Magazin > Heft 02-2006

Reportage 02-2006:

Der Todeszug.

Der Todeszug

Keine Woche vergeht ohne Tote. In Manila leben 70 000 Menschen an einer gefährlichen Eisenbahnstrecke. Jetzt sollen sie von dort verschwinden. Der Staat hat begonnen, die Strecke zu modernisieren.

Text: Veronika Buter
Fotos: Hartmut Schwarzbach

 

Trinidad lässt alles stehen und liegen. In letzter Sekunde verschwindet die 61-Jährige rückwärts durch eine Luke in ihre Hütte. Gerade hat sie die Plastikschüssel mit Wäsche zu sich hereingezogen, da donnert der tonnenschwere Stahlkoloss auch schon an ihr vorbei. Mit 1500 PS und einem ohrenbetäubenden Signalton. Der Fahrtwind vertreibt für Sekunden den Gestank nach Fisch, Unrat und Abwasser. Zwischen dem Zug und Trinidads Verschlag aus Pappe, Brettern und Wellblech bleibt keine Handbreit Platz.
Es ist 9.40 Uhr. Zum dritten Mal an diesem Morgen zwingt der „Manila-Express“ die Bewohner an der Gleistraße stillzustehen. Sekunden später geht das Leben weiter, als wäre nichts geschehen: Händler bauen ihre Fisch- und Gemüsestände auf der Bahntrasse wieder auf, Kinder hocken sich zusammen und spielen, Männer stehen in Grüppchen, rauchen und schwatzen. Auch Trinidad setzt sich mit ihrer Wäscheschüssel wieder auf die Schienen. Bis der nächste Zug kommt.

Die Gemüsefrau nutzt die 
		Verkehrspause auf den Gleisen, um Kohl für ihre Kundschaft zu hacken.

Im Stundenrhythmus quält sich der alte Pendler der „Philippine National Railways“ durch die Innenstadt Manilas. Täglich transportiert er 60 000 Menschen quer durch die chronisch verstopfte Metropole. Die Strecke zwischen den Stationen Alabang und Tayuman ist nur 28 Kilometer lang. Dafür braucht der Manila-Express eineinhalb Stunden. An manchen Stellen fährt er nur Schritttempo...

 

 

 

 

Interview 02-2006

Die deutsche Stimme des Papstes: Seit 24 Jahren leitet 
		Jesuitenpater Eberhard von Gemmingen die deutschsprachige Abteilung von Radio Vatikan.

„Der Vatikan ist mysteriös“

Radio Vatikan nennt er einen Geheimsender und den Vatikan mysteriös. Mit seiner unorthodoxen Art, große Ereignisse in der Weltkirche zu schildern, ist der Jesuitenpater und Journalist Eberhard von Gemmingen zu einem beliebten Kommentator in den Medien geworden.

„Darauf hatte ich sofort Lust, weil ich wusste, das ist weltweit, das ist Weltkirche!“ Geradezu überschwänglich reagiert er auf die Frage, was ihn vor 24 Jahren bewogen habe, die Leitung der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan zu übernehmen: Seit 1982 ist Pater Eberhard von Gemmingen, 69, die deutsche Stimme des Papstes.
Papstwechsel und Weltjugendtag haben den Jesuiten auch bei Fernsehzuschauern populär gemacht. Mit seiner wenig pastoralen Art, kirchliche Ereignisse zu kommentieren, ist er zu einem gefragten Gesprächspartner in den Medien geworden. Seine Schilderungen verstehen auch Zuschauer und -hörer, denen katholische Rituale nicht vertraut sind.
Journalist und Priester sollte der in Baden geborene Schwabe, wie er sich selbst nennt, gar nicht werden: Nach dem frühen Tod seines Vaters wartete der elterliche Hof auf den einzigen Sohn unter sechs Kindern. Er aber trat in den Jesuitenorden ein, lernte von Mitbruder Pater Leppich, wie man „Werte aus der Kirche in die Öffentlichkeit trägt“ und wurde 1980 kirchlicher Beauftragter beim ZDF. Dort ereilte ihn der Ruf aus Rom. Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag denkt er über eine Rückkehr nach Deutschland nach.

Pater von Gemmingen, ist Radio Vatikan das Sprachrohr des Papstes?

Ein Sprachrohr ist eine Maschine. Wir Redakteure sind aber keine Maschinen, sondern ausgebildete, katholische, denkfähige Menschen. Wir haben uns für dieses Medium frei entschieden, um die Stimme des Papstes zu verstärken.

