Was essen Sie beide am liebsten?
E.Schmidt: Sauerkraut, Haxe und Kartoffelklöße. J. Schmidt: Ich mag besonders gern vegetarische Lasagne.

Seit wann sind Sie Vegetarier, Herr Schmidt?
J. Schmidt: Seit vier Jahren. Ich habe von heute auf morgen entschieden: Ich esse ab sofort kein Fleisch mehr. Es war eine Art positiver Gruppenzwang. Denn viele aus meinem Freundeskreis sind Vegetarier. Sie leben fleischlos, weil sie nicht möchten, dass Tiere für ihre Ernährung leiden und sterben müssen. Mir fehlt nichts seit der Umstellung.

Können Sie sich ein Leben ohne Fleisch und Wurst vorstellen, Frau Schmidt?
E. Schmidt: Hm, schwer. Schon als Kind habe ich mein Brot nur mit Blutwurst, Schinken und Leberwurst belegt. Marmelade und Nutella mag ich nicht. Wenn andere zwischendurch einen Schokoriegel essen, greife ich zum Bierbeißer. Und beim Grillen gehören für mich ein gut durchwachsenes Steak oder Bauchscheiben einfach dazu.

Es gibt viele gute Ersatzprodukte

Welche Auswirkungen hat die Entscheidung Ihres Sohnes, vegetarisch zu essen, auf die Mahlzeiten der Familie?
E. Schmidt: Wir haben auch vorher nicht täglich Fleisch gegessen. Und wenn, dann kommt es vom Metzger aus dem Nachbardorf, der noch selbst schlachtet und Tiere aus der Region verwertet. Nach Jakobs Entschluss habe ich anfangs oft zweierlei gekocht, zum Beispiel eine Lasagne mit und eine ohne Fleisch. Heute bekommt er ein Fleischersatzprodukt und mein Mann und ich essen das normale Steak. J. Schmidt: Es gibt unglaublich viele gute Ersatzprodukte, von Frikadellen über Würstchen bis zum Schnitzel. Die bestehen aus Soja oder Erbsenproteinen und schmecken wirklich gut. Schmidt: Also für mich ist das keine Alternative. Mir fehlt der würzige Geschmack des Fleischs. Und es beißt sich auch anders …

Ist das Tierwohl das einzige Argument für Sie, vegetarisch zu leben, Herr Schmidt?
J. Schmidt: Nein. Die Tierhaltung hat ja auch gravierenden Einfluss auf den Klimawandel. Bei der Fleischproduktion entsteht sehr viel CO2. Es braucht Unmengen an Wasser und Platz, um das Futter für die Tiere anzubauen. Dafür wird auch Regenwald in Südamerika abgeholzt. E. Schmidt: Käse isst du aber viel und gerne. Dafür braucht man auch Kühe. Was soll man denn mit der Kuh machen, wenn sie keine Milch mehr gibt? Sie wird dann geschlachtet. J. Schmidt: Ja, okay. Ganz geht das Konzept Vegetarismus nicht auf. Aber man braucht weniger Tiere. Und es werden keine jungen Kälber getötet für besonders gutes und teures Fleisch. E. Schmidt: Ich bin auch dafür, dass insgesamt weniger geschlachtet wird. Es bleibt ja generell bei Nahrungsmitteln so viel übrig. Man muss abends kurz vor Ladenschluss nicht noch die volle Auswahl haben.

Das Risiko für Krankheiten ist viel höher

Wird bei Ihnen am Tisch über das Thema „vegetarisch Essen“ noch viel diskutiert?
J. Schmidt: Eher selten, weil meine Argumente meine Eltern nicht interessieren. Aber manchmal kann ich mich nicht zurückhalten und sage etwas missgelaunt, zum Beispiel wenn Bacon auf dem Tisch steht: „Wenn man seinem Körper irgendetwas Schlechtes tun will, dann isst man Bacon.“ Das ist extrem krebserregend! Auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes ist viel höher, wenn man Fleisch konsumiert. E. Schmidt: Ich esse jeden Tag einen Apfel, insgesamt viel Gemüse. Ich rauche nicht und trinke keinen Alkohol und laufe den ganzen Tag herum. Das gleicht es aus. J. Schmidt: Nein, tut es nicht.

Finden Sie, dass es reine Privatsache ist, was man isst und wo man einkauft?
E. Schmidt: Ja. Es ist auch eine Sache des Budgets. Wenn wir in der Kindertagesstätte, in der ich als Erzieherin arbeite, zum Grillen einladen, wollen alle dabei sein. Ich kann niemandem befehlen, Bio-Fleisch beim Metzger zu kaufen, weil viele das Geld dafür einfach nicht haben. Dann kommt eben eine fünfköpfige Familie mit kleinem Geldbeutel mit fünf Steaks vom Discounter.

Moderation: Eva-Maria Werner

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