Magazin > Heft 02-2007

Reportage 1 – 02-2007:

Reinigung: Die Schamanin betet für eine Pilgerin und reinigt 
		sie mit Wasser, dem Symbol für Leben und Reinheit.

Berg der Bitten

Die Mixteken, das „Volk aus dem Wolkenland“, pilgern von überall her zum Cerro de los pedimientos, dem Berg der Bitten, in Mexiko. Ihre Sorgen und Sehnsüchte bringen sie zu den alten Göttern und zu Christus. Kapuziner wie Padre Rodolfo sind dabei — und heilen alte Wunden, die die Kirche schlug.

Text: Thomas Wunram CPPS
Fotos: Günther Menn

   

Der Padre bläst die Kuhflöte, während Rosendo den Gott des Windes und des Regens anruft. Schamanen reinigen die Pilger, die den Kapuzinerpater später bitten, ihre Gaben zu segnen. Manche kehren aus der Fremde der USA für diesen Tag zurück nach Mexiko, andere schaffen das nicht und werden unter Tränen vermisst. Mit einer Mutter, die ihren toten Sohn beweint, teilt Padre Rodolfo in schweigendem Tanz die Trauer.

Längst gelten der Kapuziner und seine Mitbrüder den Einheimischen als „Brüder“ — auch, weil sie offen Korruption und die neokolonialen Privilegien der Politiker anprangern. Den Bossen der „Partei der institutionalisierten Revolution“ passt das natürlich gar nicht…
 


 

Schwester Ingeborg Meroth schaut aus dem Boot.

Reportage 2 – 02-2007:

Mission am Ende der Welt

Keiner wollte auf diese abgeschiedene Insel. Schwester Ingeborg Meroth nahm die Herausforderung an. Für ihre Arbeit als Krankenschwester auf der indonesischen Insel Tello muss die Reuter Franziskanerin vor allem seefest sein.  

 

Text: Paul Hahn/Veronika Buter

Fotos: Paul Hahn

 

Ein grauer Himmel spannt sich über das glatte Meer. In der Nacht hat es wie aus Kübeln geschüttet, die ersten Vorboten der Regenzeit. Kapitän Soli steuert das neue, endlich seetüchtige Boot der Schwestern in 45 Minuten zum Ufer von Bale Bale. Hilfskapitän Baloni wirft den Anker ins knietiefe Wasser. Die beiden Schwestern waten hinüber zu dem von Kokspalmen geäumten Strand.

Schwester Ingeborg behandelt Kranke im Haus des Bürgermeisters.

Kurz darauf packen sie im Haus des Bürgermeisters dutzende Medikamente aus ihren Kartons. Während sie Verbandsmaterial und Ampullen ordnen, tropft immer noch Meerwasser aus der grauen Schwesterntracht. Schon stehen die ersten Mütter mit Babies uaf dem Arm Schlange. Da drängt sich Halida an den Wartenden vorbei. "Können Sie schnell zu meiner Mutter Kasia Dula kommen. Sie leidet schon seit Wochen und wird immer schwächer!" Drei Häuser weiter liegt die alte Frau im Halbdunkel, mit ein paar dünnen, löchrigen Laken auf den Holzboden gebettet. Es riecht muffig und nach Eiter. Schwester Ingeborg löst eine Kompresse am hals von Dula und blickt auf eine tiefe Wunde, die bis auf den Kieferknochen reicht.

Schwester Ingeborg hilft, wo sie kann. Dabei ist die rastlose Ordensfrau nicht nur mit dem Boot, sondern auch auf ihrem Moped unterwegs. Und zwischendurch kümmert sie sich um ihre großen Heuschrecken, die ihr auf ganz spezielle Weise bei ihrer medizinischen Arbeit helfen…

  Passionierter Volksvertreter: Armin Laschet, 46, „Integrationsminister“ 
		in Nordrhein-Westfalen.

Porträt 02-2007:

„Ich will etwas bewegen!“

Er hat ein Herz für Ausländer. Weil er ein Menschenfreund ist und weil es den Deutschen nützt. Ungeschminkt und geradeheraus sagt CDU-Minister Armin Laschet, was er für richtig hält, auch wenn es unbequem ist — und glaubt fest daran, dass man mit Politik die Welt verbessern kann.

Text: Veronika Buter
Foto: Ministerium

   

Anfangs haben sie ihn verspottet. Ein „Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration“ — ein Mädchen für alles sozusagen. Journalisten und Kollegen witzelten über den „Frauen-Mann“ der CDU, behandelten den einzigen Integrationsminister in Deutschland als Exoten. Heute zieht Laschet zufreiden Bilanz: 2006 sei „eines der wichtigsten Jahre überhaupt gewesen in der Integrationspolitik“ — seit 1955.

