Magazin > Heft 02-2010

ÜBERSICHT

REPORTAGE 1 – Die Hoffnung der Fischer
REPORTAGE 2 - Kampf dem Bösen
PORTRÄT - Titus Müller
HINTERGRUND - Ethisch sauber Missionieren
NACHRICHTEN
MENSCHEN

         

REPORTAGE 1 – 02-2010:

Die Klinik: Das schwimmende Krankenhaus fährt jede Woche drei der 60 Dörfer auf dem riesigen See in Kambodscha an.

Die Hoffnung der Fischer

Eine schwimmende Klinik auf Kambodschas riesigem Tonle Sap-See versorgt Fischerfamilien, die sich keinen Arzt leisten können. Doch für die 60 Dörfer im See reichen die Kräfte der Klinik kaum aus.

Text: Ellen Köhrer

Fotos: Kathrin Harms

   

Wimmernd liegt Teukty in den Armen seiner Mutter, den Leib in ein schmutziges Frotteetuch gewickelt. Seine Arme und Beine hängen reglos herab. Doktor Sombun Korng vom Krankenhausschiff Tonle Sap Lake Clinic (TLC) beugt sich über den Jungen, nimmt die nackten Beinchen an den Unterschenkeln, bewegt sie vorsichtig. Teukty schreit auf, das Gesicht ein einziger Schmerz.

Der Vierjährige stammt aus dem schwimmenden Fischerdorf Moat Klas — Tigermaul — weit draußen auf Kambodschas Tonle Sap-See, der so groß ist wie das Saarland. Teuktys siebenköpfige Familie lebt in einer winzigen Palmhütte, im riesigen Schwemmland am nordöstlichen Rand des Sees. Statt Straßen schlängelt sich Seewasser in breiten Fahrrinnen durch die Mangroven.

Der Hausbesuch: Krankenpfleger Savann Uk, 26, besucht ein krankes Kind zu Hause. Es liegt in seiner Hängematte und schreit vor Schmerzen.

Vor dem Holzhaus des Dorfchefs ankert die schneeweiße TLC. Teuktys Mutter hat ihren kranken Jungen mitsamt den vier Geschwistern in ein Boot gepackt und ist den halben Kilometer von ihrer Hütte hierher gerudert. Es hat sich herumgesprochen, dass ein Arzt gekommen ist, der die Dorfbewohner kostenlos untersucht.

Vor vier Wochen hat Teukty plötzlich hohes Fieber bekommen, erzählt die Mutter. Nach ein paar Tagen wussten seine Eltern nicht mehr weiter. Dort draußen gibt es normalerweise keinen Arzt, den sie konsultieren können. Um fünf Uhr morgens packten sie ihr krankes Kind ins Fischerboot und ruderten über den Großen See — so nennen ihn die Einheimischen. Ihre anderen Kinder ließen sie bei den Nachbarn. Die Mutter schlug als Schutz vor der stechenden Tropensonne ein Tuch um ihren fiebernden Jungen...

 

 

REPORTAGE 2 – 02-2010:

xy

Kampf dem Bösen

Massenhaft fühlen sich Menschen in Sambia vom Satan verfolgt und zu bestialischen Taten angestiftet. Der Exorzismus blüht. Pater Bernhard forscht nach der Wahrheit hinter der satanischen „Wirklichkeit“.
 

Text: Veronika Buter
Fotos: Günther Menn

Bauleni, ein Stadtteil am Rande von Sambias Hauptstadt Lusaka. Sonntags werden die Klassenräume der Schule im Zweistundentakt vermietet. Aus Türen und Fenstern dringen Trommelschläge und Gesänge, pfeifen, schreien, schluchzen. „Alleluja, Amen!“ Die Stimme des Pastors im eleganten dunkelgrauen Anzug bebt. „Amen“, schmettern die Gläubigen der „Word Of Faith Soul Winning Ministries“ zurück. Ein dröhnendes „Ja, so sei es!“ — „Yeah! Halleluja“, ruft Pastor Mwanza. Schweiß rinnt von seiner Stirn, er greift nach einem Waschlappen. Einige Zuhörer fangen an zu zittern, heben die Hände, andere drehen sich zur Wand und schreien.

Mitten unter ihnen weilt Pater Bernhard Udelhoven. Der 41-jährige katholische Priester vom Orden der Weissen Väter sucht Kontakt zu den vielen neuen „Kirchen“, die sich in Lusaka angesiedelt haben. Allein in Bauleni hat er 83 gezählt. Ihre Zahl hat sich innerhalb von 20 Jahren verfünffacht. Die meisten sind „Pfingstkirchen“. Und sie haben großen Zulauf...

 

 

PORTRÄT 02-2010

Inspiriert: Der Schriftsteller Titus Müller, 32, findet überall Futter für seine Ideenströme.

