Magazin > Heft 03-2007

Reportage 1 – 03-2007:

Kreative Köpfe: Für die Künstler ist die Kooperative „Art Peace“ Ideen-Werkstatt und Familie in einem.

Visionen in Stein

Wer sie sieht, erliegt ihrer Schönheit: Shona-Skulpturen erzählen in einer faszinierenden Schlichtheit von Mythologie und Alltagsleben der Menschen, sie zeigen Motive aus alten Märchen und Sprichwörtern. Hergestellt werden die Skulpturen aus Springstone, dem härtesten reinen schwarzen Serpentin, der sich unter einer Hülle aus rötlich-braun oxidiertem Felsgestein verbirgt. In zehn kraftraubenden Arbeitsgängen werden die Figuren geschliffen und glatt poliert. Kritiker zählen die Bildhauer Simbabwes zu den besten ihrer Zunft.

Text: Beatrix Gramlich
Fotos: Ralf Niemzig

   

Handarbeit: In zehn kraftraubenden Arbeitsgängen werden die Figuren geschliffen und glatt poliert.

Doch seit dem wirtschaftlichen Niedergang des Landes bleiben die Touristen aus. Und die Künstler sind von Robert Mugabes Säuberungsaktionen betroffen, mit denen er im Umfeld der Wahlen 2005 jede politische Opposition zu vernichten versuchte. Jetzt hat die Künstlergruppe vor den Toren von Simbabwes Hauptstadt Harare von den Jesuiten ein Gelände zum Arbeiten zur Verfügung gestellt bekommen. Darüber hinaus versuchen die Ordensleute, die Bildhauer auch beim Verkauf ihrer Arbeiten zu unterstützen. Ein Kampf ums Überleben...


 


 

Stadtansicht: Wohlhabende Einheimische vergnügen sich vor Abu Dhabis Wolkenkratzer-Kulisse.

Reportage 2 – 03-2007:

Große Träume

Ausgebeutet und zusammengepfercht in riesigen Lagern: so leben die Arbeiter, die die Vorzeigestädte der Vereinigten Arabischen Emirate bauen. Besucher sollen das nicht sehen, und Medien ist der Zutritt zu diesen Camps normalerweise verwehrt. kontinente hat jedoch hinter die sauberen Fassaden von Abu Dhabi geblickt, geknechtete Arbeiter und versteckte Christen besucht.  

 

Text: Hildegard Mathies

Fotos: Günther Menn

 

Zubrot: Durch Näharbeiten für andere verdient sich dieser Arbeiter ein paar Dirham dazu.

Wer an Abu Dhabi denkt, denkt an Luxushotels und Golfplätze, an erfolgreiche Unternehmen und Hochhäuser. Doch Nasirs* „Zuhause“ in Abu Dhabi sieht anders aus: Eine dünne Matratze, ein Stück Leine, an dem sein bisschen Kleidung hängt und ein paar Plastiktüten für seine Sachen. Zum Schlafen legt er, wie andere auch, seine Matratze in die Mitte des fensterlosen 16-Mann-Zimmers, weil er keinen Platz in einem der leicht rostigen Etagenbetten abbekommen hat. „Richtig schlafen kannst du hier sowieso nicht“, sagt der 26-Jährige. „Es steht immer jemand auf, um zur Arbeit zu gehen oder kommt spät von dort zurück. Und irgendeiner schnarcht immer.“ Dazu brummen ein paar altersschwache Kühlschränke, die auch nicht gerade Vertrauen in ihre Fähigkeiten erweckende Belüftungsanlage und ein Ventilator unter der Decke. Gegen die 50 Grad Celsius im arabischen Sommer kommen die alten Klimageräte sowieso nicht an. Keine guten Voraussetzungen, um Kraft zu sammeln für die Arbeit auf dem Bau.

* Name von der Redaktion aus Sicherheitsgründen geändert.

 

 

Der Visionär: Jakob von Uexküll, 57, erhebt seine Stimme für zukünftige Generationen.

Interview 03-2007:

Der Vater des Alternativen Nobelpreises gründet den „Weltzukunftsrat“

Interview mit Jakob von Uexküll: Das Unmögliche möglich machen

„Warum bestrafen die Kirchen Umweltsünder nicht mit Exkommunikation?“, fragt sich Jakob von Uexküll, 57. Schließlich haben sie den göttlichen Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. „Wir haben nur noch wenig Zeit, um eine katastrophale Entwicklung zu verhindern“, sagt der Gründer des Alternativen Nobelpreises. Von allen gesellschaftlichen Kräften fordert der gebürtige Schwede radikales Handeln, um die Erde zu retten. Am 10. Mai gründet er zusammen mit dem deutschen Zukunftsforscher Herbert Girardet den „World Future Council“ (WFC): ein internationales, hochkarätig besetztes ethisches Forum, mit dem er das Weltgewissen wachrütteln will. kontinente traf Jakob von Uexküll in Hamburg.

