Magazin > Heft 06-2009

ÜBERSICHT

REPORTAGE 1 – Die Geschichte von Bashir
REPORTAGE 2 – Die Großen Mütter
INTERVIEW – Mina Ahadi
NACHRICHTEN
MENSCHEN

         

REPORTAGE 1 – 06-2009:



Die Geschichte von Bashir

Über die zunehmende Zahl von Erbkrankheiten spricht man nicht in der palästinensischen Gesellschaft, die durch Israels Mauer abgeschottet ist. Doch hier ist die Geschichte des 17-jährigen Bashir.

Text: Brigitte Hürlimann

Fotos: Peter Dammann

   

Zum 173. Mal Abschied nehmen: Es wird jedes Mal schwieriger, trauriger, tränenreicher. Pflegerinnen, Ordensfrauen, Ärztinnen, Therapeutinnen, Praktikanten, Sozialarbeiter und Sekretärinnen stehen um ihn herum, winken, lachen und weinen, wünschen ihm nur das Beste. Wie lange wird Bashir weg bleiben, bei seiner Familie in Doura wohnen, bis es ihm wieder so schlecht geht, dass er zurück ins Spital muss? Wird er es auch beim 174. Mal noch rechtzeitig nach Bethlehem schaffen? Trotz der gut eineinhalbstündigen Fahrt, den Checkpoints, den gesperrten Straßen, spontanen Kontrollen, all den Wirren im besetzten Land? Wie viele palästinensische Kinder sind schon daran gestorben: weil man sich nicht fortbewegen konnte. Weil die Grenzen geschlossen waren. Wegen unnötiger bürokratischer Schikanen.

Aber von all dem Mühsal und all den Ungerechtigkeiten ist jetzt nicht die Rede, an diesem frühen Samstagmorgen auf Station B im Caritas Baby Hospital von Bethlehem, direkt hinter der israelischen Mauer und nur wenige hundert Meter von Jerusalem entfernt. Heute trägt Bashir zum ersten Mal den silbergrauen Anzug, den ihm sein ältester Bruder, Ayman, geschenkt hat. Wenige Wochen ist es her, als sein Gesundheitszustand so miserabel war, dass alle meinten, nun müsse er sterben. Bashir aber hat einmal mehr gekämpft und überlebt, und heute darf er nach Hause, zur Mutter, zu den Brüdern und Schwestern. Zum Anzug trägt er ein rosa Hemd, ein rosa Einstecktuch und eine silberne Krawatte, alles ganz neu. So sehr Mann, so elegant und weltgewandt, war er noch nie.

Bashir ist siebzehn Jahre alt, trägt meist Pyjamas und hat die Statur eines unterernährten Zehnjährigen. Dass ihn die Erbkrankheit, die in seiner Familie grassiert, noch nicht dahingerafft hat, ist ein schieres Wunder. Doch der kämpferische Bashir ist schwach geworden; die Krankheit, die seinen Stoffwechsel beeinträchtigt, nähert sich dem Endstadium. Stück für Stück macht sein Körper nicht mehr mit…

 

 

REPORTAGE 2 – 06-2009:

Amina Shabani, 75: In den fünf Gräbern vor meiner Hütte sind mein Mannund vier meiner Kinder begraben. Alle 
		Vier sind an Aidsgestorben. Meine Tochter Nacifa starb vor zwei Jahren,kurz vor ihr mein Schwiegersohn.Seitdem lebt 
		mein Enkel Naura bei mir. Ich bin müde.Wenn Aids nicht unsere Familieheimgesucht hätte, wäre ich nicht so depressiv 
		geworden. Eigentlich will ich nicht mehr leben. Aber meine Enkelkinder brauchen mich. Ich habe große Angst davor, was wohl 
		mit ihnen geschieht, wenn ich tot bin.

Die Großen Mütter

Aids hinterlässt in Afrika Millionen Waisen. Und Millionen von Großmüttern, die in hohem Alter noch einmal Elternpflichten übernehmen. Sie tun alles für das Überleben der Kinder.
 

Text: Hildegard Mathies/Christoph Gödan
Fotos: Christoph Gödan

„Manchmal glaube ich, dass ich bald verrückt werde.“ Meliana Bwijuka umfasst ihren Stock, als könne sie damit den Wahnsinn in die Flucht schlagen, sollte er sich in ihren Kopf wagen. Als könne das lange, dünne Holz mehr sein als eine Stütze für ihren 82-jährigen Körper. Meliana ist eine Frau, die kämpft, eine Frau, die es gewohnt ist durchzuhalten, die Schwäche nicht zulässt. Von einem friedlichen Leben als Patriarchin, umsorgt von ihrer Familie, kann sie nur träumen. „In meiner Hütte leben 13 Menschen“, erzählt sie, „es gibt dauernd Streit.“ Meliana wohnt in Kihumuro, Tansania. Sie sorgt noch immer für ihre Familie, für Kinder und Enkel. Ihre Enkelinnen Desta, Fidalita und Miriana leben bei ihr. „Ihr Vater ist vor drei Jahren gestorben“, sagt Meliana. „Ich glaube, es war Aids. So genau weiß ich das nicht, aber er hat sich ständig mit anderen Frauen rumgetrieben.“ Ein anderer Sohn lebt noch bei ihr. „Ab und zu hat mein Sohn Arbeit als Tagelöhner, aber das ist selten.“ In Melianas Gesicht hat die Kraft, die sie jeden Tag aufwenden muss, um alles zusammenzuhalten, einen entschlossenen Zug rund um ihren Mund gegraben.

