Magazin > Heft 05-2006

Reportage 1 – 05-2006:

Samuel und seine Frau Bervin.

REPORTAGE

POSITIV, dem Tod zum Trotz

„Die Diagnose hat mein Leben verbessert“, sagt Samuel.Vermutlich hat er seine Frau Bervin angesteckt. Beide sind HIV-positiv — und führen ein ganz normales Familienleben.

Text: Beatrix Gramlich
Fotos: Ralf Niemzig

 

Der Vormittag ist gut. Da hat er Zeit. Am Nachmittag muss Samuel Mpempulwa, 32, zu einer Beerdigung. Ein Freund von ihm ist gestorben. Ziemlich jung. Wahrscheinlich hatte er Aids. Aber darüber spricht man nicht. Wenn einer stirbt, sagen die Leute, hatte er Tuberkulose oder Lungenentzündung. Und eigentlich haben sie sogar recht. Denn Aids ist „nur“ der giftige Nährboden, auf dem die Tod bringenden Krankheiten gedeihen. Ohne Hilfe ist der Körper ihnen früher oder später wehrlos ausgeliefert. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass die Menschen hier einen Verwandten, Bekannten oder Kollegen zu Grabe tragen. Aids lässt sich totschweigen, aber nicht ignorieren. Wie ein Feind aus dem Hinterhalt fordert die Seuche ihre Opfer. Die einzige Chance ist, sich dem Kampf mit ihr zu stellen.

  Glück: Die Mpempulwas tragen den Virus 
		in sich. Dank spezieller Tabletten merken sie nichts davon.

„Ich war erleichtert, als ich das Resultat bekam“, erzählt Samuel. Er spricht von seinem Aidstest. Und er spricht davon, dass das Ergebnis positiv war. Samuel trägt den tödlichen HI-Virus in seinem Körper. Aber der dreifache Familienvater betrachtet die Diagnose nicht als Todesurteil. Dank der Behandlung mit Antiretroviralen (ARVs), mit Medikamenten, die die Vermehrung des Virus verhindern, fühlt er sich heute besser als vor drei Jahren. Noch genau erinnert sich Samuel an den Tag, als er zum Aidstest ins Clinical Pastoral Care Centre, das kirchliche Aids-Beratungszentrum kam. Es war der 7. November 2003. „Ich war schon lange krank“, sagt er. Immer häufiger quälten ihn starke Hustenanfälle, der schlanke, hoch gewachsene Mann hatte dramatisch Gewicht verloren und keine Kraft mehr, ins Büro zu gehen. Ein Jahr lang war er von Arzt zu Arzt gelaufen. Aber keiner fand heraus, was ihm fehlte, kein Mittel half. Samuels Zustand verbesserte sich höchstens vorübergehend. Dann ging es ihm schlechter als vorher. Als er alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatte, entschloss er sich zum Aidstest. Heimlich — noch nicht einmal mit seiner Frau hatte er darüber gesprochen...

 

Reportage 2 – 05-2006:

Die Tür steht offen:  Das Haus Mamá Margarita ist bescheiden, bietet aber 18 
		Straßenjungen die Chance auf einen Neuanfang.

REPORTAGE

Bolivien

Die offene Tür

In der Stadt gelten sie als Plage. Im Haus Mamá Margarita aber sind die Straßenkinder von Cochabamba willkommen. Hier haben sie die Chance, ihrem Leben eine Wende zu geben. Nutzen kann sie, wer sich an die Regeln hält. Aber nicht alle schaffen es auf Anhieb, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Text: Thomas Wunram cpps
Fotos: Günther Menn

 

Die Kälte kriecht in die Knochen. Es muss nach zwei sein. Denn ab zwei wird die Nacht kalt in Cochabamba. Die Kinder dösen zusammengekauert am modrigen Sockel einer Kirche. Miguel summt eine Melodie, eine Weise aus seinem Dorf. Seine Mutter hat sie ihm früher beim Einschlafen vorgesungen. Ana hält ihr Baby auf dem Arm. Sechs Wochen ist es alt. Wenn Erwachsene Ana nach ihrem Alter fragen, legt sie vier Jahre drauf und sagt 18. Die Jungen gehen achtsam, fast zärtlich mit dem Kleinen um und haben Ana in ihre Mitte genommen. Damit sie es wärmer hat.