Er wirkt wie ein zerstreuter Professor, nicht wie ein radikaler Weltverbesserer, der mit beiden Beinen fest auf der Erde steht. Die will der 57-jährige Briefmarkensammler und Gründer des so genannten „Alternativen Nobelpreises“ retten, bevor es zu spät ist. Mit seinem Preis zeichnet der dreifache Vater mit Magister in Politik, Philosophie und Wirtschaft, seit drei Jahrzehnten Persönlichkeiten aus, die praktische Lösungen für die großen Herausforderungen der Menschheit anbieten. Doch die Erde gerät immer mehr in Bedrängnis.

Der Alternative Nobelpreis ist doch recht bekannt und erfolgreich. Wozu brauchen wir einen „Weltzukunftsrat“?

Mein Ziel bei der Gründung der Alternativen Nobelpreises war natürlich, dass die Lösungen, die die Preisträger repräsentieren, auch umgesetzt werden. Aber es gibt große Widerstände. Nach einigen Jahren wurde mir klar, dass ein Preis nicht ausreicht, um die großen Probleme zu lösen, vor denen wir stehen. Wir brauchen unbedingt eine starke und dauerhafte Stimme, die für die zukünftige Generation spricht und diese Umsetzungsdefizite — also die Kluft zwischen dem, was heute gesagt und dem, was getan wird — überwindet. Dafür gründen wir den „World Future Council“. Wir sind heute in einer Situation, wo wir mehr Einfluss auf die Zukunft haben als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Mit unseren Handlungen und Nichthandlungen, unsere Entscheidungen und Nichtentscheidungen beeinflussen wir die Zukunft längerfristig und tiefgreifender als unsere Vorfahren je dazu in der Lage waren.

Wie wird der World Future Council arbeiten?

Wir leben derzeit in erschreckender Weise auf Kosten der Überlebenschancen unserer Kinder, Enkel und zukünftigen Enkel. Der WFC ist in erster Linie die Stimme zukünftiger Generationen. Es gibt einen Wert, über den weltweit Konsens herrscht. Und das ist die tief gefühlte Verantwortung so zu leben, dass wir eine bessere und zumindest keine schlechtere Welt hinterlassen. Hätten unsere Vorfahren nicht nach diesem Wert gelebt, wären wir nicht hier, wir wären längst ausgestorben.

Wer wird die Menschheit im Weltzukunftsrat vertreten?

Wir haben prominente Vertreter der Zivilgesellschaften, aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Das Spektrum ist schon einmalig. Wir wollen nicht eine weitere Gruppe sein, die Erklärungen veröffentlicht, die jemand anders dann umsetzen soll. Wir im WFC kümmern uns ebenfalls um die Umsetzung. Und deswegen arbeiten wir direkt mit Parlamentariern und politischen Entscheidungsträgern in der ganzen Welt zusammen. Der Rat hat eine normative Funktion, eine ethische Funktion. Er versteht sich als Weltgewissen, was besonders in Ländern des Südens sehr wichtig ist. Die Menschen dort sagen: „Wir brauchen eine starke Stimme, die sich für unsere Werte als Weltbürger einsetzt. Zurzeit werden wir von unseren Regierungen nur in unserer Eigenschaft als globale Konsumenten vertreten.“

Bedeutet das, das Problem bei der Umsetzung ist nicht Geld, sondern die richtige Lobby?

Es fehlt der politische Wille, nicht das Geld. Wer behauptet, Umweltschutz sei zu teuer, sagt damit, man könne es sich nicht leisten, diese Erde zu lieben. Das Hauptproblem ist heute dieser ökonomische Fundamentalismus, der die Rolle eines totalitären Systems eingenommen hat. Zwar wächst langsam das Bewusstsein dafür, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, um eine katastrophale Entwicklung zu verhindern. Aber zu sagen, all diese notwendigen Maßnahmen seien schön und gut, aber zu teuer, ist natürlich absurd. Bevor man die ökonomische Rechnung aufmacht, muss man die ökologische Rechnung aufmachen. Denn unsere Wirtschaft ist ja total abhängig von einer gesunden Natur. Die nötigen Gelder aufzutreiben, wenn der Wille dafür da ist, ist überhaupt kein Problem.

Warum will sich der WFC vorrangig dem Klimaschutz widmen?

Wir müssen einfach klar sehen: Wir haben das Gefühl für Gefahrenhierarchien verloren. Natürlich will man nachhaltig wirtschaften, natürlich will auch ich keinen Staatsbankrott. Obgleich es das schon mehrmals in der Geschichte gab. Die Folgen waren immer nach einer Generation überwunden, aber die Folgen eines Umweltbankrotts wirken noch tausend Generationen nach. Wir müssen ein neues Verständnis für Gefahren-, und für Wertehierarchien, bekommen.

Auch der WFC benötigt Geld um zu arbeiten. Wie gewährleisten Sie Ihre Unabhängigkeit?

Wir haben Geldgeber, die eingesehen haben, dass die Unabhängigkeit des WFC sein größtes Kapital ist und die Geld zur Verfügung gestellt haben, über dessen Verwendung wir als gemeinnützige Stiftung natürlich Rechenschaft ablegen werden.