Meliana teilt ihr Schicksal mit vielen Müttern in ganz Afrika: ihre Kinder sind an Aids gestorben und sie ziehen nun ihre Enkel auf, meist unter großen Entbehrungen und ungeachtet ihrer eigenen Gebrechen. Oft pflegen die alten Frauen — nur wenige Väter und Großväter tun das gleiche — weitere todkranke Kinder oder die Aids-infizierten Enkel. Ein Drittel aller Haushalte im subsaharischen Afrika, dem größten Teil des Kontinents, werden von den Alten geführt, obwohl sie oft selbst zu den Ärmsten und Schwächsten gehören in ihrem Land.

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INTERVIEW 06-2009

Interview mit
Mina Ahadi

Die Anwältin der Abtrünnigen

Fotos: Klammer/laif

Auf die Abkehr vom muslimischen Glauben steht nach dem islamischen Recht die Todesstrafe. Mina Ahadi, 53, setzt sich in Deutschland für Menschen ein, die sich vom Islam lossagen. Sie gründete 2007 den Zentralrat der Ex-Muslime in Deutschland und lebt seitdem gefährlich.

Sie wollten das Interview an einem geschützten Ort führen. Wovor haben Sie Angst?

Als wir 2007 den Zentralrat der Ex-Muslime gegründet hatten und das erste Interview über diese Kampagne gaben, erhielten wir sehr viele Hassbriefe und Morddrohungen. Wenn eine Frau öffentlich sagt, dass sie nicht mehr Moslem sein will, ist das eine große Sünde. Deswegen werde ich von der Polizei beobachtet und geschützt. Aber ich muss auch selber wach und aufmerksam bleiben.

Warum haben sie den „Zentralrat der Ex-Muslime“ gegründet?

Ich bin nicht gegen Muslime oder gegen die Religiosität. Ich komme selbst aus einer moslemischen Familie. Meine Mutter und all meine Geschwister sind sehr gläubig. Religion ist aus meiner Sicht Privatsache und sollte es auch bleiben. Ich denke aber, wir haben es im Nahen Osten oder besonders seit der Revolution im Iran vor 30 Jahren mit einer politisch aggressiven islamischen Bewegung zu tun, die auch im Ausland aktiv ist. In Deutschland gibt es verschiedene islamische Organisationen, die versuchen, im Namen der drei Millionen Muslime in der Bundesrepublik eine Politik durchzusetzen, die nicht in Ordnung ist.

Warum ist es Ihnen so wichtig, die Ex-Muslime zu vertreten?

Viele Menschen wie ich sind aus islamischen Ländern geflüchtet, andere sind Gastarbeiter — aber wir sind hier in erster Linie als Menschen. Wir möchten hier leben und frei sein, besonders als Frauen. Wir möchten nicht, dass fanatische, islamische, reaktionäre, frauenfeindliche Organisationen hier noch mehr Macht in Politik, im Unterricht und überall gewinnen. Ich habe Sorge, dass die Probleme vor allem von moslemischen Mädchen und Frauen noch schlimmer werden, wenn islamische Organisationen hier mehr Macht gewinnen.

Sie bekämpfen den politischen Islam, nicht aber die Religion?

Ich bin total gegen den Islam als Religion. Weil er zutiefst frauen- und menschenfeindlich ist. Als Kind und junges Mädchen habe ich sehr viel Negatives erlebt, ich sollte mit einem Tschador auf die Straße gehen und durfte viele normale Sachen nicht. Was den Zentralrat der Ex-Muslime betrifft, sind wir skeptisch und kritisch gegenüber dem Islam als Religion. Aber in erster Linie kämpfen wir gegen einen politischen Islam.

Wie viele Mitglieder hat der Zentralrat für Ex-Muslime?

Unsere Organisation hat 500 Mitglieder. Aber wir haben sehr viel mehr Sympathisanten. Wir sind der Meinung, dass die Menschen, die in Deutschland leben, ihre Religion haben und sie leben dürfen. Aber zu Hause. Religion darf keine politische Sache sein und Kritik an Religionen, auch am Islam, muss möglich sein. Das hat nichts mit Islamophobie oder Ausländerfeindlichkeit zu tun. Wir verteidigen die Universalität der Menschen- und Frauenrechte, freie Meinungsäußerung und so weiter. Ich denke, wir vertreten damit Millionen Muslime und Nicht-Muslime in Deutschland. Wir vertreten alle Ausländer oder Immigranten, die hier leben und sich integrieren möchten, die keine Parallelgesellschaft und keine kleinen nationalistischen Gruppen möchten, sondern eine offene Gesellschaft.