Nachtlager: Um sich vor der Kälte zu 
		schützen, kauern sich die Straßenkinder von Cochabamba in Gruppen zusammen.

Abrupt werden sie durch grelles Scheinwerferlicht aus dem Halbschlaf gerissen, als der schwere Polizeiwagen wenige Meter vor den Kindern hält. Ein bulliger Typ in Kaki-Uniform, bewaffnet mit Gummiknüppel und kurzläufiger Schnellfeuerwaffe, stellt sich breitbeinig vor die Kinder und brüllt: „Verschwindet, dreckiges Pack!“ Die Kinder kennen ihn, und sie kennen seinen Knüppel. Benommen rappeln sie sich auf und verkrümeln sich wortlos in den nahen Park.

Für die einen sind die Straßenkinder von Cochabamba eine Plage, als Meute gefährlich. Andere sehen in ihrer wachsenden Zahl ein Symptom für die um sich greifende Armut und Verelendung in Bolivien. Manche der Kinder sind Waisen, die meisten von zu Hause weggelaufen. Bei Tag lungern sie auf den Straßen und Plätzen herum, spielen auf der Flöte, jonglieren vor Passanten, betteln oder bewähren sich als Taschendiebe. Nachts liegen sie in Gruppen zusammengekauert auf dem Hügel hinter dem Busbahnhof oder im Park an der Avenida Bolivar, Orte, die andere dann tunlichst meiden...


 
 
 
  Brüderlicher Freund: Riccardi setzt auf 
		den Dialog der Religionen als Gegenmittel zum Kampf der Kulturen.

INTERVIEW

„Nichts ist unmöglich für den, der glaubt“

Er ist der Gründer der am schnellsten wachsenden kirchlichen Bewegung unserer Zeit: Andrea Riccardi versammelte 1968 römische Gymnasiasten, um das Evangelium zu hören und in die Tat umzusetzen. Heute zählt seine Gemeinschaft Sant‘Egidio weltweit mehr als 50000 Anhänger.

Wo immer er in der Öffentlichkeit erscheint, bildet sich sofort eine Menschentraube: Ein paar herzliche Worte findet Andrea Riccardi, 56, für jeden, der ihm begegnet. Jeder Wirbel um seine Person ist dem große Gelassenheit ausstrahlenden Italiener spürbar zuwider. Professorales Gehabe oder gar Starallüren sind dem Universitätsprofessor für Geschichte des Christentums und Religionsgeschichte an der „Dritten Universität“ in Rom fremd. Dabei hätte er allen Grund, sich auf seine Erfolge etwas einzubilden: Der charismatische Gründer der Laienbewegung Sant’Egidio hat nicht nur eine weltweite Laienbewegung, sondern auch ein globales Netzwerk der Friedensarbeit aufgebaut. Dafür stand der Familienvater sogar schon auf der Kandidatenliste für den Friedensnobelpreis. Während eines Deutschland-Besuches stellte er sich den Fragen von kontinente.

„Samariter, die Diplomaten sind“: Gefällt Ihnen diese Beschreibung für Sant’Egidio?

Das ist eine sympathische Beschreibung, denn Samariter müssen gelegentlich auch Diplomaten sein, manchmal mutig, manchmal treu und geduldig. Samariter sein bedeutet, Christ zu sein.

Welche Art Spiritualität lebt Sant’Egidio: die franziskanische, die benediktinische, die dominikanische…?

Ich mag diese Klassifizierungen nicht. Die Gemeinschaft Sant’Egidio lebt im Zuhören auf das Wort Gottes. Die Liturgie ist ihr Herz. Wir sind eine geschwisterliche Gemeinschaft, die Freundschaft mit jedem, besonders mit den Armen lebt. Unsere Spiritualität ist biblisch-liturgisch, wir sind in der Geschichte und ihren Wunden verwurzelt...