Werden auch Religionsvertreter diesem Rat angehören?

Wir haben einen prominenten Buddhisten, Sulak Sivaraksa, der als Vater der Zivilgesellschaft in Thailand gilt. Wir haben sicherlich viele spirituell denkende Menschen, aber keine kirchliche Persönlichkeit. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass sie in Zukunft dabei sein werden. Der Patriarch von Konstantinopel etwa, Bartholomaios I., der sich seit Jahren sehr stark dem Umweltgedanken verschrieben hat, steht dem WFC sehr positiv gegenüber. Ich hatte Kontakt mit Vertretern verschiedener Religionen und ein sehr großes Interesse an unseren Anliegen festgestellt. Der Gedanke der Bewahrung der Schöpfung ist in den meisten Religionen ja sehr stark verankert. Aber es ist ihnen nicht gelungen, die Zerstörung der Schöpfung zu verhindern.

Was könnten die christlichen Kirchen für die Erreichung der Ziele tun, die sich der WFC setzt?

Ich meine, sie sind verpflichtet, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln. Der Patriarch von Konstantinopel organisiert jedes zweite Jahr ein Symposium zu „Religion, Wissenschaft und Umwelt“ und 2002 ging es um Wasserverschmutzung. Ich habe in meinem Vortrag erwähnt, dass unsere Vorfahren Brunnenvergiftung als Kapitalverbrechen angesehen haben und dass ich es gut fände, wenn die Kirche die schlimmsten Brunnen- und Wasservergifter exkommunizieren würde. Das gab einen großen Aufschrei unter den dort anwesenden Religionsführern, bis ein englischer Bischof schließlich sagte, also nein, die Kirche könnte nur aus dem Hintergrund führen. Und ich fragte, was denn noch passieren müsste und er sagte, das einzige, was noch helfen würde, wäre eine Katastrophe in den reichen Ländern. Und ich habe ihn gefragt, an welches Desaster er denn denke. An die Überflutung Londons, antwortete er. Das finde ich eine sehr merkwürdige Einstellung.

Das heißt, Sie sind enttäuscht?

Ja. Wenn man gläubig ist und zur Kirche geht, hat man auch gewisse Verpflichtungen. Und die sollten nicht nur auf dem privat-moralischen Gebiet liegen, ein Bereich, in dem sich Kirche ja sehr weit hervorwagt. Diese Verpflichtung sollte sich auch auf unsere Erde und die Bewahrung der Schöpfung beziehen, ohne die wir ja nicht leben können. Da hat die Kirche meiner Meinung nach viel zu viele Kompromisse gemacht, um als möglichst modern zu gelten. Sie ist da oft sehr schwach. Es gibt natürlich auch Ausnahmen: Bei einem Treffen in Salzburg mit Preisträgern des Alternativen Nobelpreises, hielt der Erzbischof , Alois Kothgasser SDB, eine sehr scharfe Rede, die unsere Preisträger enorm beeindruckt hat. Die Schöpfung ist ernsthaft bedroht, das lässt sich nicht mehr schönreden. Die Wissenschaftler sagen, dass wir die Wende binnen zehn bis zwanzig Jahren einleiten müssen. Das bedeutet, dass die entsprechenden Regelwerke, um diese Wende einzuleiten, innerhalb von drei bis fünf Jahren aufgestellt werden müssen. Das wird im Moment mehr und mehr Menschen bewusst, auch in den Religionsgemeinschaften. Dazu muss ich sagen: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Warnungen gibt es seit 30 Jahren. Und was haben die Kirchen in diesen 30 Jahren getan?

Was sollten sie denn tun?

Wenn man doch ein Mittel wie die Exkommunikation hat, dann sollten diejenigen, die die Schöpfung zerstören, die Ersten sein, die davon betroffen sind. Ich habe den Eindruck, dass die Kirchen oft Angst haben, sich zu sehr zu profilieren, dass die Gläubigen ihnen dann nicht mehr folgen, und dadurch die Machtlosigkeit der Kirchenführer offenkundig wird. Von dieser Angst müssen die religiösen Persönlichkeiten wegkommen und die Bewahrung der Schöpfung an erste Stelle setzen, statt sie nur gelegentlich in einer schönen Rede zu erwähnen. Alle anderen moralischen Gebote sind ja demgegenüber zweitrangig, nicht weil sie unwichtig wären, sondern weil sie sich ohne die Schöpfung, – eine gesunde Erde, ein sicheres Klima – erübrigen. Ich komme wieder zurück auf das, was ich am Anfang gesagt habe: Das Verständnis für Gefahrenhierarchien muss den Menschen wieder bewusst gemacht werden. Denn ohne eine gesunde Natur wird man kein anderes menschlich-moralisches Gebot aufrecht erhalten können. Dann werden wir Verhältnisse haben, wie nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans: In dem Stadion, in das sich die Menschen geflüchtet hatten, ging es schlimmer zu als in einem Slum in der „Dritten Welt“! Dort haben sich die jungen Männer mit Gewalt das wenige Trinkwasser geholt, das zu haben war. Die Alten, Frauen und Kinder bekamen nichts. Das heißt also: Wenn die Natur nicht mehr funktioniert, dann wird die menschliche Moral auch auf keinem anderen Gebiet mehr funktionieren. Dann werden wir einen Kampf aller gegen alle haben. Deswegen ist es wichtig, jetzt Prioritäten zu setzen.