Armin Laschet hat eine Menge bewegt, seitdem er in Düsseldorf mitregiert. Der Spott ist ehrlichem Respekt gewichen. Pragmatisch, zielgerichtet und konkret hat der heute 46-Jährige im Land an Rhein und Ruhr eine der „wichtigsten gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit“ entschlossen angepackt: „Das Zusammenleben der Generationen und das Gelingen der Integration sind entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaft“, predigt er. Um dann klar zu stellen: „Es geht mir nicht vorrangig darum, nett zu Ausländern zu sein.“ Schon aus demografischen Gründen gebe es keine Alternative: „Diese Gesellschaft muss erkennen: Es nützt ihr selbst, wenn sie Integration zum Erfolg macht.“

Wo hat er fürs Leben in der Politik gelernt? In der katholischen Jugendarbeit — „so etwas lernt man nicht in der Schule“. Den „Anspruch, Welt zu gestalten und sich einzumischen in die Verhältnisse“ fand und findet er in der Bibel…

 

LEBENSWERTE 02-2007

Glaube, Hoffnung, Liebe, Klugheit, Gerechtigkeit, Maßhalten, Tapferkeit.

 

Die Tugenden. Das Wort klingt verstaubt und moralisierend. Deswegen spricht man heute lieber von „Werten“. In der Frage, welche Haltungen und Einstellungen Grundlage für das Handeln des Menschen sein sollten, geraten auch die christlichen Tugenden erneut in den Blick. kontinente lässt sich davon zu einer mehrteiligen Serie inspirieren. Mit Hoffnung beschäftigt sich der zweite Teil der Serie.
 

Wenn die Angst machtlos wird

Grenzgängerin: Angela Meurer hat ein Stück Normalität zurückerobert.

Hoffnung ist die helle Seite der Sehnsucht. Wer hofft, verzweifelt nicht. Er vertraut auf eine bessere Zukunft und setzt alles daran, dass sie Gegenwart wird. Wer hofft, geht über Grenzen. So wie Angela Meurer, die vom Hals an gelähmt ist und trotzdem mitten im Leben steht.

Text: Beatrix Gramlich
Fotos: Dorothee van Bömmel

   

Angela Meurer sitzt im Rollstuhl. Seit sie vor fünf Jahren, einen Tag vor dem dritten Geburtstag ihrer Tochter Greta, einen schweren Autounfall hatte, ist sie vom Hals an gelähmt. Zwölf Monate hat sie im Krankenhaus und in der rehaklinik verbracht. Tagelang lag sie im künstlichen koma, in diesem Niemandsland zwischen Leben und Sterben. „Ich bin dem Tod begegnet“, erzählt sie. „Ich habe dieses helle Licht gesehen. Alles war ruhig, und ich habe eine große Leichtigkeit empfunden. In dem Moment hatte ich keine Angst. Aber ich wollte einfach noch nicht weg.“

Mit eisernem Willen, Geduld und oft unter enormen Anstrengungen hat Angela Meurer wieder gelernt, selber zu atmen und zu schlucken und richtig zu sehen. Das Stück Selbstbestimmung, das ihr geblieben war,wollte sie unter keinen Umständen aufgeben. Nur so, das wusste sie, hatte sie die Chance, in ihren Beruf zurückzukehren. Es ist ihr gelungen…

Nachrichten 02-2007:

SKLAVEREI

Die „Ware“ Mensch

Weltweit ist Menschenhandel einer der blühendsten Wirtschaftszweige: Mindestens 12,3 Millionen Menschen leben als Sklaven — acht Millionen davon sind Kinder. Nie zuvor war das Geschäft so profitabel.