 

Lebens.Art 05-2006

In dieser Serie stellt kontinente Christen vor, die das Evangelium reizt, außergewöhnliche Lebensformen zu erproben.

  Ein Ort der Hoffnung: An die Mitglieder 
		der ökumenischen Jesus-Bruderschaft Volkenroda, hier vor dem Christus-Pavillon, haben sich 
		die Menschen in der Umgebung längst gewöhnt.

Frei sein in Gemeinschaft

Anfangs hielten die Menschen im thüringischen Volkenroda sie für eine Sekte. Heute gehören die Mitglieder der Jesus-Bruderschaft zur Region dazu. Sie haben nicht nur das verfallene Kloster wieder aufgebaut, sondern auch Arbeitsplätze geschaffen.

Katholiken und Protestanten, Frauen und Männer aus Ost- und Westdeutschland, eine Klosterkirche von 1131 und der Christus-Pavillon von der Expo 2000 — im thüringischen Volkenroda ziehen sich Gegensätze an. Was herauskommt, ist eine höchst lebendige Gemeinschaft aus zölibatär lebenden Schwestern und Brüdern sowie einigen Familien, die zur ökumenischen Jesus-Bruderschaft gehören. „Hier kann jeder seine Gaben einbringen“, sagt Schwester Johanna Panzer, „auch im Alter.“ Die 64-Jährige genießt den Trubel auf dem Klostergelände und packt an, wo sie kann. „Auch die Menschen in der Nachbarschaft haben sich inzwischen an uns gewöhnt.“

Das war nicht immer so: „Viele im Dorf hielten uns anfänglich für eine Sekte“, erinnert sich Pfarrer Karl-Heinz Michel an die Jahre nach 1992, als die Jesus-Bruderschaft nach Volkenroda kam, um gemeinsam mit einigen Bewohnern des Dorfes das Gelände vor dem völligen Zerfall zu retten. Vom ältesten Zisterzienser-Kloster Deutschlands stand nicht mehr als eine Ruine, die dazu gehörenden alten Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert waren in ähnlich desolatem Zustand...


 
 

Nachrichten 05-2006:

OSTTIMOR

Abwarten unter einer Plane

Nach der bitter erkämpften Unabhängigkeit im Jahr 2002 erlebt Osttimor erneut eine schwere Krise. Nun soll die katholische Kirche eine tragende Rolle beim Neuanfang im jüngsten Staat der Welt spielen.

Es herrscht gespannte Ruhe. Der jüngste Staat der Welt hat zwar mit Nobelpreisträger José Ramos-Horta, 56, einen hoffnungsvollen neuen Regierungschef. Auch die Gewalt und die Brandstiftungen im Land sind abgeebbt. Trotzdem trauen sich die meisten der 150000 Menschen, die während der blutigen Unruhen im Mai in die Berge oder in den Schutz der Kirche geflohen waren, noch nicht zurück in ihre Dörfer. Allein auf dem Gelände des Salesianer-Klosters „Don Bosco“ am Rand der Hauptstadt Dili leben 13000 Flüchtlinge. „Wir rechnen damit, dass die Menschen noch Monate, vielleicht sogar ein Jahr hier bleiben“, befürchtet Pater Adriano. „Viele Zivilisten tragen immer noch Gewehre“, sagt Maria, die seit April mit ihrer siebenköpfigen Familie auf dem Sportplatz der Salesianer unter einer Plane kampiert.

Die blutige Krise in Osttimor war im März durch die Entlassung von rund 600 Soldaten, knapp die Hälfte der gesamten nationalen Streitkräfte, ausgelöst worden. Anschließende Proteste in der Hauptstadt waren daraufhin eskaliert, 21 Menschen wurden getötet. Ministerpräsident Ramos-Horta hat eine enge Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche des Landes angekündigt. Alberto Ricardo da Silva, Bischof von Dili, begrüßt das: „Die Kirche unterstützt die Anstrengungen der neuen Regierung voll und ist bereit, zusammen mit ihr das Land aufzubauen“, sagte er. 95 Prozent der Osttimoresen sind katholisch.  (vb)

 

KAMBODSCHA

Spätes Gericht

Dem Terrorregime von Pol Pot fielen zwei Millionen Menschen zum Opfer. Nach 30 Jahren sollen die Mörder endlich vor Gericht.