Der WFC will sich vorrangig um den Klimaschutz kümmern. Welche Maßnahmen müssen Ihrer Meinung nach ergriffen werden?

Was man praktisch tun kann, ist von Land zu Land und von Mensch zu Mensch verschieden. Die meisten Menschen keine Dissidenten. Sie wollen gerne etwas tun und sind bereit, ihr Leben zu verändern. Aber sie wollen das Gefühl haben, dass es sich auch lohnt, wenn sie sich anstrengen. Sie wollen nicht recyclen, sparsam leben, wenig Abgase und Müll produzieren, wenn es in ihrer Nähe eine Fabrik gibt, die mit Erlaubnis der Regierung gigantische Mengen CO2 in die Atmosphäre pustet. Es muss leichter gemacht werden, gut zu sein, umweltgerecht und rücksichtsvoll zu leben, Verantwortung zu übernehmen. Das heißt natürlich eine Energiewende, dass heißt, dass man das Gute belohnt und das Schlechte verbietet beziehungsweise bestraft. Wir müssen jetzt die Grenzen anders setzen, im Interesse der Bewahrung der Schöpfung.

Energiesparlampen, Standby-Schalter — sind das nicht „Peanuts“?

Es gibt keine Reform, kein Gesetz, keine Verhaltensänderung, die uns 100 oder auch nur 50 Prozent der nötigen Reduktion von Treibhausgasen bringt. Energiesparlampen und Standby-Schalter bringen nur einen kleinen, aber trotzdem nützlichen Teil. Die Wissenschaftler sagen, dass wir die ganze Palette nutzen müssen: erneuerbare Energien maximalisieren, Energieeffizienz maximalisieren, das Verkehrswesen so umbauen, dass die Menschen ihren privaten Autoverkehr möglichst stark reduzieren. Das bedeutet natürlich, dass man Fußgängerzonen einführen und den öffentlichen Nahverkehr ausbauen muss. Es muss eine solare Bauverordnung erlassen und der Altbaubestand energetisch saniert werden. Es gibt sehr viele Wendemöglichkeiten. Es gibt allerdings auch Gebiete, wo es auch keine technischen Alternativen und keine Einsparmöglichkeiten gibt. Eines davon ist der Flugverkehr.

Wir Deutschen sind aber Weltmeister im Reisen…

Das muss man durch verschiedene Maßnahmen einschränken. Man kann Flugreisen unter einer gewissen Länge verbieten, es gibt zum Beispiel keinen Grund von Hamburg nach Frankfurt zu fliegen. Man kann etwas einführen, wie es jetzt die britischen Konservativen vorgeschlagen haben: dass jeder Bürger seinen eigenen CO2-Paß hat. Und die Besteuerung von Flugbenzin ist natürlich längst überfällig. Es wäre absurd den Flugverkehr weiter auszubauen. Er muss im Gegenteil stark reduziert werden. Es sollte ja nicht immer so weit kommen müssen wie jetzt in Hongkong, wo die Leute wegen der Umweltverschmutzung auf der Straße umkippen. Da kann man nicht mehr von Luftverschmutzung reden, sondern davon, dass die Luft stirbt. Ich kenne Leute, die sind von Singapur nach Hongkong gezogen. Die gehen jetzt wieder zurück, weil sie sagen: Ich kann es nicht verantworten, meine Kinder in dieser Luft leben zu lassen, auch wenn ich in Hongkong mehr Geld verdiene.

Doch wem nützt es, wenn ich auf mein Auto verzichte und in China werden täglich tausende Neue in Betrieb genommen?

Es ist ja nicht so, dass die Chinesen sagen: Klimaschutz ist uns egal, wir wollen uns jetzt erst mal weiter entwickeln. In Ländern, die so dicht besiedelt sind wie China oder Indien, wissen die Verantwortlichen genau, dass sie es sich gar nicht leisten können, die Umwelt dort zu zerstören. Den Chinesen ist zum Beispiel das Wasserproblem schon jetzt sehr bewusst. Die Tatsache, dass schon im Jahr 2020 – das zeigen viele Statistiken – 40 Prozent der Erdbevölkerung nicht mehr genügend Wasser haben werden, um ihre Lebensmittel herzustellen, wird gravierende Folgen haben: enorme Hungers- und Durstnöte sowie Millionen Umweltflüchtlinge. Und deswegen ist das Umdenken natürlich schon jetzt da. Vor den Toren von Shanghai wird gerade die erste Ökostadt gebaut. Davon brauchen wir in Zukunft hunderte, wenn nicht tausende. Aus der Arbeit mit dem Alternativen Nobelpreis haben wir gelernt, dass es auch Menschen im Süden gibt, die nicht nur ständig denken, wie sie möglichst schnell auf den Wachstumszug aufspringen können. Die haben auch schon gemerkt, was für Probleme dieser Zug mit sich führt.