Titus Müller

„Der Herr der Worte“

Foto: Geissler

In seinem Kopf stecken jede Menge ungeschriebener Bücher. Ein bisschen Sorgen macht der missionarisch veranlagte Autor Titus Müller sich schon manchmal, dass seine Lebenszeit nicht ausreichen könnte, um sie zu schreiben. Das würde er am liebsten direkt mit Gott klären.

Ich fürchte manchmal, er könnte mich für zu aufdringlich halten.“ Aber für Titus Müller ist es so selbstverständlich, mit Gott zu reden und zu leben, dass ihm gar nichts anderes übrig bleibt, als mit ihm in einer Art Dauergespräch zu sein. Doch wenn der 32-jährige Schriftsteller Gott mal um einen kreativen Schubs bittet, dann fragt er sich manchmal: „Darf ich das überhaupt? Er hat doch bestimmt gerade ganz andere Sorgen.“

Titus Müller hat ein faszinierendes Verhältnis zu Gott: Einerseits kennt er sich aus in der modernen Theologie. Andererseits hat er sich viel vom — manchem naiv anmutenden — Staunen des Kindes bewahrt, das sich bei Gott wie in den Armen der Mutter geborgen fühlt. Er lebt einen erfrischend persönlichen, buchstäblich familiären, vertrauten Glauben.

Titus Müller schreibt historische Romane. Das liegt nicht nur an seiner Leidenschaft für frühere Epochen, besonders für das Mittelalter. Ganz bewusst hat er sich dafür entschieden, weil er mit seinen Werken unaufdringlich missionieren möchte. Und das geht leichter, wenn die Menschen etwas Abstand zu der erzählten Geschichte haben, ist er überzeugt.

„Es gibt so viel Schönheit in der Schöpfung! Überall sind Spuren von Gott. Es gibt so viele schöne Dinge, es gibt Lieder, Fantasie…“ Und es gibt die großen Fragen nach dem Sinn, dem Warum, dem Bösen und dem Guten. Die Leser erleben all das in Titus Müllers Büchern mit seinen Figuren, in deren Leben. Wenn es gut läuft, fragen sie sich danach: „Und wo sind Gottes Spuren in meinem Leben? Was ist sein Weg für mich?“

Aufdringlich sein will Titus Müller nicht. Er sagt: „Ich liefere nur den Zucker, der oben drauf liegt, wie bei der Schluckimpfung im Kindergarten.“ Das womöglich Bittere darunter, die vielleicht unbequemen und anstrengenden Lebensfragen und -entscheidungen sind dann Sache des Lesers. Und Sache Gottes.

Flexibel: Auf Lesereise arbeitet der Autor im Bahnhof. Christliche Kindheit in der DDR

Ohne die Wende oder auch Friedliche Revo­lution von 1989 wäre Titus Müller heute wohl Bäcker. Das jedenfalls war der Plan des gebürtigen Leipzigers, „obwohl ich nicht kochen kann und in der Küche eine Katastrophe bin“, wie er mit seinem offenen Lachen und typischer Selbstironie sagt. Aber in der DDR hätte der Christ Müller, der Siebten-Tages-Adventist ist, nicht studieren dürfen. „Und ich hätte auch kein Buch veröffentlichen dürfen.“ Immer war der Druck da, sich den Thälmannpionieren anzuschließen, der Partei. Wer das nicht wollte und wer offen als Christ lebte, hatte keine Chance in dem selbsternannten „sozialistisch-demokratischen “ Staat. Aus der schwierigen Kindheit flüchtet Titus ins Lesen und früh schon ins Schreiben.

Eine positive Erinnerung ist für ihn, dass unter diesen Umständen in der DDR der Zusammenhalt unter den Christen aller Kirchen und Konfessionen viel stärker war, als er es heute erlebt, erinnert sich der Autor. Für ihn haben sie alle ihre Daseinsberechtigung, denn: „Gott sucht sich seine Wege zum Menschen“ — und bietet für jeden die richtige Religion, die richtige Kunst, den richtigen Weg, auf dem der Mensch ihm begegnen kann.