Wer hört Radio Vatikan?

Ich nenne uns einen Geheimsender, um deutlich zu machen, dass es gar nicht so einfach ist, Radio Vatikan zu empfangen. Man kann uns im Internet, auf Mittel- und Kurzwelle oder über Satellit hören. Etwa ein Prozent aller Katholiken hört Radio Vatikan. Das sind täglich rund 300000 Menschen im deutschsprachigen Raum. Wir senden weltweit in mehr als 40 Sprachen. Jede Sprache hat nur eine halbe Stunde Sendezeit. Wer uns hört, will uns hören...

 

Lebens.Art 02-2006

In dieser Serie stellt kontinente Christen vor, die das Evangelium reizt, außergewöhnliche Lebensformen zu erproben.

  Normal und doch anders: Frater Edward, Pater Manus und Schwester Simone in der Küche ihrer Wohngemeinschaft in Rheinbach.

Getrennt und doch gemischt

Männer und Frauen leben zusammen — was anderswo Alltag ist, ist im Kloster eigentlich nicht vorgesehen. In Rheinbach bei Bonn probieren eine Ordensschwester und zwei Ordensmänner es trotzdem aus. Und finden ihre gemischte Gemeinschaft ganz normal.

Natürlich gab es Vorbehalte — wie meistens, wenn etwas Neues entsteht.
„Ob das gut geht, Männer und Frauen ungetrennt in einer Gemeinschaft?“, fragten sich einige Pallottiner-Patres, als innerhalb ihres Hauses in Rheinbach im ehemaligen Schwesterntrakt eine Art gemischte Kloster-Wohngemeinschaft gegründet wurde. Und vor allem: „Beten die denn überhaupt noch?“
„Als die Patres sahen, dass wir einen Meditationsraum bei uns haben und da ein Plan hängt, wer welche Gebetszeit vorbereitet, waren die meisten beruhigt“, sagt die Pallottinerin Schwester Simone Hachen. Die 35-jährige Sozialpädagogin wohnt seit Herbst vergangenen Jahres mit den Pallottinern Pater Martin Manus, 41, und Frater Edward Fröhling, 30, zusammen auf einem Flur mit Wohnzimmer, Küche und Gebetsraum.
Die Idee, die dahinter steht, ist der Wunsch, den Alltag gemeinsam zu leben. Dazu gehören natürlich die gemeinsamen Gebetszeiten und Eucharistiefeiern. Aber auch gemeinsame Ausflüge — und die Arbeit...

 

 

Atem.Pause 02-2006

Alter Chinese auf Bank sitzend, daneben steht ein kleines Mädchen.

 
Was ein Alter im Sitzen sieht,
kann ein Junger nicht einmal im Stehen erblicken.

Nigerianisches Sprichwort

 

 

Nachrichten 02-2006:

MEDIZIN

Heiler und Helfer

Der afrikanische Regenwald ist eine medizinische Schatzgrube. Dafür interessieren sich auch deutsche Wissenschaftler.

Afrikanische Heiler gehen nicht in eine Apotheke, wenn sie Medikamente für ihre Patienten benötigen. Sie gehen in den Wald. Dort finden sie hoch wirksame Heilkräuter gegen Malaria, Abszesse oder Magenkrämpfe. Doch viele Pflanzenarten sind bedroht. Im Rahmen des Programms „Biodiversität und Global Change“ (Biolog) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung helfen deutsche Wissenschaftler, den wertvollen Bestand zu sichern und zu erforschen. Sie arbeiten dabei Hand in Hand mit Heilern aus Benin und Kongo. Die ersten Medizinalpflanzengärten sind angelegt, die Heiler wurden in einer Organisation vereinigt. So können sie sich austauschen und ihr Wissen dokumentieren. Das ist nicht nur für die Einheimischen wichtig. Auch die westliche Pharmaindustrie hofft zu profitieren. vb

 

KINDERPROSTITUTION

Beschneidung senkt HIV-Risiko

Kinderschutzorganisationen schlagen Alarm: Seit dem Tsunami registrieren sie eine Sextouristenschwemme auf den Philippinen.