Sie haben einen großen Teil Ihres privaten Vermögens in den Alternativen Nobelpreis gesteckt und widmen Ihr ganzes Leben der Zukunft der Menschheit. Was treibt Sie?

Ich könnte einfach sagen: Ich habe drei Kinder. Aber es gibt noch einen anderen Grund. Durch den Alternativen Nobelpreis lerne ich Menschen kennen, die oft viel mehr riskieren, als ich je riskieren musste. Wenn ich sehe, dass sie nicht aufgeben und sehr oft bereit sind, ihr Leben oder ihre Freiheit einzusetzen, dann habe ich keinen Grund, es nicht auch zu machen. Zumal ich hier die Öffentlichkeit habe, als Katalysator zu wirken und die Arbeit der Nobelpreisträger bekannter zu machen und jetzt im WFC solche Projekte zu vereinen. Der positive Widerhall zeigt mir, dass es hier um eine Idee geht, deren Zeitpunkt gekommen ist. Deswegen habe ich angefangen und deswegen mache ich weiter.

Und wie leben Sie selber? Fahren Sie Auto, fliegen Sie?

Ich habe kein Auto, ich lebe in London. Bei meinen Reisen versuche ich so oft wie möglich mit der Eisenbahn zu fahren. Allerdings ist mir klar, dass ich in meinem Leben viel mehr geflogen bin als das nützlich war. Ich glaube, dass wir jeden Tag Kompromisse schließen müssen.

Wie denken Sie über die heranwachsende Generation: Stimmt sie Sie positiv?

Das ist schwer zu sagen. Wenn man sich mit Menschen unterhält, spürt man eine tiefe Sorge und das Bewusstsein und den Willen, sich zu verändern. Für viele junge Menschen ist die Wahrheit natürlich ein Schock und sie ziehen sich zurück. Ich kenne Sozialarbeiter in Großbritannien, die sagen: „Frage ich einen 17-Jährigen, warum er Drogen nimmt, er müsse doch an seine Gesundheit denken, wenn er Mitte 30 ist, dann antwortet der: Ich werde doch sowieso keine 30. Ihr habt doch die Erde zerstört. Bis dahin ist unser Land doch überschwemmt.“ Aber ich erlebe auch, dass sehr viele junge Menschen erstaunliches Interesse zeigen, gerade in letzter Zeit. Sie sagen, „Es ist unser Leben, um das es hier geht“ und sind auch bereit, sich zu ändern und zu engagieren.

Manche Menschen sagen, Sie seien ein Angstmacher. Dabei trauen Sie der Menschheit doch zu, dass sie das Ruder auch noch einmal herum reißen kann…

Wir haben das Wissen dazu, und wir haben ungeahnte Möglichkeiten. Die nächsten Jahre sind entscheidend. Wer sagt, ich wäre ein Angstmacher, der verschließt die Augen vor der Wirklichkeit. Mich ärgert und frustriert nur, dass die Medien solche Menschen nicht schon längst ins Lächerliche gezogen haben. Denn Fakt ist, dass die Pessimisten und Warner der letzten 30 Jahre mehr als Recht bekommen haben. Ich war vor etwa 15 Jahren Europaabgeordneter der Grünen. Ich war auch kurze Zeit im Vorstand von Greenpeace. Und ich erinnere mich nicht einmal, dass die dortigen Fundis das vorausgesagt haben, was heute wissenschaftlicher Konsens ist. Konkrete Warnungen vor 30 Jahren wurden lächerlich gemacht, vor zehn Jahren hat man sie immer noch ignoriert und jetzt plötzlich wacht man auf und sagt: „Du Angstmacher!“ Inzwischen ist die Entwicklung tatsächlich zum ängstlich werden, weil wir die Jahre verplempert haben. Wir müssen schnell handeln und wir können das. In Deutschland merkt man gerade jetzt einen erstaunlichen Umschwung. Ein Umdenken findet statt. Es kommen praktische Vorschläge auf den Tisch, die einem Mut machen.

Interview: Veronika Buter

 

 

LEBENSWERTE 03-2007

Glaube, Hoffnung, Liebe, Klugheit, Gerechtigkeit, Maßhalten, Tapferkeit.

 

Die Tugenden. Das Wort klingt verstaubt und moralisierend. Deswegen spricht man heute lieber von „Werten“. In der Frage, welche Haltungen und Einstellungen Grundlage für das Handeln des Menschen sein sollten, geraten auch die christlichen Tugenden erneut in den Blick. kontinente lässt sich davon zu einer mehrteiligen Serie inspirieren. Mit Liebe beschäftigt sich der dritte Teil der Serie.
 

