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Das är­gert mich

Me­ga-Event Erst­kom­mu­ni­on

Al­le Jah­re wie­der... so ein Thea­ter! Auf­ge­b­re­zel­te Neun­jäh­ri­ge zie­hen mit ver­husch­tem Blick Rich­tung Al­tar. Trotz Film- und Fo­to­ver­bot wird ih­re Pro­zes­si­on von stol­zen Vä­t­ern und über­dreh­ten Tan­ten – „ach, ist der süß!“ – hun­dert­fach mit Smart­pho­ne fest­ge­hal­ten. Es ist Wei­ßer Sonn­tag. Bloß kein fal­scher Schritt, bloß kein Wachs­f­leck auf dem Kleid. Heu­te soll al­les per­fekt sein.


Frie­de, Freu­de, Ei­er­ku­chen – der fei­er­li­che Got­tes­di­enst bie­tet die per­fek­te Ku­lis­se zum Fest. Die vol­le Kir­che sug­ge­riert Ge­mein­schaft, we­nigs­tens ein­mal im Jahr. Ver­ges­sen, oder zu­min­dest ver­drängt, sind die hef­ti­gen Au­s­ein­an­der­set­zun­gen im Vor­feld. Da mu­tier­te ei­ne Ka­te­che­tin, die noch in der Grup­pen­stun­de zu­vor zum The­ma „Ich- und Du-Men­sch“ ge­spro­chen hat, zur Fu­rie, weil sie nicht die ge­wünsch­ten Sitz­plät­ze in der Kir­che er­hält. Da prob­ten El­tern den Auf­stand, weil ihr Spröss­ling mit dem „Pro­b­lem­kin­d“ aus der Nach­bar­schaft in ei­ne Vor­be­rei­tungs­grup­pe kam.

Ich will den bes­ten Platz. Ich will den lus­tigs­ten Ka­te­che­ten! Ich will, dass die Mes­se um zehn Uhr be­ginnt, nicht um halb zehn. Ich will ...!!! Nichts ka­piert, wür­de ich sa­gen. Wor­um geht es bei der Fei­er der Erst­kom­mu­ni­on ei­gent­lich? Kir­che ist doch kein Di­enst­leis­tungs­un­ter­neh­men, das die nar­ziss­ti­schen Wün­sche sei­ner Kli­en­ten be­frie­di­gen muss. Die Zahl de­rer, die die Kin­der beim Sin­gen von „Die Er­de ist sc­hön“ mit ih­rer Stim­me un­ter­stüt­zen, kann ich an ei­ner Hand ab­zäh­len. Und in mei­nen Är­ger mischt sich Trau­rig­keit. 


Von Eva-Ma­ria Wer­ner



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Hildegard Jösch aus Meudt: Auch ich kann diesen Artikel unterschreiben. Heute, 2. Sonntag, nach der Erstkommunionfeier war von 11 Kommunionkindern noch eins im Gottesdienst. Von den Kommunionkindern werden zwei Jungs Messdiener, Gott sei Dank. Es möchten mehr Kinder Messdiener werden, wird aber von den Eltern (Müttern nicht erlaubt), da man ja dann Sonntags aufstehen muss oder evtl. Aktivitäten ausfallen lassen muss. Das ich nicht lache, wenn es nicht so ernst wäre. Kinder sind auch heute zu begeistern für den Glauben, doch leider haben die Mehrzahl der Eltern vergessen, was Glauben einem im ganzen Leben für eine Stütze sein kann. Ich finde die Eltern sollten ihren Kindern den Glauben ermöglichen und sich nicht an ihren Kindern versündigen, weil sie ihnen die Möglichkeit nehmen, in den Glauben rein zu wachsen. Die dumme Aussage, man kann auch ohne Gottesdienst glauben ist eine Halbwahrheit. In der Bibel steht, wo Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Außerdem macht gemeinsam glauben und Gottesdienst feiern, aus langjähriger Erfahrung, viel mehr Freude und gibt auch viel Kraft das nicht immer einfache Leben zu meistern.


Christine Greven: Diesen Beitrag kann ich leider zu hundert Prozent “unterschreiben”. Meine Meinung ist, dass die Wirklichkeit noch viel trauriger aussieht aus folgenden Gründen: Die Mehrheit der Kinder kann das ‘Vaterunser’ und ‘Ave Maria’ nicht auswendig sprechen; die Mehrheit kann das Glaubensbekenntnis nicht sprechen und kennt es manchmal nicht; die Mehrheit kennt die 10 Gebote nicht – geschweige denn die Bergpredigt! Den Kindern sind bis zum 10. Lebensjahr die Grundpfeiler des Katholizismus nicht bekannt, weil die Schule und auch mittlerweile die Kirche sich aus dieser Glaubensbildung zurück gezogen haben. Hinzu kommt, dass vielen Besuchern an diesem Festtag “Weißer Sonntag” jegliche Ehrfurcht in der Kirche fremd ist; lautes Reden und sich Begrüßen ist schon normal. Kann man dieses nicht nach der Eucharistiefeier tun? Leider habe ich auch erlebt, dass man bei der Wahl der Katechetin “den Bock zum Gärtner” macht. Jemand, der jährlich nur einmal die Kirche von innen sieht, ist für mich sicherlich nicht kompetent. Ich wünsche mir sehr, dass Schule und Kirche wieder aktiver in die Glaubenslehre einsteigen würden.