Bleiben Ihre Mitglieder anonym?

Fast alle, leider. Denn dadurch haben wir kaum jemanden, der sich traut, mit Gesicht und Namen in den Medien aufzutreten. Fast alle haben Angst, Probleme am Arbeitsplatz und in der Familie oder Sicherheitsprobleme zu bekommen.

Ihre Organisation tritt nach außen extrem provokativ auf. „Wir haben abgeschworen“, lautet Ihre Kampagne und der Titel Ihres Buches. Muss das sein?

Ja, das muss sein. Weil die Mainstream-Medien sonst kein Interesse haben, die andere Gruppe Menschen aus islamischen Gesellschaften vorzustellen, die gegen islamische Organisationen hier im Land sind. Aus meiner Sicht haben Journalisten und Medien Angst, dass man sie der Islamophobie, also der generellen Feindseligkeit gegenüber dem Islam, bezichtigt. Tatsächlich gibt es hier und da auch Morddrohungen gegen Journalisten, die kritisch über den Propheten Mohammed schreiben. Ein anderer Punkt ist, dass viele Medien in Deutschland antiimperialistisch und multikulti-orientiert sind. Ich finde, sie machen es sich wirklich bequem, wenn sie sagen: Wir sind für Ausländer, die haben halt eine andere Kultur und eine andere Mentalität, und man muss alle Kulturen respektieren.

Was ist daran falsch?

Ist das „Kultur“, wenn ein Mädchen keinen Freund haben darf? Wenn eine Frau nichts wert ist, wenn man sie zu Hause Frau vergewaltigen kann und wenn man seine Tochter umbringen kann, dann ist das doch keine Kultur!

Was ist Ihr Maßstab?

Die Menschenrechte. Wenn Sie als Deutsche sehen, wie ich zuhause geschlagen werde und Sie gucken weg und sagen, die haben eben eine andere Kultur, dann ist das aus meiner Sicht umgekehrter Rassismus. Ich sehe bei dieser Politik in Deutschland eine Gleichgültigkeit gegenüber unseren Problemen.

Sie sind also auch mit den Politikern unzufrieden?

Die Parteien, von der CDU über die Grünen bis zu den Linken, sind alle sehr islamfreundlich. Das können sie ruhig sein, solange sie nicht übersehen, dass wir es nicht nur mit einer anderen Kultur oder einer anderen Religion zu tun haben, sondern mit einer politischen Bewegung. Ich finde es problematisch, dass die politischen Parteien islamische Organisationen akzeptieren und mit ihnen zusammen arbeiten, die den Ehrenmord verteidigen, den Bau von Moscheen vorantreiben und uns liberalen Muslimen und Ex-Muslimen hier das Leben schwer machen.

Sind Sie gegen den Bau der Kölner Moschee?

Absolut. Moscheen werden hier gebaut, weil islamische Organisationen in Deutschland Macht haben möchten. Aber das will hier keiner wahrhaben. Sie sagen, das helfe bei der Integration und bieten in der Moschee noch einen Deutschkurs an. Das ist total falsch. Die Moschee ist das Gegenteil von Integration. Wenn jemand Deutsch lernen möchte, gibt es genug andere Möglichkeiten. Ich habe Kontakt zu vielen muslimischen Familien und weiß, was da läuft. Wenn ein 18-jähriger Junge unter dem Deckmantel der Integration zu der einen Tür der Moschee reingeht, kommt er aus der anderen Tür als Sympathisant von Selbstmordattentätern heraus. Und das wird hier nicht gesehen. Ich darf so reden, weil ich einer von diesen Ausländern bin. Ich darf das kritisieren. Aber in der Politik wird nicht über den türkischen Nationalismus gesprochen, es wird nicht über fanatische religiöse Organisationen gesprochen. Alles wird unter einen Teppich gekehrt.

Was haben Sie bislang bewegt?

Wir haben weltweit sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Es gibt jetzt einen Zentralrat der Ex-Muslime in England, in Skandinavien und in der Schweiz. Und wir sind dabei, auch in Österreich einen zu gründen. Die Menschen spüren einfach, dass es immer schlimmer wird, wenn niemand gegen die islamischen Organisationen seine Stimme erhebt. Wir haben seit 2007 eine andere Fahne gezeigt und ich denke, wir konnten deutlich machen, dass man nicht alle Muslime in einen Topf werfen kann. Wir sind in dieses Land gekommen, weil hier Frauen ohne Kopftuch auf die Straße gehen dürfen, weil Mädchen hier einen Freund haben dürfen und kein Schwein mich zu Hause schlagen darf, weil ich mich nicht gewaschen habe. Wir sind in Europa und wir wollen diese Werte verteidigen.

