Fast eine Million Menschen sind innerhalb Mosambiks auf der Flucht. Extreme Armut, Naturkatastrophen und islamistischer Terror haben viele in dem afrikanischen Land gezwungen, ihre Dörfer und Städte zu verlassen. Unruhen im nördlichen Distrikt Cabo Delgado weiten sich inzwischen auch in die Regionen von Nampula und Niassa aus, wo die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel (SMMP) seit 2001 tätig sind.
Im Flüchtlingslager von Rapale nahe der Stadt Nampula helfen sie den Menschen, sich mit Holz und Abdeckplanen eine vorübergehende Unterkunft herzurichten. Sie verteilen Nahrungsmittel, vermitteln Hilfe zur Selbsthilfe und unterrichten die Kinder.
Viele Menschen haben keine Perspektive
„Die Regierung hat einfach nur ein Gelände zur Verfügung gestellt. Es gibt keine Unterkünfte, keine Toiletten, keinen Schulunterricht, keine Notversorgung“, berichtet Schwester Ana Brígida Martinho (Foto oben, zweite v. r.), die die Flüchtlingsarbeit von ihrer Ordensniederlassung in Nampula aus koordiniert. Inzwischen haben sich bei Rapale fast 500 Familien angesiedelt.
Unberechenbare Situation
Die Situation bleibt unberechenbar. Der Norden Mosambiks ist der ärmste Teil des Landes. Zugleich gibt es hier die wertvollsten Rohstoffe: Öl und Gas. Gefördert werden sie von europäischen Konzernen wie Total oder Eni und amerikanischen wie Exxon. Doch der Gewinn fließt ausschließlich ins Ausland. Diese postkolonialen Strukturen und Abhängigkeiten sorgen für Unmut.
Einheimische – insbesondere Jugendliche – haben keine Perspektive. Das begünstigt den islamistischen Terror, vor dem die Menschen fliehen. Traumatisiert und mittellos kommen sie in Gegenden wie der von Rapale an. „Doch das Flüchtlingscamp ist durch einen Fluss vom Ort getrennt“, sagt Schwester Ana Brígida. Die Wege zur Schule oder für Einkäufe sind weit. Die Schwestern helfen daher bei Transporten und unterrichten die Kinder teilweise im Camp.
Mit Hilfe der „Bergkloster Stiftung SMMP“ in Deutschland konnte jetzt ein Backhaus errichtet werden. Das erlaubt es den geflüchteten Frauen, Brot backen zu lernen – für den eigenen Gebrauch sowie für den Verkauf. Das gemeinsame Backen stärkt zudem die Gemeinschaft.
Schwester Ana Brígida sagt: „Viele Flüchtlinge haben Gewalt oder sexuellen Missbrauch erfahren. Kinder sind durch Schießereien und Explosionen traumatisiert. Durch unsere Anwesenheit versuchen wir, ein wenig Vertrauen aufzubauen, Hoffnung zu schenken und Perspekti- ven zu vermitteln.“ Brot backen zu lernen stärke das Selbstvertrauen der geflüchteten Frauen, hat die Schwester beobachtet.
Ulrich Bock