Titus Müllers Vater ist Pastor der Adventisten, die im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten gegründet wurden. Sie beachten die Zehn Gebote streng, leben in der Erwartung der Wiederkehr Christi und heiligen den Sabbat. Daher schreibt auch Titus samstags keine Zeile, nicht einmal ein Wörtchen. Egal, wie schnell die Ideen durch sein Hirn sausen. Auch sonst ist der Tag für ihn ein strenger Ruhetag, nicht einmal einkaufen gehen möchte er dann mit seiner Freundin. Kommt er nie in Versuchung, den Roman, der in Arbeit ist, weiterzuschreiben? „Nein“, sagt er, „ich glaube, dass wir Menschen so gebaut sind, dass wir alle sieben Tage eine Pause brauchen. Ich finde das auch sehr ange­nehm. Druck habe ich ja jeden Tag, da ist es schön, mal loslassen zu können und zu entspannen.“

Vier bis sechs Seiten schreibt Titus Müller pro Tag. Selbstkritisch und mit viel Lust geht er dann daran, den Text wie ein Bildhauer so lange zu bearbeiten, bis jedes Wort an seinem Platz sitzt und seine Aufgabe erfüllt: hervorzuragen oder seine Mitworte zu stützen. „Das hat etwas Berauschendes“, sagt er mit seinen leuchtenden Augen über das Feilen, Kürzen, Umschreiben. Titus schreibt, wie er spricht: Klar, offen, leicht verständlich. Auch wenn er von sich sagt, die typische Eitelkeit des Künstlers zu besitzen und ganz unchristlich nach dem Ruhm zu streben: Er rückt sich selbst weder im Buch noch im Gespräch in den Mittelpunkt. Den Leser lässt er seine liebevoll von ihm begleiteten Figuren unvoreingenommen entdecken.

Sympathie für die bösen Figuren

In seinem neuesten Buch „Die Jesuitin von Lissabon“, das Anfang März zur Leipziger Buchmesse erscheinen wird, ist Jesuitengeneral Gabriel Malagrida so eine Figur. Machtgeil, brutal, eiskalt. Er verschweigt den Menschen von Lissabon im Jahr 1755, dass ein Erdbeben naht, obwohl er die Zeichen der Erde deuten kann. Stattdessen spricht er nur prophetisch davon, dass etwas bevorsteht. Sein Ziel: Das Erdbeben später als Strafe Gottes darzustellen, sich selbst als großen Propheten und die Jesuiten als die einzig wahre Macht, der man trauen und folgen sollte. Und doch: Man kann Malagrida nicht nur negativ betrachten. Da sind diese Momente, als sich der ehemalige Missionar zu „seinen“ Indios an den Amazonas zurücksehnt. Leicht kolonialistisch mutet das zwar an, aus heutiger Sicht, aber man spürt eine Sehnsucht dahinter, Träume, das Menschliche in Malagrida. Und man beginnt sich zu fragen, was Menschen formt. Und verformt.

Das verheerende Erdbeben von Lissabon, Malagrida — beide sind historische Tatsa­chen. Titus Müller recherchiert viel für seine Werke. Genauigkeit ist ihm wichtig. Seine Recherche beschränkt sich nicht auf Bibliotheken, Gespräche oder Reisen zu den Schauplätzen. Titus Müller probiert vieles aus: Reiten etwa oder mit einem Schwert zu kämpfen. Dass er einmal auf einem Robbenfängerschiff mitgefahren und in Seenot geraten ist, hat ihm geholfen, das Erdbeben von Lissabon zu schildern.

Wenn ein Buch fertig ist, fängt Titus gleich das nächste an. In seinem Kopf warten noch viele Geschichten darauf, in Worte gefasst zu werden. Am liebsten würde er mit Gott direkt darüber verhandeln, dass er genug Zeit bekommt, um all diese Geschichten aufzuschreiben. Und alles zu lernen und zu erleben, was ihn an der Welt fasziniert. Auch hier ist Titus selbstkritisch: „Ich würde gerne 300 Jahre alt werden, 1000 wäre toll. Aber ich kenne mich: Ich würde dann 10000 fordern.“

„Ich bin ein Gottsucher“

Hat er Angst vor dem Tod? „Nein“, sagt er, „der gehört zu der gefallenen Welt. Und er schärft den Blick für das Leben.“ Fragen, die er Gott nach dem Tod von Angesicht zu Angesicht gerne stellen würde, hätte er zwar schon genug. Aber die Leidenschaft für die Welt und die Neugier auf das Leben sind zu groß, um sich schon dorthin zu wünschen. Nur eins noch dazu: Was soll man ihm später einmal nachsagen? Titus muss nicht lange überlegen: „Er hat nie verlernt zu staunen.“

Manchmal stört es ihn als Christ, „dass ich so wenig über Gott weiß“. Weil das menschliche Maß ihn nicht fassen kann. „Ich bin ein Gottsucher“, sagt Titus, „und werde es mein Leben lang bleiben.“ Auch deshalb, weil Gott immer wieder neu seine Fußspuren in der Welt hinterlässt und man sie jeden Tag neu entdecken muss. Titus Müller tut dies — und wird seine Leser auch künftig auf Gottes Spur setzen.