Moderne Sklaven tragen selten Ketten, die Fesseln, die sie halten, heißen Zwangsarbeit, Gewalt, Armut oder Angst. Sie arbeiten im Haushalt, in Restaurants und Hotels, in der Landwirtschaft, im Baugewerbe oder in anderen Industriezweigen. Frauen werden in die Prostitution oder in Ehen gezwungen. Kinder werden als Haushaltssklaven gehalten, arbeiten als Kameljockeys in den Golfstaaten oder werden als Kindersoldaten missbraucht. Noch immer werden Kinder als Sklaven geboren, etwa in der westafrikanischen Republik Niger. Menschen werden anderen Menschen „geschenkt“ – die Formen der Sklaverei sind vielfältig im 21. Jahrhundert. Erzbischof Agostino Marchetto, Sekretär des Päpstlichen Rates für Migranten und Reisende und in dieser Problematik seit langem engagiert, nennt eine weitere: „Menschen werden gehandelt, um sie für Organtransplantationen zu nutzen.“

Mehr als 10 Milliarden Dollar werden jährlich mit der „Ware” Mensch umgesetzt. In den meisten Ländern, auch in den westlichen Industriestaaten, fehlt es an Gesetzen oder an der Konsequenz diese anzuwenden, um Menschenhändler zu verfolgen und zu bestrafen. Deutschland ist als Durchgangs- und Zielland eines der am stärksten von Menschenhandel betroffenen Länder, so die Vereinten Nationen. 2005 verschärfte Strafen für Menschenhandel sollen dem abhelfen, doch die Händler müssen erst einmal erwischt werden.

Wer sich befreien kann oder „entdeckt“ wird, gilt nicht selten als Illegaler oder als Krimineller, berichtet Anti-Slavery International, die älteste Menschenrechtsorganisation der Welt. Den 200. Jahrestag der offiziellen Abschaffung der Sklaverei in den damaligen Britischen Kolonien am 25. März – sie galt 1807 als wichtiger Schritt im Kampf gegen die Sklaverei – nutzt die Organisation, um auf das immer noch bestehende Problem aufmerksam zu machen. Mit verschiedenen Kampagnen können sich Menschen gegen Sklavenhandel engagieren. Informationen, allerdings nur in englischer Sprache, gibt es unter Telefon 0044 – (0) 20 – 75 01 89 20, Internet: www.antislavery.org.  (hm)

 

MENSCHENRECHTE

Rückschlag für indigene Völker

Eine Grundsatzerklärung zu den Menschenrechten der rund 5000 indigenen Völker (Ureinwohner) weltweit wurde erneut verschoben.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat die Entscheidung, um die bereits seit fast 25 Jahren gerungen wird, auf Antrag Kanadas, Neuseelands und Australiens sowie afrikanischer Staaten vertagt. Frühestens im September dieses Jahres geht das Papier erneut in die Vorlage. In der Erklärung geht es unter anderem um den Schutz der sprachlichen, kulturellen und spirituellen Identität der Völker sowie um Rechte im Bereich Wirtschaft. Von besonderer Bedeutung sind nach Einschätzung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Bestimmungen zu den Landrechten und Rechten an Bodenschätzen. Die GfbV befürchtet, dass die Erklärung keine Chance mehr hat.  (hm)

 

AFRIKA

Friedenssucher

Elf Staaten Afrikas wollen keine Kriege mehr an ihren Grenzen führen. Ihre Ziele: Sicherheit, Stabilität und Entwicklung.

Die Energie, mit der sich die Länder wechselseitig immer wieder bekriegten, soll nun genutzt werden, um Frieden zu schaffen im Gebiet der großen Seen. Das jedenfalls haben sich die Staatschefs von Sambia, Angola, der Demokratischen Republik Kongo, dem Kongo, Zentralafrika, dem Sudan, Uganda, Kenia, Ruanda, Burundi und Tansania vorgenommen – auch um einen Auftrag des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) zu erfüllen. Die UN und eine „Gruppe der Freunde der Großen Seen“, zu der 23 Staaten gehören, darunter Deutschland, wollen den Friedensprozess begleiten. Das Gebiet der Großen Seen gilt wegen seines Rohstoffreichtums als „Schatzkammer Afrikas“. Pax Christi International, die Organisation der katholischen Friedensbewegung, hatte bereits 2003 auf einer Regionalkonferenz Lösungswege vorgeschlagen. Dazu gehörten die Demokratisierung aller elf Staaten, Versöhnungsarbeit und die Wiederbelebung der Wirtschaftsgemeinschaft der Länder. Außerdem plädierte Pax Christi für gemeinsame Strukturen, die die Grenzen überschreiten.  (hm)

 

KONFUZIUS

Genormter Weiser

Langer Bart, weises Gesicht: Überall auf der Welt soll Konfuzius gleich aussehen – ein Beschluss mit Hintergedanken.

Während der Kulturrevolution verteufelt, erlebt Konfuzius – vor 2557 Jahren geborener Begründer einer chinesischen Philosophie – seit einigen Jahren eine Renaissance. Und nun wollen die chinesischen Machthaber mit ihm sogar die ideologische Lücke füllen, die die Aufweichung des Sozialismus geschaffen hat.