Sie sagen, der Islam sei nicht reformierbar. Was meinen Sie damit?

Was ist Islam? Eine Religion mit einem Buch namens Koran. Es ist heilig und man darf nichts daran ändern. Mein Großvater war Atheist und zu Hause wurde über den Koran diskutiert. Er hat keine Morddrohungen bekommen und das ist 40 Jahre her. Ich bin zwei Generationen später geboren. Wenn ich heute sage, dass dieser oder jener Satz im Koran nicht richtig ist, erhalte ich sofort eine Morddrohung.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie jede Religion als ein Instrument der Unterdrückung empfinden?

Aus meiner Sicht gehören alle Religionen der Vergangenheit an. Wenn man heute als moderner Mensch diese „heiligen Bücher“ liest, kann man bemerken, dass das nichts mit unserem Leben jetzt zu tun hat. Es gibt sehr viele frauenfeindliche oder menschenfeindliche Zitate und sehr viele Verbote und Einschränkungen. Der Mensch ist nicht frei, wenn er einer Religion angehört. Aber wir leben in einer Welt mit vielen Problemen. Und ich kann verstehen, dass einige Leute versuchen, Halt zu finden in einer Religion.

Sehen Sie eine Alternative zur Religion?

Die Alternative ist eine Welt mit absoluter Freiheit. Alle Menschen haben Kapazitäten, sie können arbeiten, sie können leben, sie können frei sein ohne politischen Druck, ohne moralischen Druck, ohne wirtschaftlichen Druck. Und wenn so etwas funktioniert, wenn es ein menschliches Zusammenleben gibt, spielt Religion, denke ich, immer weniger eine Rolle. Ein freier Mensch — frei von wirtschaftlichem, kulturellem Druck — kann meines Erachtens besser mit Religion umgehen als ein Mensch, der abhängig ist und in diesem religiösen System lebt.

Die Bundesrepublik Deutschland ist kein absolut säkularer Staat. Wie finden Sie das?

Schlecht, weil die Islamisten genau durch dieses Loch schlüpfen. Denn wenn die christliche Religion eine Rolle in der Politik spielt, dann muss auch der Islam eine Rolle spielen dürfen, argumentieren sie. Deswegen treten wir für eine 100-prozentige Trennung von Staat und Religion ein.

Der Iran ist Ihre Heimat. Wie sehen Sie die Zukunft dort?

Ich bin sehr optimistisch. Seit einigen Monaten gibt es eine Art Revolution gegen das islamische Regime. Natürlich hat das mit der Wahl angefangen. Aber das Motiv, warum Millionen Menschen auf die Straße gegangen sind, war nicht in erster Linie, dass sie Mir Hossein Musawi an der Macht sehen wollten. Die Menschen im Iran sind unzufrieden. Es gibt sehr viele Bewegungen gegen die Religion und dieses religiöse Regime. Es gibt Frauen- und Arbeiterbewegungen, jugendliche Bewegungen im Iran. Die Menschen sind auf die Straße gegangen und haben laut gesagt: Wir möchten überhaupt kein islamisches Regime mehr. Sie möchten einen freien Iran, der offen ist gegenüber dem Ausland, zusammen mit dem Westen arbeitet.

Sie sind aber sehr unzufrieden mit der Haltung der deutschen Regierung zum Iran...

Richtig. Seit 20 Jahren laufe ich mir die Hacken ab wegen der Menschenrechtsverletzungen im Iran. Ich war einige Male im deutschen Parlament, habe dort mit CDU, SPD und mehreren Menschenrechtsausschüssen gesprochen. Jeder ist zwar für Menschenrechte. Aber viele reagieren gleichgültig, was die Menschenrechte im Iran anbelangt. Dabei hat die Regierung Kontakt mit dem Iran. Deutschland spielt eine sehr große Rolle im Iran. Es werden sehr viele Geschäfte gemacht. Deswegen meine ich, die deutsche Regierung kann Menschen helfen. Die europäischen Regierungen haben ein Interesse an einem Iran ohne Atomwaffen und an einer Regierung, die nicht den Terrorismus verteidigt. Und da gehen Millionen Menschen auf die Straße und erklären, wir möchten keine Atomwaffen und wir möchten mit dem Ausland zusammen arbeiten. Das ist ein Hilferuf. Die deutsche Regierung könnte etwas tun, sie könnte zum Beispiel die Botschaften hier schließen. Das wäre eine Möglichkeit. Wie lange will man denn noch warten?

Ihr erster Ehemann ist ermordet worden und viele andere Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld auch. Spielt Rache für Sie eine Rolle?