Liebe und lieben lassen

Was ist Liebe? „Sich ganz hinzugeben für andere“, sagt Schwester Lydia la Dous, in Klausur lebende Dominikanerin. Sie gab ihre Karriere als Astrophysikerin auf und lebt heute im Kloster in Regensburg. Mit Mechtild Kappetein aus Aachen, die als Mutter von drei Kindern die Liebe mit all ihrem Glück, aber auch mit großen Sorgen erlebt, spricht Schwester Lydia darüber, warum wir Menschen alles dafür tun zu lieben und geliebt zu werden.

Schwester Lydia la Dous, 50.

Text: Veronika Buter und Hildegard Mathies
Fotos: Uwe Moosburger/altrofoto.de

   

Was ist Liebe für Sie?

Schwester Lydia: Sich ganz hinzugeben für andere. Das ist im ersten Korintherbrief wunderschön zusammengefasst: die Liebe ist geduldig, die Liebe ist langmütig, die Liebe vergibt alles… Unterm Strich kommt raus: die Liebe will alles Gute für die Anderen, sie gibt sich vollständig hin zum Wohl der anderen, will nichts für sich.

Mechtild Kappetein: Das ist im Alltag so schwer!

Schwester Lydia: Ja, auch für uns Nonnen.

Mechtild Kappetein: Es ist besonders schwer, bei Menschen, denen wir sehr nah sind, nicht kleinlich, sondern geduldig und großzügig zu sein. Die Liebe erträgt alles, erduldet alles, oh wie schnell komme ich da an Grenzen. Mechthild Kappetein, 60.

Schwester Lydia: Sicher, aber wir wissen, dass Gott uns hilft, wenn wir es ins Gebet nehmen und sagen: „Gott gib mir die Kraft, ich kann nicht mehr.“ Und irgendwie geht es weiter.

 

 

 

 

 

Nachrichten 03-2007:

LATEINAMERIKA

Sekten locken Christen

Als „Kontinent der Hoffnung “ für die Kirche hat Papst Johannes Paul II. Lateinamerika einst bezeichnet. Durch den starken Zulauf bei Sekten und Pfingstlern verliert die Kirche aber an Boden.

Die Hälfte der katholischen Weltbevölkerung – rund 500 Millionen Christen – lebt in Lateinamerika, Tendenz sinkend. Dagegen haben Pfingstgemeinden und Sekten wie die „Universalkirche vom Reich Gottes“ großen Zulauf. Lange hat die Kirche weggeschaut und das Problem darauf reduziert, dass die Sekten aus den USA finanziert würden, sagt Michael Huhn, Leiter der Projektabteilung beim Bischöflichen Hilfswerk Adveniat. Bei der V. Generalversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM im Mai, die von Papst Benedikt XVI. eröffnet wird, soll das Thema einen Schwerpunkt bilden. Die CELAM-Konferenz soll anschließend in eine erneute Missionierung Lateinamerikas münden Mehr Mut zur Mission fordert auch Huhn von der Kirche. Und tatsächlich gibt es Ansätze, zum Beispiel verstärkte Hausbesuche, mehr Laien-Engagement und die Arbeit der Charismatischen Erneuerungsbewegung.

Die Sekten treffen Nerven bei den Menschen, weil sie die Bibel wörtlich auslegen und es in ihren Gottesdiensten Zungenreden und offenbar spontane Wunderheilungen gibt, bei denen Menschen etwa ihre Krücken wegschleudern und sich als geheilt präsentieren. Jesus wird in der Umarmung einer Schwester oder eines Bruders aus der Gemeinde als persönlicher Freund erfahrbar gemacht. Und vor allem: die Sekten versprechen, dass Gott die Gläubigen reich macht, wenn sie nur stark genug glauben und nach hohen moralischen Grundsätzen leben. Sie fordern außerdem den Zehnt oder auch ganze Monatsgehälter.

Mit ihrem Netz aus Fernseh- und Radiostationen sowie anderen Medien erreichen die Sekten Millionen Menschen. Längst nicht mehr nur in Lateinamerika, sondern auch in Europa, Afrika oder Asien, wohin sie Missionare entsenden. Zudem sind sie politisch aktiv, stellen Abgeordnete und suchen den Schulterschluss mit Präsidenten wie Brasiliens Lula da Silva. Und wo immer eine neue Siedlung entsteht: die Evangelikalen sind schon da. Mit einem Laien-Priester für 500 Menschen – Katholiken müssen sich ihren Pfarrer mit bis zu 15000 anderen teilen.  (hm)

 

INTERVIEW

Name: Michael Huhn
Alter: 50
Leiter der Projektabteilung bei Adveniat

Die Aufgabe für die Kirche?

Glaubwürdigkeit! Das ist die Aufgabe jedes Christen und jeder Kirche. Und religiöse Bildung. Die Menschen gehen zu den Pfingstlern, weil sie denken, das sei dasselbe. Sie müssen wissen, was katholisch ist.

Hat die Kirche ein Konzept?

