Magazin > Heft 01-2007

Reportage 1 – 01-2007:

Nicht mit uns!

Für viele junge Frauen wird sie zur „Safari“ ohne Wiederkehr. Trotzdem hält der Volksstamm der Wakurya an der Genitalverstümmelung fest. Wer stirbt, ist selber Schuld. Wer die blutige Tradition infrage stellt, muss viel Geduld haben – oder wegrennen.

Text: Bettina Tiburzy
Fotos: Fritz Stark

   

Die erste Doppelseite der Reportage im Heft.

 

   

Reportage 2 – 01-2007:

Bolivien: Die Wallfahrt von Oruro

An Karneval tanzt René für Maria und die Pachamama. In der bolivianischen Andenstadt Oruro vermischt seine religiöse Faschingsbruderschaft vorkolumbianische Riten mit inniger Marienfrömmigkeit und tiefer Sehnsucht nach Veränderung.  

 

Text: Thomas Wunram Cpps

Fotos: Günther Menn

 

„Es ist wie Meditation, wie Gebet, es ist wie, …“ René Cueta ringt um Worte, die ausdrücken, was er in den nächsten 24 Stunden fühlen wird, und fuchtelt dabei hilflos mit der Klebepistole herum. Er gibt auf, widmet sich erneut seiner Arbeit. Er befestigt bunt gefärbte Pfauenfedern an ein exotisch anmutendes Kostüm. In der kleinen Wohnung haben sich Freunde aus Santa Cruz und Potosí eingefunden. Sie wollen René tanzen sehen, diesen Mittfünfziger mit kantigem Gesicht und grau meliertem Vollbart, den sie unter der kiloschweren Maske kaum mehr erkennen werden. Sie wollen den Freund tanzen sehen, unter 15000 Tänzern und 8000 Musikern am Karnevalssamstag in den Straßen von Oruro.

Die Stadt ist im Ausnahmezustand. Zigtausende kommen und zahlen überhöhte Preise. Sie wollen den einzigartigen Karneval erleben und werden nass. Denn die Kinder haben schulfrei und ihren Spaß, ahnungslose Passanten mit Wasserbomben zu überraschen. Die wasserprallen Luftballons sind verboten, werden aber in allen Straßen verkauft. Außerdem Regenponchos zum Schutz gegen die Wasserattacken und „Espuma“, der Sprayschaum – ein weiteres Karnevals-Kampfmittel, das nach Zitrone riecht und ekelhaft schmeckt. ..

  Menschenfreundin: Als junge Frau hat Christiane Underberg den Beruf der 
		Fürsorgerin gewählt und sich im Kölner Jugendamt um sozial Schwache gekümmert. Auch im Unternehmen will sie für andere Sorge 
		tragen.

Porträt 01-2007:

Die weise „Kräuterhexe“

Früher erntete sie häufig Kopfschütteln. Doch seit der Wertedebatte ist sie mit ihrer Einstellung aktueller denn je: Christiane Underberg, Seniorchefin der berühmten Spirituosenfirma, hat eine Mission. Sie tritt ein für eine christliche Ethik, die den Menschen im Mittelpunkt sieht.

Lautlos schwingt die schwere Flügeltür in den Salon. Eine Hausangestellte mittleren Alters serviert den Kaffee. Auf ihrem dunkelgrünen Rock sitzt ein gestärktes Schürzchen in Blütenweiß, dazu trägt sie die passend gestreifte Bluse. Als sie das Geschirr abstellt, fügt sich alles auf wunderbare Weise zusammen: ihre Kleidung, die grün gepolsterten Biedermeierstühle, das Kaffeeservice mit dem Familienwappen im grünen Rand. Selbst im Detail offenbart sich hier ein Gestaltungswille, der sich nicht auf bloße Formgebung beschränkt. Dahinter steckt eine Frau, die etwas bewegen will. Im Mittelpunkt steht für Christiane Underberg dabei immer eines: der Mensch.