Überhaupt nicht. Ich bin gegen diese mittelalterliche Lynchjustiz, egal wie viel jemand gelitten hat, und ich engagiere mich auch gegen die Todesstrafe im Iran. Ich werde oft gefragt, ob ich die Mörder meines Mannes umbringen möchte. Nein, denn dann geht die Spirale der Gewalt immer weiter. Genau das möchte ich nicht. Ich erlebe im Iran eine Renaissance gegen Terror und blindes Morden. Seit einigen Monaten wird in Kurdistan jede Woche ein Mullah umgebracht. Und natürlich findet das viele Sympathien. Aber mehrere Oppositionsparteien im Iran haben das offen verurteilt. Und die Menschen in Teheran haben einen Aufruf gegen diese Art von Terror gemacht. Ich finde, das ist unser Ausweg.

Gab es in Ihrer Jugend so etwas wie eine Initialzündung für Ihr politisches Engagement?

Ich komme aus einem Dorf. Als ich 9 Jahre alt wurde, sollte ich mit dem Tschador auf die Straße gehen. Als Jugendliche fingen diese Einschränkungen an mich zu stören. Ich habe damals schon angefangen Bücher zu lesen. Vielleicht hat auch mein Großvater eine Rolle gespielt. Er war Atheist und hat zum Beispiel zu Hause Wein getrunken. Er hat über alles gelacht, auch über den Islam. Großvater lebte in der Großstadt, in Teheran, und besaß viele Bücher. Wenn wir ihn besuchten, hat mich das jedes Mal beeindruckt. Wir verbrachten drei Monate im Jahr in der Hauptstadt und sind dort ohne Kopftuch auf die Straße gegangen. Ich habe damals gedacht, dass es für mich besser wäre, in Teheran zu leben. Ich habe angefangen, mich kritisch mit Religion und speziell mit dem Islam auseinanderzusetzen. Als ich das erste Mal nicht gebetet habe, bekam ich große Angst. Drei Monate lang habe ich Albträume gehabt. Das war nicht einfach. Solche Erinnerungen helfen mir, heute gegen den Islam und für Frauenrechte einzutreten.

Sie sind nicht mehr religiös verankert. Was gibt Ihnen Kraft?

Die Menschen. Für mich ist der Mensch ein heiliges Phänomen. Jeder ist einzigartig und jeder hat auch eine positive Seite. Bis auf diejenigen, die mir wehgetan haben vielleicht. Jeden Tag bekomme ich Anrufe aus Afghanistan, Pakistan, heute aus dem Irak. Und die Menschen erzählen mir ihre Probleme. Ich versuche, ihnen zu helfen — so weit es geht. Ich möchte, dass es allen gut geht. Menschen helfen, retten und irgendwie eine Kultur schaffen, die human und offen und menschlich ist. Das gibt mir Kraft.

Das Gespräch führte Veronika Buter  

 

ZUR PERSON
Mina Ahadi

Als Medizinstudentin ging die Iranerin Mina Ahadi, Jahrgang 1956, für ein freies Leben ohne Schleier in Teheran auf die Straße. Sie wurde wegen ihrer politischen Aktivitäten verfolgt und tauchte unter. Ihr Ehemann wurde verhaftet und hingerichtet, sie selbst in Abwesenheit zum Tod verurteilt. Nach zehn Jahren in kurdischen Flüchtlingslagern gelangte sie nach Europa. Sie hat einen österreichischen Pass und lebt seit 1996 in Köln. Ahadi ist Angestellte der Giordano-Bruno- Stiftung. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
 
 

 

 

Nachrichten 06-2009:

LANDNAHME

Millionen Hektar im Handel

Land ist eine der wertvollsten Waren der Welt geworden, Tendenz weiter steigend. Millionen Hektar werden von Entwicklungsländern an Industrie- und Schwellenländer verkauft oder verpachtet. Oft werden dafür Kleinbauern mit Gewalt von ihrem Land vertrieben.