Hildegard Mathies

 

ZUR PERSON

Preisgekrönter Autor

Titus Müller wurde 1977 in Leipzig geboren. Er studierte unter anderem Literatur und Mittelalterliche Geschichte. Für seine Romane erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter im Jahr 2008 den Sir Walter Scott-Preis. Er sagt von sich: „Ich bin Sammler, Staunender und Entdecker von Beruf.“ Einige seiner Bücher: „Der Kalligraph des Bischofs“, „Die Priestertochter“, „Das Mysterium“ und „Die Brillenmacherin“. Außerdem veröffentlicht er Bücher zur Lebenskunst.
Info: www.titusmueller.de

 

 

HINTERGRUND 02-2010


 

Gentechnik: Segen oder Fluch?

An der Grünen Gentechnik scheiden sich die Geister: Genmais, transgene Baumwolle oder Pflanzen, aus denen Biodiesel gewonnen wird, gelten den einen als Chance für Schwellen- und Entwicklungsländer, den anderen als Gefahr. kontinente bat Experten um ihr Votum.
 

PRO
Für Genpflanzen

Professor Bernd Müller-Röber, 45, Uni Potsdam

Professor Bernd Müller-Röber, 45, Uni Potsdam: Molekularbiologe, Mitglied der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Gentechnik ist eine nützliche Methode, um Nahrungsmittelpflanzen wichtige Eigenschaften zu verleihen, wie zum Beispiel Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge. Dadurch müssen die Bauern deutlich weniger schädliche Pestizide einsetzen.

Die neuen Pflanzen sind genauso sicher wie konventionelle Sorten. Millionen Euro sind in die Sicherheitsforschung geflossen und haben dies bestätigt.

Grüne Gentechnik kann im Kampf gegen den in vielen Ländern zunehmenden Wassermangel helfen, wenn die Trockenstress-Toleranz von Pflanzen mittels gentechnischer Verfahren erhöht werden kann. So könnten große Wassermengen gespart werden, die sonst zur künstlichen Bewässerung nötig sind.

Für Schwellenländer wird die Grüne Gentechnik immer wichtiger. Das zeigt sich an den wachsenden Anbauflächen, aber auch daran, dass sie verstärkt Geld für die Forschung einsetzen. Die lizenzkostenfreie Bereitstellung etwa des gentechnisch hergestellten Golden Rice kann Kleinbauern wirtschaftliche und gesundheitliche Vorteile bringen.

Grüne Gentechnik steht einer Ökologisierung der Landwirtschaft nicht entgegen, ganz im Gegenteil. Um jedoch das volle Potenzial ausschöpfen zu können, brauchen wir eine sachliche und unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Thema. Wir müssen „ traditionelle“ und neue Verfahren der Pflanzenzüchtung sinnvoll miteinander verknüpfen.

Alle wichtigen Kulturpflanzen sind über Jahrhunderte und Jahrtausende durch Wirken des Menschen entstanden — durch bewusste oder unbewusste Auswahl vorteilhafter Genkombinationen. Heute nutzt man dafür auch — aber nicht ausschließlich — die Gentechnik. Wie früher so gilt heute: Die Pflanze auf dem Acker und das Produkt auf dem Teller müssen bewertet werden, nicht der Weg ihrer Herstellung.
 

CONTRA
Gegen Genpflanzen

Dr. Bernd Bornhorst, 48, Misereor

Dr. Bernd Bornhorst, 48, Misereor: Leiter der Abteilung Entwicklungspolitik. Das Hilfswerk ist innerkirchlich federführend bei diesem Thema.

Gentechnik ist keine Antwort auf den weltweiten Hunger: Er trifft paradoxerweise vor allem Menschen auf dem Land. Will man ihn nachhaltig bekämpfen, muss man nachhaltige Landwirtschaft fördern, die den hungernden Kleinbauern direkt, effizient und günstig unterstützt. Gentechnologie bietet hierfür keine Ansätze, ganz im Gegenteil.

Gentechnik hat eine Landwirtschaft im Blick, die gar nichts mit Hungerbekämpfung zu tun hat: Der überwiegende Teil der genmanipulierten Pflanzen dient vor allem der Futtermittel- und Textilherstellung! In Brasilien etwa ist Soja mit einem Anteil von zehn Prozent des Gesamtexports das zentrale landwirtschaftliche Produkt. Es wird zu zwei Dritteln mittels Gentechnik produziert. Der größte Teil landet im europäischen Viehfutter und nicht auf den Tellern der Armen!

„Hungerbekämpfung“ ist nur ein Verkaufsargument für Gentechnik: Befürworter in Politik, Privatwirtschaft und Wissenschaft nutzen das Argument, Gentechnik könne Armut bekämpfen, um diese Technologie gesellschaftsfähig zu machen. Mit der Realität hat das nicht viel zu tun.

