„Mate-Tee oder Kaffee mit Milch?“ Schwester Laura Noemi Gauna zupft an dem Arm, der aus dem Bündel Decken herausragt. Sie bückt sich zu dem Obdachlosen im Eingang eines Hochhauses und bietet ihm ein heißes Getränk an. Dann noch ein kaltes Brötchen mit paniertem Huhn, ein freundlicher Satz, und weiter geht es.

Jeden Donnerstag wandert die argentinische Ordensfrau mit ein paar Freiwilligen die sechsspurige Avenida Cabildo entlang. „Service-Spaziergang“ nennt sie das. Der Stadtteil Palermo gehört zu den schicksten der Mega-Metropole. Aber so ist Buenos Aires: Einige Bewohner leben auf der Sonnenseite, viele auf dem Bürgersteig.

"Service-Spaziergang" durch Buenos Aires

Mindestens 30 Mal während der 90-minütigen Tour hält Schwester Laura an, öffnet ihren Einkaufs-Trolley und gibt Essen und Getränke aus. „Wir gehen nur einmal wöchentlich“, sagt die Missionsbenediktinerin fast entschuldigend. Denn für mehr reichen Geld und Unterstützer nicht. Früher deckten andere Organisationen die übrigen Wochentage ab, heute sind die Benediktinerinnen fast allein.

Mit drei Mitschwestern wohnt Schwester Laura in einem kleinen Kloster, das ihre Vorgängerinnen aus zwei Wohnhäusern zusammengesetzt haben. Die Kapelle fand ihren Platz in der ehemaligen Garage. Im Klostergarten gibt es ein Gästehaus. Wer dort Quartier nimmt, erfährt, dass Buenos Aires mehr ist als ein trendiges Reiseziel mit Designerhotels und Tangoshows. Denn zwischen den luxuriösen Wolkenkratzern gibt es viel Armut. Die Hälfte der Einwohner lebt in Slums.

Abends stellen die Schwestern einen kleinen Stand auf

Abends ziehen die Schwestern noch mal los, diesmal mit zwei Autos. Schwester Ursula Fuchs baut einen Campingtisch neben der achtspurigen Avenida Bullrich auf. Dort warten die Obdachlosen in einer langen Reihe auf etwas zum Essen. Es ist kalt geworden. Ein kleiner Junge schmiegt sich in kurzem Hemd an seinen Vater. Die Schwester wickelt ihn in einen großen Kartonstreifen und hebt bedauernd die Schultern: „Mehr haben wir leider nicht.“

Text: Hans-Werner Rodrian

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