Das weltweite Geschäft mit Land boomt: Große Industrie- und Schwellenländer pachten oder kaufen millionenweise Hektar Ackerland in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Zwei Hauptgründe: Sie wollen auf diese Weise die Ernährung ihrer eigenen Bevölkerung sichern oder Energiepflanzen anbauen, um ihren Energiebedarf zu decken. So hat beispielsweise China bislang insgesamt 2,1 Millionen Hektar Land in Mexiko, Kuba, Kamerun, Uganda, Tansania, Laos, Australien, Kasachstan, Russland und auf den Philippinen erworben. Neben Reis für die Ernährung des 1,3-Milliarden-Volkes werden Pflanzen angebaut, die zur Gewinnung von Bioenergie dienen. Südkorea hat bislang 2,3 Millionen Hektar erworben — in Argentinien, Indonesien, der Mongolei, im Sudan und auf Madagaskar. Dabei sind es nicht immer die Regierungen, die die Geschäfte machen, sondern oft Großkonzerne, die als private Investoren in den Entwicklungsländern auftreten. Ein großer Deal zwischen dem südkoreanischen Konzert Daewoo und Madagaskar, wo das Unternehmen Land auf 99 Jahre hinaus pachten wollte, ist nach blutigen Protesten zu Beginn dieses Jahres gescheitert. Denn die Bevölkerung nimmt die Geschäfte nicht immer hin. Auch in Kambodscha kommt es zum Beispiel immer wieder zu Protesten gegen das sogenannte „Land grabbing“, den Landraub. Zwar sind ausländische Investitionen — vor allem im Bereich der Landwirtschaft — für viele Länder lebensnotwendig, doch werden die großen Geschäfte mit Land in der Regel auf dem Rücken der Kleinbauern ausgetragen. Oft können die Landwirte nicht beweisen, dass sie die Landrechte für ihr Stück Land oder ihre Farm besitzen. Die brutale Vertreibung von Bauern ist an der Tagesordnung.Welche Folgen Verpachtung oder Verkauf des eigenen Landes in großem Stil haben, lässt sich nur ahnen, sagt etwa die Nichtregierungsorganisation Grain, die sich für die Rechte von Kleinbauern einsetzt. Sie befürchtet, dass das Kleinbauerntum an vielen Orten der Welt verschwindet und Bauern nur noch in Abhängigkeit von Großkonzernen — etwa als deren Pächter — arbeiten können. In vielen Ländern werde die Orientierung auf die Produktion für den Export verfestigt — was für die Menschen vor Ort fatal sei, so Grain.“  (hm)

Infos: www.welthungerhilfe.de; www.grain.org
 

STANDPUNKT

Dr. Rafael Schneider, 38
Referent Entwicklungspolitik Welthungerhilfe

Seit Jahren fordern Nichtregie-rungsorganisationen mehr Investitionen in Landwirtschaft und ländliche Räume der Entwicklungsländer. Mittel werden benötigt, um etwa Ernteerträge zu steigern, Schul- und Gesundheitswesen auszubauen. Nun sind die Investoren da. Im Gegenzug kommen Regierungen verarmter Länder an dringend nötige Devisen. Ein gutes Geschäft, wären da nicht die vielen Bauern, die mit Gewalt von ihrem Land vertrieben werden. Nun rächt sich, dass über Jahrzehnte der Agrarpolitik als Motor von Entwicklung kaum Beachtung geschenkt wurde. Regierungen, die Land an Investoren geben wollen, stehen in der Pflicht, Landrechte und das Menschenrecht auf Nahrung zu schützen. Damit die Investitionen dem Süden wie dem Norden nutzen, müssen sich die Regierungen zu einer Agrarpolitik bekennen, die neben wirtschaftlichen Aspekten Armutsreduzierung, Ernährungssicherheit, Wahrung der Menschenrechte und Nachhaltigkeit einschließt. Zu diesen Kriterien sollten sich auch Investoren verpflichten, denn Investitionen auf einem sozialen und ökologischen Pulverfass bringen wenn überhaupt nur kurzfristig Rendite.
 

BRASILIEN

Jugend: Mord häufigste Todesursache

Mord ist unter Jugendlichen in Brasilien die häufigste Todesursache. Fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern zwischen 12 und 18 Jahren gehen auf ein Gewaltverbrechen zurück, berichtet die brasilianische Presse unter Berufung auf eine Studie der Landesuniversität Rio de Janeiro. Demnach werden in dem südamerikanischen Land jeden Tag 13 Jugendliche ermordet, das sind knapp 5000 pro Jahr. Ein großer Teil der Morde ist auf Drogenkriminalität zurückzuführen. Jungen würden deutlich öfter Opfer als Mädchen, so die Studie, die in Zusammenarbeit mit Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, erstellt worden ist. Die höchste Quote der 267 untersuchten Städte weist Foz do Iguacu an der Grenze zu Paraguay und Argentinien auf. Hier wurden 9,7 Morde auf 100000 Jugendliche ermittelt. Viele Orte mit hohen Mordraten befinden sich am Rand von Großstädten, wo in den vergangenen Jahrzehnten immer größere Slumgebiete entstanden.   (kna)
 

HANDY & CO

Zu wenig Recycling

Alle eineinhalb bis zwei Jahre kauft sich der Deutsche im Durchschnitt ein neues Handy, meist um technisch auf dem neuesten Stand zu sein. Das Altgerät wandert in der Regel in die Schublade. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes liegen etwa 60 Millionen gebrauchte Handys in den Haushalten, obwohl viele ihrer wertvollen Inhaltsstoffe weiterverwendet oder recycelt werden könnten. Zum Beispiel teure oder rare Edelmetalle wie Coltan, deren Förderung vor allem in vielen armen Ländern die Gesundheit der Arbeiter und die Umwelt gefährdet beziehungsweise schädigt. Bis zu 80 Prozent des Handymaterials lassen sich wiederverwerten; dadurch könnten 240000 Tonnen Rohstoffe eingespart werden. In der Europäischen Union sind die Hersteller von  Elektrogeräten verpflichtet, Altgeräte fachgerecht zu entsorgen. Die Verbraucher sind ebenso verpflichtet, ihren Elektroschrott gesondert vom Hausmüll zu entsorgen. Oft wissen sie jedoch nicht, wo sie ausgediente Geräte wie Handy, MP3-Player oder andere abgeben können. Für Handys bietet die Telekom in Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe Versandtaschen an, mit denen man das Handy kostenlos an die Umwelthilfe schicken kann. Man kann das Gerät auch bei der kommunalen Sammelstelle abgeben.   (hm)
Infos: www.duh.de
 