Die katholische Kirche hatte sich sehr an ihre Monopolstellung gewöhnt. Man hielt es für unnötig oder unter seiner Würde, sich mit der lästigen Konkurrenz zu befassen. Es ist viel Zeit verschleudert worden durch das lange Weggucken. Die Kirche hat lange nicht begriffen: Wir leben in einer Zeit des Kapitalismus, wo fast alles zur Ware wird, auch die Religion.

Kann sie von den Sekten lernen?

Viele Christen finden in der Kirche nicht, was sie suchen: das Wort Gottes, Spiritualität, Heilung und Gemeinschaft. Und ganz wichtig: Die Sekten nehmen die Gläubigen ernst und fordern eine strenge Lebensführung, mehr Mitarbeit in den Gemein-den und finanzielle Beiträge. Es macht die Menschen stolz, dass sie gefordert werden.  (Interview: hm)

 

UMWELT

Gefährliche Müllberge

Der Giftmüll-Exporteur Trafigura, dessen wild abgekippte Fracht im August 2006 mehr als 70000 Menschen in Abidjan an der Elfenbein-küste krank machte und mindestens 15 Menschen tötete, hat sich freigekauft. Mit 159 Millionen Euro an die Regierung, darunter rund 40 Millionen für Entsorgung und den Bau einer Müllverbrennungsanlage. Müllexport ist ein Problem, gegen das Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace seit Jahren anzugehen versuchen. Ein Fünftel der 200 Tonnen kommunalen Mülls, der pro Jahr in Europa anfällt, wird in Entwicklungsländer gebracht. Dort wachsen riesige Müllberge, etwa aus Computerschrott, der von Kindern und Erwachsenen ohne Schutz und ausreichende Kenntnisse ausgeschlachtet wird — und ihre Gesundheit gefährdet  (hm)

 

ÄGYPTEN

Druck auf Christen

In Ägypten wird das Leben für koptische Christen immer schwieriger und in einigen Gegenden auch gefährlicher: Brandanschläge auf Familienhäuser und Anschläge auf Geschäfte, die von Christen geführt werden, wurden etwa vor einigen Wochen aus Armant gemeldet. Die Polizei setzte die betroffenen Familien fest und zwang sie, sich selbst der Brandstiftung zu bezichtigen, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Die Kopten sollten auch zugeben, dass sie die Taten Muslimen anhängen wollten. Der koptisch-orthodoxe Bischof für Deutschland, Anba Damian, sorgt sich auch deshalb um die Zukunft der Christen in Ägypten. Wegen des immer aggressiver werdenden Islams säßen viele junge Leute auf gepackten Koffern, so Damian. Aufforderungen, zum Islam überzutreten, erfolgen nicht mehr diplomatisch, sondern werden direkt ausgesprochen, etwa am Arbeitsplatz, berichtet der Bischof. Außerdem werden Christen öffentlich als Bedrohung für Muslime hingestellt. Die rund sieben Millionen Kopten sind die größte christliche Minderheit im Nahen Osten; in Ägypten zählt ein Fünftel der rund 79 Millionen Einwohner zu den Christen, die meisten sind koptisch-orthodox.  (hm/kna)

 

AUSSTELLUNG

Wege ins Paradies

Wo liegt das Paradies? Und was kostet es? Das sind nur zwei Fragen, die nach einem Besuch der Ausstellung „1001 Nacht — Wege ins Paradies“ beantwortbar sein sollen. Bis zum 30. Juli ist sie im Überseemuseum Bremen zu sehen (Bahnhofsplatz 13). Religiöse und weltliche Paradiesvorstellungen aus vielen verschiedenen Kulturen werden mit ihren Licht- und Schattenseiten dargestellt. Zu sehen sind der aztekische Gott Tlaloc, Modelle von Klostergärten und vieles mehr. Mit Geräuschen, Gerüchen und dem Gefühl, durch ein aufgeschlagenes Buch zu wandeln, erleben Ausstellungsbesucher, welche Vorstellungen vom Paradies, vom Jenseits und vom Diesseits sich Menschen von Anbeginn machen. Dabei geht es nicht nur um Religionen, sondern auch um Ideologien wie den Marxismus oder um die heutige Suche nach dem Paradies. Infos: 0049(0)421-16038101, Internet: www.uebersee-museum.de  (hm)

 

KOMPAKT

Ehrenamtspflicht

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist bereit, ein Ehrenamt zu übernehmen, wenn der Staat seine Bürger dazu verpflichten würde, lautet das Ergebnis einer Emnid-Umfrage. In bis zu 20 unbezahlten Stunden pro Jahr würde sich mehr als ein Drittel von ihnen um Kinder kümmern wollen.

Babyprämie

Frauen, die mehr als zwölf Kinder zur Welt bringen, erhalten beim nordindischen Volk der Khasi eine Geldprämie: umgerechnet 270 Euro, 16000 Rupien. Die Khasi wollen damit verhindern, dass sie wegen des Zuzugs von Einwanderern zur Minderheit in ihrem Gebiet werden.

