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HINTERGRUND

„Der gewaltfreie Weg ist eine Sackgasse“:

Die Ungeduld der tibetischen Jugend und der politische Autoritätsverlust des Dalai Lama

Ein Beitrag von Klemens Ludwig
 

Foto Romana/getty images

Der Aufstand der Tibeter gegen die chinesische Besetzung vom März 2008 hat das Bild vom friedlichen, duldsamen Volk erschüttert, das sich gegen Unterdrückung nur streng gewaltfrei zur Wehr setzt und keinen Hass oder andere negative Emotionen entwickelt, so wie es der Buddhismus mit dem „edlen achtgliedrigen Pfad“ lehrt.

Die radikale Gewaltfreiheit ist die Ethik des Dalai Lama, des geistlichen und weltlichen Oberhauptes der Tibeter. Viele, vor allem Jüngere, reagieren jedoch wie andere Angehörige unterdrückter Völker: Sie wehren sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Besatzer. So war es auch schon früher. Nach dem Einmarsch 1950 formierte sich zunächst im Osten die tibetische Guerillabewegung Chushi Gangdruk.

Insbesondere der Tibetische Jugendkongress (TYC) stellt die politische Autorität des Dalai Lama in Frage. Er wurde 1970 im Exil gegründet. Der langjährige Vorsitzende Tseten Norbu meint zum Mittleren Weg des Dalai Lama: „Wir sind die einzige Organisation, die ihrem ursprünglichen Ziel treu geblieben ist — das der völligen Unabhängigkeit. Meine Eltern sind aus Tibet geflohen, weil sie in ein freies Tibet zurückkehren wollten. Das ist unsere Verpflichtung. Wir sind nicht hierher gekommen wegen des Mittleren Weges oder des gewaltfreien Kampfes, sondern nur um die Unabhängigkeit zu erlangen.“
 

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