Gentechnik untergräbt die Entwicklung lokal angepasster Landwirtschaft: Die Erfahrungen Misereors zeigen, dass Kleinbauern selbst lokale Lösungen kennen und entwickeln, die auf dem Schutz und Nutzen der biologischen Vielfalt basieren. Gentechnisch verändertes Saatgut ist durch Patente rechtlich vor dem Nachbau geschützt. Eine Eigenvermehrung ist nicht möglich. Es entstehen Abhängigkeiten an einige wenige Saatguthersteller.

Gentechnik ist für Kleinbauern teuer und unwirtschaftlich und fördert ökonomische Abhängigkeit: Die Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen ist teuer. Daher werden nur Pflanzen entwickelt, die innerhalb einer industrialisierten Landwirtschaft von Nutzen sind. Für globale Unternehmen lohnen sich Kosten für Forschung und Entwicklung nur, weil die Einführung von Genpflanzen Patentgebühren bringt und den Absatz der von ihnen produzierten Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel fördert.

Produktionssteigerungen durch Gentechnik tragen nicht zur Lösung des Hungerproblems bei: Ein Konzept zur Hungerbekämpfung, das von der Produktionsseite her denkt — wenn mehr produziert wird, könnte mehr gegen den Hunger getan werden — hat sich allenfalls als Teilwahrheit erwiesen. Die Überproduktion in Industriestaaten kann nicht dazu beitragen, den Hunger langfristig zu beseitigen.
 

Fakten zur Grünen Gentechnik:

  • Als Grüne Gentechnik wird die Anwendung gentechnischer Verfahren bei der Züchtung und Veränderung von Pflanzen bezeichnet.
  • Die Gentechnik zielt hier vor allem auf die Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und widrige Wachstumsbedingungen sowie die Steigerung des Ertrags.
  • Genpflanzen werden auch gezielt mit Vitaminen, Antikörpern und Antigenen angereichert, als „Beitrag zu besserer Gesundheit&ldquo“.
  • Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nimmt kontinuierlich zu. 2008 wurden Genpflanzen weltweit in 25 Ländern auf mehr als 125 Millionen Hektar Fläche angebaut. Die größten Anbauländer sind die USA, Argentinien, Brasilien und Indien.
  • Die Zulassungsbedingungen regelt jedes Land. Entwicklungs- und Schwellenländern fehlen meist die Mittel für die Forschung.
  • Soja, Mais und Baumwolle sind die Top 3 der gentechnisch veränderten Pflanzen.
  • Brasilien war bis 2004 gentechnikfrei. Die Gentechnik hat den für den Export wichtigen Markt für Bio-Produkte fast völlig zerstört.

     

     

    Nachrichten 02-2010:

    BEFREIUNSTHEOLOGIE

    Totgesagt und doch lebendig

    Die „Theologie der Befreiung“ rückte die Armen ins Zentrum kirchlichen Denkens und Handelns. Selten hat ein theologisches Konzept dem Vatikan so viel Kopfschmerzen bereitet. Er verteilte Rügen und Lehrverbote. Jetzt gewinnt die Diskussion um die Befreiungstheologie in Europa neuen Schwung.

    Es sind vor allem junge Menschen, die eine „persönliche Erfahrung mit der etwas anderen Kirche in Lateinamerika gemacht haben und diese nun verarbeiten und mit der hiesigen Theologie ins Gespräch bringen wollen“, sagt Stefan Silber, Betreiber einer 2007 gegründeten Internet-Plattform zur Befreiungstheologie. Diese Plattform will all diejenigen „vernetzen“, die sich an den Universitäten und in der Pastoral mit der Befreiungstheologie beschäftigen.

    Gut 40 Jahre nach ihrer Geburtsstunde im kolumbianischen Medellin im Jahr 1968 scheint die „Option für die Armen“ alles andere als überflüssig. Der deutsch-kubanische Befreiungstheologe Raul Fornet-Betancourt vermutet mehrere Gründe für das neue Interesse: „Die Kapitalismuskrise bestätigt die zentralen Aussagen der Befreiungstheologie. Deren Paradeleistung war die intensive und sachkundige Beschäftigung mit der Frage nach dem Verhältnis zwischen Kirche, Theologie und Wirtschaft.“ Heute werde man auch in Europa wieder mit „Armut“ konfrontiert, das verstärke die Suche nach alternativen Konzepten auch von Kirche. Zudem sei die Theologie der Befreiung eine Theologie der Hoffnung. Und die Sehnsucht nach Hoffnung angesichts der Resignation einer Kirche, die nur noch ihre Misere verwalte, sei groß. Die Befreiungstheologie, so der Referent des Missionswissenschaftlichen Institutes Missio in Aachen, habe sich in den letzten Jahrzehnten „nach innen sehr ausdifferenziert“. Sie habe ihre „blinden Flecken“ sehen lernen und im „Dialog mit der sozia­len Wirklichkeit“ viel dazu gelernt. Die Unterdrückung der Frau etwa sei in der klassischen Befreiungstheologie vernachlässigt worden. Heute sei die feministische Befreiungstheologie die stärkste Stimme der neueren Strömungen. Vor allem habe sich die Theologie der Befreiung aber der Vielfalt der Kulturen gestellt: Es gibt heute zahlreiche indianische und eine afro­amerikanische Befreiungstheologie. Diese „Wende zur Interkulturalität“ interessiere auch hiesige Theologen, sagt Fornet-Betancourt. „Weil sie im Umgang mit der Vielfalt der Kulturen bei uns helfen kann.“ Für den mitteleuropäischen Raum muss eine „Theologie der Befreiung“ jedoch ganz neu erfunden werden, betont Silber. Auch das Modell der Basisgemeinden lasse sich, so lehre die Erfahrung, nicht einfach übertragen. Selbst wenn Papst Benedikt XVI. einen „gewissen positiven Bezug“ zu dieser Theologie erkennen lasse, stehe der Vatikan dem Konzept insgesamt nach wie vor sehr kritisch gegenüber.“  (vb)