Aus diesem Grund soll es nun allerorten in China und auch bei Konfuzius-Zentren im Ausland ein einheitliches Bild des großen Gelehrten geben. In seiner Geburtsstadt Qufu wurde die erste der offiziellen Konfuziusstatuen eingeweiht. Chinas Regierung will damit den Menschen nicht nur vorschreiben, wie sie den von vielen verehrten Gelehrten zu sehen haben, sondern verfolgt mit dem Einheitsbild von der weisen, gütigen Vaterfigur noch einen weiteren Zweck: Konfuzius soll zum Markenzeichen werden, das man kommerziell ausschlachten kann – zum einen in der Touristikbranche, zum anderen bei der Vermarktung durch Bücher und andere Veröffentlichungen.  (hm)

 

INTERVIEW

Name: Bischof Agostino Marchetto
Alter: 66
Job: Sekretär des Päpstlichen Rates für Migranten und Reisende

Kann man Menschenhandel wirklich nicht abschaffen?

Armut, mangelnde Chancen und sozialer Zusammenhalt machen Menschen anfällig. Sie wurden über ihre künftige Tätigkeit getäuscht und sind nicht länger frei, über ihr Leben zu entscheiden. Es gibt viele Schwierigkeiten, moderne Sklaverei abzuschaffen, aber ich denke, dass es möglich ist.

Wie kann das klappen?

Einfache Lösungen gibt es nicht. Man muss Maßnahmen fördern, die auf die Integration der Opfer zielen, wie Aufenthaltsgenehmi-gungen und juristische Instrumente, um den Menschenhandel zu stoppen und die zu bestrafen, die an ihm verdienen. Und man muss auf die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge aufmerksam machen.

Was tut die Kirche für Sklaven?

Der Heilige Stuhl unterstützt Maßnahmen gegen Menschenhandel. Und die Kirche ist in vielen Ländern engagiert.   (Interview: hm)

 

KOMPAKT

Glückliche Brasilianer

Drei von vier Brasilianern sagen, dass sie glücklich sind, das sind 76 Prozent der 186 Millionen Brasilianer. 22 Prozent bezeichnen sich als „halbwegs glücklich“ und nur zwei Prozent als unglücklich. Und das in einem Land, in dem vielerorts Armut, Gewalt und Diskriminierung herrschen.

Dramatische Kinderprostitution

In Kenias Küstenregionen werden fast ein Drittel aller Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren als Prostituierte missbraucht. 14 Prozent der Freier kommen aus Deutschland und 41 Prozent aus Kenia selbst. Bei mehr als einem Drittel der Geschlechtsakte wird kein Kondom benutzt.

Gläubige Polen und Türken

Junge Polen und Türken wachsen zu rund 80 Prozent mit dem Glauben an Gott beziehungsweise Allah auf — bei den Deutschen sind es 23 Prozent. 97 von 100 Türken und 96 von 100 Polen sagen, ihren Eltern sei wichtig, dass sie Glauben und Wertvorstellungen übernähmen. Bei den Deutschen sind es 14,1 Prozent.

 

FREIWILLIGE

Dienst im Ausland

Nach der Schulzeit in die „Dritte Welt“: Das deutsche Bundesentwicklungsministerium führt einen Freiwilligendienst ein.

18 bis 28 Jahre alt, mit Abitur oder vergleichbarer Ausbildung, begierig, in anderen Ländern entwicklungspolitisch zu arbeiten: das sind Grundvoraussetzungen für den Freiwilligendienst. Das Ministerium von Heidemarie Wieczorek-Zeul will dabei mit denen zusammenarbeiten, die schon seit Jahrzehnten in diesem Bereich tätig sind: kirchlichen und anderen Trägern. Bei ihnen hat sich die Ministerin bereits Rat geholt. Der Arbeitskreis „Lernen und Helfen in Übersee“, zu dem auch die Arbeitsgemeinschaft „Missionare auf Zeit“ (MaZ) gehört, sowie verschiedene Entwicklungsorganisationen begrüßen die Initiative, durch die „eine weitaus größere Zahl“ von Freiwilligen als bisher in Entwicklungsländern helfen und wichtige Erfahrungen sammeln könnte: bis zu 10 000 Freiwillige sollen künftig gefördert werden. Info: Tel. (00 49) 02 28-995 35 33 40, Internet: www.bmz.de.  (hm)

 

HUNGER

Baumwolle nutzen

Neue Hoffnung im Kampf gegen den Hunger? Forscher können das Protein aus Baumwollsamen nutzbar machen.