Die Seniorchefin des traditionsreichen Kräuterspirituosenhauses in Rheinberg am Niederrhein hat ihre christlichen Grundsätze schon vor Jahren in den Leitlinien des Familienbetriebs festgeschrieben. „Ich kann doch nicht im Privatleben christlich sein und bei der Arbeit vergesse ich alles“, sagt die 67-Jährige. Als sie vor einem Vierteljahrhundert in die Firma einstieg, hatte sie ihr persönliches Unternehmen „Familie“ bereits erfolgreich gemanagt. Ihre vier Kinder waren aus dem Gröbsten heraus, zusätzlich hatte ihr Bruder seine Mädchen in ihre Obhut gegeben und Christiane Underberg trotzdem Zeit für eine „fast endlose Latte“ Ehrenämter gefunden: im Kirchenvorstand, im Pfarrgemeinderat, in einer Stiftung des Bischofs und, und, und...

 

LEBENSWERTE 01-2007

Glaube, Hoffnung, Liebe, Klugheit, Gerechtigkeit, Maßhalten, Tapferkeit.

 

Die Tugenden. Das Wort klingt verstaubt und moralisierend. Deswegen spricht man heute lieber von „Werten“. In der Frage, welche Haltungen und Einstellungen Grundlage für das Handeln des Menschen sein sollten, geraten auch die christlichen Tugenden erneut in den Blick. kontinente lässt sich davon zu einer mehrteiligen Serie inspirieren. Mit Glaube beschäftigt sich der erste Teil der Serie.
 

Der Sehnsucht auf der Spur

Der Glaube ist kein fest geschnürtes Paket, mit dem ein Mensch durch’s Leben geht. Er verändert sich in dem Maße, wie wir uns selbst verändern. Das geht nicht immer ohne Schmerzen. Aber „wer nicht wächst, der schrumpft“, sagte schon Theresia von Avila...


 

Nachrichten 01-2007:

FLÜCHTLINGE

Gelobtes Land Europa

Monatelang werden täglich neue, traurige „Rekorde“ gemeldet, drängen immer mehr Flüchtlinge aus Afrika nach Spanien. Europa schwankt zwischen Entsetzen, Ablehnung und Hilfswillen.

Mancher verschuldet sich fürs Leben, manche geht wissentlich in die Prostitution, um der Familie, die zu Hause zurückbleibt, wenigstens mit etwas Geld helfen zu können: Die Männer und Frauen, die sich auf den gefährlichen Weg über das Meer machen, wählen diesen Weg aus Verzweiflung. Wer lebend ankommt, hat nur bedingt Glück. Ihm drohen Auffanglager und Abschiebung oder ein Leben in Illegalität und Armut. Und dennoch wollen noch immer tausende Menschen nach Europa: 500 000 warten nach Angaben von amnesty international in Mauretanien auf eine Gelegenheit, nach Europa zu kommen, zwei Millionen sollen es in Libyen sein.

Länder wie Italien und Spanien, das tausende trotz aller Risiken für ihr Gelobtes Land halten, schließen Abkommen mit afrikanischen Ländern: Dazu gehört die Einrichtung von Lagern in Ländern wie Mauretanien, Algerien, Marokko und Libyen, die die Flüchtlinge gar nicht erst aufs Meer kommen lassen sollen und zu deren Ausstattung von vornherein Leichensäcke gehören. Oder Vereinbarungen wie mit dem Senegal, die helfen sollen, Flüchtlinge schneller identifizieren und damit abschieben zu können.

Hilfe finden die Flüchtlinge bei der Kirche, bei Hilfs- und Flüchtlingsorganisationen. Das gilt nicht nur für ihre Ankunft in Europa, sondern auch schon für den Weg ihrer Flucht. Im mauretanischen Bistum Nouakchott von Bischof Martin Happe (siehe Kurzinterview links) gibt es etwa eine Anlaufstelle, wo sie in Härtefällen einige Nächte bleiben können, ärtzlich versorgt werden oder Kleidung erhalten. Außerdem hilft die Kirche ihnen, Kontakt zu Landsleuten herzustellen.