    Weitere Infos: www.befreiungstheologie.net.tc


     

    STANDPUNKT

    Dozent Josef Estermann, 53
    Ökumenisch theologische Hochschule der Anden, La Paz

    Sie wurde immer wieder totgesagt oder totgeschwiegen. Aber solange es arme und randständige Menschen gibt, bleibt die Befreiungstheologie aktuell. Seit fast 50 Jahren hat sich diese Theologie, ausgehend von Lateinamerika, nicht nur auf andere Kontinente ausgeweitet, vor allem auf Asien und Afrika.

    Sie hat sich auch gewandelt und unterschiedliche Ausprägungen angenommen: Indigene Theologien, Afroamerikanische Theologie, Latino-Theologie, Feministische Theologien und nicht zuletzt eine Öko-Theologie der Befreiung. Gewiss gehören die großen Namen wie Gutiérrez, Boff, Assmann, Dussel, Segundo allmählich einer vergangenen Generation an. Aber die Theologie der Befreiung ist eben in erster Linie eine Basisbewegung, eine Glaubenspraxis, die sich dem Kampf um die gesamtheitliche Befreiung des Menschen aus ungerechten und unwürdigen Bedingungen verschrieben hat. Ganz nach dem Beispiel Mose, der das Volk Gottes aus der Unterdrückung durch Ägypten befreit hat. Solange Menschen ihren Glauben als Antrieb zu Befreiung erleben, hat die Befreiungstheologie Gültigkeit.
     

    Grafische Darstellung der Thematik

    ZEUGEN

    Märtyrer der Mission

    Weltweit werden laut Open Doors 100 Millionen Christen verfolgt. Oft endet die Verfolgung tödlich: Die Zahl der Märtyrer der Mission ist mit 37 doppelt so hoch wie 2008, so hoch wie nie im vergangenen Jahrzehnt.
     
     
     

    CHINA

    Hingerichtete werden ausgeschlachtet

    Über zwei Drittel aller verpflanzten Organe in China stammen von Hingerichteten oder Häftlingen. Die Hinrichtungsstätten des Roten Reiches sind die Hauptquelle für die Transplantationsmediziner. Die Exekutierten werden nach ihrem Tod regelrecht ausgeweidet. Daneben blüht der illegale Handel mit Organen, etwa von Tagelöhnern. Hauptgrund ist die geringe Zahl von freiwilligen Organspendern: Zwischen 2003 und August 2009 erklärten nur 130 Chinesen ihre Bereitschaft zur Organspende, nur zehn freiwillige Spender fanden sich im vergangenen Jahr. Dem gegenüber steht nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker ein Bedarf von rund 1,5 Millionen Organen pro Jahr. Auch für viele Ärzte ist der Organhandel daher ein lukratives Geschäft. Hinzu kommen zahlungskräftige „Transplantationstouristen“ aus dem Ausland. Vize-Gesundheitsminister Huang Jiefu, selbst Arzt, versucht jetzt, die Transplantationsmedizin zu reformieren.   (hm)
     