„Es gibt ganz klar einen Zusammenhang mit der verheerenden Flutwelle“, sagt Maria Remedio Olivares von der Kinderschutzorganisation Ecpat. „Uns macht vor allem Sorge, dass auch mehr Pädophile kommen.“ Nachdem der Tsunami die Strandregionen der asiatischen Nachbarländer zerstörte, strömen die Touristen verstärkt in das Tropenparadies. Darunter viele Sextouristen. Ihre Opfer sind häufig nicht einmal im Teenageralter. Ihre Eltern verkaufen sie aus wirtschaftlicher Not an weibliche Zuhälterinnen oder direkt an die Fremden. Weil Kinderschänder auf den Philippinen kaum etwas zu befürchten haben, blüht das Geschäft. Der Kolumbanerpater Shay Cullen und die Redemptoristin Nida Viovicente kümmern sich um die missbrauchten Kinder. Cullen gründete die Preda-Stiftung, in der geschändete Kinder eine Therapie bekommen. Schwester Nida leitet ein Heim in Manila, das ebenso wie Preda von missio unterstützt wird. vb

 

FAIRER HANDEL

Sauberer Luxus

Die moderne Gewinnung von Gold und Edelsteinen ist eine Katastrophe für Mensch und Umwelt. Das muss nicht so sein.

Wertvoller Schmuck hat eine hässliche Seite: Wer ihn kauft, muss damit rechnen, zu Kinderarbeit, sklavengleichen Arbeitsbedingungen, ja sogar zu kriegerischen Auseinandersetzungen oder zur Vergiftung der Umwelt beizutragen. Die Firma „Fair Trade in Gems and Jewelry“ setzt sich dagegen für den fairen Handel mit Edelmetallen und Edelsteinen ein. Die Gruppe von Bergingenieuren, Geologen, Edelsteinkundlern und Goldschmieden mit Sitz im nordrheinwestfälischen Greven verkauft Gold, Silber und Edelsteine an mehr als 30 Goldschmiede in der Bundesrepublik. Die Firma kauft ihre Steine direkt bei kleinen Bergbaukooperativen in Afrika und lässt sie bei zertifizierten Schleifern in Indien weiter verarbeiten. Gold und Silber kommen aus kleinen Betrieben in Südamerika, die beim Abbau kein giftiges Zyanid oder Quecksilber verwenden, versichert Geschäftsführer Thomas Siepelmeyer. Kinderarbeit sei für „Fair Trade in Gems and Jewelry“ tabu, die Diamanten stammten nicht aus Konfliktgebieten, wo Kriegsparteien sie oft zur Finanzierung von Waffen handelten.
Welche Goldschmiede fair gehandelte Rohstoffe verwenden, erfahren Sie unter: 02575/8336 oder www.faire-edelsteine.de. Dort wird auch „sauberer“ Schmuck angeboten. vb

 

JEMEN

Tiefe Brunnen

Auf allen Kontinenten fallen die Grundwasserspiegel. Im Jemen bedroht diese Entwicklung den inneren Frieden des Landes.

Eines der ärmsten Länder der Welt lebt über seine Verhältnisse: Im Jemen stammt etwa ein Drittel des landesweiten Wasserverbrauchs aus nicht erneuerbaren Quellen. Die Folgen sind fatal: Über Jahrtausende lebten die Menschen im Jemen von regengespeister Landwirtschaft, unzählige einfache Brunnen zierten die Städte. Die seit den 60er-Jahren eingesetzten treibstoffgetriebenen Pumpen haben jedoch den Grundwasserspiegel von 30 auf fast 1000 Meter gesenkt. Die Anbauflächen in der Landwirtschaft sind durch die Pumpen um das Zehnfache gewachsen. Die Wasserknappheit treibt die Benzinpreise in die Höhe und zwingt erste Bauern zur Aufgabe. Beim Kampf um neue Brunnen gehen die Anwohner immer wieder mit Kalaschnikows aufeinander los. Zur Entschärfung der Situation will die Regierung neue Grundwasservorkommen in der Wüste erschließen lassen. fjs

 

OSTTIMOR

Keine Versöhnung ohne Bestrafung

Die unvollständige Veröffentlichung des Berichts der nationalen Wahrheitskommission Osttimors stößt international auf Kritik.