Jahrelang war das Tribunal gegen die letzten noch lebenden Verantwortlichen der Roten Khmer fintenreich hinausgezögert worden. Die Regierung Kambodschas fürchtet, dass es mehr zu Tage fördert als der Machtelite lieb ist. Ohnehin ist nur noch eine Handvoll jener Schlächter übrig, die das Tribunal innerhalb der nächsten drei Jahre für den Völkermord zur Rechenschaft ziehen soll. Und die sind fast alle 80 Jahre alt und würden ihre Verurteilung gar nicht mehr erleben, fürchten Beobachter. Ein herber Rückschlag für das Tribunal aus kambodschanischen und internationalen Richtern und Staatsanwälten ist zudem der Tod von Ta Mok im Juli. Der letzte Führer der Roten Khmer nahm viele wichtige Informationen mit ins Grab. Ta Mok, genannt „der Schlächter“, brach für seine Karriere in der berüchtigten Rebellenarmee 1964 seine Priesterausbildung ab. Später leitete er die „Säuberungsaktionen“ während des blutigen Regimes von Pol Pot.  (vb)

 

INDIEN

Gefangen im Kastendenken

Menschen aus niedrigen Kasten sollen leichter studieren können. Dagegen gehen höherkastige Studenten auf die Barrikaden.

Sie traten in den Hungerstreik und drohten mit kollektivem Selbstmord. So sehr geht angehenden Akademikern aus der vornehmen Kaste der „Brahmanen“ die so genannte „Quotenregelung“ gegen den Strich.

Mit ihren Aktionen wollen sie die Regierung in Delhi davon abbringen, fast die Hälfte aller Studienplätze für Mitglieder benachteiligter Kasten zu reservieren. Dabei setzt die Regierung konsequent um, was 1947 in der indischen Verfassung festgeschrieben wurde: nämlich 22,5 Prozent der Stellen und Ausbildungsplätze den „Unberührbaren“ und Ureinwohnern vorzubehalten. Davon waren Universitäten und Technische Hochschulen bislang ausgenommen.   (vb)

 

STATISTIK

Weiblich, schwarz, charismatisch

In Afrika hat sich die Zahl der Katholiken innerhalb von knapp drei Jahrzehnten verdreifacht. In Europa herrscht Kirchenmüdigkeit.

Als „rasantes Wachstum“ der Katholiken in der ganzen Welt bezeichnen die Statistiker des Heiligen Stuhls die Entwicklung der Kirche in Daten und Zahlen seit 1978. In 26 Jahren – die jüngsten Zahlen betreffen das Jahr 2004 – ist der Katholikenanteil von 757 Millionen auf 1,09 Milliarden gestiegen. Diese Zahlen seien weniger „aufregend“, wenn man sie im Licht der Entwicklung der Weltbevölkerung betrachtet. Danach gebe es einen „leichten Rückgang“ des Katholikenanteils an der Weltbevölkerung von 17,99 auf 17,19 Prozent. Am kräftigsten wächst die Kirche in Afrika. Dort hat sich die Katholikenzahl verdreifacht. Wagt man einen Blick in die Zukunft, wie der amerikanische Religionsforscher Philip Jenkins, dann hat der Christ von morgen folgendes Profil: Es wird eine Afrikanerin aus den Slums sein, die einer charismatischen Bewegung angehört.   (ZENIT/vb)

 

DIALOG

Eingeschränkt

Die Missionierung von Moslems steht in Algerien seit August unter Strafe. Das verändert die Lage der Christen im Land.