    UGANDA

    Jagd auf Schwule

    Uganda galt bislang als das „Musterländle“ Afrikas. Kaum ein anderes Land hat der Westen in den vergangenen Jahren so für demokratische Fortschritte gelobt. Jetzt jedoch sorgt ein Gesetzentwurf für Kritik: Homosexuelle werden mit lebenslanger Haft oder dem Tod bedroht, wenn das Gesetz verabschiedet wird — was sowohl Schwulenverbände als auch Menschenrechtsorganisationen erwarten. Lebenslänglich soll dann auf homosexuelle Lebenspraxis stehen; mit dem Tod soll bestraft werden, wer Sex mit HIV-Positiven, Behinderten oder Unter-18-Jährigen hat. Aidskranken Homosexuellen soll nach dem neuen Gesetz zudem die Behandlung verweigert werden. Nicht nur die Schwulen und Lesben hat die Regierung im Visier: Angehörige und Freunde, die sie nicht denunzieren, und ihre Vermieter müssen mit mehrjährigen Haftstrafen rech­nen. Unterstützt wird die Regierung bei ihrem Vorhaben von einflussreichen Mitgliedern der evangelischen Kirche und von konservativen Kirchen aus den USA. Doch im Ausland regt sich auch Widerstand: So gab es bereits.Demonstrationen und Protestaktionen in den USA und England. Schweden droht mit dem Streichen der Entwicklungshilfe. Ob das hilft? Befürworter des Gesetzes glauben nämlich, dass der Westen gezielt versuche, ugandische Jugendliche zur Homosexualität zu „bekehren&ldquo.  (hm)

     

    KOMPAKT

    Boom trotz Krise

    Mehr Mikrokredite als 2008 vergab die ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit im Jahr 2009: Auf 390 Millionen Euro stiegen die Investitionen in Projekte. Oikocredit konnte 84 Millionen Euro zusätzlich an Krediten vergeben.

    Defekte Demokratien

    In vielen formell demokratischen Staaten nimmt die politische Freiheit laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ab. 53 von 76 Demokratien werden als „defekte Demokratien“ eingestuft. Das beste politische Management bescheinigt der Index Uruguay.

    Weniger Kriege

    Im Jahr 2009 gab es nach einer Zählung des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung weltweit weniger Kriege und sogenannte hochgewaltsame Konflikte als im Vorjahr: Deren Zahl ist von 39 auf 31 gesunken, die Zahl der Konflikte und Krisen liegt insgesamt bei 365, davon sind sieben als Kriege eingestuft.
     

    AIDSKRANKE

    Zugang zu Medizin

    Ab der Jahresmitte sollen HIV-Infizierte und Aidskranke in armen Ländern einen besseren Zugang zu den lebensverlängernden Medikamenten haben. Ein Patentpool soll die Herstellung von Generika erleichtern, den billigeren, aber genauso wirksamen Kopien von Präparaten. Außerdem soll durch den Pool die Herstellung neuer Medikamente erleichtert werden. So könnten Mittel für Kinder oder Kranke gefunden werden, bei denen die bisherigen Medikamente nicht mehr wirken. Resistenzen gegen die alten Mittel nehmen zu, so dass die Menschen dringend auf neue Wirkstoffe angewiesen sind. Bislang ist vielen Menschen in Entwicklungsländern der Zugang zu den teuren Originalpräparaten generell verwehrt. Der Patentpool ist eine Initiative der Organisatio­nen UNITAID und „Ärzte ohne Grenzen“. Jene hatte eine E-Mail-Kampagne durchgeführt: Mehr als 28000 Menschen schickten rund 300000 E-Mails an die großen Pharmafirmen: Sie sollen freiwillig ihr Wissen in den Pool geben und erhalten dafür Lizenzgebühren. Die ersten Rückmeldungen sind positiv, so UNITAID.  (hm)
     

    DEUTSCHLAND

    Missionarische Pastoral im Fokus

    Dass Deutschland Missionsland ist und Europa Missionskontinent, ist längst eine Binsenweisheit unter Christen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat darauf jetzt mit der Einrichtung der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP) reagiert. Im Januar ist sie in Erfurt eröffnet worden. Dafür wurden die Katholische Sozialethische Arbeitsstelle in Hamm und die Katholische Glaubensinformation in Frankfurt am Main geschlossen. KAMP soll unter anderem innovative Konzepte für die missionarische Pastoral entwickeln. Zu den Aufgaben gehört außerdem die Beobachtung von Sekten, Weltanschauungsfragen und neureligiösen Bewegungen, Internetseelsorge und -beratung. „Wir werden keinen ,Endkundenkontakt‘ haben“, sagt Hubertus Schönemann, der Leiter der missionarischen Arbeitsstelle. „KAMP arbeitet im Schnittfeld von Praxis und Wissenschaft und wird alle Verantwortlichen begleiten.“ Zusammenarbeiten soll die neue Arbeitsstelle dabei auch mit den Orden. Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme:  Wie ist die Arbeit in den einzelnen Feldern bislang, welche Projekte gibt es schon? Wie kann man die Erfahrungen für andere nutzbar machen? In seiner Antrittsrede hat Schönemann deutlich gemacht: „Wenn wir uns als missionarische Kirche verstehen, so machen wir uns auf einen Weg, bei dem wir Lernende sind. Lernende im Blick auf die Welt und im Blick auf Gott — wie er sich uns zeigt und wie wir ihn erleben in der Welt.“ Mission, sagt Schönemann, ist für ihn „kein Fangen von Leuten, sondern dass wir uns der Grundlagen unseres eigenen Glaubens bewusst werden und damit offensiv und offen nach außen gehen.“   (hm)
     