Grafische Darstellung der Thematik

GESUNDHEIT

Ausbreitung von Aids in Afrika

Tödliche Engpässe bei der Versorgung von Aids-Patienten in Afrika beklagen Experten wie etwa die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Von sechs Millionen aidsinfizierten Afrikanern bekommen derzeit nur 2,2 Millionen die lebensverlängernden antiretroviralen Medikamente.

 

KOMPAKT

Rekord bei Freiwilligen

Rund 37500 deutsche Jugendliche haben im September ihren Freiwilligendienst im In- oder Ausland begonnen. Dies sei eine Rekordbeteiligung am gesetzlich geregelten Freiwilligen Sozialen und am Freiwilligen Ökologischen Jahr, so das Bundesfamilienministerium.

Zwangsheirat nimmt zu

In Deutschland steigt die Zahl der Hilferufe bei drohender Zwangsverheiratung. Bei der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes haben im vergangenen Jahr zum Beispiel 197 Frauen Hilfe gesucht, 15 Prozent mehr als 2007. Die Dunkelziffer ist hoch.

Sudan: Rückkehr ins Nichts

Seit dem Friedensabkommen von 2005 sind 1,9 Millionen Vertriebene in den Südsudan zurückgekehrt. Doch in ihren Dörfern fehlt es an fast allem. In 90 von 100 Dörfern gibt es keine Gesundheitsversorgung, nur in jedem 20. Dorf gibt es einen Arzt. In 80 Prozent der Orte haben Kinder keinen Zugang zur Schulbildung.

 

SAHELZONE

Die Wüste ergrünt

Man sieht die Wüste vor lauter Bäumen nicht. Was noch vor wenigen Jahrzehnten als unmöglich galt, wird jetzt Wirklichkeit: Die Sahelzone wird weitflächig wieder grün. Von Senegal bis nach Eritrea erstreckt sich die Sahel quer über den afrikanischen Kontinent. Allein in Niger wachsen derzeit rund 200 Millionen neue Bäume heran, schätzt Chris Reij, ein Geograf der Freien Universität Amsterdam, der Afrika seit Jahrzehnten bereist und das Phänomen gemeinsam mit deutschen und amerikanischen Wissenschaftlern untersucht hat. Von der Begrünung profitieren Mensch, Tier und Umwelt auf vielfache Weise: Die Ernteerträge werden besser und so steigen die Chancen, Dürreperioden zu überleben. Ganze Dörfer leben auf. Bäume, Sträucher und andere Pflanzen liefern natürliche Medikamente. Das Holz kann — kontrolliert abgeschlagen — etwa als Feuerholz dienen. Bei aller Begeisterung über die bisherigen Erfolge warnen Reij und seine Kollegen vor zuviel Euphorie: Knapp die Hälfte des Kontinents ist von Wüstenbildung bedroht.  (hm)  

UMWELT

Ratten als erfolgreiche Minensucher

Ratten sind besser als jeder Sprengstoff-Spürhund und wo sie im Einsatz sind, müssen weniger Menschen ihr Leben bei der Suche nach Minen aufs Spiel setzen. Die belgisch-tansanische Nichtregierungsorganisation Apopo setzt ihre 30 Nager derzeit in Mosambik ein, das über weite Teile mit Minen verseucht ist. Die Ausbildung der Ratten ähnelt der für Spürhunde, doch bei den Nagetieren setzen die Trainer nicht auf den Spieltrieb, wie beim Hund, sondern auf die Gefräßigkeit. Wenn eine Ratte Sprengstoff erschnüffelt hat, signalisiert ihr ein Klickgeräusch, dass sie dafür mit ihrer Leibspeise belohnt wird: Bananen. Die Minensucher mit der feinen Nase und dem langen dünnen Schwanz bringen einige Vorteile mit, die sie Hund und Mensch überlegen machen: Sie sind gegenüber fast allen Tropenkrankheiten, die sich Hunde einfangen können, resistent, also widerstandsfähig. Und sie sind schneller als ein Mensch: Wo ein Mensch einen ganzen Tag braucht, um eine Fläche von 200 Quadratmetern abzusuchen, schaffen zwei Ratten die gleiche Fläche in 40 Minuten. Wenn alle 30 Ratten im Einsatz sind, schaffen sie bis zu 1500 Quadratmeter am Tag. In Mosambik haben sie bislang etwa 400000 Quadratmeter geschafft, bei einer Landesfläche von rund 801500 Quadratkilometern und einer verminten Fläche von derzeit noch 60 Quadratkilometern. Die Riesenhamsterratten, die Apopo einsetzt, können aber noch mehr: In Tansania werden sie bereits für das Erschnüffeln von Tuberkulose eingesetzt. hm   (hm)
Informationen: www.apopo.org (englischsprachige Website)  