E. Wallenfang aus Wachtberg: Schmunzelnd bis entsetzt habe ich den Beitrag von Frau Eva-Maria Werner gelesen. Ich stimme ihr zu: die Erstkommunion ist zu einem Kommerzevent ohne Gleichen verkommen. Der eigentliche Grund des Festes – die Erstkommunion, das 1. Mal am Tisch des Herrn zu speisen – gerät dabei komplett in den Hintergrund – was meiner Ansicht nach am säkularisierten Zeitgeist liegt, der die Religion in die allerhinterste Nische verbannt hat. Verglichen mit meiner Erstkommunion 1974 bestand das „Publikum“ aus Gläubigen, die jeden Sonntag zur Heiligen Messe gingen. Zu der Zeit gab es noch Respektspersonen, im Gotteshaus benahm man sich andächtig – und der Kommunionunterricht wurde über einen längeren Zeitraum am Nachmittag vom Pfarrer in der Schule abgehalten. So lernten die Kinder nicht nur vordergründig etwas über Religion, sondern erfuhren auch manchen Zusammenhang, den eben nur jemand erklären kann, der über fundiertes Wissen verfügt. Heute jedoch vermitteln Mütter ohne Hintergrundwissen religiöse Zusammenhänge, und es ist völlig irrelevant, ob sie religions-/kirchenfern sind oder nicht. Trotzdem … ich selber ging am Gründonnerstag das 1. Mal zur Kommunion gegangen, weil gerade an diesem Tag der eigentliche Grund des Weißen Sonntags, besonders deutlich wird. Auch meine Kinder gingen am Gründonnerstag das 1. Mal zum Tisch des Herrn, weil gerade an diesem Tag das Abendmahl vor Jesu Passion im Vordergrund steht. Die Fußwaschung wie auch Brot und Wein machen den Gründonnerstag zu einem ganz besonderen Tag. Dass die Kommunionkinder gerade an diesem Tag am Tisch des Herrn zugegen sind, unterstreicht die Kernaussage von Ostern und eben auch dem Weißen Sonntag. Inszenierung und Verschwendungssucht leisten einen nicht unerheblichen Beitrag zur Degradierung der Erstkommunion zum „Mega-Event“. Seinerzeit hatte ich angeregt, Einheitskleidung für die Pfarrgemeinde zu kaufen, die die Kinder in der Kirche tragen – das spart nicht nur Kosten, sondern trägt erheblich zur Andacht bei, weil der Weg der Kommunionkinder nicht mit einem Laufsteg verwechselt wird und man nicht mehr nur nach dem allerschönsten Kleid Ausschau hält. Umso entsetzter bin ich nach all den „Happenings“ im Vorfeld, wie wenige von den zahlreichen Erstkommunikanten dem Ruf des Herrn am Sonntag noch Folge leisten. Die lassen sich noch zu Ministranten ausbilden, dienen z.T. vielleicht noch ein Jahr, und dann bleiben auch die fern. Hier wird nur allzu deutlich: mit diesem Mega-Event soll der Übertritt der Kinder in das Erwachsenenleben gebührend gefeiert werden. Solange sich nichts an der Einstellung unserer Gesellschaft ändert, so lange wird die Erstkommunion immer mehr zu einem Event (von vielen), zu einer Konsumschlacht verkommen.


Mechtilde Jütten aus Heinsberg: Ich arbeite als Ehrenamtliche seit 10 Jahre in unserer GdG und ich kann das was in ihrem Artikel beschrieben wird voll und ganz unterstreichen. Die Arbeit, die damit verbunden ist, kennen die Außenstehende nicht und sehen nur wie sie sich ins rechte Licht rücken können und danach? Wenn von all diesen Kinder - es sind fast 850 in den Jahren - der Kirche treu bleiben, kommen wir auf eine Zahl die unter 5% liegt. Nicht die KInder sind die Schuldigen, sondern viele Eltern sagen es laut, wenn das vorbei ist, sehen die uns sowieso nicht mehr. Elternhaus und Schule geben unseren Kinder keine Werte mehr mit auf ihren Lebensweg. Viele Kinder kennen keine Grenzen, haben keine Respekt und ganz zu schweigen, von Benehmen, das ist out! Wo sollen die Kinder den großen Schatz das Glauben dann finden? Man braucht schon ein ganz schönes dickes Fell, wenn man das wie ich ehrenamtlich macht. Und wieder hoffe ich darauf, dass ich mal wieder eine Jahrgang habe, wo ich voller Freude mit meinen Engagement ins Schwarze treffe. Ihre Mechtilde Jütten




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