Christenverfolgung

Rund 250 Millionen Christen werden in diesem Jahr verfolgt werden, schätzt die Organisation Release International (RI), die sich „Stimme der verfolgten Kirche“ nennt. Betroffen seien vor allem Christen in den Regionen, in denen Islam, Kommunismus, Hinduismus und Buddhismus vorherrschen, so RI.

 

AKTION TAGWERK

„Dein Tag für Afrika“: Schüler helfen

Nach der Schulzeit in die „Dritte Welt “: Das deutsche Bundesentwicklungsministerium führt einen Freiwilligendienst ein.

Bürostuhl statt Schulbank, Backstubendienst statt Pausenbrot: bei der „Aktion Tagwerk — Dein Tag für Afrika“ arbeiten Schüler aller Jahrgänge einen Tag lang in einem selbstgewählten Beruf. Ihr Ziel: Geld sammeln, damit Kinder in Afrika zur Schule gehen können. 45 Millionen afrikanische Kinder und Jugendliche haben derzeit keine Chance auf Schulbildung. Ihre deutschen Altersgenossen unterstützen durch die Aktion Bildungsprojekte von UNICEF und der Hilfsorganisation „Human Help Network“. Höhepunkt ist ein deutschlandweiter Aktionstag am 19. Juni. „Dein Tag für Afrika“ findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt, erstmals ist UNICEF als Partner mit dabei. Bislang hat fast eine halbe Million Schüler mitgemacht. Dabei sind insgesamt vier Millionen Euro zusammengekommen. Das Geld fließt nach Angola, Burundi, Malawi, Mosambik, Ruanda, Sudan, Südafrika und Simbabwe. Infos: 0049(0)6131-9088100, info@aktion-tagwerk.de, www.aktion-tagwerk.de.  (hm)

 

WARENTEST

Geprüfte Arbeit

Wer seine Kleidung mit gutem Gewissen tragen will und nicht mit dem Gefühl, dass sie unter unmenschlichen Bedingungen von ausgebeuteten Näherinnen produziert wurde, muss gut informiert sein, welche Firma wo und wie produzieren lässt. Manche Firmen verpflichten sich zu einem verantwortungsvollen und sozialen unternehmerischen Handeln – bezeichnet als Corporate Social Responsibility (CSR). Die Stiftung Warentest nimmt regelmäßig Produkte unter die Lupe und prüft sie nach CSR-Kriterien. Bislang wurden unter anderem getestet: Männerhemden, Fußbälle, Spielzeug, Tiefkühllachs und Rosen. Geprüft werden unter anderem Mindest-Sozialstandards wie Arbeitszeiten und Lohn, Arbeitsschutz oder Verpflichtung zur Vermeidung von Korruption. Informationen unter Telefon 0049(0)900-1583781, E-Mail: email@stiftung-warentest.de, www.stiftung-warentest.de   (hm)

 

 

 

MENSCHEN 03-2007

Mutig: Fotograf Akash riskiert gesundheit und Leben für die Wahrheit.

G.M.B. AKASH

Gefährliche Fotografie

Ein schmaler Junge an einer Nähmaschine, der den nächsten Schlag eines dicken Knüppels erwartet, ein angeketteter Junge in einer Koranschule: das sind nur zwei der Bilder von World-Press-Fotograf G.M.B. Akash, 30, die um die Welt gingen. In seiner Heimat Bangladesh haben solche Fotos geschundener Kinder Akash in Gefahr gebracht. Vor islamistischen Todesdrohungen floh er mit Hilfe der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte nach Deutschland. Hier zeigt er derzeit in kleinen Ausstellungen seine Bilder, etwa in Potsdam und Baden-Baden. Akash will „die Wahrheit dokumentieren und ans Licht bringen“, sagt er, „und Menschen zeigen, die am Abgrund leben“. Vor allem die Kinder, die in Steinbrüchen und Fabriken oder auf Müllhalden arbeiten und die Kinder, die unterdrückt werden. Nächstes Jahr will Akash zu ihnen zurückkehren. Im vergangenen Jahr hatte der engagierte Fotograf einen der World-Press-Preise in der Kategorie Alltagsleben erhalten.     (hm)

 

NICHOLAS NEGROPONTE

Ein Laptop für jedes Kind

Bildung ist der Schlüssel zur Lösung vieler Probleme, von Klimawandel bis Überbevölkerung — und ein tragbarer Computer mit Internetzugang ist der Schlüssel zur Bildung. Davon ist der amerikanische Internetpionier Nicholas Negroponte, 64, so überzeugt, dass er jedem Kind in einem Entwicklungsland einen Laptop schenken will. Die ersten fünf Millionen seiner kleinen grünen Computer schickt Negroponte ab Sommer nach Brasilien, Argentinien, Uruguay, Ruanda, Nigeria, Libyen, Pakistan und Thailand. 50 bis 100 Millionen Laptops sollen es 2008 werden. Ein Sicherheitssystem soll dafür sorgen, dass nur die Kinder die Computer benutzen können. Bei Diebstahl oder Verkauf werden sie unbrauchbar.     (hm)