PROJEKT

Abrahamsschule

Gemeinsam lernen, gemeinsam leben: Dies ist das Ziel einer inter-religiösen Schule, die das Bistum Osnabrück gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde und islamischen Organsiationen ab Herbst 2011 betreiben will. Wenn die Stadt Osnabrück zustimmt, soll aus der Johannis-Grundschule in Anlehnung an den gemeinsamen Stammvater der Weltreligionen eine „Abrahamsschule“ werden. Das Konzept sieht unter anderem vor, dass der Religionsunterricht im jeweiligen Bekenntnis erteilt wird, von Lehrern, die selbst zur jeweiligen Religion gehören. Die Schüler sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei Religionen kennenlernen. Die „bleibende Fremdheit“ sollen sie akzeptieren und respektieren, schreibt Dr. Winfried Verburg, Leiter der Abteilung Schulen und Hochschulen im Bischöflichen Generalvikariat Osnabrück, im Konzept. Die Woche soll jeweils mit einem religiösen Impuls beginnen und enden. Die Schüler sollen lernen, miteinander gewaltfrei zu leben, sie sollen sich aus ihrer jeweiligen religiösen Überzeugung heraus auch gemeinsam sozial engagieren.  (hm)

 

 

MENSCHEN 06-2009

DAWIT SHANKO

Schuhputzer, Architekt, Visionär

Als Dawit Shanko ein Kind war, wollte er unbedingt zur Schule gehen, doch seine Eltern konnten den Schulbesuch nicht bezahlen. Also finanzierte er ihn sich selbst: als Schuhputzer. Der junge Äthiopier machte „eine Art technisches  Abitur“, wie er in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau sagte, und ging 1986 zum Studium in die DDR. Heute ist der 40-Jährige nicht nur Architekt, sondern vor allem auch Gründer und Chef des Vereins Listros, übersetzt „ Schuhputzer“. Der Verein hilft nicht nur kleinen Schuhputzern mit einem eigenen Stand, sondern fördert den Unternehmergeist und die Kreativität der Jungen. 130 Stände hat er bislang in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba ausgestattet. Die Jungen verkaufen nebenbei auch Obst, Gemüse oder Bücher. Shanko wünscht sich, dass auch bei der Entwicklungshilfe Eigeninitiative und Unternehmergeist stärker gefordert werden   (hm)

 

ARJEN HOEKSTRA

Erfinder des Wasser-Fußabdrucks

Rund um die Welt hat er in den vergangenen Monaten Schlagzeilen gemacht: Arjen Hoekstra, Wasserbauingenieur von der niederländischen Universität Twente. Der 42-Jährige hat den „Water Footprint“, den Wasser-Fußabdruck erfunden. Das ist eine Formel, die berechnet, wie viel Wasser der Mensch mit jeder einzelnen Tätigkeit verbraucht sowie für die Herstellung seiner Produkte. So werden für eine Jeans 10000 Liter virtuelles Wasser verbraucht. Die Idee dahinter: Die virtuellen Wasserströme sollen umgeleitet werden. Hoekstra wünscht sich, dass die Welt bewusster mit den Wasserressourcen umgeht: „Reduzieren wir die wasserintensive Landwirtschaft in den trockenen Regionen und überdenken wir den Export von Gütern, die mit viel Wasseraufwand produziert werden“, sagt Hoekstra. „Getreide etwa kann in Äthiopien viel wirtschaftlicher angebaut werden als in Ägypten.“   (hm)

 

NAHÉ MINT HAMDI OULD MOUKNASS

Kampfansage an El-Kaida

Sie ist die erste Außenministerin eines arabischen Landes: Nahé Mint Hamdi Ould Mouknass, 40, ist seit wenigen Monaten Außenministerin Mauretaniens. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war eine Kampfansage an das Terror-Netzwerk El Kaida. Die Ministerin forderte zudem eine neue Strategie im Kampf gegen Armut und Unwissenheit, um den Terroristen den Nährboden zu entziehen, auf dem sie ihre Anhänger finden. Politisches Engagement hat in der Familie von Nahé Mint Hamdi Ould Mouknass Tradition: schon ihr Vater war Außenminister. Von ihm erbte Nahé die Partei „Union der Kräfte des Fortschritts“. Die Ministerin ist umstritten: Sie wird beschuldigt Leibeigene zu halten.   (hm)