Happe – Pater der Weißen Väter – sagt: „Die reichen Länder müssen begreifen, dass der Kuchen, den es aufzuteilen gilt, eine gegebene Größe hat. Und die Menschen auf der ganzen Welt verfügen heute über Zugang zu Fernsehen. Sie machen sich auf den Weg, um den Anteil, von dem sie meinen, er stünde ihnen zu, einzufordern. Sie sind nicht länger bereit, sich mit Almosen zu begnügen; so der Slogan: ,trade not aid!’ (Handel nicht Hilfe)“.  (hm)

 

ABGRENZUNG

Die Welt mauert sich ein

Als vor 17 Jahren Mauern und eiserne Vorhänge fielen, glaubten viele an einen Sieg der Freiheit – nun mauern sich erneut Länder ein: Um ihr Land vor unwillkommenen Einwanderern zu schützen, zieht vor allem der Westen Mauern, Grenzzäune und Stahlnetze hoch. Im Nahen Osten hält Israel mit seiner Mauer nicht nur palästinensische Selbstmordattentäter draußen. An Abgrenzung halten auch Korea, Zypern und Irland fest. Dort heißt die trennende Mauer „Friedenslinie“.

 

INDIEN

Erstmals Gesetz gegen Kinderarbeit

Statt zur Arbeit sollen indische Mädchen und Jungen künftig in die Schule gehen können – dank eines neuen Gesetzes.

Auf dem Subkontinent ist das erste, weit reichende Gesetz gegen Kinderarbeit in Kraft getreten. Wer Kinder unter 14 Jahren in Haus oder Hotel, Restaurant, Teehaus oder Ferienzentrum beschäftigt, kann mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Geldbußen bestraft werden. Zwölf bis 20 Millionen Kinder müssen in Indien arbeiten. Kritiker des Gesetzes fürchten, dass es die Kinderarbeit kaum eindämmen wird, da viele Familien auf den Verdienst der Söhne und Töchter angewiesen sind. In der Industrie ist Kinderarbeit schon seit einigen Jahren verboten, gleichwohl arbeiten noch immer zehntausende Kinder in Feuerwerks- oder Streichholzfabriken, in der Textilindustrie oder in der Fußballproduktion.  (hm)

 

KONFUZIUS

Genormter Weiser

Langer Bart, weises Gesicht: Überall auf der Welt soll Konfuzius gleich aussehen – ein Beschluss mit Hintergedanken.

Während der Kulturrevolution verteufelt, erlebt Konfuzius – vor 2557 Jahren geborener Begründer einer chinesischen Philosophie – seit einigen Jahren eine Renaissance. Und nun wollen die chinesischen Machthaber mit ihm sogar die ideologische Lücke füllen, die die Aufweichung des Sozialismus geschaffen hat.

Aus diesem Grund soll es nun allerorten in China und auch bei Konfuzius-Zentren im Ausland ein einheitliches Bild des großen Gelehrten geben. In seiner Geburtsstadt Qufu wurde die erste der offiziellen Konfuziusstatuen eingeweiht. Chinas Regierung will damit den Menschen nicht nur vorschreiben, wie sie den von vielen verehrten Gelehrten zu sehen haben, sondern verfolgt mit dem Einheitsbild von der weisen, gütigen Vaterfigur noch einen weiteren Zweck: Konfuzius soll zum Markenzeichen werden, das man kommerziell ausschlachten kann – zum einen in der Touristikbranche, zum anderen bei der Vermarktung durch Bücher und andere Veröffentlichungen.  (hm)

 

INTERVIEW

Hilfe in Mauretanien

Name: Martin Happe
Alter: 61
Job: Bischof von Nouakchot in Mauretanien,
Afrikamisionar/Weißer Vater

Was tun Sie für die Flüchtlinge?

In Nouadhibou haben wir eine Anlaufstelle, wo täglich außer sonntags eine offene Tür da ist und ein offenes Ohr.

Welche Entwicklung erwarten Sie?

Ich bin kein Prophet, aber sicher, dass alle Abschottungsversuche fehlschlagen werden. Solange die Leute in ihrem eigenen Land keine Zukunft für sich sehen, werden sie sich auf den Weg machen.

Was ist die größte Herausforderung?

Wir müssen alles in Bewegung setzen, dass alle Menschen auf der Erde in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Leben führen können. Dann wird sich das Phänomen Auswanderung von selbst auf eine unproble-matische Größe zurückschrauben.   (Interview: hm)

 

KOMPAKT

Weltbevölkerung

Mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung leben auf dem asiatischen Kontinent, Tendenz steigend. Unter den 3,6 Milliarden Asiaten sind nur 2,9 Prozent oder 105 Millionen Katholiken. Davon leben 60 Millionen auf den Philippinen und 17 Millionen in Indien.

