­sen auch un­se­re ka­tho­li­schen Fa­mi­li­en und ih­re Kin­der sehr gut und ein­drück­lich im Glau­ben aus­bil­den. Wenn die Fa­mi­li­en gut aus­ge­bil­det und im ka­tho­li­schen Glau­ben ver­wur­zelt sind, ern­tet die Kir­che im­mer gu­te Be­ru­fun­gen für die Ehe und für das Fa­mi­li­en­le­ben, wie auch für das Pries­ter­tum und den Mis­si­ons­di­enst und das Or­dens­le­ben.

Im­mer mehr afri­ka­ni­sche Pries­ter und Or­dens­leu­te ge­hen als Mis­sio­na­re nach Eu­ro­pa. Wel­che neu­en Ide­en kön­nen sie der al­ten Kir­che brin­gen?

Die Kir­che in Afri­ka ver­dankt der Kir­che in Eu­ro­pa sehr viel, be­son­ders we­gen der Mis­sio­na­re auf un­se­rem Kon­ti­nent, die gro­ße Op­fer brach­ten, die Her­aus­for­de­run­gen an ih­re Ge­sund­heit und an ihr per­sön­li­ches Woh­l­er­ge­hen an­nah­men, um da­bei zu hel­fen, den ka­tho­li­schen Glau­ben fest in un­serm Volk ein­zupflan­zen. Nach den neu­es­ten Welt-Sta­tis­ti­ken wächst die Kir­che in Afri­ka sehr sch­nell, tat­säch­lich am al­ler­sch­nells­ten. Das gibt deut­lich Zeug­nis von der gu­ten Ar­beit der frühe­ren Mis­sio­na­re und be­weist, dass die Saat des Glau­bens, den sie aus­sä­ten, gut war. Es gibt kaum noch ein Land und vi­el­leicht auch kei­ne eu­ro­päi­sche Diöze­se mehr, die nun kei­ne afri­ka­ni­schen Pries­ter und Or­dens­leu­te in der Lan­des­kir­che hät­te. Ei­ni­ge Afri­ka­ner ma­chen auch in Eu­ro­pa ei­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dung oder sind dort ge­wis­ser­ma­ßen als „fidei do­num“ (ein Glau­bens­ge­schenk) von der Kir­che in Afri­ka. Wir sind glück­lich und stolz dar­auf, dass wir der Kir­che in Eu­ro­pa et­was von dem zu­rück­ge­ben kön­nen, was sie uns wäh­rend 500 Jah­ren ih­rer Mis­si­ons­ar­beit ge­schenkt hat.

Wel­che neu­en Ide­en kann die jun­ge Kir­che von Afri­ka der al­ten Kir­che von Eu­ro­pa brin­gen?

An al­le­r­ers­ter Stel­le die Ein­sicht, dass die mis­sio­na­ri­sche Be­ru­fung kei­ne Ein­bahn­stra­ße in nur ei­ner Rich­tung, näm­lich von Eu­ro­pa nach Afri­ka, ist; es ist im­mer ein Ge­ben und Neh­men. Die Kir­che in Afri­ka sprüht von Le­ben in ih­ren li­tur­gi­schen Fei­ern des Glau­bens und des Le­bens, trotz der Pro­b­le­me von Ar­mut und Man­gel. Wir sind be­reit, mit Eu­ro­pa zu tei­len, wie es im ers­ten Pe­trus­brief heißt (3,14): „Seid im­mer be­reit, je­dem Re­de und Ant­wort zu ste­hen, der nach der Hoff­nung fragt, die euch er­füllt….“ Ja, Chris­tus schenkt uns die Hoff­nung, die Schwie­rig­kei­ten des Le­bens zu be­wäl­ti­gen, und wenn wir das nicht kön­nen, ha­ben wir die Kraft, un­ser Kreuz mit der Hil­fe von Chris­tus Je­sus zu tra­gen. Ich freue mich dar­über, dass nun so vie­le Pries­ter und Or­dens­leu­te aus Afri­ka in Eu­ro­pa ar­bei­ten und sehr gut auf­ge­nom­men wor­den sind. Was der eme­ri­tier­te Papst Be­ne­dikt XVI. pro­phe­zeit hat, näm­lich dass „die Kir­che von Afri­ka ei­ne der geist­li­chen Lun­gen der Mensch­heit sein kan­n“, ge­schieht jetzt ge­nau so. Die Kir­che von Afri­ka und ih­re Mis­sio­na­re brin­gen in die Kir­che in Eu­ro­pa und Ame­ri­ka ei­nen neu­en Le­ben­sa­tem.
In Afri­ka ge­schieht ein neu­es Pfings­ten, das wir nicht für uns be­hal­ten kön­nen. Gott hat es uns ge­ge­ben, so dass wir auch et­was da­von an un­se­re Mut­ter-Kir­chen in Eu­ro­pa und Ame­ri­ka ge­ben kön­nen. Es muss aber ge­sagt wer­den, dass Mis­si­on nicht nur in ei­ne Rich­tung geht. Wir sind im­mer noch froh, wenn eu­ro­päi­sche Pries­ter und Or­dens­leu­te nach Afri­ka kom­men, wäh­rend wir selbst auch nach Eu­ro­pa ge­hen. Ich mei­ne, dass das un­ser Glau­bens­be­kennt­nis be­tont, das wir am Sonn­tag sp­re­chen: „Ich glau­be an die ei­ne ka­tho­li­sche und apo­s­to­li­sche Kir­che“! Zum Ka­tho­lisch­sein ge­hört es, dass man sei­ne Ga­ben mit­ein­an­der teilt! Die Kir­che von Eu­ro­pa hat mit uns ge­teilt. Da­für sind die Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen von Spey­er ein Bei­spiel, für das wir dank­bar sind. Jetzt ge­ben wir et­was vom Uns­ri­gen und be­ten, dass es heu­te und in die­ser Zeit der neu­en Evan­ge­li­sie­rung zur Er­neue­rung der Kir­che et­was bei­tra­gen wird.

Das In­ter­view führ­te Schwes­ter Yvon­ne Sch­mitt OP.


Das Interview entnehmen wir dem Eigenteil des Institutes St. Dominikus Speyer. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

Zur Web­sei­te des In­sti­tu­tes St. Do­mi­ni­kus


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