Als Brückenbauerin zwischen den Spenderinnen und Spendern in Deutschland und den Dominikanerinnen in Bolivien bin ich im Januar mit Schwester Scholastika und Schwester Ursula dorthin gereist. Vor drei Jahren war ich zuletzt in Bolivien. Es hat mich erschüttert, wie sehr die Armut seitdem zugenommen hat. Viele Kinder sind unterernährt. Das staatliche Krankenhaus in Comarapa ist nicht funktionsfähig. Patienten werden abgewiesen und kommen zu unserem privaten Krankenhaus San Martin de Porres. Bisher wurde das Personal hauptsächlich vom Staat bezahlt, nun müssen wir für das Gehalt aufkommen. Eine Arztstelle kostet 3000 Euro pro Monat.

Ein schöner Lebensabend

Überall sieht man Probleme. Man fühlt sich schnell machtlos. Doch zum Glück gibt es auch positive Entwicklungen. Mit Spendengeldern können wir im Seniorenheim „Albergue Santo Domingo“ in Comarapa eine Alltagsbetreuerin finanzieren. Dass in Altenheimen mit den Bewohnern gespielt, gesungen und getanzt wird, mag in Deutschland nicht ungewöhnlich sein. In Bolivien ist es etwas Besonderes. Fabiola Rocabado geht mit den alten Menschen Eis essen, fordert sie zum Tanz auf, hört ihnen zu. Mir ging das Herz auf, als ich diese liebevolle Betreuung erleben durfte! Die Senioren, die vorher auf der Straße lebten und niemanden hatten, der sich um sie sorgte, haben es nun in ihren letzten Lebensjahren so schön, wie es nur geht.

Eine „geschenkte“ Schule

Eine ganz neue Aufgabe kommt auf unsere Schwestern in Santa Cruz zu: Spanische Dominikanerinnen, die aus Altersgründen in ihre Heimat zurückkehren mussten, haben ihren Konvent und eine Schule mit 1900 Schülern zurückgelassen, uns quasi „geschenkt“. Mit nur wenigen persönlichen Gegenständen sind zwei unserer Schwestern in das voll ausgestatte Kloster gezogen und führen nun die Schule weiter. Im Stadtteil Plan Tres Mil von Santa Cruz, der von Armut und hoher Kriminalität geprägt ist, ist das ein wichtiges Signal.

Unerschütterliches Gottvertrauen

Wie unerschrocken Schwester Rosa Maria die neue Aufgabe anpackt, ist bewunderswert. Sie will eine Schulmensa einrichten, damit alle Kinder ein warmes Mittagessen bekommen. Außerdem möchte sie die Elternarbeit intensivieren und die Abendschule für Erwachsene weiter führen. Ihr Gottvertrauen ist unerschütterlich, ihre Liebe zu den Kindern riesengroß. Die Ordensgemeinschaften in Bolivien stehen alle vor denselben Problemen: Es gibt kaum Nachwuchs, die finanziellen Mittel sind knapp. Viele haben sich daher von ihrem Engagement zurückziehen müssen. Aber die Arenberger Dominikanerinnen bleiben.

Aufgezeichnet von Eva-Maria Werner

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