Christenverfolgung

In 50 von 200 Staaten werden Christen diskriminiert, unterdrückt, verfolgt oder ermordet. Mit 75 Prozent sind sie die am stärksten verfolgte und diskriminierte religiöse Gruppe weltweit. Zudem sind mehr als 80 Prozent der wegen ihrer Religion getöteten Menschen Christen.

Migrantenarbeit

232 Milliarden Dollar überwiesen Migranten 2005 in ihre Herkunftsländer, so die Vereinten Nationen. Davon flossen rund 167 Milliarden Dollar in Entwicklungsländer – „beträchtlich mehr“ als öffentliche Entwicklungshilfe. Vor allem Migrantinnen leisten damit entscheidende Beiträge zur Armutsbekämpfung.

 

PYRAMIDENBAU

Friedenspalast?

Kasachstan soll Zentrum der Weltreligionen werden. Dafür hat Präsident Nursultan Nasarbajew eine Pyramide bauen lassen.

Rund 62 Meter hoch und aufwändig ausgestaltet mit riesigen religiösen Symbolen wie Tauben soll der „Palast des Friedens und der Einheit“ in Kasachstans Reißbretthauptstadt Astana zum Zentrum der Religionen werden. Die von Stararchitekt Norman Foster entworfene Pyramide wurde beim Weltkongress der Religionen eingeweiht.

Eine Pyramide musste es sein, weil sie einen untergegangen Glauben repräsentiert – und sich so keine aktuelle Religion zurückgesetzt fühlen kann. Ein Museum der Religionen soll noch dazukommen. Wenn es nach Nasarbajew geht, soll im Friedenspalast künftig jährlich ein Weltkongress der Religionen stattfinden – und so den Blick der Welt auf Kasachstan lenken. Kritiker werfen dem Präsidenten mit Blick auf die Pyramide und die zahlreichen anderen Bauprojekte Astanas Großmannsstreben vor.  (hm)

 

VERLOSUNG

Zwei Heilige als Bühnenstars

kontinente verlost 5 mal 2 Eintrittskarten und 3 CDs zum vielfach bejubelten „MusikTanzTheater“ der Franziskaner: „clara.francesco“.

Sich entziehen? Unmöglich. Wer „clara.francesco“ erlebt, lässt sich anrühren und anregen, bewegen und provozieren. Beim Weltjugendtag 2005 in Köln hat das Stück Premiere gefeiert, seitdem tourt das 20-köpfige Ensemble aus Tänzern und Musikern durch Deutschland. Für 2007 sind fünf Aufführungen geplant. Im Mittelpunkt steht die heilige Clara, die erste Frau, die auf Franziskus’ Spuren ihr Leben radikal änderte und die mit ihm eng verbunden war. Franziskus selbst tritt gar nicht auf, dafür aber der „Anwalt der Erde“. Er hinterfragt aus Sicht heute lebender Menschen kritisch Claras und Franziskus’ Leben. Zugleich wird auch der Zuschauer befragt: Über sein Leben, über die Welt, über das, was er in dieser Welt tun kann, soll er nachdenken. Und dann handeln. Das Werk von Pater Helmut Schlegel, Provinzial der Provinz Thüringen, vereinigt auf eindringliche Weise modernen Tanz, Schauspielkunst, Text und Musik, darunter Gregorianik, Sacropop, Rock und Jazz, aber auch mittelalterlich anmutende Musik. Die Aufführungen: 19. April (Berlin), 4. Mai (Oberhausen), 6. Mai (Essen), 8. Juni (Köln), 7. September (Sibiu/Hermannstadt). Informationen unter: (D) 0228-953540, www.mzf.org.de. kontinente verlost die Karten ortsunabhängig. Schreiben Sie bis zum 1. Februar unter Angabe Ihrer Adresse an: Redaktion kontinente, Stichwort clara.francesco, Anton-Kurze-Allee 6, 52064 Aachen, Fax: (D)0241-9436109, redaktion@kontinente.org  

 

INTEGRATION

Dialog-Fernsehen

Der deutsch-türkische Sender Düzgün-TV will bewusst anders senden als Türksat & Co.: Integrationsfernsehen aus Lünen.