Indonesische Sicherheitskräfte sollen während der Besatzung von Osttimor für den Tod von 180 000 Menschen verantwortlich sein. Das geht aus dem nur teilweise bekannt gewordenen Bericht der Kommission zur Aufarbeitung, Wahrheitsfindung und Versöhnung hervor, den Osttimors Präsident Xanana Gusmao den Vereinten Nationen in New York übergeben hat. Demnach kamen zwischen 1975 und 1999 mindestens 102 800 Menschen ums Leben, oder sie verschwanden spurlos. Mindestens 84 200 weitere erlagen Krankheiten in Folge des Konflikts.
Die katholische Kirche und mehrere Menschenrechtsorganisationen fordern die vollständige Veröffentlichung des Berichts. Nur durch sie sei gewährleistet, dass die aufgelisteten Menschenrechtsverletzungen ernst genommen werden und Osttimor wie die internationale Gemeinschaft dem Recht der Opfer auf Gerechtigkeit und Versöhnung nachkommen könnten. Jede Versöhnung ohne Bestrafung der Verantwortlichen werde scheitern. fjs

 

TÜRKEI

Rückkehrträume

Syrisch-orthodoxe Christen aus Europa wagen die Rückkehr in die Südosttürkei. Dabe stoßen sie auf einige Hindernisse.

Die ersten Familien der in den 80er-Jahren zu tausenden aus der Südosttürkei geflohenen Assyrer sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Weil sie nicht zwischen die Fronten im Kurdenkrieg geraten wollten, fanden sie sich meist in Schweden oder Deutschland wieder. Ihr neuer Anlauf in der Türkei gestaltet sich nicht leicht.
In den Dörfern Enhil und Kafro am Tur Abdin, dem „Berg der Knechte Gottes“, leben wieder christliche Familien. Andere pendeln: Sie sind im Sommer dort und im Winter in Europa. Aber die türkischen Behörden unterstützen die syrisch-orthodoxen Christen kaum. Von der Infrastruktur, die ihnen versprochen wurde, gibt es bislang nur den Stromanschluss. Zudem dürfen sie keine eigenen Schulen eröffnen. Die Erwartungen der Rückkehrer sind bescheiden geworden: Sie hoffen, durch ihre Anwesenheit wenigstens ihren Grundbesitz behalten zu können. fjs

 

BOLIVIEN

Der erste Präsident indigener Herkunft

Mit dem Sozialisten und ehemaligen Koka-Bauern Morales steht zum ersten Mal ein Indio an der Spitze eines lateinamerikanischen Staates.

Er werde das koloniale und neoliberale System ändern und Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle schaffen, kündigte der 42-jährige Evo Morales bei Antritt seines Präsidentenamtes an. Außerdem wolle er international beweisen, dass das bolivianische Volk mehr wert sei als seine zahlreichen Bodenschätze und Rohstoffe. Mit der katholischen Kirche des Landes verbindet Morales große Übereinstimmung in Einzelfragen. Beide halten die Zahlung der Auslandsschulden durch das ärmste Land Südamerikas für unmoralisch, beide stehen hinter den Forderungen der indigenen und sozial benachteiligten Bevölkerungsteile etwa bei der Landfrage oder der Frage der Privatisierung von Trinkwasser und Erdgas. Dennoch vermeidet die Kirche jede öffentliche Parteinahme für Morales, dessen scharfe antiamerikanische Haltung und Verbundenheit mit Kuba und Venezuela Bolivien international abzuschotten droht. fjs

 

BIRMA

Die Junta zieht um

Birmas Militärregierung hat ihren Sitz von Rangun nach Pyinmana verlegt. Die Gründe bleiben undurchsichtig.

Die Militärjunta in Birma hat bestätigt, worüber schon lange spekuliert wurde: Sie hat den Regierungssitz in den 350 Kilometer nördlich von Rangun gelegenen Urwaldort Pyinmana verlegt. Als Grund gab ein Regierungssprecher an, die Stadt sei durch ihre Lage besser geeignet, da sie leicht zu erreichen sei. Außerdem schütze sie die Regierung besser vor US-Angriffen.
Nach Darstellung von Exil-Birmanen wurden in Vorbereitung des Umzugs in Pyinmana die Universitäten der Stadt in andere Landesteile verlegt. Zu den mit dem Umzug verbundenen Bauprojekten gehörten eine Militärbasis, ein Krankenhaus, ein Golfplatz und ein unterirdisches Tunnelsystem.
Beobachter mutmaßen, dass die Regierung von Zentralbirma aus eine noch striktere Kontrolle über ethnische Minderheiten ausüben will. Nach anderen Berichten sind die Generäle mit dem Umzug lediglich dem Rat ihrer Astrologen gefolgt. fjs

 

CHRISTEN IN DER TÜRKEI

Minderheit am Bosporus

Schaubild zum Anteil von Christen an der Gesamtbevölkerung der Türkei

In der Türkei bekennen sich 99 Prozent der 72 Millionen Einwohner zum Islam. Christen sind zu einer klaren Minderheit geworden: Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist von 20 Prozent zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auf heute unter 0,2 Prozent gesunken.

