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Magazin > Aktuelles Heft > Wortwechsel
WAS MEINEN SIE?Kinderarbeit verbieten oder tolerieren?Früher war es für Entwicklungsorganisationen und Menschenrechtler selbstverständlich, die Abschaffung von Kinderarbeit zu fordern. Dass in vielen Ländern schon die Kleinsten viele Stunden täglich unter oft gefährlichen Bedingungen ackern müssen, galt als absolut intolerabel. Heute denken viele differenzierter und fordern, die schlimmsten Arbeitsbedingungen für Kinder zu verbessern und sich für soziale Standards wie Arbeitssicherheit und Schutz der Gesundheit sowie gerechten Lohn einzusetzen. Wichtig ist, die Situation eines Landes soweit zu verändern, dass die Kinder nur wenige Stunden am Tag ihre Familie unterstützen müssen — und daneben Zeit bleibt für die Schul- und Ausbildung und dafür, Kind zu sein und zu spielen. Hat Resignation diesen Meinungswechsel ausgelöst? Haben wir den Traum von einer gerechten Welt für alle aufgegeben? Das sicher nicht — aber Realismus hat längst Einzug gehalten in die Arbeit der verschiedenen Organisationen. Die meisten sind sich darüber klar, dass es den Menschen in vielen armen Ländern nie möglich sein wird, auf Kinderarbeit ganz zu verzichten. Selbst wenn eine Regierung guten Willens ist, das Leben der Bevölkerung zu verbessern und Kinderarbeit unnötig zu machen — in einigen Teilen der Welt wird dies dauerhaft unmöglich sein. Jedenfalls solange sich nicht grundlegend unsere gesamte Welt verändert. Ziel muss es deshalb tatsächlich sein, die Arbeits- und Lebensbedingungen soweit zu verbessern, dass das Risiko für die Kinder möglichst gering ist, dass sie nicht mehr für körperliche Schwerstarbeit eingesetzt werden, dass sie gerecht entlohnt werden und dass ihre Eltern begreifen, wie wichtig es ist, dass sie den Kindern Zeit für die Schule und die Regeneration geben — auch wenn deren Arbeitskraft in dieser Zeit fehlt. Hildegard Mathies Was meinen Sie dazu? Schreiben Sie uns:
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