Nicht nur für die Türken, die in Deutschland leben, will Düzgün-TV Programm machen: „Unser Ziel ist es, auch den inter- religiösen Dialog zu fördern“, sagt Programm-Macherin Meltem Soeylemez. „Das schließt nicht nur den Islam, Sunniten oder Aleviten ein, dazu gehören auch Christen oder Buddhisten.“ Hauptziel des Senders ist jedoch die Integration der türkischen Zuwanderer. Deshalb diskutieren beispielsweise deutsche und türkische Experten über Zuwanderungspolitik. Ratgebermagazine geben Informationen zu komplizierten Versicherungsfragen oder behördlichen Anträgen, die viele Migranten wegen sprachlicher Barrieren nicht verstehen.

Gegründet wurde Düzgün-TV von Hidir Düzgün, einem ehemaligen Lehrer kurdischer Herkunft, der in Nordrhein-Westfalen eine Dönerkette aufgebaut hat.  (kna/hm)

 

MENSCHEN 01-2007

Leo Schwarz' Herzenswunsch: Bolivien helfen.

LEO SCHWARZ

Pendler zwischen zwei Welten

Neuanfang statt Ruhestand: Weihbischof Leo Schwarz zieht von Trier nach Bolivien.

Für den 75-Jährigen ist es eine Rückkehr, denn schon von 1962 bis 1970 hat er in Bolivien gelebt. Auf 2500 Meter Höhe wird Schwarz nun in einer Landgemeinde im Bistum Tarija arbeiten. „Die Nähe zu den Menschen ist in Bolivien eine ganz andere“, sagt er. „Wenn es um den Glauben geht, zeigen die Menschen ihr Herz.“ Diese Herzen haben ihn seit seiner ersten Zeit in dem südamerikanischen Land nicht losgelassen. Künftig will er „zwischen den Welten“ pendeln und als Präsident der europäischen „Justitia et Pax“-Konferenz unter anderem Multiplikatoren für die Probleme der so genannten Dritten Welt sensibilisieren.    (hm)

 

HORST KÖHLER

Risikobereitschaft erwünscht

Der deutsche Bundespräsident fordert, dass unfaire Verträge westlicher Firmen mit Afrika öffentlich gemacht werden.

Geschäftsleute aus dem Westen seien an Korruption beteiligt, etwa an Bestechungen bei großen Wirtschaftsverträgen, so Köhler. Zudem bestünden noch immer Lieferverträge für Rohöl, bei denen zu wenig von diesem Reichtum den afrikanischen Völkern zugute komme, sagte das Staatsoberhaupt in einem Interview mit der Zeitschrift Afrika-Wirtschaft. Köh-ler fordert eine Afrikastrategie der Europäischen Union (EU) und kritisiert, dass die EU zwar „sehr viel Geld“ für die Entwicklungszusammenarbeit ausgebe, aber „ineffizient und ohne konsequente politische Strategie“ vorgehe. Er fordert, die Reformkräfte in Afrika zu unterstützen und wünscht sich Risiko- und Einsatzbereitschaft deutscher Unternehmer. Köhler rief 2005 die Initiative „Partnerschaft mit Afrika“ ins Leben und setzt sich für bessere Handelsbedingun-gen sowie mehr Entwicklungshilfe für Afrika ein.     (hm)

 

MO IBRAHIM

Preisgeld für Präsidenten

Wegen guter Amtsführung afrikanische Präsidenten entlassen – in den Ruhestand, mit fünf Millionen Dollar.

Korruption eindämmen, fähige Politiker fördern und den Staatschef feiern, der sein Volk am besten regiert und aus der Armut befreit. Das sind die Ziele, die Mobilfunkzar Mo Ibrahim (60), einer der erfolgreichsten Unternehmer aus Afrika, mit seinem Preis verfolgt. Vergeben werden soll er jährlich an einen Präsidenten, der widerstandslos in Ruhestand tritt und etwa in den Bereichen Gesundheit, Bildung oder Menschenrechte gepunktet hat. Eine Jury aus 18 Wissenschaftlern wird 50 Kategorien bewerten. Kritiker bezweifeln den Sinn, denn „ehrliche Präsidenten, die anständig regierten“, bräuchten so einen Anreiz nicht. Ibrahim jedoch ist überzeugt, dass der Preis verhindern kann, dass Präsidenten sich an Posten klammern.    (hm)