 

 

 

 

 

Menschen 02-2006

Kreativ: Goshu im Atelier in Addis Abeba.

WORKU GOSHU

Künstlerisch schweigsam

Er zählt zu den populärsten zeitgenössischen Malern Äthiopiens: Worku Goshu verbindet Tradition und Moderne in seinen Werken.

Er ist sehr schweigsam, wenn es um seine Bilder geht. Er liebt es nicht, über sie zu sprechen. Der äthiopische Maler Worku Goshu, 65, dessen Werke schon mehrfach in Europa zu sehen waren, geht davon aus, dass sie ihre eigene Sprache sprechen. Er gestaltet traditionelle Themen in moderner Ausdrucksweise. Das gilt auch für sein Bild „Der Ruf“, das kontinente exklusiv seinen Lesern als Kunstdruck anbietet (siehe Rückseite). Der afrikanische Künstler hält Gotteserfahrungen in seinen Bildern fest. Und die sind nun einmal schwer in Worte zu fassen. fjs

Sie können den limitierten Kunstdruck „Der Ruf“ auch über unseren Leserservice bestellen.

 

IRENE FERNANDEZ

Unbeirrt kämpferisch

Die Malaysierin Irene Fernandez lässt sich von staatlicher Schikane nicht aufhalten: Die 59-Jährige kämpft für Menschenrechte.

Das längste Verfahren in der Geschichte Malaysias ist gegen Irene Fernandez geführt worden — über 300 Verhandlungstage hat es bislang gedauert. Und es ist noch nicht vorbei. Die 59-Jährige wurde 2003 wegen Verstoßes gegen das Publikationsgesetz zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Bis über die Berufung entschieden ist, bleibt sie gegen Kaution auf freiem Fuß.
1991 gründete die Mutter von drei Kindern die Organisation Tenaganita, die sich für die Rechte von Frauen und Arbeitsmigranten in Malaysia einsetzt. Für ihren „herausragenden und mutigen Einsatz zum Stopp von Gewalt gegen Frauen und den Missbrauch von Arbeitsmigranten und armen Arbeitern“ wurde Irene Fernandez im vergangenen Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
Nach Schätzungen des nationalen Gewerkschaftsverbandes leben in Malaysia über 2,5 Millionen Arbeiter aus dem Ausland illegal im Land, darunter viele Frauen. Werden diese von den Behörden aufgegriffen, bringt man sie in staatlichen Abschiebelagern unter.
Bereits 1995 berichtete Tenaganita über schwere Misshandlungen, sexuellen Missbrauch und Unterernährung in den Lagern. Noch im selben Jahr wurde Fernandez wegen „übler Nachrede“ angezeigt.
Einer möglichen Gefängnisstrafe sieht Fernandez kampfeslustig entgegen. Nach Aussagen von amnesty international kommentierte sie ihre drohende Haft mit den Worten: „Wenn sie mich ins Gefängnis stecken, gibt mir das Gelegenheit, die Haftbedingungen genauestens zu überprüfen und für Verbesserungen einzutreten.“ bly

 

Ellen Johnson-Sirleaf

Politisch vorbildlich

Ihre Vorfahren waren Sklaven aus Nordamerika und Deutsche. Jetzt ist sie die erste gewählte Präsidentin Liberias und Afrikas.

Sie hat versprochen, sich für die Aussöhnung in ihrem Land einzusetzen und Liberia wirtschaftlich wieder auf die Beine zu bringen: Ellen Johnson-Sirleaf, 67, gilt als Hoffnungsträgerin nach 14 Jahren Bürgerkrieg in Liberia. Eine Arbeitslosenquote von mehr als 80 Prozent, Korruption und bittere Armut prägen das Land. Die frühere Weltbank-Managerin hatte sich im Wahlkampf gegen zwanzig Männer durchgesetzt — auch gegen den ehemaligen Fußballstar George Weah. Johnson-Sirleaf ist nicht nur das erste demokratisch gewählte weibliche Staatsoberhaupt ihres Landes, sondern in ganz Afrika. Sie ist verwitwet, hat vier Söhne und sechs Enkelkinder. fjs