Wissenschaftler schalteten mit Gentechnik ein Gift aus, das Baumwolle bislang ungenießbar machte. Eine halbe Milliarde Menschen könnte mit 9,4 Millionen Tonnen hochwertigem Protein ernährt werden – so viel steckt in den 44 Millionen Tonnen Baumwollsamen, die jährlich weltweit anfallen. Rund 820 Millionen Menschen leiden unter Hunger und seinen vielfältigen Folgen. Der für die Umwelt belastende Anbau der Nutzpflanze müsste ebenso wenig gesteigert werden wie deren Ertrag, so die Forscher um Keerti Rathore von der Texas A&M Universität in College Sation, USA. Ob sich die Hoffnung der Forscher bewahrheiten kann, muss sich allerdings noch erweisen: Freiluft- und Gewächshausversuche stehen noch aus. Zudem ist noch nicht erforscht, wie sich die gentechnische Veränderung auswirkt — auf Pflanze, Land, Mensch und Tier.  (hm)

 

MENSCHEN 02-2007

Mutig: Sat Samon setzt sich jeden Tag der Gefahr durch Minen aus.

SAT SAMON

Erst Minenopfer, dann Minenräumer

Der Kambodschaner Sat Samon verlor vor zehn Jahren ein Bein. Der frühere Bauer will nun andere vor dem gleichen Unglück bewahren.

Die Angst geht mit zur Arbeit. Jeden Tag. Dennoch betritt Sat Samon täglich wieder Felder oder den Dschungel, um Minen aufzuspüren. Vier Millionen sollen noch in der Erde Kambodschas liegen. Der 33-Jährige, dem eine dieser tödlichen Fallen das rechte Bein wegriss, als er seine Büffel auf die Weide treiben wollte, arbeitet nicht nur aus purer Selbstlosigkeit auf den Minenfeldern: Für einen Krüppel sei es der beste Job, den er bekommen könne, sagt er. Eine Wahl hat er kaum. 200 Dollar im Monat bekommt der junge Mann für die gefahrvolle Arbeit – das ist viermal so viel wie ein Durchschnittseinkommen. Er ist nicht das einzige Minenopfer, das zum Minenräumer wurde. Mancher seiner Kollegen hat beide Beine verloren. Samon will andere Menschen davor schützen: die Frauen, die in verminten Reisfeldern arbeiten, und die Kinder, die zwischen den Warnschildern spielen.    (hm)

 

KLAUS TÖPFER

Von Afrika verändert

Afrika hat er verlassen, aber nicht hinter sich gelassen: Professor Klaus Töpfer, acht Jahre lang Chef des UN-Umweltprogramms.

Nachdenklicher, sensibler und mit einem neuen Verhältnis zu den Menschen sei er zurückgekehrt, sagt Töpfer, 68. Verändert haben ihn die Aidskranken, die vom Tode Gezeichneten. Aber auch die Mütter, die ihre Familien trotz schwierigster Lebensbedingungen durchbringen. Dass Kinder als Reichtum verstanden werden, hat den früheren Bundesumweltminister ebenso stark beeindruckt wie der echte Familienzusammenhalt. Hier könnten die Deutschen von den Afrikanern etwas lernen, sagt Töpfer. Und noch mehr fällt ihm dazu ein: „Wir können von ihnen lernen, wieder gläubig zu sein“, sagt der Katholik.    (hm)

 

MARCELO ROSSI

Ein Pater stürmt die Hitparaden

Brasiliens meistverkaufte CD 2006 stammt von Padre Marcelo Rossi, 39, dem Star der Charismatischen Erneuerungsbewegung.

Mehr als 300 000 Menschen wollten Rossis CD „Meine Segnung“, im Original: „Minha Bencao“, haben und verhalfen dem Pater aus São Paulo damit zu Platz 1 der Hitparade. Der smarte Priester begeistert die Massen aber nicht nur mit seiner Musik — seine fünf CDs hat er bislang über drei Millionen Mal verkauft — oder seinen religiösen Filmen, seinen Radio- und Fernsehshows. Bis zu 650 000 Gläubige strömen zusammen, wenn Rossi Freiluft-Gottesdienste feiert. Die Diözese, zu der Rossi gehört, ist seit langem die einzige, die wächst. Padre Marcelo schafft ein Gegengewicht gegen die Sekten, die in Brasilien immer mehr Einfluss gewinnen. Papst Benedikt XVI. wird den Priester vermutlich während seiner Brasilienreise im Mai treffen.     (hm)