    INDIEN

    Mega-Straßenbau

    Es ist ein ehrgeiziges Vorhaben: In Indien ist der Startschuss für das größte Straßenbauprojekt der Weltgeschichte gefallen. Es soll den Mangel an Straßen beseitigen, die marode Infrastruktur aufbauen und das wirtschaftliche Wachstum fördern. In den kommenden Jahren sollen jährlich 7000 Kilometer Straßen gebaut werden, das heißt 20 Kilometer täglich. Derzeit besitzt Indien 3,4 Millionen Kilometer Straßen, davon gelten 71000 Kilometer als Autobahnen. Viele von ihnen sind nur einspurig, oft sind mehr Kamele und Karren auf ihnen unterwegs als Autos. Ein Lastwagen braucht für die 1500 Kilometer zwischen Mumbai und Neu-Delhi fünf Tage reine Fahrzeit, nicht gerechnet Wartezeiten an den Grenzen. Indien setzt bei seinem Mega-Projekt auch auf Investoren aus dem In- und Ausland: 14 Milliarden Dollar sollen sie einbringen. Die Regierung erhofft sich vom Straßenbau auch neue Arbeitsplätze und einen Aufschwung.  Bislang kostet der katastrophale Zustand der meisten Straßen den Subkontinent jährlich bis zu zwei Prozentpunkte beim Wirtschaftswachstum.   (hm)  

     

     

    MENSCHEN 02-2010

    CHRISTOPH SCHLINGENSIEF

    Grenzen sprengen in Afrika

    „Dieser Ort ist ein Spiegel und eine Fläche, an der wir von Afrika lernen, was wir nicht mehr können, für die Zukunft aber brauchen“, sagt der Regisseur Christoph Schlingensief über das Operndorf, das er mit dem Architekten Diébédo Fran­cis Kéré in Laongo, Burkina Faso, baut. Schlingensief will die Oper dahin zurückbringen, „wo sie herkommt“, er will, dass sie wieder politisch wird und ein Ort, an dem Reich Arm trifft. Schlingensief will Grenzen sprengen. Seine Oper wird mitten im afrikanischen Dorfleben stehen: ein Krankenhaus, eine Schule und Wohnraum entstehen als erstes. Der 49-Jährige, der betont, dass er die Idee schon vor seiner Krebserkrankung hatte, kommt nicht als Kultur-Entwicklungshelfer, sondern als „weißes Blatt zur weiteren Belichtung“ durch die afrikanische Kultur und um die Erfahrungen dann nach Europa mitzunehmen und das Publikum hier aufzuwecken.   (hm)
    www.festspielhaus-afrika.com


     

    ANGÉLIQUE KIDJO

    Die neue „Mama Afrika“

    Frauen sollen die Führung beim Wandel in Afrika übernehmen, wünscht sich Angélique Kidjo, Sängerin, Choreographin und Menschenrechts- Aktivistin. „Gut ausgebildete Frauen sind die Flügel des Kontinents“, sagt sie. Die Flügel, die Afrika in eine bessere Zukunft tragen. Dafür setzt sich die Musikerin, die für viele die neue Mama Afrika ist, nachdem Miriam Makeba starb, auch mit einer eigenen Stiftung ein. Die soll jungen Mädchen Gymnasial- oder Universitätsausbildungen finanzieren. Angélique Kidjo wollte einst Anwältin für Menschenrechte werden. Doch dann entschied sie sich für ein Leben als Musikerin — weil Musik „eine eigene Sprache hat“ und die Menschen leichter erreicht. „Ich möchte sie inspirieren, dass sie an der Bildung, der Ernährung und dem Schutz für Kinder arbeiten“, sagt die 49-Jährige.   (hm)


     

    ADNAN MOKRANI

    Der erste Moslem an der Gregoriana

    Acht Jahre lang lehrte der Islamwissenschaftler Adnan Mokrani als Gastdozent an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, am Institut für Religions- und Kulturstudien. Jetzt hat er einen unbefristeten Lehrauftrag erhalten und ist der erste fest angestellte Moslem an der von Jesuiten getragenen Uni. Möglich macht dies ein kirchenrechtliches Konstrukt, das aus ihm einen „professore aggregato“, einen „dazugehörigen Professor“ macht. Der Tunesier hatte nach dem Mord an drei Christen in Mossul 2007 Aufsehen erregt, weil er in einem Brief an den ermordeten Priester schrieb: „Ich bitte dich um Verzeihung, mein Bruder, dass ich nicht an deiner Seite war. Aber die Kugeln, die deinen reinen und unschuldigen Körpr durchschlugen, sind auch mir durch Herz und Seele gegangen.“   (hm)