VORSCHAU
SEPTEMBER — OKTOBER 2010
ÜBERSICHT
Reportage zum Weltmissionsmonat — Ungewollt, unterdrückt, weiblich: Frauen in Indien
Reportage Brasilien — Leben im Müll: Die Müllarbeiter von Brasilia und Taguantinga
Interview — Richard Baawobr
Hintergrund — Klostermedizin: Die Apotheke der Besitzlosen
REPORTAGE ZUM WELTMISSIONSMONAT
Ungewollt, unterdrückt, weiblich: Frauen in Indien
Text: Bettina Tiburzy
Fotos: Fritz Stark
Frauen sind in Indien Menschen zweiter Klasse. Als Kinder verheiratet, ihrem Mann untergeordnet,
im Dorf ohne Stimme haben sie kaum eine Chance auf Selbstbestimmung. Eine Schwester macht Frauen Mut —
und zeigt ihnen einen Weg zu einem Leben in Würde. „Nein, ich möchte nicht noch einmal heiraten“,
sagt Roxanna. Sie hockt auf dem dreckigen Boden und schaukelt ihre kleine Tochter in einer Wiege aus Draht
und Plastikbändern. Als sie vierzehn war, hat ihr Vater sie verheiratet. Die Ehe hielt nicht lang. „Ich
musste ihn verlassen“, sagt Roxanna. Was genau vorgefallen ist, darüber möchte die heute 18-Jährige
nicht sprechen. Roxanna Ali kommt aus Suwar, einem muslimischen Dorf im Nordosten Indiens. Dieser Teil Indiens
im Bundesstaat Uttar Pradesh gehört zu den ärmsten Regionen des Landes. Im Distrikt Rampur leben mehrheitlich
Muslime neben Hindus und einigen wenigen Christen. Die meisten gehören zu den Dalits, früher auch „Unberührbare“
genannt. „Mädchen und Frauen haben es hier besonders schwer“, sagt Schwester Namrata Joseph. „Das
Leben ist hier noch sehr traditionell. Männer dominieren alle Bereiche des Lebens. Die Frauen haben keine Rechte.
Sie dürfen ihre Meinung nicht offen aussprechen.“ Die 43-jährige Ordensfrau mit dem runden jugendlichen
Gesicht gehört zu den Schwestern der Franziskanerinnen. Vor zwei Jahren hat der Orden begonnen, sich hier für die
Entwicklung von Mädchen und Frauen zu engagieren — eine Mammutaufgabe, wie sich herausstellen sollte.
REPORTAGE BRASILIEN
Leben im Müll: Die Müllarbeiter von Brasilia und Taguantinga
Text: Sandra Weiss
Fotos: Florian Kopp
Ein Schwarm von Aasgeiern verdunkelt die aufgehende Sonne. Für die Menschen auf der Müllkippe von Brasilia beginnt
jetzt der härtere Teil der Arbeit. Mit der Sonne kommt die Hitze, mit der Hitze die aufdringlichen Schmeißfliegen. Der
saure Gestank verdoppelt sich unter der gnadenlosen Tropensonne.
„Estrutural“ heißt das Viertel, in dem 40 000 Menschen leben. Doch strukturiert ist hier gar nichts: der
Abfall war nicht vorgesehen im futuristischen Konzept
von der idealen Stadt, das Stararchitekt Oscar Niemeyer vor 50 Jahren in die Savanne Brasiliens setzte. Und auch nicht
die Menschen, für die der Abfall die letzte Hoffnung ist. Ganze Familien leben vom Müll der Wohlstandsgesellschaft.
Auch die von Alexandra. Von klein auf musste sie mit dem Handkarren losziehen. Weder sie noch ihre Geschwister gingen
zur Schule. Erst nach monatelanger Überzeugungsarbeit der Sozialarbeiter des von den Maristen geführten Jugendhauses
„Circuito Jovem“ durften die Kinder die Einrichtung besuchen. Doch dem Vater ist das Ganze gar nicht geheuer.
INTERVIEW MIT RICHARD BAAWOBR
Afrikamissionare wählen erstmals Afrikaner als Generaloberen
Foto: Romano Siciliani
„Die Zukunft der Weissen Väter ist schwarz“, scherzen europäische Afrikamissionare oder
auch Weisse Väter gerne im Hinblick auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen auf dem afrikanischen Kontinent
und in Europa. Erstmals hat das Generalkapitel in Rom nun einen Generaloberen aus Afrika gewählt: Pater Richard
Baawobr, 51, aus Ghana steht künftig an der Spitze der Weissen Väter. Baawobr war zuvor bereits als Generalassistent
tätig. kontinente befragt ihn zu seiner wichtigsten Aufgabe, zu den größten Herausforderungen für die Weissen
Väter und zu den Perspektiven dunkelhäutiger Missionare für Europa.
HINTERGRUND
Klostermedizin: Die Apotheke der Besitzlosen
Im Mittelalter besaßen Ordensleute erstaunliche medizinische Kenntnisse. Ihr Erfahrungsschatz im Umgang mit
Kräutern erlebt heute ein Renaissance. Ein Würzburger Forschungsteam überprüft die Rezepturen der Klostermedizin seit
einigen Jahren mit modernsten wissenschaftlichen Methoden. Auch in den Ländern der Dritten Welt experimentieren
Ordensleute mit den Heilkräften aus der Natur: Weil die Versorgung ihrer Patienten mit modernen Medikamenten zu teuer ist.
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