Wer versucht, einen Moslem vom Glauben abzubringen, muss fünf Jahre ins Gefängnis und Geldbußen von bis zu 10000 Euro zahlen, so sieht es die Verordnung in dem nordafrikanischen Land vor. Der katholische Bischof von Algier, Henri Teissier, nannte die Einführung solcher Strafen „bedauerlich“. Dadurch werde ein Eindruck vermittelt, der der tatsächlichen Lage im Land nicht entspreche: In der Praxis herrsche in Algerien eine Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die deutlich über dem Niveau in anderen arabisch- muslimischen Staaten liege. Nicht zuletzt wegen der vielen Grauzonen, die die neue Verordnung eröffne, bedeute sie eine „Einschränkung der Aktivitäten für die Christen“, urteilt Afrikamissionar Hans Vöcking, Mitglied im Rat der Europäischen Bischofskonferenz. In Algerien gebe es zwar Kultfreiheit für die etwa 10000 Christen, von einer Religionsfreiheit im Sinne der Menschenrechte könne aber keine Rede sein.  (KNA/vb)

 

AUSSTELLUNG

Stammeskunst

Im Schatten des Eiffelturms ist ein neuer Kulturtempel eröffnet worden: In moderner Architektur präsentiert sich „primitive“ Kunst.

Mit dem neuen Museum hat sich Jacques Chirac ein Denkmal gesetzt, wie es bei französischen Staatspräsidenten so üblich ist. Gleichzeitig stellt der extravagante futuristische Bau im Herzen von Paris eine Hommage an die so genannte „primitive“ Kunst und ihre große Bedeutung für die europäische Moderne dar. Auf 36000 Quadratmetern will das „Musée du quai Branly“ kein Guckkasten für exotische Folklore sein, sondern eine Stätte der Begegnung und des ambitionierten Studiums dieser „ersten Kunst“. Masken aus Federn, Statuetten aus Holz und Elfenbein, Roben aus Fischhaut, Gottheiten aus Bronze und Stein: Neben 3500 Exponaten von Urvölkern aus Afrika, Asien, Ozeanien, Nord- und Südamerika beherbergt das Museum 9000 Musikinstrumente, umfangreiche Fotosammlungen und eine Bibliothek mit 180000 Bänden. Aber allein die Architektur des Museums ist einen Besuch wert. Nähere Infos: www.quaibranly.fr  (vb)

 

SENIORENEXPERTEN

Aktiv im Unruhestand

In der Entwicklungshilfe ist es egal, wie alt jemand ist. Hauptsache, er verfügt über Erfahrung und berufliches Fachwissen.

Lothar Röper, 68, ist schon seit vielen Jahren Rentner. Und ebenso lange im Einsatz für den „Senior Experten Service“ (SES). Zurzeit bereitet sich der rüstige Maschinenbautechniker auf eine Aufgabe in Afghanistan vor. Röper ist einer von 7000 Fachleuten, die beim SES registriert sind. Jeden Monat melden sich mehr als 100 weitere Senioren, die bereit sind, ihre berufliche Erfahrung und ihr Fachwissen ehrenamtlich an soziale Organisationen und kleine Firmen in Entwicklungsländern weiterzugeben. Der SES hat das Ziel, den Ausbildungsstand von Mitarbeitern in verschiedenen Branchen anzuheben und auf diese Weise Armut und Unterentwicklung zu bekämpfen. 2005 erreichte die Organisation, die 1983 mit Unterstützung der deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung gegründet wurde, ein Rekordergebnis: Seniorenexperten leisteten in 89 Ländern 1477 Einsätze. Weitere Infos unter: www.ses-bonn.de  (vb)

 

ALTERNATIVE ENERGIE

Kraft aus der Nuss

Sie wachsen auf Samoa im Überfluss und sollen helfen, schon bald die Energieprobleme in dem kleinen Inselstaat zu lösen: Kokosnüsse.

Die Idee, das Öl aus der Palmfrucht als Kraftstoff zu nutzen, ist alt, weiß Muaausa Joseph Walter. Doch der Generaldirektor des samoanischen Stromversorgers „Electric Power Corporation“ erkannte erst vor zwei Jahren, dass die Lösung für Samoas Energieprobleme buchstäblich auf der Straße lag. Kokosnüsse wachsen dort in solchen Mengen, dass man sie bislang einfach verrotten ließ. Aus ihrem Öl lässt sich jedoch leicht ein tauglicher Treibstoff für Stromgeneratoren herstellen: Es reicht, dem Kokosöl 15 Prozent Kerosin beizumischen. Das haben schon die Filipinos im Zweiten Weltkrieg getan: Als der Sprit knapp wurde, mischten sie Kokosöl in den Diesel für Lastwagen und Generatoren. Dank der Kraft aus der Nuss kann Samoa einen Großteil seiner Spritimporte einsparen. Das Land, das über keine fossilen Brennstoffe verfügt, nähert sich damit vor allem seinem ehrgeizigen Ziel: völlige Energieautonomie innerhalb weniger Jahre.  (vb)

 

Menschen 05-2006

MENSCHEN

JENNI WILLIAM

Afrikanischer Wirbelwind

Sie wurde in zwei Jahren 15 Mal verhaftet. Das hält die Gründerin der Menschenrechtsorganisation WOZA in Simbabwe aber nicht auf.

Jenni Williams, 43, Mutter von drei Kindern, geht weiterhin auf die Straße. Mit Rosen, Gesängen, Tänzen und Gebeten demonstriert die Simbabwerin gegen unterdrückerische Gesetze, gegen die Verletzung von Menschenrechten und die katastrophale soziale und wirtschaftliche Lage in ihrem Land. „Unser einziges Mittel für eine Veränderung ist der friedliche Protest“, sagt Williams. Mit den 20000 Frauen, die sie mobilisiert hat, ist WOZA inzwischen die größte gesellschaftliche Bewegung in Simbabwe. WOZA steht für „Women of Zimbabwe, arise!“: Frauen von Simbabwe, steht auf! Aber WOZA heißt auch Wind. Williams: „Wir wollen, dass ein heilender Wind durch unser Land zieht!    (vb)

 

PAUL UND GOTTFRIED BÖHM

Architekten der Toleranz

Sie haben unzählige christliche Kirchen in Deutschland entworfen. Jetzt bauen Böhm und Böhm in Köln ihre erste Moschee.

Eine Kuppel und zwei klassische Minarette in moderner Architektursprache: Unter 32 Mitbewerbern entschied sich der Bauherr der Zentralmoschee in Köln, die Türkisch-islamische Union (Ditib), für den Entwurf eines christlichen Architektenpaares. Für Vater und Sohn ist die Moschee eine Premiere. Seit Kriegsende hatten sich die Böhms durch unzählige Kirchbauten in Deutschland einen Namen gemacht. Mit ihrem neuesten Projekt wollen sie den Muslimen ein „würdiges Haus“ bauen, das sie aus „vergammelten Hinterhöfen herausholt“. Das nehme ihnen „aus unserer Sicht als Christen das Dubiose, Mysteriöse und Unheimliche“, sagt Paul Böhm, 47. „Ich bin katholisch, andere sind muslimisch. Es ist wichtig, dass auch sie ihre Religion mit einem gewissen Stolz und mit Seriösität leben können.“ Die Kölner Moschee sei als „Einladung zur Kommunikation“ zwischen Muslimen, Christen und Juden gestaltet.    (KNA/vb)

  Freiheitlich: Kardinal Ivan Dias, 70, 
		nennt Konversion Privatsache.

KARDINAL IVAN DIAS

Roter Papst

Kaum in Amt und Würden hat der neue „Missionsminister“ im Vatikaan eine Lanze für den freien Glaubenswechsel gebrochen.

In Rom wird der 70-Jährige „papa rosso“, roter Papst, genannt. Nicht wegen seiner linken Gesinnung, sondern weil er Purpurträger und zugleich Präfekt der mächtigen Kongregation für die Evangelisierung der Völker ist. Im Streit um geplante Religionsgesetze in seiner Heimat hat der bisherige Erzbischof von Mumbai Papst Benedikt unterstützt und die Missionsarbeit der Kirche verteidigt. Der Übertritt von einer Religion zu einer anderen sei eine ausschließlich persönliche Angelegenheit zwischen Gott und der betreffenden Person, betonte er. In einigen indischen Bundesstaaten will die Regierung Konversionen künftig mit Haftstrafen belegen.    (vb)